Viele Megapixel alleine machen noch keine gute digitale Kompaktkamera. Olympus glaubt sogar, dass auch bei Spiegelreflexkameras das Verbesserungspotenzial durch zusätzliche Megapixel ausgereizt ist. Verändert sich dadurch ein ganzes Marktsegment?
"Zwölf Megapixel decken meiner Ansicht nach die meisten Anwendungen ab, die Kunden wirklich benötigen", sagt Akira Watanabe, Manager der Olympus[1]-Entwicklungsabteilung für Spiegelreflexkameras, im Interview mit der ZDNet.de-Schwester-Site CNET.com[2]. "Wir haben nicht die Absicht, den Megapixel-Krieg mit unseren E-System-Modellen mitzumachen." Olympus wolle sich mit seinen Spiegelreflexkameras stattdessen auf andere Merkmale konzentrieren, etwa die Lichtempfindlichkeit, die Optimierung der Farbwiedergabe oder die Verbesserung der Aufnahmequalität bei ungünstigen Lichtverhältnissen.
Das ist eine mutige Aussage, stellt sich der Manager doch damit gegen die gesamte Konkurrenz, den Marketingapparat der kompletten Vermarktungskette und auch gegen die vorherrschende Meinung bei einem Großteil der Kunden: Deren Dogma ist immer noch "umso mehr Megapixel, desto besser die Kamera". Dass dieses Paradigma aber nur bis zu einem gewissen Punkt gilt, versuchen mutige Aufklärer dem Markt schon seit Jahren zu erklären - bislang jedoch nur mit mäßigem Erfolg.
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| "Zwölf Megapixel sind genug", glaubt Olympus-Manager Akira Watanabe (Bild: Olympus). |
Am anschaulichsten und mit vielen aufschlussreichen Beispielen bemüht sich bereits seit Jahren 6 Megapixel[3] darum, die Nachteile des Megapixel-Wahns darzulegen. Die Argumentation in Kurzfassung: Da Kompaktkameras klein und preiswert sein sollen, besitzen sie auch nur vergleichsweise kleine Bildsensoren. Um auch mit kleinen Sensoren viele Pixel zu erhalten, sind diese immer feiner unterteilt. Dadurch nimmt die Lichtempfindlichkeit der Kamera ab, das sogenannte Rauschen wird jedoch stärker. Bessere Objektive könnten den Mangel teilweise ausgleichen, passen aber gerade bei den kleinen Kameras nicht ins Konzept.
Die Autoren der Website betonen jedoch, dass ihre Kritik für digitale Spiegelreflexkameras nicht gilt, "weil der Sensor dieser Kameras und damit jedes Pixel sehr viel größer ist". Hersteller haben sich bisher aber in die lange Liste der "6-Megapixel-Unterstützer" noch nicht eingetragen. Olympus-Manager Watanabe ist der erste Herstellervertreter, der sich in dieser Richtung äußert - auch wenn er die sinnvolle Obergrenze erst bei zwölf Megapixel sieht. Worum geht es genau? Die Zahl der Megapixel zu erhöhen ist für Kamerahersteller eine einfache Methode, um ein ansprechendes Verkaufsargument zu schaffen. Schließlich wird damit eine griffige Zahl geschaffen, die vom Kunden leicht zu verstehen ist. "Mehr ist besser" galt aber nur eine gewisse Zeit.
Bei kompakten Digitalkameras ist sie schon längst vorbei: 0,3 Megapixel entspricht nämlich VGA[4]-Auflösung (640 mal 480 Bildpunkten), ein Megapixel ist mit XGA[5] gleichzusetzen (1152 mal 864 Bildpunkten) und zwei Megapixel mit UXGA[6] (1600 mal 1200 Bildpunkten). Anfangs erlaubten zusätzliche Megapixel größere Ausdrucke und gute Qualität bei der Auswahl von Bildausschnitten. Inzwischen bringen zusätzliche Megapixel aber mehr Nachteile als Vorteile.
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Übertreibt man es, bringen bei kompakten Kameramodellen zusätzliche Pixel statt Qualitätsgewinn lediglich stärkere Störungen (Bild: http://6mpixel.org).
Ein weiterer Nachteil zu kleiner Sensoren mit zu granularer Pixelaufteilung ist deren reduzierte Lichtempfindlichkeit: Helle Bereiche bleichen aus, dunkle Bereiche des Bildes werden zu schwarzen Flecken, in denen sich keine Details mehr unterscheiden lassen.
Und schließlich nehmen die mit den Megapixel-Giganten geknipsten Bilder auch wesentlich mehr Platz auf Speicherkarten, Festplatten sowie Webservern ein. Die Kameras wiederum benötigen immer leistungsfähigere Prozessoren zur Bildverarbeitung, um mit den wachsenden Datenmengen zurechtzukommen.
Um Bilder in den klassischen Fotoformaten 10 mal 15 oder 13 mal 18 Zentimetern auszudrucken - größere Formate nutzen nur sehr wenig Anwender -, reichen jedoch auch die Pixelzahlen der Oldtimer unter den Digicams schon lange aus.
Die Ansichten von Olympus zur Megapixel-Frage betreffen hauptsächlich Hobbyfotografen. "Studio- und professionelle Fotografen, die etwa Bilder für Hochglanzmagazine aufnehmen, haben sicherlich auch weiterhin Bedarf an zusätzlichen Megapixeln", räumt Watanabe ein. "Braucht ein Kunde mehr als zwölf Megapixel, sollte er sich eines der Kameramodelle mit Vollformatsensor[8] anschaffen."
Die gibt es bei der Konkurrenz. Die Sensoren in Spiegelreflexkameras von Olympus entsprechen dagegen dem Four-Thirds-Standard[9]. Das bedeutet, dass sie etwas kleiner als diejenigen in den Spiegelreflexkameras der Marktführer Canon[10] und Nikon[11] sowie wesentlich kleiner als die der Vollformatkameras sind.
"Ich persönlich habe bereits vor der Markteinführung unserer E-System-Serie geglaubt, dass zwölf 12 Megapixel ausreichen", sagt Watanabe. Befragungen unter professionellen Fotografen und in Studios hätten diese Ansicht untermauert. Allmählich seien die Pixelzahlen zwar erhöht worden, nach den aktuellen Olympus-Modellen sei jedoch diesbezüglich keine weitere Steigerung geplant.
Das Ende der Innovation will Watanabe damit aber nicht ausgerufen haben. Er sieht beispielsweise noch viel Potenzial in der schnelleren Darstellung des Bildes auf dem LCD der Spiegelreflexkamera oder beim Autofokus.
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