Seit dem Release Candidate von Windows 7 können Anwender Fotos, Videos, Bilder und TV-Aufzeichnungen übers Internet freigeben. ZDNet hat getestet, ob das Feature in der Praxis funktioniert und wo die Einschränkungen liegen.
Anwender wollen heute immer und überall auf ihre Dateien zugreifen. Dieser Anforderung kommt Windows 7[1] seit dem Release Candidate zumindest eingeschränkt nach: Das OS ermöglicht es, die komplette Medienbibliothek übers Internet freizugeben. ZDNet hat die Funktion getestet.
Einrichtung
Die Einrichtung erfolgt über den Button Streamen im Media Player 12. Dort steht die Option Internetzugriff auf Heimmedien zulassen zur Verfügung.
Um das Feature nutzen zu können, muss man seinen Windows-Account mit einer Windows Live ID[2] verknüpfen. Dazu ist der Download eines Plugin notwendig. Der Vorgang muss auf mindestens zwei Windows-7-Rechnern durchgeführt werden. Die Aktivierung des Mediastreaming ist unter dem Strich zwar nicht kompliziert, könnte aber ein wenig komfortabler sein.
Nach der Einrichtung taucht im Media Player 12 die neue Bibliothek auf. Es stehen die Unterkategorien Musik, Videos, Bilder und TV-Aufzeichnungen zur Verfügung.
Als Server dient im Test ein älterer 2,2-GHz-Dual-Core-Athlon-64 mit Nvidia-Chipsatzgrafik. Er ist über einen DSL-Anschluss mit 800 KBit/s Upstream und 16 MBit/s Downstream mit dem Internet verbunden. Empfänger ist ein 2,33-GHz-Core-2-Duo mit Chipsatzgrafik von Intel. Er hängt an einem SDSL-Anschluss, der synchron mit 4 MBit/s überträgt. Flaschenhals ist also der Upstream des Servers.
Nach dem Start des Media Player 12 dauert es ungefähr 15 Sekunden, bis die Medienbibliothek des Servers zur Verfügung steht. Während selbst größere Musiksammlungen mit mehr als 1000 Songs nach 30 Sekunden komplett durchgblättert werden können, muss man bei Bildern, TV-Aufzeichnungen und Videos etwas mehr Geduld aufbringen. Der Media Player 12 lädt nämlich zur besseren Visualisierung die zugehörigen Thumbnails herunter. Mitunter reagiert die Software dabei etwas zäh.
Am besten funktioniert das Streaming von Musik, da der Upstream des DSL-Zugangs von 800 KBit/s keinen Engpass darstellt. Nach der Auswahl eines Titels dauert es nur wenige Sekunden, bis er aus den Lautsprechern ertönt. Alle Medieninhalte - bis auf Fotos - werden wenn nötig von Windows 7 so umgerechnet, dass sie flüssig über die zur Verfügung stehende Internetverbindung übertragen werden können. Bei klassischen MP3-Dateien, die oft mit 192 KBit/s vorliegen, ist das meist nicht notwendig. Qualitativ muss man also keine Einschränkungen hinnehmen.
Anders sieht es dagegen bei Videos aus. Ein HD-Video mit einer Datenrate von 6 MBit/s zeigt der Media Player 12 auf dem Client mit nur 600 KBit/s - für eine Vollbilddarstellung zu wenig. Im Bild sind manchmal Kompressionsartefakte zu erkennen. Die Wiedergabe bleibt aber auch bei längeren Filmen flüssig. Bis es losgeht, können 15 bis 20 Sekunden vergehen. Gleiches gilt für das Streaming von TV-Aufzeichnungen.
Während die Übertragung von Musik, Videos und TV-Aufzeichnungen außer den beschriebenen Einschränkungen keine Probleme macht, gestaltet sich die Anzeige von Bildern weniger komfortabel. Windows 7 rechnet Fotos nämlich nicht auf eine sinnvolle Größe herunter, sondern zeigt sie in der Originalauflösung an. Da ein Bild von einer Digitalkamera schnell mehrere Megabyte groß sein kann, gerät die Diashow zur Geduldsprobe. Hier sollte Microsoft unbedingt nachbessern.
Das im Media Center beheimatete Live TV überträgt die Lösung nicht. Auch die über das Web freigegebene Bibliothek taucht nicht im fernbedienbaren Interface auf. Das Streaming funktioniert mit allen Dateiformaten, die Windows 7 nativ unterstützt. Die Bildergalerie gibt eine Übersicht[4]. Die Medienfreigabe übers Internet in Windows 7 hat mehrere Vorteile: Sie ist ins OS integriert und steht jedem Anwender kostenlos zur Verfügung. Auch Einrichtung und Nutzung sind unproblematisch.
Demgegenüber stehen aber einige Einschränkungen: Als Client kann nur ein anderer Windows-7-Rechner genutzt werden. Eine webbasierte Lösung steht nicht zur Verfügung. Zudem mangelt es an Einstellungsmöglichkeiten, um beispielsweise die Größe von Bildern festzulegen. Auch Live-TV kann nicht gestreamt werden.
Man sollte zudem beachten, dass mit heute üblichen Upstreams von 800 bis 1000 KBit/s lediglich Musik verlustfrei übertragen werden kann. Bei den meisten Videos sind dagegen deutliche Qualitätseinbußen zu verzeichnen. Obwohl das Streaming im Test stabil funktioniert, bleibt hier die Empfehlung, Videos gegebenenfalls besser auf einem Datenträger mitzunehmen.
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