SOA hat sich trotz Unkenrufen etabliert

(http://www.zdnet.de/magazin/41002062/soa-hat-sich-trotz-unkenrufen-etabliert.htm)

von Markus Reppner, 24. März 2009

SOA erfreue sich bester Gesundheit, kontern deutsche Analysten die Attacken ihrer Kollegen aus den USA. Hierzulande seien Unternehmen sehr weit mit der Umsetzung und widmeten sich bereits Folgeprojekten. Wie kommen sie zu diesem Schluss?

Ist die Service-orientierte Architektur (SOA) tatsächlich tot, wie Burton[1]-Analystin Anne Thomas Manes Anfang des Jahres behauptet hat[2]? Manes stützt ihre These auf gescheiterte Projekte und die aktuell schwierige Weltwirtschaftslage. Im gleichen Atemzug spricht sie von den Zukunftschancen servicebasierter Ansätzen wie Mashups, Cloud Computing oder Software as a Service (SaaS).

"Die Burton Group hat damit einen gigantischen Marketing-Schachzug gemacht", kommentiert Wolfgang Martin, Analyst und Inhaber des Beratungshauses Wolfgang Martin Team[3]. "Das hört sich so an, als würde man ein Haus mit Steinen bauen und dabei auf einen Architekten verzichten wollen. SOA ist nicht tot. Genau das Gegenteil ist der Fall. SOA ist quicklebendig."

Martin untermauert seine Behauptungen mit dem "SOA Check 2009", den der Analyst in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich KOM der TU Darmstadt[4] vorgelegt hat. Die Studie zeigt, dass das Konzept im deutschsprachigen Raum weit vorangeschritten ist. 15 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie sich bereits in der Endphase der Umsetzung befinden. 43 Prozent befinden sich mitten auf dem Weg der Umsetzung. 38 Prozent beschäftigen sich seit über zwei Jahren mit SOA, der Index für den Grad der Wichtigkeit stieg von 3,47 im Jahr 2008 auf nun 3,60 Punkte.

Laut der Studie haben inzwischen Unternehmen auch den Nutzen von SOA klar verstanden. 27 Prozent versprechen sich von der Einführung, die Flexibilität ihres Unternehmens zu steigern. 21 Prozent wollen ihre Prozesse optimieren und 14 Prozent damit die Markteinführung von Produkten beschleunigen.

Zwar habe Gartner[5] in seiner im November 2008 vorgestellten, weltweiten SOA-Studie ein nachlassendes Interesse konstatiert[6], gibt Martin zu. Ein genauerer Blick in die Analyse zeige allerdings, dass sich die Europa-Ergebnisse mit den nun vorliegenden Zahlen aus dem deutschsprachigen Raum decken. "In Europa hat SOA einen ganz anderen Stellenwert als in den USA. Das beweist wieder einmal, dass Europäer die besseren Ingenieure sind, was bei der Umsetzung einer SOA von elementarer Bedeutung ist." Für Martin ist die Investition in eine Service-orientierte Architektur eine Notwendigkeit. "Wenn die Weltwirtschaftskrise bewältigt ist, müssen die Unternehmen gerüstet sein. Es wird die Mammutprojekte zur Einführung von Unternehmenssoftware nicht mehr geben. Das klassische Vorgehen, wie wir es in der IT-Anwendungsentwicklung derzeit noch kennen, hat ausgedient." Sogenannte Quick-wins seien dann gefragt - und die verlangten von den Unternehmen Flexibilität und Produktivität. Mit einer SOA sei dies möglich.

Auch für Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC[7], ist SOA lebendig. Das Konzept sei mittlerweile nicht mehr wegzudenken. "Seit fünf Jahren sprechen wir von SOA. Es hat wahnsinnige Anstrengungen seitens der Hersteller gegeben, das Thema voranzubringen."

Rüdiger Spies von IDC
"Wenn bei SOA etwas tot ist, dann ist es das Marketing", meint IDC-Analyst Rüdiger Spies (Bild: IDC).

Der Grund dafür: Ohne den Architekturgedanken hätten sie ihre Produkte aus Sicht der Programmierung nicht mehr beherrschen können. "Die Hersteller haben das Konzept teilweise als übergeordnete Botschaft benutzt, um ihren Laden zusammenzuhalten." Damit bekomme jeder, der ein solches Produkt kaufe, die SOA-Technologien automatisch mitgeliefert. Zudem basiere die Konzeption auf Standard-Protokollen, die jeder haben möchte. "Wenn etwas bei SOA tot ist, dann ist es das Marketing", so Spies. Bedeutet das, SOA ist lediglich der Entwurf einiger weniger marktbeherrschender Hersteller wie IBM[8] und SOA[9], denen die Herde der Unternehmer-Lemminge blind folgt? Ist SOA deshalb nicht mehr wegzudenken? "Sicherlich ist es so, dass die allgemeine Vorstellung von SOA durch die großen Anbieter geprägt ist", räumt Martin ein.

Dies sollte jedoch nicht dazu führen, dass Firmen das wichtige Thema auch komplett von einem Lieferanten und nur in dessen Sinne abdecken lassen. "Es ist Blödsinn zu behaupten, meine SOA heißt SAP", meint IDC-Experte Spies. "Die Architektur gehört in die Verantwortung des CIOs. Er muss SOA für sein Unternehmen ganz individuell definieren. Das ist sein Job - und das kann man nicht kaufen oder delegieren."

Interessant ist auch ein Blick auf die Wunschliste der Unternehmen, was Projekte angeht. Hier hat laut einer IDC-Studie Business Performance Management (BPM) SOA an erster Stelle abgelöst. "Das ist aber kein Anzeichen dafür, dass die Unternehmen SOA zugunsten von BPM aufgegeben haben", sagt Spies. "Vielmehr ist es so, dass sich Unternehmen diesem wichtigen Thema nun widmen können, weil sie eine SOA haben."

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.burtongroup.com/
[2] = http://cgi.zdnet.de/itmanager/?p=245
[3] = http://www.wolfgang-martin-team.net/content/index.htm
[4] = http://www.kom.tu-darmstadt.de/en/home/
[5] = http://www.gartner.com
[6] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_soa_ernuechterung_macht_sich_breit_story-11000006-39198789-1.htm
[7] = http://www.idc.com/germany/
[8] = http://www-01.ibm.com/software/de/solutions/soa/
[9] = http://www.sap.com/germany/plattform/soa/index.epx