Windows 7 ist fertig: Alle wichtigen Fakten im Überblick

(http://www.zdnet.de/magazin/41500006/windows-7-ist-fertig-alle-wichtigen-fakten-im-ueberblick.htm)

von Joachim Kaufmann, 13. Juli 2009

In wenigen Stunden ist Windows 7 offiziell verfügbar. Aber welche Neuerungen bringt es? Sind alle Vista-Macken ausgemerzt? Und welche Probleme drohen? ZDNet beantwortet die brennendsten Fragen.

Kurz und schmerzlos - so lässt sich die Entwicklung von Windows 7[1] beschreiben. Nur elf Monate nach der offiziellen Vorstellung auf der Professional Developers Conference[2] in Los Angeles bringt Microsoft[3] das neue Betriebssystem auf den Markt.

Wie bei jedem neuen Windows fragen sich Anwender, ob sich der Umstieg lohnt. Zudem ist es oftmals schwierig, Gerüchte von Fakten zu trennen. ZDNet beantwortet die wichtigsten Fragen.

Microsoft stellt von Windows 7 fünf Versionen zur Verfügung: Starter, Home Premium, Professional, Enterprise und Ultimate. Aber nicht alle davon sollen als Standalone-Produkt in den Handel kommen: Starter wird nur für den Einsatz auf Netbooks lizenziert, Enterprise nur im Rahmen von Unternehmenslizenzprogrammen.

Der wichtigste Unterschied zwischen Home Premium und Professional (Nachfolger von Vista Business) ist, dass letzteres in domänenbasierte Unternehmensnetzwerke eingebunden werden kann. Enterprise bringt zusätzlich noch einige Sicherheitsfeatures mit: Dazu gehören der sichere Fernzugriff auf Netzwerke ohne VPN per Direct Access[4] sowie eine TPM-basierte Verschlüsselung für Festplatten und Wechseldatenträger (Bitlocker und Bitlocker to go).

Neu bei Windows 7: Die höherwertigen Versionen haben alle Features der darunterpositionierten Varianten. Unter Windows Vista ist das nicht so. Anwender von Vista Business mussten beispielsweise auf die Media-Center-Funktion des billigeren Vista Home Premium verzichten.

Windows-7-Versionen und ihre Funktionen (Bild: Microsoft)
Windows-7-Versionen und ihre Funktionen (Bild: Microsoft)

Technisch betrachtet ist Windows 7 tatsächlich nur ein aufgebohrtes Vista. Treibermodell und Architektur haben sich kaum geändert. Kompatibilitätsprobleme mit Treibern und Anwendungen sind daher nicht in größerem Umfang anzutreffen.

Microsoft hat Windows 7 jedoch hinsichtlich der Performance optimiert. Außerdem sind neue Funktionen hinzugekommen, die das Arbeiten vereinfachen. Beim praktischen Nutzen ist der Schritt von Vista zu Windows 7 größer als der von XP zu Vista. Die meisten Windows-Vista-Treiber funktionieren auch unter Windwows 7, da Microsoft das Treibermodell nicht geändert hat. Für die meisten Anwendungen gilt das gleiche. Mit einem kostenlos herunterladbaren Tool namens Windows 7 Upgrade Advisor[5] kann man die Kompatibilität seiner Umgebung prüfen.Die Erfahrungen der letzten Monate mit Windows 7 zeigen, dass das OS schon jetzt sehr stabil läuft. Das liegt auch daran, dass keine grundlegend neuen Technologien eingeführt, sondern die von Vista verfeinert wurden.

Wie jede Software wird auch Windows 7 mit der Zeit verfeinert. Das Upgrade prinzipiell bis zum Service Pack 1 zu verschieben, ist aber nicht notwendig.Entgegen der urspünglichen Pläne[6] bietet Microsoft Windows 7 nun nicht nur als Vollversion zum Upgrade-Preis, sondern klassisch als günstigeres Upgrade und teuerere Vollversion an.

