Outlook-Alternativen: sechs Lösungen im Vergleich

(http://www.zdnet.de/magazin/41001499/outlook-alternativen-sechs-loesungen-im-vergleich.htm)

von Michael Palamountain und Peter Marwan, 16. März 2009

Wer mit Windows arbeitet, nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Outlook als E-Mail-Client. Eine bewusste Entscheidung geht dem aber nur in den seltensten Fällen voraus. ZDNet prüft, welche Alternativen es gibt, und was sie taugen.

Die Software ist vorhanden, warum sollte man sie dann nicht auch verwenden? So lautet wahrscheinlich die Argumentation in den meisten Firmen, die heute Outlook als E-Mail-Client nutzen. Man sollte sich aber eher einmal fragen, warum man mit der Software arbeitet. Denn es könnte ja durchaus sein, dass es ein anderes Produkt gibt, das die Anforderungen besser erfüllt. Einige andere E-Mail-Clients sind in hohem Maße individuell konfigurierbar und lassen sich so gezielt auf die Bedürfnisse einer Branche ausrichten. Und viele E-Mail-Clients bieten einen größeren Funktionsumfang als Outlook. Manche allerdings auch weniger - aber eventuell dennoch genügend?

Was man von einem E-Mail-Client erwarten kann, hängt von zwei Faktoren ab: von der Unternehmensgröße und den Kommunikationsverfahren. Viele Unternehmen sind beispielsweise darauf angewiesen, dass mehrere Personen oder Abteilungen auf einen gemeinsamen Kalender zugreifen können. Andere Firmen kommen gut mit individuellen Kalendern zurecht.

Wer viele Außendienstmitarbeiter hat, sollte sich überlegen, ob der E-Mail-Client auch auf kleinen PDA-Displays verwendbar sein muss. Vielleicht will so mancher auch, dass im Zuge der E-Mail-Implementierung zusätzlich ein Instant-Messaging-Dienst oder VoIP-Telefonie verfügbar ist. Für einige Unternehmen sind maßgeschneiderte Funktionen nützlich. Sie profitieren davon, wenn sich problemlos Makroscripts erstellen lassen oder Plug-ins verfügbar sind.

Die Entscheidung für einen Client hängt auch vom Server ab, auf dem das E-Mail-System läuft. Die zentrale Frage ist, ob der Client alle Sicherheitsfunktionen und Kommunikationsmöglichkeiten nutzen kann, die der Mailserver bietet - und ob das auch umgekehrt der Fall ist.

Michael Palamountain, Autor bei ZDNet Australien[1], hat daher eine Reihe von Outlook-Alternativen unter die Lupe genommen[2]. Erste Erkenntnis: Es ist in jedem Falle ratsam, mehrere unterschiedliche Programme zu testen, bevor man sich endgültig für eines entscheidet. Dieser Beitrag soll eine Hilfe zur Vorauswahl bieten.

Bildergalerie

Sechs Outlook-Alternativen im Vergleich[3]

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Apple Mail ist standardmäßig bei allen Mac-Betriebssystemen als Client dabei. Die Benutzeroberfläche ist sehr übersichtlich, aber unspektakulär. Sie kommt Outlook Express oder Windows Mail auf Microsoft-Rechnern sehr nahe. Da der Client Bestandteil des Betriebssystems ist, müssen Unternehmen, die mit mehreren Betriebssystemen arbeiten, auch zwangsläufig mit mehreren Clients arbeiten (dieses Problem besteht aber auch bei Windows Mail oder K-Mail auf Linux-Systemen).

Wie bei Windows Mail, Thunderbird und anderen übernimmt bei Apple Mail die Kalenderfunktionen eine separate Anwendung. Apple iCal ist auf Apple-Systemen mit den Clients Evolution und Zimbra verknüpfbar. Eine wirklich feine Sache bei iCal ist, dass sich Termine einfach per Drag and drop verschieben lassen. Bei Apple Mail kann der Anwender zudem Listen mit zu erledigenden Aufgaben anlegen oder Kurzbemerkungen zu E-Mails hinzufügen, um sie schnell wiederzufinden.

Apple Mail hat eine größere Ähnlichkeit mit Microsoft Outlook als mit Outlook Express oder Windows Mail. Grund dafür sind Apple Scripts, ein Standard-Feature von Apple-Betriebssystemen. Mit ihnen lassen sich viele Prozesse automatisieren. Zudem helfen sie, Filterregeln für eingehende E-Mails festzulegen, so dass E-Mails nach Inhalt, Betreff oder Absender sortiert automatisch in bestimmte Postordnen landen.

