Open-Source-Software stößt auch bei Anwendern von Business Intelligence auf zunehmendes Interesse. Die auf dem Markt befindlichen Werkzeuge sind inzwischen recht ausgereift, die Kostenvorteile überzeugend.
Von Hyperion[1] zu Pentaho[2]: Otto International[3], ein Beschaffungsdienstleister, der zum Handelskonzern Otto gehört, hat seine Business-Software Hyperion inzwischen durch die Open-Source-Lösung Pentaho ersetzt.
Die Pentaho-Suite umfasst Reporting, Analyse und Datenintegration; das System läuft auf einem Linux-Server und nutzt PostgreSQL als Datenbank. "Wir konnten so unsere BI-Möglichkeiten verbessern und unsere Kosten drastisch senken", sagt Sven Jasper, IT-Chef bei Otto International. Mit dem neuen System kann das Unternehmen zum Beispiel schneller auf neue Anforderungen beim Reporting reagieren.
Die Entscheidung bei Otto International mag nicht die Regel sein, aber Open-Source-Software ist inzwischen auch bei großen BI-Anwendern hoffähig geworden. Zu Recht, wie eine Studie der TU Chemnitz[4] in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Barc[5] im Frühjahr festgestellt hat.
Demnach seien die freien Tools bereits in der Lage, große Teile der Analysefunktionen abzudecken, die Anwender heute von BI-Lösungen erwarten. "Vor allem hinsichtlich Stabilität, Sicherheit und Performance haben die Werkzeuge stark aufgeholt", sagt der Wirtschaftsinformatiker Christian Schieder, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU und einer der Studienautoren.
Für die Untersuchung haben Schieder und seine Kollegen acht quelloffene Tools für Reporting, OLAP (Online Analytical Processing) und Data Mining getestet. Zu den Kandidaten gehörten die Reporting-Werkzeuge Eclipse Birt[6], Jasper[7] und Pentaho, die OLAP-Tools jPivot[8]/Mondrian[9] und Palo[10] sowie die Data-Mining-Lösungen Rapid Miner[11], Knime [12] und Weka[13]. Am Markt gibt es aber noch weitere Open-Source-Produkte. Laut Schieder ist zu erwarten, dass die Entwickler der Werkzeuge deren Funktionsumfang noch ausweiten werden - wenn auch keine vollständige Angleichung an das Funktionsspektrum kommerzieller Produkte zu erwarten sei. Einziger Wermutstropfen: "Die Release-Zyklen der Open-Source-Werkzeuge sind derzeit deutlich kürzer als die ihrer kommerziellen Gegenstücke. Das erschwert die Versionsplanung", stellt Schieder fest. "Wobei man das natürlich auch positiv sehen kann: Die Open-Source-Angebote entwickeln sich sehr dynamisch."
Der Stuttgarter IT-Freelancer Alexander Hauskrecht[14], der sich auf Beratung und Softwareentwicklung im Datenbank- und Data-Warehouse-Umfeld spezialisiert hat, stellt seit zwei Jahren fest, dass freie BI-Tools populär werden: "Nach meiner Erfahrung sind es eher kleinere Unternehmen, die sie einsetzen."
Die Firmen seien tendenziell BI-Neulinge, die bislang keine ganzheitliche Sicht auf ihre Daten oder nur unübersichtliche Excel-Lösungen eingesetzt hätten. "Ich habe aber auch schon erlebt, dass ein großes Unternehmen aus der Automobilindustrie eine Open-Source-Lösung evaluierte, weil es ein vorhandenes OLAP-Werkzeug ablösen wollte", sagt Hauskrecht.
Oft dringen die freien BI-Tools "von unten" in die Unternehmen ein, hat der IT-Freelancer beobachtet: Mitunter werden sie in einem Projekt eingesetzt, ohne dass dies abgestimmt ist. Auch die Studie der TU Chemnitz kommt zu dem Schluss, dass vor allem für die Entwicklung fachlich spezialisierter Lösungen in Eigenregie Open-Source-BI-Werkzeuge eine solide Ausgangsbasis bilden können. Das kalifornische Unternehmen Tidal Software[15] zum Beispiel suchte eine Lösung, die es als Add-on zu seiner Suite für Anwendungs-Scheduling und Performance-Management anbieten konnte. "Unsere Kunden wünschten sich mehr Reporting- und Analysemöglichkeiten", erzählt Wayne Greene, Vice-President Produktmanagement. Tidals Suite wies da nur begrenzte Möglichkeiten auf und es war schnell klar, dass sich eine Eigenentwicklung für den Softwareanbieter nicht lohnen würde.
Letztlich fiel Tidals Wahl auf die Open-Source-Lösung Jasper. Das Unternehmen integrierte Jasper Server und Jasper Reports in seine Suite und legte einen Satz von 30 Standardberichten an. Die Anwender der Tidal-Software können aber auch Ad-hoc-Reports definieren.
Zu den Anwendern, die Open-Source-Tools im BI-Umfeld einsetzen, gehört auch das Pharmaunternehmen Altana[16] (jetzt Nycomed). Mit dem Webserver Worksheet Server und der Open-Source-Olap-Datenbank Palo hat die Firma eine Scorecard-Lösung zur Messung der Vertriebsperformance realisiert.
Erforderlich war dazu nur ein kleines Team aus zwei Mitarbeitern der Fachabteilung und einem Berater des Softwarelieferanten. Obwohl sie die Lösung neu erstellen mussten, realisierten sie das Projekt in erstaunlich kurzer Zeit, denn bei der Implementierung konnten sie auf die Excel-Kenntnisse erfahrener Mitarbeiter aus dem Vertriebscontrolling zurückgreifen.
Fazit
Natürlich werden die proprietären BI-Werkzeuge auf absehbare Zeit weiterhin das Gros des Markts ausmachen - gerade auch wenn es um hohe Skalierbarkeit oder unternehmensweite Lösungen geht. Doch selbst wer sich nach einer Evaluation gegen eine Open-Source-Lösung entscheidet, könne von den freien Tools profitieren, glaubt Christian Schieder von der TU Chemnitz: "Denn sie stellen ein probates Mittel dar, um bei Preisverhandlungen mit dem Hauslieferanten die eigene Position zu stärken."
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