Matt gegen spiegelend: Macbook Pro von Apple im Praxiseinsatz

(http://www.zdnet.de/magazin/41502599/matt-gegen-spiegelend-macbook-pro-von-apple-im-praxiseinsatz.htm)

von Kai Schmerer, 11. September 2009

Ein mattes Display ließ sich bis vor kurzem nur für das größte Macbook Pro auswählen. Inzwischen gibt es die 45 Euro teure Option auch für die 15-Zoll-Geräte. Der ZDNet-Test zeigt, wie sich Matt- und Spiegel-Display in der Praxis verhalten.

Wer sich heute auf die Suche nach einem neuen Notebook begibt, wird schnell feststellen, dass sich bis auf den Unternehmensbereich das Angebot meist auf Geräte mit einem Spiegeldisplay beschränkt. Auf den ersten Blick liefern die mit Begriffen wie Glossy, CrystalShine, TrueLife, TrueBrite oder VibrantView bezeichneten Bildschirme brillantere Farben als ihre matten Pendants - das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn es sind auch matte Displays mit guter Farbwiedergabe erhältlich. VA- oder IPS-Panel bieten nicht nur eine sehr gute Farbdarstellung, sondern liefern auch einen hohen Kontrast und bieten eine gute Darstellungsqualität bei großen Blickwinkeln.

Allerdings sind VA- und IPS-Panel deutlich teurer als die für die meisten Notebooks verwendeten TN-Displays. Deren Nachteile wie schwacher Kontrast und matte Farbdarstellung umgehen die Hersteller damit, dass einfach eine Beschichtung, die vor Reflexionen schützt, weggelassen wird. Dadurch bieten die TN-Displays zwar eine gute Farbdarstellung und einen hohen Kontrast, sind anderseits jedoch anfällig für störende Reflexionen.

Viele Anwender berichten, dass man sich nach kurzer Zeit an die störenden Reflexionen gewöhnt. Allerdings warnen Ergonomie-Experten vor gesundheitlichen Risiken. "Das Auge versucht sich sowohl auf den Bildschirminhalt als auch auf das Reflexbild zu fokussieren. Durch die erhöhte Konzentration, die dadurch notwendig wird, können als Folge neben Ermüdung und Kopfschmerz auch noch Muskelverspannungen auftreten, die durch Köperzwangshaltungen versursacht werden", sagte Harald Siekmann vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, der die Reflexion von Bildschirmen im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Dortmund untersucht hat, gegenüber ORF.at[1]. Zudem weist eine TCO-Studie von Ende 2008 darauf hin, dass Spiegeldisplays nur in ganz bestimmten Situationen geringe Vorteile gegenüber matten Bildschirmen bieten. Die Forscher empfehlen für den Einsatz am Arbeitsplatz daher, Displays mit matter Oberfläche zu verwenden. Die Queensland University of Technology rät ihren Studenten und Mitarbeiter, die mit spiegelnden Displays arbeiten, auf besondere Vorsichtsmaßnahmen zu achten[2].

Inzwischen regt sich auch unter den Anwendern Protest gegen das einseitige Angebot. Tausende von kritischen Apple-Usern haben eine Online-Petition unterzeichnet und Apple darin aufgefordert, eine matte Display-Option für die 13- und 15-Zoll-Geräte anzubieten. Apple hat inzwischen reagiert und liefert neben dem 17-Zoll-Macbook-Pro, das schon länger auch mit matter Oberfläche erhältlich ist, ebenfalls die 15-Zoll-Geräte bei Bedarf mit mattem Display aus[3]. ZDNet.de hat die Unterschiede zwischen Matt- und Spiegeldisplay anhand zweier 17-Zoll-Macbook-Pros untersucht.

Das Video zeigt die beiden Apple-Notebooks mit matter und spiegelnder Oberfläche in unterschiedlichen Umgebungen. Im Büro mit einer Wand im Hintergrund treten störende Reflexionen nicht so stark auf. Sobald sich jedoch im Rücken des Anwenders eine Lichtquelle befindet, werden die Nachteile einer spiegelnden Displayoberfläche deutlich sichtbar. Auch im Outdoor-Bereich ist das Macbook Pro mit matter Oberfläche besser geeignet. Sowohl im Schatten als auch bei direkter Sonneneinstrahlung zeigt das matte Display die bessere Darstellungsqualität.

Zusätzliche Eindrücke über die Darstellungsqualität von mattem und spiegelnden Display zeigen die Bilder von unterschiedlichen Standorten. Da Apple für das Macbook pro mit matter Displayoberfläche das gleiche TN-Panel wie im Glossy-Modell - aber dafür mit zusätzlicher Beschichtung - verwendet, muss man bei der Qualität der Farbdarstellung leichte Abstriche in Kauf nehmen. Um eine farbenprächtige Darstellung mit matter Displayoberfläche zu erreichen, müssten teurere Paneltypen wie VA oder IPS verwendet werden.

Bildergalerie

Macbook Pro mit matter und spiegelnder Displayoberfläche[4]

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Die zahlreichen Bilder und das Video zeigen deutlich die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Displaytypen. Mit matter Oberfläche sind Reflexionen so gut wie nicht wahrnehmbar. Diese treten je nach Umgebung beim Macbook Pro mit Glossy-Display unterschiedlich stark auf. In abgedunkelten Räumen und günstiger Position sind diese noch halbwegs verträglich.

Unzumutbar werden die Spiegelungen allerdings im Außenbereich und in hellen Büros, wo sich die Lichtquelle im Rücken des Anwenders befindet. Dafür stellt das Notebook mit Spiegeldisplay Bilder etwas brillanter dar. Insgesamt dürften die meisten Anwender jedoch mit dem Modell mit matter Bildschirmoberfläche besser bedient sein.

Es ist erfreulich, dass die 15- und 17-Zoll-Macbook-Pros auch mit matter Display-Option bestellt werden können. Noch schöner wäre es, wenn sich Apple dazu durchringen könnte, auch die 13-Zoll-Geräte optional mit mattem Display anzubieten.

Andere Notebook-Hersteller sollten diesem Beispiel folgen und das Angebot von Notebooks mit matter Oberfläche nicht nur auf den Business-Bereich begrenzen. Für eine verbesserte Farbdarstellung mit mattem Display sollten die Hersteller zudem Geräte mit hochwertigeren Panels mit VA- oder IPS-Technik anbieten. Die Zielgruppe für diese Notebooks dürfte zwar nur sehr klein sein, doch kann man mit solchen Geräten sein Image sehr leicht aufpolieren und sich somit vom Mitbewerb absetzen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://futurezone.orf.at/stories/1617176/?page=2
[2] = http://www.hrd.qut.edu.au/healthsafety/worksafely/highGloss.jsp
[3] = http://store.apple.com/de/configure/MC118D/A?mco=Nzk3NTY4OQ
[4] = http://www.zdnet.de/galerie/41502619/macbook-pro-mit-matter-und-spiegelnder-displayoberflaeche.htm#sid=41502599