Effektive und schnörkellose Anwendung

Apple Mail kommt mit HTML-Formatierungen sehr gut zurecht. Das Email Standards Project[4] bewertet Apple Mail mit "exzellent". Apple Mail bietet zudem mehrere vordefinierte E-Mail-Designs. Der Client unterstützt die üblichen IMAP[5]- und POP3[6]-Mailserver, kann aber auch für Online-E-Mail-Konten bei Google Mail oder Yahoo verwendet werden. Außerdem lassen sich RSS[7]-Feeds automatisch herunterladen.

iCal und Apple Mail sind sehr eng miteinander verknüpft. So lassen sich Daten und Orte in E-Mails erkennen und problemlos in iCal exportieren. Apple Mail erweist sich im Test als effektive, schnörkellose Anwendung, die mit Hilfe der integrierten Apple-Tools auch ein hohes Maß an Automatisierung bietet. Da es sich jedoch ausschließlich um eine Apple-Software handelt, kann sie in der Regel Outlook nicht ohne weiteres ersetzen. Die Funktionen sind sich jedoch sehr ähnlich, und abgesehen vom Kaufpreis für den Apple-Rechner fallen keine zusätzlichen Kosten an.

Es lässt sich darüber streiten, ob man bei Entourage wirklich von einer "Alternative" zu Outlook sprechen kann - schließlich ist es die E-Mail-Komponente von Microsoft Office für Mac[8], so wie Outlook die E-Mail-Komponente von Microsoft Office für Windows ist.

Hinsichtlich ihrer Funktionen sind die beiden Microsoft-Produkte durchaus vergleichbar. Was die Gestaltung der Oberflächen anbelangt, gibt es aber enorme Unterschiede. Gemeinsam sind beiden jedoch die Listen für zu erledigende Aufgaben und Kalender. Entourage verwendet für Makros zwar kein Visual Basic[9], lässt sich aber mit Hilfe von Apple Scripts ähnlich anpassen.

Ein Großteil derjenigen, die von einem PC mit Outlook auf einen Mac mit Entourage wechseln, dürfte einige Schwierigkeiten bei der Bedienung haben. Mit beiden kann man synchronisieren, und beide verfügen über die gleichen Grundfunktionen. Aber leider unterstützt Entourage keine PST[10]-Dateien. Beim Exportieren von Dateien vom einen zum anderen Programm lassen sich daher nur Formate mit Tabulator-Trennung verwenden. Das australische Enex Test Lab[11] ist der Meinung, dass Microsoft hier einen großen Flüchtigkeitsfehler begangen hat. Dieser dürfte sich aber ausbügeln lassen. Apple Mail und Eudora-Formate importiert Entourage direkt.

Eingeschränkte Synchronisationsmöglichkeiten

Die Synchronisationsmöglichkeiten mit einem Exchange-Server sind bei Entourage begrenzter als bei Outlook. So lassen sich beispielsweise keine Aufgaben synchronisieren, und auch das Editieren von Regeln vom Server aus ist nicht möglich. HTML/CSS-Objekte in E-Mails stellen jedoch überhaupt kein Problem dar. Das Email Standards Project bewertet das Produkt mit "exzellent".

Zu Office für Mac gehört auch eine Komponente namens My Day. Sie gibt dem Anwender in kompakter Form einen Überblick über die aktuellen Aufgaben und Kalendereinträge - sogar wenn er Entourage gar nicht geöffnet hat. Damit hat er zu jeder Zeit im Blick, was im Laufe des Arbeitstages noch alles ansteht.

GroupWise ist ein von Grund auf seriöses Kommunikationstool, das explizit auf den Einsatz in Unternehmen ausgerichtet ist. Es versucht gar nicht erst, ein Alleskönner zu sein, kann aber trotzdem vieles. So lässt sich nicht nur die E-Mail-Kommunikation abwickeln, es bietet auch die Möglichkeit der gemeinsamen Kalenderbenutzung und hervorragende Kontaktverwaltungsfunktionen. Zudem zeigt es Internetseiten an und unterstützt RSS-Feeds. Im Gegensatz zu anderen Produkten gehören aber weder eine Instant-Messaging-Funktion noch VoIP-Telefonie zum Funktionsumfang.

