Alle Welt spricht von Google Mail. Im Windschatten des Erfolges hat sich die unter dem Yahoo-Dach agierende Konkurrenz Zimbra mit über 40 Millionen zahlenden Mailbox-Nutzern etabliert. ZDNet hat beide Angebote verglichen.
In einer aktuellen Mitteilung verweist Zimbra[1] stolz auf seine jüngsten Erfolge[2]: Die im September 2007 von Yahoo übernommene Firma[3] verzeichnet inzwischen nach eigenen Angaben über 41 Millionen zahlende Nutzer des sowohl für Windows[4]- als auch für Macintosh[5]-Rechner angebotenen "Yahoo! Zimbra Desktops". Außerdem hätten viele weitere Millionen Nutzer bereits die kostenlose Open-Source-Variante heruntergeladen.
Vom Wachstum würden auch die anderen Zimbra-Produkte profitieren, etwa die Zimbra Collaboration Suite[6] und die gehostete Lösung[7].
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| Noch hat Zimbra vor allem in Nordamerika Freunde. Erst ein Drittel der Nutzer stammt aus Europa, nicht einmal zehn Prozent aus Asien (Bild: Zimbra.com). |
In der Praxis müssen sich sowohl Google Mail[8] als auch Zimbra den Vergleich mit Microsoft Outlook[9] gefallen lassen. Schließlich ist das der meistgenutzte Mail-Client in Unternehmen. Im Folgenden werden daher nicht nur die Unterschiede der beiden Wettbewerber berücksichtigt, sondern auch ihre Positionierung gegenüber Outlook.
Zimbra unterscheidet sich von Google Mail vor allem durch die Zahl der Editionen - von der Desktop-Version bis zur gehosteten Lösung. Google arbeitet erst noch an Ergänzungen zum webbasierenden Mail-Account. Außerdem hat Zimbra einen eigenen E-Mail-Server entwickelt. Die Desktop-Edition ist derzeit in einer Betaversion erhältlich, mit der sich E-Mails sowohl online wie offline bearbeiten lassen. Die folgenden Seiten beschäftigen sich mit der Internetversion. Obwohl Zimbra webbasiert ist, unterstützt die Schnittstelle mehrere Konten und kann E-Mails von externen Servern per POP3 oder IMAP abrufen, so dass man zentralisierten Zugriff auf seine E-Mails hat. Das Programm scheint alle Features von Outlook mitzubringen, einschließlich eines integrierten Kalenders und einer Aufgabenliste. Zimbra hat darüber hinaus Vorteile gegenüber Outlook - etwa, dass die Postfächer nicht auf eine Größe von 2 GByte begrenzt sind.
Zimbra verfügt zwar nicht über eine Script-Steuerung wie Outlook, bietet aber über anpassbare Filter und zahlreiche optionale, sogenannte "Zimlets", mit denen beispielsweise der Zugriff auf Flugbuchungen, Flickr[10], Babelfish[11] oder Yahoo Maps[12] möglich ist. IT-Mitarbeiter mit AJAX[13]-Erfahrung können zudem selbst Zimlets entwickeln. Ein weiteres sehr nützliches Feature ist der integrierte Instant Messenger. Die Oberfläche steht in 18 Sprachen zur Verfügung, darunter allerdings drei Varianten der englischen Sprache.
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Zimbra ähnelt Outlook nicht nur vom Funktionsumfang her, sondern auch in der Aufmachung (Bild: Michael Palamountain/ZDNet.com.au).
Angesichts der webbasierten Benutzeroberfläche liegt es nahe, Zimbra mit Diensten wie Google Mail oder normalen Yahoo-Konten zu vergleichen. Doch Funktionsumfang und Flexibilität machen Zimbra eher mit Anwendungen wie Outlook oder sogar Lotus Notes vergleichbar.
Zimbra bietet Features, die weit über ein E-Mail-Programm hinausgehen. Beispielsweise lassen sich Word- oder PDF-Dokumente online als HTML anzeigen. Zimbra ermöglicht außerdem das Erstellen von Online-Dokumenten, einschließlich Bildern und Tabellenkalkulationen. Die integrierte Asterisk[15]-Technologie wickelt Sprachanrufe und Messaging über vorhandene VoIP-Systeme ab.
Von Zimbra sind sowohl Open-Source- als auch kostenpflichtige Versionen verfügbar. Die Open-Source-Version gibt es, um die Entwicklung von Zimbra zu beschleunigen. Käufer der kostenpflichtigen Versionen sind berechtigt, den technischen Support in Anspruch zu nehmen.
