Performancetest: XP, Vista und Windows 7 RTM im Vergleich

(http://www.zdnet.de/magazin/41500517/performancetest-xp-vista-und-windows-7-rtm-im-vergleich.htm)

von Kai Schmerer, 24. Juli 2009

Mit Windows 7 will Microsoft wieder in die Erfolgsspur und den schlechten Ruf des Vorgängers vergessen machen. Die Tests des neuen Betriebssystems zeigen, dass dies zumindest in Sachen Performance durchaus gelingen könnte.

Eine der Hauptursachen für den schlechten Ruf und die mangelnde Akzeptanz von Windows Vista liegt an den enormen Anforderungen, die das Microsoft-Betriebssystem an die Hardware stellt. Zur Vorstellung im Herbst 2006 waren PCs und Notebooks deutlich schlechter ausgestattet als heutzutage. Doch selbst mit moderner Hardware beschleicht einen nach kurzer Vista-Nutzung das Gefühl, dass man mit einem Betriebssystem arbeitet, das irgendwie mit angezogener Handbremse zu Werke geht.

Solche Fehler wollte sich Microsoft mit Windows 7 nicht erlauben und hat wesentliche Betriebssystemkomponenten einer Optimierung unterzogen. Angefangen beim Start des Betriebssystem über das Einloggen bis hin zur täglichen Arbeit - mit Windows 7 soll alles schneller gehen. Mit der RTM hat ZDNet Leistungstests auf verschiedenen Plattformen durchgeführt, um die Performance von Windows 7 gegenüber Vista und XP zu überprüfen.

Testplattformen im Überblick

Low-End Mobile High-End
Modell MSI Wind NT 3325 Acer Timeline 3810T[1] Eigenbau
Prozessor Atom 230 Core 2 Solo U3500 Core i7 965
Typ Dual-Core Single-Core Quad-Core
Taktfrequenz 1,6 GHz 1,4 GHz 3,2 GHz
Grafikchip Intel GMA 950 Intel GMA 4500 ATI Radeon HD 4870
Treiber 15.12.75.64.1825 Windows 7 ATI Catalyst 9.6
WDDM-Version 1.0 1.1 1.1
Mainboard OEM OEM Gigabyte EX58 DS4[2]
Speicher 2 GByte DDR2 4 GByte DDR2/533 6 GByte DDR3/1600
Masssenspeicher 500 GByte WD 256 GByte Samsung SSD PM800[3] 256 GByte Samsung SSD PM800[3]

Die Dauer für den Start des Betriebssystem ist zwar für viele Anwender nicht unbedingt ausschlaggebend in Sachen Betriebssystemperformance - schließlich startet man meistens nur einmal am Tag den Rechner - jedoch liefert die Messung einen ersten Anhaltspunkt, wie schnell das OS arbeitet. Das gleiche trifft für das Herunterfahren des Rechners zu.

Für den Test werden sämtliche Betriebssysteme inklusive aller zum Testzeitpunkt zur Verfügung stehenden Updates frisch installiert. Für die Festplattenansteuerung wird der AHCI-Modus im BIOS aktiviert. Nur damit können moderne Massenspeicher ihre volle Performance ausspielen.

Mit dem High-End-System und Samsung-SSD aus der PM800-Baureihe[3] dauert der Start von Windows 7 bis der Desktop erscheint nur 12 Sekunden. XP benötigt 14,1 und Vista 14,5 Sekunden.

Erfahrene Windows-Nutzer wissen jedoch, dass der Start des Betriebssystem mit dem Erscheinen des Desktops noch längst nicht zu Ende ist. Daher gibt eine zweite Messung mit Start des Internet Explorers 8 und der Bing-Suche als Startseite. Dadurch erhält man einen Eindruck davon, wie lange es dauert, bis das Betriebssystem eine Internet-Verbindung aufbaut. Auch bei dieser Messung geht Windows 7 flott zu Werke und lässt nach dem Erscheinen des Desktops nur 2,5 Sekunden vergehen bis die Bing-Startseite erscheint. Insgesamt benötigt der Startvorgang von Windows 7 bis zur Anzeige der Bing-Suche also 14,5 Sekunden. Vista lässt dafür 18,5 Sekunden vergehen. Mit 23,7 Sekunden dauert es unter XP am längsten bis die Internetverbindung steht.

