Als Technologiestandort wird Berlin oft unterschätzt. In Bezug auf quelloffene Software nehmen die Bundeshauptstadt und die in ihr ansässigen Firmen jedoch eine führende Rolle ein.
Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Harald Wolf, hat sich bei einer Rundfahrt zusammen mit der Presse über Anwendungen informiert, die Berliner IT-Dienstleister aus Open-Source-Software entwickelt haben. Ganz neu ist für den Politiker das Feld aber nicht, schließlich wird die Open-Source-Entwicklung vom Senat der Stadt besonders gefördert. Mit der gezielten Weiterentwicklung des Bereiches ist die TSB Innovationsagentur Berlin[1] beauftragt.
Diese legte vor kurzem eine Zwischenbilanz[2] ihrer Arbeit vor. Demnach sind in und um Berlin rund 40.000 Menschen in über 3000 meist mittelständischen IKT-Unternehmen beschäftigt. Davon sind nach Schätzung der Agentur derzeit rund 500 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände mit Open-Source-Hintergrund. Deren Gesamtumsatz liegt bei rund 150 Millionen Euro. Allerdings wird an vielen Arbeitsplätzen nicht ausschließlich mit Open-Source-Software gearbeitet, so dass sich laut der TSB tatsächlich rund 9700 Menschen in rund 600 Unternehmen mit Open-Source-Technologie befassen.
"Wir haben das Handlungsfeld Open Source in die gemeinsame Strategie zur Entwicklung des IT-Standortes aufgenommen. Open Source wird immer professioneller, erobert mittlerweile beachtliche Marktanteile und schafft Arbeitsplätze", sagt Senator Harald Wolf.
Bei genauerem Hinsehen stehen viele Firmen, die ihr Geschäft auf Open-Source aufbauen, aber noch am Anfang. Über die Hälfte sind Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als sechs Mitarbeitern. Die künftige Entwicklung der Mitarbeiterzahl schätzen die Unternehmen jedoch überaus positiv ein: 51 Prozent möchten weitere Mitarbeiter einstellen.
Aber auch größere Firmen sind ausgesprochen optimistisch: Insgesamt erwarten 80 Prozent der in der Region Berlin im Open-Source-Umfeld tätigen Firmen für 2009 eine Umsatzsteigerung. Die Hälfte schätzt die Steigerung auf über 16 Prozent. Außerdem gaben die Befragten für die Berliner Open-Source-Software-Branche insgesamt optimistischere Prognosen ab als für die Branche im Bundesdurchschnitt.
Hauptgeschäftsfelder der befragten Unternehmen sind Web-Entwicklung und Open-Source-Softwareentwicklung: Über 50 Prozent der Alleinunternehmer und der kleinen Unternehmen sind in diesen Bereichen tätig. Hardwareentwicklung mit Open-Source-Komponenten, vorrangig für sogenannte "Embedded Systems", betreiben dagegen weniger als zehn Prozent.
Trotz des wirtschaftlichen Optimismus sehen sich die Unternehmen in einer Außenseiterrolle. Sie hätten nach eigenen Angaben insbesondere unter "anhaltenden Vorurteilen" und "fehlender politischer Unterstützung" zu leiden.
Ein zumindest ähnliches Bild zeichnet auch der kürzlich von Red Hat[4] veröffentlichte weltweite Open-Source-Index. In diesem Ranking belegt Deutschland bei der Open-Source-Aktivität hinter Frankreich und Spanien Rang drei.
Zwar haben 84 Prozent der Berliner Open-Source-Dienstleister auch Kunden weit außerhalb der Grenzen der Hauptstadtregion. Dennoch sorgt dort der naturgemäß stark vertretene öffentliche Sektor für eine besondere Stellung.
Mit den vor Ort ansässigen politischen Vertretungen, Fachhochschulen und Bibliotheken, den Museen und nicht zuletzt den Verwaltungen von der Bezirksebene bis hin zu den Bundeseinrichtungen besteht direkt vor der Haustür ein sehr interessantes Nachfragepotenzial.
Die starke Open-Source-Präsenz macht sich inzwischen auch im Veranstaltungskalender der Hauptstadt bemerkbar. Neben dem LinuxTag[5] (24. bis 27. Juni) findet dieses Jahr Ende Juni auch die Fachkonferenz Berlin Open 2009[6] statt.
Top-Fünf-Länder im Red-Hat-Open-Source-Index | |||
| Länderrangfolge | Aktivität der Regierung | Aktivität der Industrie | Aktivität des Bildungswesens |
|---|---|---|---|
| Frankreich | 1 | 25 | 3 |
| Spanien | 2 | 22 | 10 |
| Deutschland | 4 | 19 | 5 |
| Australien | 14 | 4 | 11 |
| Finnland | 19 | 1 | 18 |
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