Neues Apple-Betriebssystem: Snow Leopard im Test

(http://www.zdnet.de/magazin/41501921/neues-apple-betriebssystem-snow-leopard-im-test.htm)

von Kai Schmerer, 28. August 2009

Mit Dock Exposé enthält Snow Leopard eine neue Fensterverwaltung. Schlanker und schneller ist das neue Mac OS auch geworden und unterstützt 64 Bit ohne Kompatibilitätsprobleme. Was es sonst noch bietet, zeigt der ZDNet-Test.

Mit 29 Euro ist das neue Mac OS X 10.6 Snow Leopard[1] recht günstig. Doch dieser Preis gilt nur für Anwender, die bereits einen Mac mit OS X 10.5 verwenden. Tiger-User (Mac OS X 10.4) bezahlen für das neue Betriebssystem 169 Euro, erhalten dafür aber jedoch zusätzlich das Multimedia-Paket iLife '09 und die Office-Suite iWork '09. Kunden, die nach dem 8. Juni einen Mac gekauft haben, bekommen Snow Leopard für 8.95 Euro[2].

Das neue Apple-Betriebssystem läuft nicht mehr auf Macs mit Power-PC-Prozessoren. Durch die Fokussierung auf die Intel-Plattform benötigt Snow Leopard deutlich weniger Festplattenplatz. Bisher enthielten sämtliche Programme des Betriebssystems Code für Intel und Power-PC-Chips (Universal). Letzterer fehlt in Snow Leopard, wodurch das Betriebssystem sich mit der Hälfte des Platzes begnügt den Leopard beansprucht. Als minimale Voraussetzung nennt Apple 5 GByte freien Speicherplatz und einen ein Gigabyte großen Arbeitsspeicher.


Nach der frischen Installation von Snow Leopard fallen zunächst zwei Besonderheiten auf. "Wo sind meine Laufwerke" werden die meisten Anwender beim Blick auf den Desktop fragen. Diese werden standardmäßig nicht mehr vom Finder eingeblendet. Über die Finder-Einstellungen lässt sich die gewohnte Ansicht allerdings wiederherstellen.

Bisher waren im Dock lediglich Dokumente und Downloads als Stapel abgelegt. In Snow Leopard erscheinen Programme nun standardmäßig ebenfalls als Stapel. Zudem sind Stapel in Snow Leopard navigierbar. Während der Inhalt eines im Stapel geöffneten Ordners unter Leopard im Finder angezeigt wird, erscheint der Inhalt nun im Stapel. Zudem ist die Größe von Stapeln begrenzt (9 Spalten, 6 Zeilen). Befinden sich dort mehr Dateien als sie in der größten Ansicht angezeigt werden können, erscheint am Rand der rechten Stapelseite ein Scrollbalken zum Blättern.

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Aufmerksamen Anwendern wird auffallen, dass die Dateigrößenangaben des Finders zwischen Leopard und Snow Leopard unterschiedlich sind. Während unter Mac OS X 10.5 die Test-Videodatei mit einer Größe von 444 MByte angezeigt wird, zeigt 10.6 dieselbe Datei mit einer Größe von 465,5 MByte an. Bisher galt, dass 1024 Bytes ein Kilobyte ergeben. Snow Leopard berechnet bereits 1000 Bytes als ein Megabyte. Die neue Berechnung hat den Vorteil, dass bei der Größenangabe einer Datei zwischen Bytes und Megabytes nun keine Abweichung mehr besteht: 465,524,736 Bytes ergeben 465,5 MByte, während unter Leopard 465,524,736 Bytes mit 444 MByte angegeben sind. Übrigens: Windows berechnet für die gleiche Datei eine Größe von 443 MByte, wodurch ein Rundungsfehler offensichtlich wird (465,524,736/1024/1024=443,958).

Der Finder bietet eine neue Vorschaufunktion. Ohne dass Quicklook aktiviert wird, lässt sich in der Symboldarstellung der Inhalt von Dateien betrachten. In der Symbolansicht erscheint in der unteren rechten Ecke des Finders ein Slider, womit man die Größe der Symbole mit einer Stufe von 4 Pixeln bis zu 512 mal 512 Pixeln vergrößern kann. Ab einer Größe von 64 mal 64 Pixeln lassen sich Dokumente im Finder durchblättern, Filme und Sounddateien abspielen. Auf einem MacBook Pro 17 Zoll mit einer Auflösung von 1920 mal 1200 Bildpunkten ist die Funktion erst ab einer Symbolgröße von 276 mal 276 Pixeln sinnvoll. Unter Leopard ist das Durchblättern oder das Abspielen einer Datei nur mit Quicklook möglich. Zudem sind Symbole auf die Größe von 128 mal 128 Pixeln begrenzt.