Wer einen Umstieg auf Windows 7 plant, sollte sich unbedingt die System-Builder-Versionen ansehen. Sie unterscheiden sich softwareseitig nicht, sind aber erheblich günstiger. Lediglich die Verpackung ist etwas einfacher und es gibt keinen direkten Telefon-Support von Microsoft. Beides dürfte zu verschmerzen sein.

Preise von Windows 7

Version Preis Upgrade Preis Vollversion Preis System Builder
Windows 7 Home Premium* 119,99 € 199,99 € 77,99 €
Windows 7 Professional* 285,00 € 309,00 € 114,99 €
Windows 7 Ultimate* 299,00 € 319,00 € 149,99 €

Wer Windows 7 in der browserfreien Version vorbestellt hat, die für den Preis des jetzigen Upgrades zu haben war, bekommt das OS als Vollversion und fährt damit besonders günstig.

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Neue Verpackungen für Windows 7[7]

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* = Als 32- und 64-Bit-Version erhältlich.Microsoft hat im Juli mit einem 49,99-Euro-Sonderangebot von Windows 7 Home Premium für Furore gesorgt. Das Kontingent war aber zum Ärger vieler Nutzer[8] so knapp bemessen, dass es schon nach wenigen Stunden nicht mehr bestellt werden konnte.

Ähnliches ist mit dem Family Pack passiert, das drei Upgrade-Lizenzen auf Windows 7 Home Premium enthält. Die stückzahlenmäßig begrenzte 149-Euro-Version scheint weitgehend vergrissen zu sein. Die billigsten Angebote in Preissuchmaschinen beginnen bei gut 160 Euro. Amazon verlangt dafür mittlerweile 259 Euro. Wer also maximal zwei Windows-7-Lizenzen oder eine Version über Home Premium benötigt, fährt mit den System-Builder-Versionen am günstigsten.Die Upgrade-Lizenz von Windows 7 setzt eine gleichwertige XP- oder Vista-Version voraus. Wer von XP umsteigen möchte, muss seinen Rechner neu aufsetzen. Nur Vista-Anwender können ihren PC inklusive der Übernahme besthender Programme und Einstellungen übernehmen. Da geht aber auch nur dann, wenn man beim Umstieg nicht von 32 nach 64 Bit wechselt.

Upgrade-Pfade auf Windows 7

Windows 7 Home Premium Windows 7 Professional Windows 7 Ultimate
Windows XP Neuinstallation Neuinstallation Neuinstallation
Windows Vista Home Basic Upgrade Neuinstallation Upgrade
Windows Vista Home Premium Upgrade Neuinstallation Upgrade
Windows Vista Business Neuinstallation Upgrade Upgrade
Windows Vista Ultimate Neuinstallation Neuinstallation Upgrade
Wettbewerber wie Opera argumentieren, das Microsoft durch die Zwangsbündelung seines marktbeherrschenden Betriebssystems mit einem Browser einen unfairen Wettbewerbsvorteil erringt. Mittlerweile haben sich die Redmonder mit den EU-Kartellbehörden auf die Einblendung einer Hinweisbox geeinigt, die Internet-Explorer-Konkurrenten bewirbt und deren Download vereinfacht.

Der Softwarehersteller hat offiziell bestätigt, dass die Version Windows 7 E ohne Browser nicht ausgeliefert wird. Stattdessen soll nun eine Version mit Internet Explorer und einer Auswahlbox für alternative Browser erscheinen.
Der Softwarehersteller hat offiziell bestätigt, dass die Version Windows 7 E ohne Browser nicht ausgeliefert wird. Stattdessen soll nun eine Version mit Internet Explorer und einer Auswahlbox für alternative Browser erscheinen.
In Windows 7 hat Microsoft die in Vista eingeführten Änderungen der Oberfläche fortgesetzt. Die größte Neuerung ist die überarbeitete Taskleiste, die den Start von und den Wechsel zwischen Anwendungen in einem Icon zusammenfasst. Man kann die Taskleiste aber auch auf die ursprüngliche Funktionsweise zurücksetzen[9]. Windows 7 wurde um ein Feature namens Homegroup erweitert. Es sorgt dafür, dass sich Windows-7-Rechner automatisch im Netz finden und Ressourcen basierend auf Libraries einfach per Checkbox freigegeben werden. Eine Homegroup ist automatisch passwortgeschützt.