Am Anfang erschrickt man darüber, wie wenig Funktionen sich in der Software finden. Sogar ganz grundsätzliche Dinge wie ein Menüsystem oder die Möglichkeit, E-Mail-Konten einzurichten, scheinen zu fehlen. Sie existieren jedoch, verbergen sich allerdings hinter einem unscheinbaren kleinen Feld rechts von der Werkzeugleiste. Hat man das Menü erst einmal entdeckt, sind das Einrichten von E-Mail-Konten (neben dem GroupWise-Server kann der Client auch auf sämtliche IMAP- oder POP3-Server zugreifen) und die Konfiguration entsprechend den individuellen Bedürfnissen ein Kinderspiel.

Der sogenannte Home-Screen bietet entweder einen Überblick über einige oder über alle Elemente von GroupWise. Auf ihm lassen sich eingehende Nachrichten oder Newsfeeds, Browserfenster und bevorstehende Termine sowie aktuelle Aufgaben anzeigen. Hinter mehreren Reitern verbergen sich zudem ausführlichere Informationen zu Rubriken wie E-Mail, Kalender, Kontakte, Aufgaben und Newsfeeds.

Leicht zu installieren und zu benutzen

GroupWise speichert genau die gleichen Kontaktinformationen wie Outlook, aber die Darstellung ist viel kompakter und übersichtlicher. Kalender lassen sich für andere Anwender freigeben oder mit dem Firmenkalender verknüpfen. So sind alle Termine auf einen Blick einsehbar, ohne dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt oder allgemeine Informationen verloren gehen.

Der Groupwise-Client ist leicht zu installieren und zu benutzen. Er sollte aber erst getestet werden, bevor er unternehmensweit implementiert wird. In unserem Test kommt es bei der Erstinstallation zu Beeinträchtigungen mit Microsoft Outlook (wobei eigentlich ein Client reichen sollte). Nachdem der Client wieder entfernt wurde, müssen zudem bei Microsoft Office einige Schäden behoben werden. Vorsicht ist also angeraten.

Schwachstelle Word-Integration

Bearbeiten und Öffnen von E-Mails in Microsoft Word beherrscht GroupWise erst seit kurzem. Daher ist davon auszugehen, dass es noch eine Weile dauert, um alle Bugs aus der Welt zu schaffen. Für den ZDNet-Test wird eine virtuelle Kopie der Anwendung verwendet. Leider funktioniert diese Version nicht richtig und stürzt immer wieder ab, wenn man einen Kalendereintrag bearbeiten oder eine neue E-Mail verfassen will.

GroupWise ist sehr eng mit dem GroupWise-Server verbunden. Es lassen sich aber auch Konten auf anderen Servern einrichten. Sicherheit spielt für Novell[12] eine wichtige Rolle. GroupWise bietet daher Anmeldeoptionen für lokale Zwischenspeicher, auf einem webbasierten Novell-Server oder auf einem firmeneigenen, internen GroupWise-Server. Zudem arbeitet GroupWise mit riesigen Listen bekannter Spam-Adressen, um den Posteingang so sauber wie möglich zu halten.

Es ist ziemlich schade, dass diese eigentlich als Komplettpaket gedachte Software keine Instant-Messaging-Funktion besitzt. Die Tracking-Funktion von E-Mail-Threads wiegt diesen Nachteil jedoch teilweise wieder auf. Den GroupWise-Client bietet Novell für Windows-, Linux- und Mac-Betriebssysteme sowie mit einer Webschnittstelle an. Im Test steht die Windows-Version im Mittelpunkt.

Vergleichsweise teure Desktop-Lizenzen

Die Desktop-Ausführung der Software (im Novell-Jargon "Full-License"), die auch im Test verwendet wird, kostet pro Anwender 165 Euro. Das ist viel, umfast aber auch einen zwölfmonatigen Support. Positiv fällt auf, dass für den Server keine weiteren Kosten anfallen. Die Online-Variante (im Novell-Jargon "Restricted License") kostet 38 Euro. Während die "Full License" sämtliche Funktionalitäten von GroupWise inklusive Mobile Server beinhaltet, ist die "Restricted License" auf den Zugang per Browser, POP3 und IMAP limitiert.

