Twenga geht beim Online-Preisvergleich neue Wege

(http://www.zdnet.de/magazin/41500832/twenga-geht-beim-online-preisvergleich-neue-wege.htm)

von Peter Marwan, 7. August 2009

Online-Preisvergleiche sind fest etabliert - haben aber dennoch Defizite: Sie konzentrieren sich auf Bestseller und versagen bei nur vage beschreibbaren Produkten. Twenga.de hat sich vorgenommen, durch eine eigene Crawler-Technologie frischen Wind in den Markt zu bringen.

Die Deutschen sind ein Volk von Schnäppchenjägern: Jahrelang hervorragend konditioniert durch die regelmäßig ins Haus flatternden Prospekte der großen Discounter haben sich Millionen darauf spezialisiert, zu kaufen, was gerade billig ist. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey ist für 71 Prozent der Deutschen Verbraucher das Wissen, ein Produkt billiger bekommen zu können, der wichtigste Grund, online einzukaufen. Der Wunsch, es geliefert zu bekommen (35 Prozent) oder Zeitersparnis (22 Prozent) sind deutlich weniger bedeutsam.

Die Krux: Die meisten Anbieter gehen davon aus, dass die Strategie, die in den Ladengeschäften funktioniert hat, auch online möglich sein sollte: Fast alle Shopping-Portale und Online-Preisvergleicher haben sich daher auf gut gehende Produkte eingeschossen - die jeweils um passende saisonale Angebote ergänzt werden. Seien es nun Grill-Ausrüstung und -Zubehör im Frühsommer oder Schulmaterialien zum Ende der Ferien: Angeboten wird im Wesentlichen das, was man meint, gerade gut losschlagen zu können.

An Angeboten herrscht kein Mangel. Nur ein paar Beispiele: Billiger.de[1] konnte sich im Frühjahr mit der von der (AGOF[2]) ermittelten Zahl von 3,25 Millionen Unique Usern als "reichweitenstärkstes Preisvergleichsportal in Deutschland" bezeichnen. Yatego[3] wirbt damit, dass im April 2009 rund 7300 Händler etwa 2,6 Millionen Produkte über die Plattform angeboten haben. Bei Idealo[4] sind es nach Angaben des Unternehmens aktuell rund 620.000 Produkte mit Angeboten und Preisen aus insgesamt gut 4000 Shops und Evendi[5] ist stolz darauf, Preise bereits seit 1997 zu vergleichen. Google muss natürlich in diesem Segment auch mitmischen: Die noch ausbaufähige Google Produktsuche[6] ist der erste Fuß des Suchgiganten in der Tür der Preisvergleicher.

Eins haben jedoch all diese Angebot gemeinsam: Sie erreichen die kritische Masse für den Preisvergleich dadurch, dass sich Händler bei Ihnen anmelden - entweder kostenpflichtig oder kostenfrei - und ihnen die Preise übermitteln. Das 2006 gegründete französische Unternehmen Twenga[7] geht einen anderen Weg: Es sieht sich als Produktsuchmaschine, Preisvergleichstool und Shopping-Guide in einem.

Eine von dem Unternehmen entwickelte Suchtechnologie erfasst automatisch alle Angebote von Online-Shops aus derzeit 13 Ländern. Diese werden indexiert und zunächst neutral aufgelistet. Angebote der Partner-Händlern stellt Twenga zusätzlich prominent in dafür vorgesehenen Werbeplatzierungen dar. Der Anbieter verspricht dabei darauf zu achten, dass diese deutlich von den unverfälschten Suchergebnissen getrennt sind. Anwender können die Suchergebnisse zudem nach Preis, Marke oder Unterkategorie sortieren oder sich nur Angebote in einem bestimmten Preisbereich anzeigen lassen. Für Händler rechnet Twenga Platzierungen leistungsbezogen ab, erhält also nur eine Kommission, wenn vom Kaufinteressenten tatsächlich ein Kaufvorgang abgeschlossen wird. Andere Anbieter rechnen überwiegend bereits dann eine Gebühr ab, wenn ein Benutzer auf ein Angebot klickt - unabhängig davon, ob er später auch bei dem Händler kauft oder nicht. Thérèse Torris, Vice President Content bei Twenga, sieht im Vorgehen ihres Unternehmens zwei Vorteile: "Erstens bleiben die Kosten für unsere Partner-Händler kalkulierbar. Zweitens sind wir damit auch für Händler interessant, die sich auf Nischenprodukte spezialisiert haben."

Außerdem nennt Torris noch einen weiteren wichtigen Unterschied zum Wettbewerb. Die meisten Preisvergleicher hätten sich auf eindeutig identifizierbare Produkte konzentriert: Bei IT- und Elektronikprodukten diene ihnen die Identifikationsnummer zur Kategorisierung, bei Büchern die ISBN und bei anderen Waren der EAN-Code. In Produktbereichen ohne solche eindeutigen Codes würden sie dagegen weitgehend versagen.

"Versuchen sei doch einmal, den Preis für ein rotes Abendkleid herauszufinden", sagt Torris. Aber auch bei anderen Produktbereichen sieht Torris ihr Unternehemen vorn, etwa bei Sportbekleidung und- zubehör, Anglerausrüstung etc., da der Twenga-Crawler derzeit täglich rund 200 Millionen Seiten absuche und die Datenbank 150 Millionen Produkte ausweise.

Eine vor einiger Zeit vorgestellte iPhone-Anwendung[8] erweitert die Anwendbarkeit des Twenga-Preisvergleiches auch auf Shoppingtouren in Einkaufszentren oder Baumärkten. "Die Frage, ob das Angebot, das ich vor mir habe, ein echtes Schnäppchen ist, oder ob ich es im Internet nicht doch noch wesentlich günstiger bekomme, lässt sich jetzt einfach beantworten", wirbt Torris. Und Pläne für die Erweiterung des Angebotes gibt es auch: Derzeit arbeitet Twenga daran, Preisvergleiche für Hotelzimmer und andere touristische Dienstleistungen in das Angebot zu integrieren.

Und ganz will man der Konkurrenz das Feld auch bei leicht und eindeutig identifizierbaren Produkten nicht überlassen. Auch für diesen Bereich hat Torris ein As im Ärmel: Durch die Präsenz in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Polen, den Niederlanden, Brasilien, Russland und den USA könnten sich Verbraucher auch darüber informieren, was Produkte in anderen Ländern kosten. Für grenznah wohnende lohne sich dann eventuell einmal ein Ausflug, für andere möglicherweise eine Bestellung im Ausland.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.billiger.de/
[2] = http://www.agof.de/
[3] = http://www.yatego.de
[4] = http://www.idealo.de
[5] = http://www.evendi.de
[6] = http://www.google.de/prdhp?hl=de&tab=wf
[7] = http://www.twenga.de
[8] = http://www.twenga.de/iphone