Auch das Herunterfahren des Systems gelingt Windows 7 mit nur 4,5 Sekunden am schnellsten. Vista benötigt 7 Sekunden, während XP im Vergleich dazu mit 6,5 Sekunden etwas schneller ist.

Mit dem Low-End-System dauert der Betriebssystem-Start natürlich länger. Für den Start von Windows 7 lässt dass System mit Intel Atom N270 1,6 GHz und magnetischer Festplatte 44 Sekunden vergehen. Nach weiteren drei Sekunden steht die Verbindung zum Internet. Vista und XP benötigen dafür 57 respektive 55 Sekunden. Das Herunterfahren des Systems geht mit XP am schnellsten. Eine Sekunde länger benötigt Windows 7. Vista lässt gut zwei Sekunden mehr als XP verstreichen.

Die aus mehreren Messungen ermittelten Durchschnittswerte zeigen, dass Windows 7 mit High-End- wie auch mit Low-End-Konfigurationen von allen drei Microsoft-Betriebssystemen insgesamt am besten abschneidet. Zu bedenken ist allerdings, dass sich die Dauer für den Start und das Herunterfahren aufgrund von Anwendungsinstallationen und Betriebssystem-Updates erfahrungsgemäß verlängern wird. Zumindest Vista und XP zeigten diese Auswirkungen im Laufe der Zeit. Mit Windows 7 bestehen diesbezüglich natürlich noch keine Erfahrungswerte.



Mit Vista hat Microsoft eine Cache-Technologie für Anwendungen und den Boot-Vorgang namens Superfetch eingeführt. Der Systemdienst lädt häufig genutzte Anwendungen in den Speicher, um so im Bedarfsfall darauf schneller zugreifen zu können. Für magnetischen Festplatten ist diese Technik durchaus sinnvoll. Wird als Massenspeicher eine SSD verwendet, schaltet man den Dienst besser aus. Aufgrund der deutlich besseren Zugriffszeit im Vergleich zu magnetischen Festplatten bieten SSDs standardmäßig für den Start von Applikationen eine sehr gute Performance, die durch Superfetch nicht sonderlich gesteigert wird.

Microsoft hat daher in einem Blogeintrag[4] mitgeteilt, dass Windows 7 bei Verwendung von SSDs Superfetch deaktiviert. Auch andere Dienste wie Defrag und Readyboost sollen unter Windows 7 nicht verwendet werden. Mit der von Microsoft als RTM gekürten Version 7600.16385 ist allerdings nur der Defrag-Dienst für die SSD nicht aktiv. Superfetch und Readyboost starten genauso wie bei Verwendung einer magnetischen Festplatte.

Der Superfetch-Dienst in Windows 7 unterscheidet sich in Vorgehensweise und Cache-Umfang im Vergleich zu seinem Pendant unter Vista erheblich. Während unter Vista nach dem Start der Dienst sofort mit dem Cachen von Applikationen beginnt und nach drei Minuten bereits 1123 MByte Speicher belegt, startet Superfetch unter Windows 7 erst nach fünf Minuten - das zeigt die Auslastung des Speichers bei deaktiviertem Superfetch. Nach 10 Minuten nutzt Windows 7 nur etwas mehr als 600 MByte Cachespeicher, während zur gleichen Zeit unter Vista die Auslastung 1627 MByte beträgt.

Auch ohne Superfetch begnügt sich Windows 7 mit weniger Cachespeicher. Für relevante Betriebssystemfunktionen liegt die Auslastung bei 333 MByte, während Vista ohne Superfetch 519 MByte als Cache nutzt.