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Neue Fensterverwaltung

Mit Dock Exposé integriert Apple in Snow Leopard eine neue Fensterverwaltungsfunktion. Klickt man im Dock auf ein Programmsymbol ohne die Maustaste loszulassen, öffnen sich alle aktiven und verkleinerten Fenster der jeweiligen Anwendung. Allerdings werden nur die geöffneten Fenster angezeigt. Dock Exposé zeigt beispielsweise nicht die unter Safari als Tabs geöffneten Websites an. Die Vorschau der Taskbar unter Windows 7 bietet diese Möglichkeit und zeigt geöffnete Tabs des Internet Explorers und Safari.

Apple integriert in Snow Leopard mit Dock Exposé eine neue Fensterverwaltungsfunktion. Klickt man auf ein Programmsymbol ohne die Maustaste loszulassen im Dock, öffnen sich alle aktiven und verkleinerten Fenster der jeweiligen Anwendung.

Bisher wurden verkleinerte Fenster unter Leopard im Dock rechts vor dem Papierkorb abgelegt. Dies ist standardmäßig auch in Snow Leopard so. Allerdings bieten die Systemeinstellungen unter Dock die Möglichkeit, verkleinerte Fenster unter dem Programmsymbol im Dock anzuordnen.


Datum in Menüleiste anzeigen

Unter Leopard wird standardmäßig in der Menüleiste nur der aktuelle Wochentag und die Uhrzeit angezeigt. Snow Leopard stellt optional auch den Wochentag dar.

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64-Bit-Unterstützung bietet auch schon Mac OS X 10.4 Tiger, allerdings nicht für Programme, die mit einer grafischen Benutzeroberfläche arbeiten. Number-Crunching-Tools im Terminal können unter Tiger 64 Bit hingegen nutzen. Anwendungen, die die Java VM 6.0 nutzen, die Apple schon letztes Jahr als 64-Bit-Version in Leopard[3] integriert hat, profitierten ebenfalls von dem erweiterten Speicherbereich und - viel wichtiger - von den zusätzlichen Registern, die die Intel-Prozessoren im 64-Bit-Modus bieten. Jalbum, ein Java-Tool zur Erstellung einer Bildergalerie, quittierte die Nutzung der 64-Bit-Register mit einer um knapp 30 Prozent verbesserten Performance.

Snow Leopard erweitert den 64-Bit-Support. Neu gegenüber Leopard ist die Unterstützung von 64-Bit-Kernel, 64-Bit-Extension und 64-Bit-Treiber[4].

Um die Vorteile der 64-Bit-Technik nutzen zu können, müssen Entwickler die Cocoa-API nutzen. Das ältere Carbon-Framework wird hingegen nicht mehr weiterentwickelt. Da allerdings sehr viele Anwendung auf dieser API basieren, müssen diese komplett neu programmiert werden. Die Umstellung einer Anwendung von Carbon auf Cocoa ist laut vielen Entwicklern sehr aufwändig. Adobe hat daher angekündigt[5], dass frühstens die nächste Version der Creative-Suite (Photoshop, Lightroom et cetera) für Mac OS als 64-Bit-Version vorliegen wird. Für Windows stehen hingegen schon zahlreiche Adobe-Anwendungen als 64-Bit-Varianten zur Verfügung.

Trotzdem stellt Apple in Snow Leopard eine große Anzahl von Anwendungen als 64-Bit-Version[6] zur Verfügung. Nahezu alle relevanten Systemdienste, aber auch die bekannten Programme Safari, Mail, Adressbuch iCal liegen in Snow Leopard in 64 Bit vor. Trotzdem bleibt die Kompatibilität zu 32-Bit-Anwendungen und Treibern erhalten. Im Test mit Eye-TV und dem DVB-T-Empfänger Terratec Cinergy T kommt es auch unter Nutzung des 64-Bit-Kernels zu keinerlei Funktionsbeeinträchtigung. Unter Windows ist dies völlig anders. 32-Bit-Treiber funktionieren im 64-Bit-Modus nicht. Trotz der 64-Bit-Technik kann Snow Leopard auch auf älteren Macs mit 32-Bit-Intel-CPU installiert werden. Allerdings arbeitet das Betriebssystem dann natürlich nur im 32-Bit-Modus.

