30-jähriges Jubiläum: 3Com will wieder mitmischen

(http://www.zdnet.de/magazin/41006122/30-jaehriges-jubilaeum-3com-will-wieder-mitmischen.htm)

von Rudi Kulzer und Peter Marwan, 3. Juli 2009

3Com feiert sein 30-jähriges Bestehen - erlebte aber schon bessere Zeiten. Mit der H3C-Produktpalette will sich das Unternehmen jedoch wieder als ernsthafter Wettbewerber im Bereich Enterprise-Networking positionieren.

Der nominelle Hauptsitz von 3Com ist in Marlborough, Massachusetts, vor den Toren Bostons. Ursprünglich war das von Ethernet-Pionier Robert Metcalfe[1] gegründete Unternehmen in Santa Clara, dem ehemaligen Zentrum der Netzwerker im Silicon Valley angesiedelt. Als wichtigste Tochter gehört H3C Technologies Co., Limited (H3C), als einer der drei führenden chinesischen Anbieter von Netzwerk-Infrastrukturprodukten zu 3Com. H3C mit Sitz in der alten Kaiserstadt Hangzhou und zunehmender Präsenz in Peking ist für die Produktentwicklung und Fertigung sowie für den Vertrieb im Mutterland China und Asien zuständig.

Der 3Com-Konzern bietet unter seiner H3C-Marke vor allem Produkte für den Unternehmensmarkt und deren Rechenzentren (Edge-to-Data-Center) an. Das Unternehmen positioniert sich hier als Herausforderer von Cisco. Dazu kommen unter der 3Com-Marke die traditionellen Kommunikationsprodukte für die Büros kleinerer und mittlerer Unternehmen. Ergänzt werden die beiden Schienen durch den Geschäftsbereich Tipping Point, einem zugekauften, netzwerkbasierten Intrusion Prevention System.

Die beiden chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE seien eher Lieferanten für die Carrier des Telekom-Marktes, sagte 3Coms Chief Operating Officer Ron Sege, in einem Telefoninterview mit ZDNet. Seine Zielmärkte dagegen seien Enterprise. "Die Produktpalette von H3C ist seit vielen Jahren die erste Neuankündigung auf dem Weltmarkt der Enterprise-Networking-Produkte. Wir wollen uns durch ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis von der restlichen Branche abheben", erklärte Sege weiter.

Beim weltweiten Vertrieb setzt die 3Com Corporation einerseits auf ein erweitertes direktes Vertriebsteam für Großkunden sowie auf autorisierte Channel-Partner andererseits. In EMEA gehören etwa Swisscom und BT France zu den autorisierten H3C-Enterprise-Partnern. In Deutschland scheint es noch keinen expliziten Partner zu geben. Dieser oder diese sollen wohl später benannt werden. In Lateinamerika sind Getronics[2] und Damovo[3] autorisierte Vertriebspartner für H3C Enterprise Networking Lösungen. Da beide Unternehmen auch in Deutschland aktiv sind, kämen sie eventuell als Partner in Frage - sind aber auch beide eng an den 3Com-Erzfeind Cisco gebunden.

Erste Erfolge mit H3C feierte 3Com in China, zum Beispiel mit dem Kunden Bank of China und Projekten im Zuge der Olympischen Spiele in Peking. Während der vergangenen sechs Monate seien aber auch H3C-Enterprise-Networking-Lösungen in ausgewählten Ländern in Europa, Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum eingeführt worden, hieß es. Beispiele dafür sind die französischen Eisenbahnen SNCF und die Österreichischen Bundesbahnen, die 3Com erst kürzlich als Kunden gewinnen[4] konnte. Gegründet hat 3Com vor 30 Jahren Robert Metcalfe. "3Com steht für Computer, Communications und Compatibility, 1979 war das schon ein recht neuartiges Konzept. Es gab damals kaum PCs, sondern nur Apple II Computer und vom World Wide Web sollte man erst 10 Jahren später hören. Wir waren schon eine Internetfirma, bevor es das Internet überhaupt gab."

Das Konzept bestand darin, offene Vernetzungsstandards voranzutreiben, und 3Com hatte dabei anfangs dreimal Glück, weil man auf Ethernet, TCP/IP und Unix gesetzt hatte. Das Unternehmen konnte damals aber auch durch Innovationen überzeugen. So wurden von ihm die erste Ethernet-Adapterkarte für den PC und Etherseries, das erste kommerzielle Netzbetriebssystem entwickelt und vermarktet.

Auch beim Ethernet-Bridging, aus dem später Ethernet-Switching hervorging, tat sich 3Com hervor. Später war es bei stapelbaren Hubs und Switches sowie der Erfindung und Vermarktung von Voice over IP (VoIP) sowie Power over Ethernet (PoE) vorne mit dabei. Zumindest anfangs, das Unetrnehmen wurde jedoch von den Konkurrenten in beiden Bereichen schnell abgehängt.

