Die IT für die Zeit nach der Krise fit machen

(http://www.zdnet.de/magazin/41004471/die-it-fuer-die-zeit-nach-der-krise-fit-machen.htm)

von Peter Marwan, 28. Mai 2009

Die Initiative "Zukunftswerkstatt Informationstechnologie" will Ansätze und Lösungen erarbeiten, mit deren Hilfe IT-Leiter den an sie gestellten, sich rasch wandelnden Anforderungen, gerecht werden können.

Richtig neu sind die Forderungen nicht, durch die ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfen sie sich aber in vielen Firmen: IT-Betriebsausgaben müssen sinken, gleichzeitig soll die Innovationskraft steigen. Parallel dazu macht sich ein ebenfalls schon länger beobachtetes[1], inzwischen aber breiter feststellbares Phänomen in Firmen breit: Die Weiterentwicklung der IT wird nicht mehr in erster Linie von der IT-Abteilung, sondern vielmehr von den Anwendern selbst vorangetrieben.

Stichwort dafür sind das iPhone oder sogenannte Web-2.0-Anwendungen[2], die zunehmend auch während und für die Arbeit genutzt werden - ganz egal, ob dies in den Firmen von oben verordnet oder gutgeheißen wird oder nicht. Aber auch bei komplexeren Anwendungen scheinen Manager das Vertrauen in die Innovationskraft der IT-Abteilung verloren zu haben[3].

Thomas Lipinski, Geschäftsführer der Alternus Beratungsgesellschaft und Initiator der Zukunftswerkstatt Informationstechnologie (Bild: Alternus).
Laut Thomas Lipinski, Geschäftsführer der Alternus Beratungsgesellschaft und Initiator der Zukunftswerkstatt Informationstechnologie, braucht es "völlig neue Ansätze, die auch ein neues Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der IT fördern" (Bild: Alternus).

Beide Entwicklungen machen der IT-Abteilung das Leben schwer. Während der von der der Hamburger Unternehmensberatung Alternus[4] initiierten "Zukunftswerkstatt Informationstechnologie" diskutieren CIOs Ansätze, die helfen sollen, die IT für die Zeit nach der Krise fit zu machen.

Als Trendthemen kristallisierten sich "Business Intelligence[5] als Basis für nachhaltige Gestaltung von Unternehmen", "IT-Komplexität beherrschbar machen" und "Neue Ansätze zur Kommunikation zwischen Fachabteilung und IT" heraus. Zu ihnen erarbeiten die Teilnehmer aus den Mitgliedsunternehmen Lösungsansätze. Ganz gleich, ob Unternehmen Kundendaten analysieren, Serviceprozesse auf den Prüfstand stellen oder ein umfassenden Performance Management einführen möchten: Um analytische Anwendungen - Business Intelligence und Data Warehouses - kommen sie nicht herum.

"Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten brauchen Unternehmen eine solide Datenbasis, um Entscheidungen treffen zu können", sagt Marcus Pilz, einer der Vorstände des The Data Warehousing Institute Germany e.V.[6]. Denn BI könne helfen, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen und Lösungsoptionen zu erarbeiten.

Marcus Pilz, einer der Vorstände des The Data Warehousing Institute Germany e.V.(Bild: TDWI).
"Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten brauchen Unternehmen eine solide Datenbasis, um Entscheidungen treffen zu können", sagt Marcus Pilz, einer der Vorstände des The Data Warehousing Institute Germany e.V.[6] (Bild: TDWI).

Für mittlere und große Unternehmen stelle sich dabei immer wieder die Frage, wie eine BI-Plattform aussehen sollte. "Wer hat die Datenhoheit, wer trägt Sorge für die Datenqualität und damit für den entscheidenden Eckpfeiler der Nutzerakzeptanz", sind laut Pilz die wichtigen Fragen. Oft sei aber auch nicht zufriedenstellend geklärt, was Unternehmen mit den Datenbergen und Reports machen.

Welchen Nutzen ziehen Firmen aus den verdichteten Informationen und wie fließen gewonnene Erkenntnisse zurück in die operativen Geschäftsprozesse? Welche Kennzahlen, in welcher Breite und Tiefe sind überhaupt nötig, um Unternehmen zu steuern? Wie auch andere Marktbeobachter kritisieren[7], würden diese Aspekte häufig nicht oder zumindest nicht ausreichend bedacht. Die Antwort auf diese Fragen könnte nach Ansicht des BI-Experten Pilz die Etablierung eines Business Intelligence Competence Center (BICC) sein.

