Kurzstreckenfunk: Bluetooth bekommt Konkurrenz

(http://www.zdnet.de/magazin/41501478/kurzstreckenfunk-bluetooth-bekommt-konkurrenz.htm)

von Stefan Gneiting, 18. August 2009

Bluetooth stößt bei Anwendungen, die hohe Datenraten verlangen, an seine Grenzen. Nun sollen andere Technologien auf der Kurzstrecke in die Bresche springen. ZDNet stellt sie vor, zeigt, was sie können und welche Chancen sie haben.

Vorraussichtlich 63 Prozent aller Handys, die 2009 über den Ladentisch gehen werden, sind laut In-Stat mit einer Bluetooth-Schnittstelle ausgestattet. Damit ist Bluetooth der erfolgreichste Funkstandard im Kurzstreckenbereich. Ob das in Zukunft aber so bleiben wird, ist offen. Einige Hersteller entwickeln alternative Funktechnologien, die höhere Datenraten, geringeren Energieverbrauch oder verbesserte Bedienerfreundlichkeit versprechen. Wireless USB, Gigabit WLAN, TransferJet und Wireless HD heißen die Konkurrenten. Aber auch Bluetooth entwickelt sich weiter.

Bluetooth gibt Gas

Der Stellenwert von Bluetooth lässt sich an der Zahl der Unternehmen ablesen, die Mitglied in der Bluetooth SIG[1] sind, die für die Spezifikationen verantwortlich ist: 12.000 sind es. Soviel wie bei keiner anderen Technologie. Die gegenwärtige Version 2.1 + EDR (Enhanced Data Rate) und Bluetooth 2.0 + EDR erreichen eine Datenrate von maximal 3 MBit/s und übertragen sowohl Sprache als auch Daten über eine Entfernung von maximal etwa 10 Metern. Auf Anwendungsebene reduziert sich die maximale Geschwindigkeit allerdings auf 2,1 MBit/s. Gerade die Datenrate gilt als Schwäche von Bluetooth, wenn es um bandbreitenhungrige Multimediaanwendungen wie das Videostreaming geht.

Doch Abhilfe ist in Sicht: Die jüngst vorgestellte Version 3.0 verspricht nämlich eine maximale Datenrate von 54 MBit/s und auf Anwendungsebene 24 MBit/s. Neben der Übertragungsgeschwindigkeit verbessert sich bei Bluetooth 3.0 auch der Energieverbrauch gegenüber der 2.1-Version. Erste Geräte, die die Version 3.0 unterstützen, könnten laut Bluetooth SIG in der ersten Jahreshälfte 2010 auf den Markt kommen. Mit weltweit mehr als drei Milliarden allein in 2008 verkauften Geräten ist USB laut In-Stat die erfolgreichste Schnittstelle aller Zeiten. Damit das so bleibt, entwickelt das USB Implementers Forum USB-IF den Standard weiter; sowohl drahtgebunden in der Version USB 3.0 als auch drahtlos als Wireless USB.

Aber Wireless USB kommt nicht in die Gänge, obwohl die aktuelle Version 1.0, die die Ultra-Wide-Band-Technologie nutzt, bis zu 480 MBit/s über eine Entfernung von drei Metern überträgt. Bei größeren Entfernungen bis 10 Meter sinkt die Geschwindigkeit auf 110 MBit/s. Das USB-IF listet beispielsweise in der Kategorie Notebook lediglich 20 Geräte, die die Zulassung für Wireless USB haben. Bei genauem Hinsehen zeigt es sich jedoch, dass die meisten Geräte davon nicht mehr auf dem Markt sind oder Wireless USB gar nicht implementiert haben.

