Wie wir von anderen wahrgenommen werden, bestimmen in zunehmendem Maße die über uns im Web verfügbaren Informationen. Das Münchner Unternehmen MyON-ID hat das als Geschäftsmodell erkannt. Sein Angebot richtet sich vor allem an Selbständige, Experten und Berufseinsteiger.
Bis vor kurzem konnte man es noch in jedem Bewerbungs- und Karriereratgeber lesen: Der Verweis auf eine eigene Homepage mache sich gut im Lebenslauf. Dort könnten dann die für den potenziellen Arbeitgeber interessanten und relevanten Fakten sowie die eigenen Schokoladenseiten ansprechend präsentiert werden. Natürlich sollte diese Site einigermaßen professionell aussehen - mit Homepagebaukästen der Provider oder von Softwareanbietern sei das ja glücklicherweise kein Problem mehr.
Die Situation hat sich jedoch geändert: Heute wird von den "Millenials[1]", also den Geburtsjahrgängen zwischen 1977 und 1994, getwittert (wenigstens von einem kleinen Teil[2]), gechattet und genetzwerkelt, was das Zeug hält. Eine eigene Homepage - so könnte man überspitzt sagen – richten sich nur noch die sonst vielgelobten "Silver Surfer" ein - also die Omas und Opas der heutigen Berufseinsteiger.
Die neue Vielfalt, die sich für Personaler über Personensuchmaschinen und andere Tools[3] problemlos und effektiv erschließen lässt, birgt Gefahren. Prominentestes Beispiel[4] aus jüngerer Zeit dürfte John Sawers[5], der angehende Chef des britischen Auslandsgeheimdiensts MI6[6] sein. Dessen Frau veröffentlichte private Daten und Bilder - wenig geheimdiensttauglich - auf der Facebook-Profilseite ihrer Familie. Britische Politiker befürchteten, Sawers könnte damit anfällig für Erpressungen sein.
Weniger prominent, aber nicht weniger ärgerlich für den Betroffenen ist der Fall[7] des amerikanischen ZDNet-Autors Mitch Ratcliffe. Er fand das Bild, das er in sein Facebook-Profil hochgeladen hatte, nach dem Hinweis eines Freundes mit der Bildunterschrift "Local singles are waiting for you" als Werbung für Kontaktanzeigen wieder. Und das hatte, wie er beim Studium der AGBs entdeckte, auch noch seine Richtigkeit.
Ein weiteres Problem sind Daten, Informationen oder Bilder, die von Dritten publiziert werden. Meistdiskutiertes Beispiel dafür ist derzeit die nordrhein-westfälische Lehrerin, die gegen ihre schlechten Bewertungen im Schülerportal Spickmich vor das Bundesverfassungsgericht ziehen will[8].
Ebenfalls unangenehm ist die Tatsache, dass auch vermeintlich gelöschte Daten und Bilder oft noch wochen- oder sogar monatelang im Netz herumgeistern. Joseph Bonneau vom Security Research des Computer Laboratory der University of Cambridge hat beispielsweise in einer kleinen Studie festgestellt[9], dass viele Soziale Netzwerke, Blogging-Angebote und Sites, die Foto-Uploads anbieten, vom Nutzer gelöschte Bilddateien noch lange verfügbar halten: Von 16 getesteten Sites waren Bilder noch acht Tage nach der vermeintlichen Löschung über einen direkten Link aufrufbar.
Wie geht man damit um? Das junge Unternehmen MyON-ID[11] glaubt eine Lösung gefunden zu haben. Es richtet sich mit seinem Angebot in erster Linie an Selbständige, Experten und Berufseinsteiger. Denn sie, so MyON-ID, seien nur so gut, wie ihr Ruf im Netz. Wer zu seinen Themen bei Google und andern Suchmaschinen nicht präsent sei, der existiere quasi nicht. Die professionelle Darstellung im Netz sei deshalb nur wertvoll, wenn sie mit den Expertengebieten zusammen in den Suchtreffern gefunden werde: "Damit erhält eine Person die notwendige Aufmerksamkeit, um sich durch ihr Know-how zu profilieren."
Das von Mario Grobholz[12] und Christian Sigl[13] geführte Münchner Unternehmen will sich keineswegs als ein weiteres neues Network verstanden wissen. Die Community-Funktionen seien nur integriert, weil sie inzwischen Standardfunktionen seien. "Facebook fokussiert sich auf Konversationen und Networking, Xing ist ein digitales Adressbuch, StudiVZ eine Kontaktplattform. Wir sind ein Tool zu Selbstdarstellung, das alle Komponenten zur eigenen Persönlichkeit auf einer Seite vereint und noch dazu sichtbar macht."

Die Profilseite des MyON-ID-Gründers Mario Grobholz (Screenshot: ZDNet.de)
Individualität lasse sich durch das veränderbare Design der Seite sowie dadurch erreichen, dass sich eine persönliche Domain für das Profil sichern lässt. Wer will, bekommt sogar eine Google-Werbeanzeige zum eigenen Namen.
Ergänzend zur Selbstvermarktung bietet MyON-ID ein Monitoring-Tool für die eigene Reputation im Web an. So lassen sich etwa die auf MyON-ID angezeigten Webtreffer vom Nutzer auswählen. Das ist sowohl bei häufig vorkommenden Namen als auch unerwünschten oder veralteten, aber dennoch gut gefundenen Links praktisch. Erwünschte Suchtreffer lassen sich zudem mit Stichwörtern ergänzen.
In seinen Grundfunktionen ist MyON-ID kostenlos. Mit der kostenpflichtigen, dafür werbefreien Premium-Version erhalten Kunden für 5,99 Euro im Monat zusätzliche Möglichkeiten. Beispielsweise lassen sich weitere Suchbegriffe in kürzeren Zeitabständen überwachen oder bei Google eine Werbeanzeige zum eigenen Namen schalten. Außerdem ist die Wunsch-URL nur in der Bezahlversion verfügbar.
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