Ein weiterer Brennpunkt für IT-Manager, der in Zukunft an Bedeutung gewinnt, ist die hohe Komplexität von IT. "Von einer ehemals rein Host-basierten Welt mit 3270-Terminals hat sich die Komplexität der IT-Landschaften durch die Einführung von PCs, Client-Server-Anwendungen, Desktop-Anwendungen mit der Mächtigkeit von Programmiersprachen drastisch erhöht", sagt der Analyst Wolfgang Martin[8].

Durch Business-Anforderungen wie schnelleres Time-to-Market oder einen höheren Automatisierungsgrad in der Back-Office-Verarbeitung würden die Anforderungen ebenso steigen wie durch mobile Anwendungen, die flexible Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit, Web-2.0-Technologien sowie die Konvergenz von IT und Telekommunikation. "Es ist an der Zeit, sich grundlegend Gedanken zu machen, wie sich die Komplexität von IT beherrschen lässt", meint daher Lothar Engelke, Geschäftsführer der Gothaer Systems GmbH[9], dem IT-Dienstleister der Gothaer Versicherungsgruppe.

Lothar Engelke, Geschäftsführer der Gothaer Systems GmbH (Bild: Gothaer Systems).
"Es ist an der Zeit, sich grundlegend Gedanken zu machen, wie sich die Komplexität von IT beherrschen lässt", findet Lothar Engelke, Geschäftsführer der Gothaer Systems GmbH[9] (Bild: Gothaer Systems).

Technisch gebe es mittlerweile eine Reihe von Ansätzen, die eine agilere Realisierung von IT-Anwendungen erlauben: etwa Service-orientierte Architekturen (SOA[10]) oder Cloud Computing[11]. Damit lassen sich Geschäftsprozesse rasch umsetzen, aktuell halten und auf die Bedürfnisse der Fachbereiche zuschneiden. Soweit die Theorie. Die Umsetzung scheitere jedoch häufig an dem gebetsmühlenartig wiederholten Dogma: "IT und Fachabteilung können nicht miteinander."

"Es ist mehr Qualitätskommunikation und Abstimmung zwischen IT und Fachbereichen erforderlich", erklärt Thomas Lipinski, Geschäftsführer der Alternus Beratungsgesellschaft und Initiator der Zukunftswerkstatt. Gerade in Zeiten, in denen die Fertigungstiefe abnehme und die Dynamik in der Geschäftsentwicklung zunehme sei es wichtig, eine gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT zu erreichen.

"Wir brauchen völlig neue Ansätze, die auch ein neues Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der IT fördern", so Lipinski weiter. "Eine Service-orientierte Organisation (SOO) kann der Schlüssel sein, wie sich IT und Business organisieren sollten."

In den kommenden Monaten sollen Vertreter der an der Zukunftswerkstatt Informationstechnologie[12] beteiligten Mitgliedsunternehmen diese Themen bearbeiten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse fließen in den voraussichtlich im November erscheinenden "IT-Report 2010" ein.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/it_business_erfolge_veraenderte_arbeitsstile_gehen_an_der_it_abteilung_vorbei_story-39002357-39201732-1.htm
[2] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_idc_und_die_zukunft_der_it_industrie_web_2_0_firma_enterprise_2_0_story-11000015-39157712-1.htm
[3] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_manager_trauen_it_abteilungen_kaum_innovationen_zu_story-11000015-39201635-1.htm
[4] = http://www.alternus.de
[5] = http://www.zdnet.de/artikel_zum_thema_business_intelligence_thema-39002356-39000773o0o0-1.htm
[6] = http://www.tdwi.eu/
[7] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_business_intelligence_firmen_fehlt_ein_vernuenftiger_plan_story-11000006-39201526-1.htm
[8] = http://www.wolfgang-martin-team.net/
[9] = http://www.gothaer-systems.de/de/fln/start.htm
[10] = http://www.zdnet.de/itmanager/toolkits/0,39030558,39142340,00.htm
[11] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_cloud_computing_zwischen_wunsch_und_wirklichkeit_story-11000009-39202000-1.htm
[12] = http://www.alternus.de/index.php?option=com_content&task=view&id=123&Itemid=63