Nur Windows-7-Rechner können an einer Homegroup teilnehmen. Für XP, Vista, und Mac OS X stehen nur die bislang bekannten Netzwerkfreigaben zur Verfügung.

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Netzwerkfunktionen unter Windows 7[10]

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Die zu haufig intervenierende Benutzerkontensteuerung war eines der großen Ärgernisse in Windows Vista. Sie greift immer ein, wenn ein Anwender für eine bestimmte Aktion Administratorrechte benötigt.

In Windows 7 hat Microsoft das Modul entschärft: Es meldet sich deutlich seltener und lässt sich zudem in mehreren Stufen konfigurieren. Die neue Taskleiste ist circa 50 Prozent höher als die von Vista. Sie heißt nun Superbar, funktioniert zunächst jedoch wie die Schnellstartleiste in bisherigen Windows-Versionen. Allerdings legt man Icons dort grundsätzlich selbst ab. Programme haben keine Möglichkeit, sich einzuklinken. So hat der Nutzer die volle Kontrolle über sein Arbeitsumfeld.

Startet man ein Programm, dessen Icon in der Superbar abgelegt ist, wird es nicht wie bisher durch eine separate Schaltfläche repräsentiert. Stattdessen erscheint ein Rahmen um das Icon. Es dient unter Windows 7 gleichzeitig zum Start und zum Umschalten. Programme, die aus dem nur leicht modifizierten Startmenü gestartet werden, sind nur solange in der Superbar zu sehen, wie sie geöffnet sind.

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Windows 7 Superbar[11]

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Bibliotheken (Library) erlauben es, den Inhalt mehrerer Ordner zusammenhängend darzustellen, ohne ihren Inahlt zu verändern. Damit lässt sich die Verwaltung von Dateien, die über mehrere Laufwerke verstreut sind, vereinfachen.

Windows 7 wird mit den Bibliotheken Dokumente, Musik, Bilder und Videos ausgeliefert. Sie haben alle einen persönlichen und einen öffentlichen Ordner. Dabei handelt es sich um die im Benutzerprofil (Name\Dokumente) beziehungsweise im öffentlichen Profil (Öffentlich\Dokumente) hinterlegten Pfade. Man kann auch eigene Libraries anlegen und beliebiger Ordner hinzufügen.

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Windows 7 Explorer[12]

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Durch Optimierung hat es Microsoft tatsächlich geschafft, die gefühlte Geschwindigkeit von Windows 7 im Vergleich zu Vista zu erhöhen. Das neue OS reagiert auf Mausklicks spürbar schneller (Antwortverhalten), was die Arbeit flüssiger erscheinen lässt. In den Benchmarks, beispielsweise der 3D-Leistung, bewegen sich sie Unterschiede allerdings meist nur im einstelligen Prozentbereich.

Windows Vista startet von einer SSD kaum schneller als von einer normalen Festplatte. Microsoft hat beim Bootvorgang von Windows 7 viele Aktionen parallelisiert, damit der Vorgang von der deutlich höheren SSD-Lesegeschwindigkeit profitiert. Das neue OS bootet von einer modernen SSD in circa zehn Sekunden. Windows Vista ist nicht optimal auf das Zusammenspiel mit Solid State Drives (SSD) vorbereitet. In Windows 7 hat Microsoft daher einige Änderungen vorgenommen. Aber nicht alle Vorhaben wurden umgesetzt.

So sind die Dienste Superfetch (nutzungsbasiertes Caching von Dateien im RAM) und Readyboost (Nutzung von Flash-Speichern als RAM-Ersatz) entgegen der Planungen doch eingeschaltet. Ob Superfetch angesichts der kurzen Zugriffszeiten und der hohen Lesegeschwindigkeiten SSDs etwas bringt, lässt sich kaum nachweisen. Auch der Nutzen von Readyboost, mit dessen Hilfe Systemdaten für einen schnelleren Zugriff auf USB-Sticks ausgelagert werden, ist angesichts der Verwendung einer SSD mehr als fraglich.