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OpenCL: Nutzung des Grafikchips für aufwändige Berechnungen

Was unter Windows die Compute Shader[7] ist unter Mac OS X 10.6 Snow Leopard OpenCL. Beides sind Schnittstellen, über die Programme auf die enorme Rechenkraft der Grafikprozessoren (GPU) zugreifen können. Welche Anwendungen OpenCL bereits nutzen, konnte Apple auf Anfrage von ZDNet.de nicht mitteilen. Auch die Benchmarktests mit vielen Programmkomponenten (siehe folgende Seite) deuten nicht darauf hin, dass OpenCL genutzt wird.

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in Zukunft diese Schnittstelle vor allem in den Bereichen Video-, Bild- und Soundbearbeitung bedeutend sein wird. Einige Windows-Programme aus diesen Einsatzgebieten nutzen bereits die Fähigkeiten der GPU-Rechenleistung über die von Nvidia vorgestellte CUDA-Schnittstelle. Da OpenCL größtenteils sich auf der CUDA-Technik basiert, sollte es nicht so lange dauern, bis entsprechende Applikationen auch unter Mac OS X 10.6 Snow Leopard zur Verfügung stehen.

Quicktime

Apple hat in Snow Leopard eine neue Quicktime-Version[8] integriert. Quicktime X erlaubt nicht nur die Wiedergabe von Filmen, sondern unterstützt auch die Aufnahme und das Schneiden von Videos. Zudem lassen sich Aktionen auf dem Desktop als Film aufnehmen (Bildschirmaufnahme). Unter dem Menüpunkt Bereitstellen ist der Export zu Itunes, MobilMe-Galerie und YouTube möglich. Zudem können Filme sehr leicht für die Wiedergabe an iPhone und Computer exportiert werden. Bei der Wiedergabe von Videos blenden sich Fensterrahmen und Bedienelemente aus, sobald man die Maus aus dem Quicktime-Fenster zieht.

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Windows 7 auf dem Mac

Mit Bootcamp erlaubt Mac OS die Installation von Windows auf dem Mac. Offiziell wird Windows XP und Windows Vista unterstützt. Die Installation von Windows 7 gelingt im Test problemlos. Selbst die 64-Bit-Version von Microsofts neuem Betriebssystem lässt sich problemlos installieren.

Auf der Snow-Leopard-DVD befinden sich zudem sämtliche Treiber inklusive Touchpad-Steuerung. Lediglich ein Manko muss man, wie bisher auch, in Kauf nehmen. Der Festplattencontroller lässt sich nicht im AHCI-Modus betreiben, was Performanceeinbußen zur Folge hat.

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Safari arbeitet unter Snow Leopard mit einer 64-Bit-JavaScript-Engine, die gegenüber der 32-Bit-Fassung in Leopard deutlich schneller arbeitet. Die Mehrleistung kann der Apple-Browser aber nur im JavaScript-Benchmark Sunspider zeigen. Immerhin erzielt Safari 64 Bit gegenüber Safari 32 Bit ein um 30 Prozent besseres Ergebnis. Bei den anderen Browser-Benchmarks (Peacekeeper, iBench XML, Google V8) bietet Safari gegenüber der Leopard-Version hingegen kaum Vorteile.

Der CPU-Einzeltest FPU Library des Xbench-Tests weist für Snow Leopard ein um 33 Prozent höheres Ergebnis aus als unter Mac OS X 10.5. Allerdings ist Leopard im OpenGL-Test von Xbench doppelt so schnell wie Snow Leopard. Die OpenGL-Tests von Cinebench und OpenGL-Extensions-Viewer bestätigen das schlechte Ergebnis von Snow Leopard im Xbench-OpenGL-Test allerdings nicht.