Insgesamt wirkt sich die neue Vorgehensweise des Superfetch-Dienstes positiv auf die Performance aus. Offensichtlich begnügt sich Windows 7 mit weniger Ressourcen, sodass die Nutzung des Cachespeichers deutlich geringer als unter Vista ausfällt. Zudem startet Superfetch wesentlich später, was dazu führt, dass die Festplatte nach dem Start des Betriebssystems nicht von dem Dienst blockiert wird, sondern Nutzeranforderungen zur Verfügung steht. Schließlich startet man seinen Rechner, um bestimmte Anwendungen zu auszuführen und Aufgaben zu erledigen und nicht, um dabei zuzusehen, was das Betriebssystem nach dem Start mit den Rechnerressourcen anstellt.


Das Testprogramm PCMark Vantage[5] nutzt zur Leistungsbestimmung einer Plattform die in den Betriebssystemen Vista und Windows 7 integrierten Anwendungen. Der Benchmark gliedert sich in folgende Consumer-Szenarios: Memories, TV and Movies, Gaming, Music, Communications, Productivity und HDD. Neben diesen Einzeltests beinhaltet die PCMark Suite Tests aus all den vorher genannten Bereichen. Allerdings sind die Einzeltests umfangreicher.

Weitere Informationen zu PCMark Vantage hat Futuremark in einem Whitepaper[6] zusammen gestellt. Der Benchmark wird mit den Standard-Einstellungen und der 64-Bit-Version durchgeführt. Lediglich die Anzahl der Testdurchläufe wird auf drei erhöht, so dass die hier präsentierten Werte das Durchschnittsergebnis aus drei Testläufen darstellen.

Die Applikationen in Windows 7 können ihre Pendants in Vista deutlich abhängen. Das Single-Core-System (Acer Timeline 3810T) profitiert dabei sogar noch stärker als die High-End-Plattform mit Nehalem-Prozessor. Insgesamt verbucht die Mobile-Plattform ein Leistungsplus von 35 Prozent, während das Nehalem-System mit Windows 7 nur knapp 20 Prozent schneller arbeitet.

Mit 64 Prozent besserer Leistung profitiert das Music-Szenario am meisten vom Betriebssystemwechsel. Der Blick auf die Einzeltests verrät, dass das Umwandeln von WAV-Dateien ins WMA-Lossless-Format nun dreimal schneller verläuft.

Nun ist es aber bei Weitem nicht so, dass jede Anwendung unter Windows 7 durchschnittlich 20 Prozent schneller zu Werke geht. PCMark Vantage nutzt die in Windows integrierten Applikationen. Die Aussage, dass diese in Windows 7 schneller arbeiten als unter Vista, trifft eher auf die Sachlage zu. Tests mit anderen Applikationen wie Everest, 7-Zip, 3D Mark Vantage, Cinebench und Paint .Net zeigen, dass diese unter Windows 7 nicht schneller als unter Vista und XP ablaufen. Dennoch sollte man die gestiegene Performance der im Betriebssystem integrierten Applikationen auch nicht kleinreden.



Windows 7 bietet im Vergleich zu Vista die bessere Leistung. Auch gegenüber Windows XP kann sich das neue Betriebssystem mit ordentlich ausgestatteten Systemen absetzen. Lediglich bei Geräten mit wenig Arbeitsspeicher und veralteter Grafik ist XP noch leistungsfähiger als das neue Microsoft-Betriebssystem.

Subjektiv erscheint der Wechsel von Vista auf Windows 7 wie das Lösen einer Handbremse. Dieser deutliche Leistungszuwachs hat mehrere Ursachen. Das schnellere Starten und Herunterfahren des Systems liegt an der im Vergleich zu XP und Vista verbesserten parallelen Abarbeitung entsprechender Lade- und Entladeprozeduren von Treibern und Betriebssystemkomponenten. Davon profitieren auch Unternehmensanwender: Der Anmeldevorgang an eine Domäne verläuft mit Windows 7 deutlich zügiger.

Zudem hat Microsoft den Superfetch-Dienst gründlich überarbeitet, was zu einer schnelleren Betriebsbereitschaft des Systems nach dem Start führt. Umsteiger von Vista werden feststellen, dass die Festplattenaktivität von Windows 7 längst nicht mehr so intensiv wie noch unter Vista ist. Dies liegt daran, dass Superfetch beim Laden von Anwendungen in den Speicher nicht mehr so rabiat wie noch unter Vista vorgeht. Durch das verzögerte Laden ist das System nach dem Start wesentlich reaktionsschneller.