Zimbra Professional kostet 875 Dollar pro Jahr für 25 Mailboxen. Bei mehr Benutzern sinkt der Pro-Kopf-Preis. Für Behörden, Bildungsinstitutionen sowie gemeinnützige Organisationen gibt es einen 50-prozentigen Nachlass. Diese Preise setzen voraus, dass die Software auf einem eigenen Server installiert wird. Hosted Services sind ebenfalls verfügbar. Angesichts der umfangreichen Features und der Flexibilität scheint ein Preis von 35 Dollar pro Benutzer durchaus angemessen. Google Mail ist eine internetbasierte Anwendung, die Google kostenlos bereitstellt. Der Dienst finanziert sich durch Werbung. Da Google die Strategie verfolgt, zum Kontext passende Werbung anzuzeigen, wird im Test ausgerechnet ein Link zu einer Testversion von Microsoft Outlook angezeigt. Allerdings können professionelle Benutzer mit Google oder Drittanbietern zusammenarbeiten, um eine geschäftsfreundlichere Version zu erhalten. Die sogenannte "Premier Edition" kostet 50 Dollar pro Anwender und Jahr.
Die Benutzeroberfläche von Google Mail ist nicht besonders kompliziert. Da es in einem Browser läuft, sind Benutzer mit zahlreichen zusätzlichen Buttons und Menüs konfrontiert, die für das E-Mail-Programm irrelevant sind. Dafür allerdings ist ein internetbasierter E-Mail-Service für Menschen äußerst bequem, die viel unterwegs sind und nicht immer vom heimischen PC auf ihre E-Mails zugreifen.
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Mail à la Google: Einfach und übersichtlich, aber auch funktionell begrenzt (Bild: Michael Palamountain/ZDNet.com.au).
Google bietet auch einen direkt mit dem E-Mail-Konto verknüpften Kalender-Dienst. Ebenso wie bei Outlook kann man zwischen Tag-, Wochen- und Monatsansicht wählen und mehreren Personen Zugriffsrechte für den Kalender einräumen. Der Kalender öffnet sich als separate Webseite von der E-Mail-Benutzeroberfläche aus. Das ist recht benutzerfreundlich.
Aber wie sieht es mit den Grundfunktionen aus? Nachrichten, die an ein für diesen Test eingerichtetes Google-Mail-Konto geschickt werden, sind eine Katastrophe. Betreffzeile und der Anfang des Nachrichtentextes werden gut angezeigt, wenn sich die Nachricht noch im Posteingang befindet. Aber sobald eine Nachricht geöffnet wird, bricht das Chaos aus.
Den Nachrichtentext hat Google Mail als Dateianhang gespeichert (und das gleich in dreifacher Ausfertigung). Dieser musste geöffnet werden, um die Nachricht lesen zu können. Das Email Standards Project[17] hat herausgefunden, dass Google Mail nicht mit CSS[18] im E-Mail-Header zurechtkommt. Mit Outlook verschickte Nachrichten zerhackt die HTML/CSS-Formatierung in den Nachrichten-Templates derart, dass sie völlig unlesbar werden.
Wer bei der Kommunikation mit den Kollegen nicht auf CSS angewiesen ist, könnte an Google Mail durchaus Gefallen finden. Es verfügt über eine Suchfunktion, und wichtige E-Mails lassen sich mit Sternchen oder eigenen Markierungen versehen, um die Suche zu verbessern. Google Mail bringt außerdem ein integriertes Chat-Programm sowie einen Antispam-Filter mit. Google Mail mag zwar für die private Korrespondenz ein bequemes Tool sein, aber für Geschäftszwecke ist es derzeit nicht zu empfehlen. So haben Unternehmen zum Beispiel weniger Kontrolle über die E-Mail-Server von Google als über eigene, interne Server, so dass sie keine Unternehmensrichtlinien auf die Postfächer ihrer Mitarbeiter anwenden können.
Man kann allerdings auch Google-Mail-Adressen unter eigenem Domainnamen einrichten. Davon machen beispielsweise zahlreiche große Bildungseinrichtungen in Australien und Neuseeland Gebrauch. Sie stellen Tausenden von Schülern und Studenten E-Mail-Adressen zur Verfügung.
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Auch was Kalenderfunktionen anbelangt, ist Zimbra gut ausgerüstet (Bild: Michael Palamountain/ZDNet.com.au).
Zimbra hängt nicht nur Google Mail ab, sondern kann auch Outlook problemlos das Wasser reichen und lässt Thunderbird weit abgeschlagen hinter sich. Einziger, aber ein großer Nachteil ist derzeit noch das Fehlen einer Möglichkeit, Nachrichten offline zu bearbeiten.
Wem das wichtig ist, der sollte sich die Desktop-Version von Zimbra ansehen, sobald sie das Beta-Stadium hinter sich gelassen hat: Zimbra Desktop unterstützt nämlich auch die Offline-Bearbeitung von Nachrichten und erlaubt Benutzern den Zugriff auf Webmail-Konten - etwa Google Mail.
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