Beachtlich ist auch der Vorteil von Itunes beim MP3-Encoding unter Snow Leopard. Für die MP3-Erstellung mit einer Datenrate von 320 kBit/s lässt Itunes unter OS X 10.6 28 Sekunden verstreichen, während unter Leopard der Vorgang erst nach knapp 44 Sekunden abgeschlossen ist. Auch das Rendering eines Videos für das iPhone gelingt Quicktime X mit 74 Sekunden deutlich schneller als Quicktime Pro 7.6.2 mit 87 Sekunden.

Der OpenCL-Test des Insanely-Mac-Forenmitglieds mitch_de[9] zeigt die Vorteile, die das Nutzen der Grafikeinheit für anspruchsvolle Rechenoperationen bringen kann. Während die Geforce 9600 das Ergebnis bereits nach knapp drei Sekunden errechnet hat, benötigt der 2,8-GHz-Core-2-Duo-Chip knapp 13 Sekunden. Der iMac mit ATI Radeon HD2600 unterstützt OpenCL übrigens nicht.

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(Zur Vergrößerung auf Grafik klicken.) Alles in Allem hinterlässt Mac OS X 10.6 Snow Leopard einen überzeugenden Eindruck. Die an der Bedienoberfläche vorgenommenen Erweiterungen wie Dock Exposé, navigierbare Stapel und kleinere Veränderungen wie der Datumsanzeige in der Menüleiste und das Ablegen von Fenstern im Dock-Programmsymbol sind gelungen und stellen gegenüber Leopard insgesamt eine klare Verbesserung dar.

Besonders hervorzuheben ist auch die neue Vorschaufunktion des Finders. Ohne dass die Quicklook-Funktion benötigt wird, lassen sich Dokumente und Medien direkt vom Finder aus betrachten. Die Performance des neuen Betriebssystem kann sich bis auf den Ausreißer im Xbench-OpenGL-Test ebenfalls sehen lassen. MP3 kodiert iTunes unter Snow Leopard deutlich flotter als unter Mac OS X 10.5. Das neue Quicktime X arbeitet ebenfalls schneller als der Vorgänger unter OS X 10.5.

Die konsequente Umstellung auf 64-Bit, die Integration von OpenCL zur Nutzung der GPU-Rechenpower und die Multi-Core-Optimierung Grand Central zeigen, dass Snow Leopard auch in technischer Hinsicht für die Zukunft gut gerüstet ist. Lobenswert ist auch die Tatsache, dass trotz der Neuerungen die Kompatibilität zu 32-Bit-Anwendungen und Hardware erhalten bleibt. Der Blick auf Windows 64 Bit zeigt, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Durch die in Apple Mail integrierte Exchange-Unterstützung könnte Snow Leopard auch im Unternehmensbereich etwas attraktiver werden. Allerdings basiert die Exchange-Anbindung auf den erst mit Version 2007 eingeführten Exchange Web Services. Mit dem in Snow Leopard integrierten Mail-Client ist somit der Zugriff auf die in Unternehmen noch weit verbreitete Exchange-Server-Version 2003 und früher nicht möglich. Zudem muss man mit dem Exchange-Client in Snow Leopard Einschränkungen hinnehmen: Wegen fehlendem MAPI-Support steht im Offline-Modus keine Globale Adressliste zur Verfügung (GAL). Die Eignung von Mac OS X 10.6 Snow Leopard in Unternehmen wird Thema eines weiteren Artikels sein, der innerhalb der nächsten 14 Tage auf ZDNet.de erscheint.

Die wichtigsten Änderungen an der Oberfläche:

Wichtige technische Neuerungen:[10]

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.apple.com/de/macosx/
[2] = http://www.apple.com/de/macosx/uptodate/
[3] = http://www.zdnet.de/apple_macintosh_mac_technik_im_unternehmen_java_speedup_fuer_mac_story-39002369-39310037-1.htm
[4] = http://www.appleinsider.com/articles/08/08/26/road_to_mac_os_x_10_6_snow_leopard_64_bits.html&page=3
[5] = http://blogs.adobe.com/jnack/2008/04/photoshop_lr_64.html
[6] = http://www.apple.com/de/macosx/technology/#64bit
[7] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_computex_amd_zeigt_weltweit_ersten_directx_11_grafikchip_story-39001021-41004846-1.htm
[8] = http://www.apple.com/de/macosx/technology/#quicktimex
[9] = http://www.insanelymac.com/forum/index.php?showtopic=181590
[10] = http://www.apple.com/de/macosx/technology/
[11] = http://www.apple.com/de/macosx/exchange/