Derzeit arbeitet die Wireless USB Promoter Group bestehend aus Hewlett-Packard, Intel, LSI, Microsoft, NEC, ST Ericsson und Samsung an den Spezifikationen für Wireless USB 1.1. Die Ziele: geringerer Stromverbrauch, verbesserte Erkennungsmethoden für die Kopplung von Host und Client sowie die Unterstützung des UWB-Frequenzbands oberhalb von 6 GHz. Im vierten Quartal sollen die Spezifikationen vorliegen. Erste Chipsätze werden damit kaum vor Mitte 2010 fertig sein, Produkte mit Wireless USB 1.1 nicht vor 2011. Das ist vielleicht schon zu spät. Brian O'Rourke, Principal Analyst, Digital Entertainment, bei In-Stat, sagte gegenüber ZDNet, dass er erwarte, dass Wireless USB spätestens 2013 vom PC- und UE-Markt verschwunden sein wird. Für ihn ist die fehlende Killerapplikation der Killer für die Technologie. Während der CES 2008 stellte Sony erstmals die Kurzstreckenfunktechnik TransferJet vor. TransferJet ermöglicht Funkübertragungen im Frequenzbereich um 4,48 GHz über eine sehr kurze Entfernung von wenigen Zentimetern mit einer maximalen effektiven Datenrate von 375 MBit/s. Der Vorteil von TransferJet neben seiner enorm hohen Datenrate: Es ist sehr einfach zu handhaben. Man muss nur die beiden zu synchronisierenden Geräte aneinanderlegen und schon kann die Übertragung starten. Eine aufwändige Konfiguration der Synchronisationsverbindung ist nicht nötig.

Mitte 2008 übernahm das TransferJet-Konsortium, dem 19 Unternehmen vor allem aus den Unterhaltungselektronik- und Telekommunikationsbranchen angehören, die Festlegung der Spezifikationen: Zu den Unterstützern gehören unter anderem Sony, Canon, Olympus, Samsung und Toshiba. Nach den Planungen des TransferJet-Konsortiums könnten erste Geräte mit TransferJet 2010 auf den Markt kommen. Der jüngste Konkurrenzvorschlag zu Bluetooth nennt sich Gigabit WLAN. Die Wireless Gigabit Alliance, kurz WiGig , treibt die Festlegung der Spezifikationen voran, die den Mitgliedern der Allianz bis Ende 2009 vorliegen soll. Die Unterstützer rekrutieren sich aus der Unterhaltungsindustrie, aus der PC-Branche, aus dem Telekommunikationsbereich und dem Halbleitersektor wie Atheros, Broadcom, Dell, Intel, Microsoft, Nokia, NXP, Samsung, Texas Instruments oder Toshiba.

Was die Übertragungstechnik leisten wird, steht noch ziemlich in den Sternen: Klar ist bisher einzig, dass der Frequenzbereich bei 60 GHz liegen und die Datenrate mehrere Gigabit pro Sekunde erreichen soll. Im Januar 2008 veröffentlichte das Wireless HD-Konsortium die Version 1.0 von Wireless HD. Unterstützer der im 60 GHz-Bereich angesiedelten Technologie sind Broadcom, Intel, LG, Panasonic, Philips, NEC, Samsung, SiBEAM, Sony und Toshiba. Wireless HD überträgt Audio- und High-Definition-Video-Daten (bis zu 1080p) unkomprimiert über eine Entfernung von 10 Metern bei einer Datenrate bis zu 3 GBit/s und soll Basis für drahtlose Videonetzwerke sein. Panasonic beispielsweise zeigt, dass Wireless HD umsetzbar ist und stattet sein Plasma-TV-Gerät TX-P46Z1 mit der neuen Funktechnik aus.

Doch auch bei dieser Technologie zeigen sich die Marktforscher von In-Stat bezüglich der Erfolgsaussichten skeptisch und nennen vor allem 802.11n als Hemmschuh für den Markterfolg von Wireless HD.

Nach Ansicht der Analysten wird 802.11n zumindest in den kommenden Jahren den drahtlosen HD-Video-Markt beherrschen. Der große Vorteil der Technologie: Die Akzeptanz von WLAN ist sowohl in der Computer- als auch in der Unterhaltungselektronik- und Mobiltelefonbranche sehr hoch.

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[1] = http://www.bluetooth.com/Bluetooth/SIG/