Durch verbesserte Display-Treiber geht Windows 7 schonender mit Arbeitsspeicher um. Egal wie viele Fenster geöffnet sind, der Speicherverbrauch des Desktop Window Manager (DWM)[7] bleibt konstant. Lediglich der Grafikkartenspeicher wird durch das Öffnen von zusätzlichen Fenstern belastet. Im Vergleich zu Vista liegt dieser allerdings nur noch halb so hoch[8]. Für zusätzliche Beschleunigung der Grafikausgabe sorgt Direct2D, das Microsoft neu in Windows 7 implementiert hat und 2D-Beschleunigung für die GDI-Schnittstelle bietet. Für die verbesserte 2D-Grafikperformance sind allerdings Treiber nach dem Standard WDDM 1.1 notwendig. Für Grafikkarten mit ATI- oder Nvidia-Chips stellt diese Anforderung kein Problem dar, da schon seit geraumer Zeit entsprechende Treiber existieren. Lediglich für ältere Intel-Chipsatzgrafik stehen diese noch nicht zur Verfügung.

Mit in der in Windows 7 integrierten DirectX-11-Schnittstelle kann man mit geeigneter Grafikhardware auf die Rechenkraft der GPU zugreifen (Compute Shader). Besonders interessant dürfte dieses Feature für Anbieter von Video-Encoding-Tools sein. Noch gibt es allerdings keine Tools von Drittherstellern, die diesen neuen Standard unterstützen.

Alles in Allem liefert Microsoft mit Windows 7 ein Betriebssystem, das den Anforderungen in Unternehmen und im privaten Bereich in Sachen Performance erfüllt. Vieles spricht dafür, dass Windows 7 deutlich besser als Vista angenommen wird. Von den drei Testplattformen ist lediglich das mit Intel Atom bestückte Low-End-System nicht optimal für Windows 7 geeignet, wobei der Chip auch mit anderen Betriebssystemen alles andere als eine ideale Grundlage ist. Aber bereits ein Single-Core-Prozessor vom Typ Core 2 Solo mit 1,4 GHz reicht für ein flüssiges Arbeiten unter Windows 7 aus. High-End-Systeme mit Quad-Core-Prozessoren profitieren ebenfalls von Windows 7, da zahlreiche Betriebssystemfunktionen die Rechenkraft von Multi-Core-Chips ausnutzen.

Bildergalerie

Benchmarks: XP, Windows 7 und Vista Vergleich[9]

» zur Bildergalerie ...[9]
Auch im Test mit den 32-Bit-Versionen der Microsoft-Betriebssysteme schneidet Windows 7 insgesamt am besten ab. Gegenüber Windows Vista fällt das Leistungsplus mit dem PCMark Vantage nicht so hoch wie unter 64 Bit aus. Die Startzeiten von XP und Windows 7 sind bis zum Erscheinen des Desktops fast identisch. Allerdings steht die Netzwerkverbindung unter Windows 7 deutlich früher zur Verfügung.



URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_notebook_laptop_acer_timeline_3810t_nach_etwas_tuning_guter_13_zoeller_review-20000151-41005756-1.htm
[2] = http://www.gigabyte.de/Products/Motherboard/Products_Overview.aspx?ProductID=3935
[3] = http://www.samsung.com/global/business/semiconductor/products/flash/ssd/2008/product/overview.html
[4] = bei Verwendung von SSDs
[5] = http://www.futuremark.com/benchmarks/pcmarkvantage/features/
[6] = http://www.futuremark.com/pressroom/companypdfs/PCMark_Vantage_Whitepaper_v1.0_(PDF)?m=v
[7] = http://de.wikipedia.org/wiki/Desktop_Window_Manager
[8] = http://www.extremetech.com/article2/0,2845,2334155,00.asp
[9] = http://www.zdnet.de/galerie/41500589/benchmarks-xp-windows-7-und-vista-vergleich.htm#sid=41500517