Mit dem Boom des Internets und der Vernetzung erlebte auch 3Com seine Höhenflüge. So wurden im März 1997 US Robotics (und damit auch Palm) für 7,8 Milliarden Dollar übernommen. Sowohl US Robotics[5] als auch Palm[6] vrkaufte man aber nur drei Jahre später schon wieder.

Das Unternehmen brachte sich aber auch durch andere unglückliche Management-Entscheidungen selbst in erhebliche Probleme. Gerade viele der großen Kunden und Vertriebspartner verärgerte etwa die Abkündigung der Switch-Serie "Corebuilder", die 3Com jahrelang nachgetragen wurde und die das Vertrauen vieler Kunden zu der Firma untergrub.

Ein Bilanzskandal 2002, Entlassungen[7] und mehrmals hintereinander schlechte Quartalszahlen[8] ließen das Unternehmen dann in eine veritable Krise schlittern.Das im selben Jahr übernommene[9] Start-Up Kerbango[10], ein Anbieter von Internet-Radios, war zwar damals sehr innovativ. Profitabel vermarkten konnte 3Com dessen Produkte aber nicht. Es fehlte damals einfach die notwendige Durchdringung der Privathaushalte mit Breitband.

Von 3Coms Schwächephase profitierte vor allem Cisco[11], aber auch HPs Netzwerksparte ProCurve[12] konnte in den folgenden Jahren – meist zu Lasten von 3Com – seine Marktanteile bei Ethernet-Switches steigern.

Bei Heimnetzwerkprodukten und Netzwerkausrüstung für kleine Büros - einmal eine Domäne von 3Com - machten Netgear[13] und insbesondere in den USA Linksys[14] und D-Link[15] dem Branchenpionier mit der Zeit immer mehr zu schaffen. Der rasante Preisverfall bei Netzwerkkarten und die Integration von Konnektivität auf Mainboards ließen 3Com dann auch dieses Standbein wegbrechen.

2003 gründeten 3Com und Huawei ein Joint-Venture namens H3C mit Sitz in China. 2005 übernahm[16] 3Com die Firma Tipping Point für den stolzen Betrag von 430 Millionen US-Dollar. Beides leitet die Hinwendung zu margenstärkeren Produkten ein, die inzwischen zumindest teilweise Früchte getragen hat.

Kritsich beäugt wurden nicht nur von Kunden und Investoren, sondern auch von US-amerikanischen Behörden die Übernahmegespräche mit dem chinesischen Netzwerker Huawei: Man fürchtete, dass wichtige Patente, die sich in 3Coms Besitz befinden, nach China abwandern und zur Schädigung der amerikansichen Wirtschaft benutzt werden könnten. Das daraus entstandene Hin und Her[17], die mehrfach verschobenen Aktionärsversammlungen und die widersprüchlichen Meldungen in kurzer Zeit scheinen dem Unternehmen aber dennoch kaum geschadet zu haben.

Zwar spielt 3Com bei den Marktforschern in Statistiken, die die verkauften Portzahlen messen, heute eine untergeordnete Rolle. Bei der Betrachtung nach Umsatz kann das Unternehmen aber wieder punkten. Allerdings scheint man immer mehr von wenigen großen Projekten zu leben - und wohin das beispielsweise bei Nortel geführt hat[18], ist bekannt.

Die Marktführung wurde aber wahrscheinlich ein für allem mal verspielt: Der ehemalige Routerspezialist und einstige Nischenanbieter Cisco reklamiert derzeit je nach Teilsegment zwischen 70 und 80 Prozent des Marktes für sich.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Metcalfe
[2] = http://www1.getronics.com/de/de-de/home.htm
[3] = http://www.damovo.de/DE/
[4] = http://www.3com.com/corpinfo/en_US/pressbox/press_release.jsp?INFO_ID=315566
[5] = http://www.usr-emea.com/loc-index.asp?loc=grmy
[6] = http://www.palm.com/de/de/
[7] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_3com_entlaesst_nochmals_zehn_prozent_story-39001020-2135990-1.htm
[8] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_3com_verlust_runter__umsatz_ebenfalls_story-39001020-2127878-1.htm
[9] = http://ca.3com.com/news/releases/pr00/jun2700a.html
[10] = http://en.wikipedia.org/wiki/Kerbango
[11] = http://www.cisco.de
[12] = http://h40060.www4.hp.com/procurve/de/de/index.html
[13] = http://www.netgear.de/
[14] = http://de.wikipedia.org/wiki/Linksys#Tochterfirmen
[15] = http://www.dlink.de/
[16] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_3com_schliesst_kauf_von_tippingpoint_ab_story-39001020-39130011-1.htm
[17] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_3com_naechster_akt_im_uebernahmetheater_story-39001020-39188654-1.htm
[18] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_ist_der_telekom_pionier_nortel_noch_zu_retten_story-11000006-39201228-1.htm