Bei SSDs ist prinzipbedingt keine Defragmentierung notwendig. Das entsprechende Tool liefert Microsoft noch mit, hat aber keinen Zeitplan konfiguriert. Bei PCs mit Hybrid-Speicher kann damit die Festplatte defragmentiert werden.

Microsoft hat die Blockgröße des NTFS-Dateisystems an das Layout der SSD angepasst, um Lese- und Schreiboperationen zu optimieren. Neu ist die Unterstützung des TRIM-Befehls, der ein grundsätzliches Problem bei der Ansteuerung von SSDs löst: Das Löschen einer Datei erfolgt lediglich in der File Allocation Tabelle (FAT). Daten sind auf der SSD weiter vorhanden. Mit der Zeit wird die Anzahl von freien Speicherzellen somit immer geringer. Soll eine belegte Zelle erneut beschrieben werden, muss diese zunächst gelöscht werden. Das verzögert eine erneute Speicherung von Daten.

Der TRIM-Befehl signalisiert dem SSD-Controller, dass eine Zelle gelöscht werden kann. Somit hat der SSD-Controller genügend Zeit, um die belegte Zelle zu löschen, sodass bei einem erneuten Schreibzugriff die Speicherung von neuen Informationen verzögerungsfrei geschehen kann. Die TRIM-Funktionalität muss von der Firmware der SSD unterstützt werden. Derzeit arbeitet noch keine SSD mit dem TRIM-Befehl aus Windows 7 zusammen. Für den Marktstart des Betriebssystems im Oktober wollen die SSD-Hersteller TRIM-fähige Firmware-Updates bereitstellen. Prinzipiell laufen unter Windows 7 alle Anwendungen, die auch unter Vista funktionieren. Eine Ausnahme sind systemnah geschriebene Tools wie Virenscanner, die meist ein Update benötigen. Da Microsoft diesmal eng mit dem ISVs zusammengearbeitet hat, sollten für die meisten Anwendungen bereits Aktualisierungen zur Verfügung stehen.Microsoft wurde vom Erfolg der Netbooks auf dem falschen Fuß erwischt. Da Vista für die eher schwache Hardware zu träge ist, musste das zum Auslaufmodell deklarierte Windows XP weiter lizenziert werden, um gegenüber Linux nicht an Boden zu verlieren.

Durch das bessere Antwortverhalten eignet sich Windows 7 für den Einsatz auf Netbooks (1,6-GHz-Atom, 1 GByte RAM). Auch die Aero-Oberfläche steht zur Verfügung. Aber trotz der Performanceoptimierungen ist Windows 7 nicht so schlank wie XP. Die gefühlte Geschwindigkeit liegt demensprechend etwas darunter.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/windows7
[2] = http://www.microsoftpdc.com
[3] = http://www.microsoft.com/germany
[4] = http://www.zdnet.de/sicherheit_in_der_praxis_sicher_ins_intranet_ohne_vpn_microsoft_direct_access_im_test_story-39001543-41005977-1.htm
[5] = http://www.zdnet.de/windows_system_verbessern_windows_7_upgrade_advisor_download-39002345-288412-1.htm
[6] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_software_windows_7_kommt_in_europa_ohne_browser_auf_den_markt_story-39001022-41005220-1.htm
[7] = http://www.zdnet.de/galerie/41005710/neue-verpackungen-fuer-windows-7.htm#sid=41500006
[8] = http://www.zdnet.de/microsoft_windows_7_technik_im_unternehmen_verguenstigtes_windows_7_microsoft_fuehrt_seine_kunden_an_der_nase_herum_story-39002367-41500150-1.htm
[9] = http://www.zdnet.de/betriebssysteme_in_unternehmen_linux_vista_xp_unix_mac_einstellungssache_windows_7_tipps_und_tricks_super_guide_story-20000004-41000885-2.htm
[10] = http://www.zdnet.de/galerie/39199880/netzwerkfunktionen-unter-windows-7.htm#sid=41500006
[11] = http://www.zdnet.de/galerie/39200508/windows-7-superbar.htm#sid=41500006
[12] = http://www.zdnet.de/galerie/39200211/windows-7-explorer.htm#sid=41500006