Wer Lotus Notes zum ersten Mal startet, hat nicht den Eindruck, dass es sich um eine besondere Anwendung handelt. Das Programm sieht aus wie jeder andere Mail-Client, bietet eine Kalenderfunktion, Listen für zu erledigende Aufgaben und einen integrierten Browser. Aber Lotus Notes ist eigentlich viel mehr als ein E-Mail-Client. Ganze Anwendungen wie CRM-Pakete basieren auf Lotus Notes. Und im CRM-Bereich ist es ein enormer Vorteil, wenn E-Mail- und Kalendersystem so eng miteinander verknüpft sind.

Eigentlich sollte man Lotus Notes eher mit Microsoft Office oder OpenOffice[13] vergleichen als mit Outlook. Denn es umfasst eine Textverarbeitungsfunktion für Word-Dokumente sowie Datenbank-, Tabellenkalkulations- und Präsentationsfunktionen. Es unterscheidet sich von Microsoft Office im Grunde genommen nur dadurch, dass alles ganz, ganz eng in eine einzige Anwendung eingebunden ist - und eben nicht in einer Anwendungssuite.

Lotus bietet mit Sametime[14] zudem ein Modul, das ähnlich wie Skype[15] eine Chatfunktion sowie Audio- und Video-Telefonie enthält. In der Grundversion ist Sametime kostenlos. Wer auch zusätzliche Funktionen (etwa Telefonie) nutzen möchte, muss extra bezahlen.

Zentrale Schaltstelle "Home"-Button

Hat man Lotus geöffnet, gelangt man durch einen Klick auf den Home-Button zu allen anderen installierten Komponenten. Die Tabellenkalkulations-, Präsentations- und Textverarbeitungselemente bleiben in diesem Test außen vor, bilden sie doch in sich ein eigenes Paket (mit dem Namen Symphony[16]). Symphony ist kostenlos und optional erhältlich. Es ist übrigens auch als Standalone-Produkt einsetzbar und kann Dateien in Microsoft- und OpenOffice-Formaten speichern. Durch Mail-Verknüpfungen sind die Kontaktlisten in Notes verwendbar.

Ein Produkt mit integriertem Webbrowser sollte eigentlich keine Probleme mit HTML-Mails haben, aber bei CSS-Elementen sind doch einige Patzer zu beobachten. Das Email Standards Project stellt Lotus dafür nur ein "mangelhaft" aus, fügt aber gleich hinzu, dass die Leistung deutlich besser ist, wenn Lotus in Verbindung mit einem Lotus-Domino-Server läuft. Dass ein Client besser funktioniert, wenn er mit seinem Mail-Server-Pendant zusammenarbeitet, gilt allerdings nicht nur für Lotus.

Kalender können mit dem E-Mail-Server kommunizieren und lassen sich von mehreren Personen gemeinsam nutzen. Auch ausschließlich lokale Kalender sind möglich. Die sollten dann aber losgelöst vom Mail-Account sein, um sinnlosen Versuchen vorzubeugen, Verbindung zur nicht existierenden Kopie auf dem Server aufzunehmen. E-Mails und Kalendereinträge speichert Lotus Notes lokal, sie sind daher auch Offline aufrufbar. Die Synchronisierung mit dem Server erfolgt, sobald eine Verbindung hergestellt wird.

Integration und Flexibilität als Trumpfkarten

Der größte Trumpf von Lotus ist und bleibt seine Integration und Flexibilität. Die meisten Lotus-Benutzer könnten problemlos alle ihre täglichen Arbeiten erledigen, ohne Lotus auch nur ein einziges Mal zu verlassen. Es bietet vielseitige Kommunikationsinstrumente (einschließlich E-Mail, Instant Messaging und Video-Telefonaten) sowie eine vollständige Suite an Office-Anwendungen (Symphony) - und man kann damit sogar ins Internet.

Jede Anwendung ist mit nur einem Klick erreichbar. Um Elemente zu finden, die noch nicht geöffnet sind, reicht ein Klick auf "Home". Durch Anklicken des Workspace-Reiters erhält man Zugriff auf sämtliche Elemente. Dazu zählen auch individuelle Anwendungen.

IBM bietet einen Rund-um-die-Uhr-Support bei projektkritischen Problemen sowie einen weiteren Support, den man bei weniger großen Schwierigkeiten zu den üblichen Geschäftszeiten erreichen kann. Der Grundpreis liegt bei 160 Dollar pro Anwender, doch je höher die Anzahl der Mitarbeiter ist, desto geringer werden die Kosten pro Arbeitsplatz. Lotus kann in Verbindung mit Windows-, Linux- und Mac-Betriebssystemen verwendet werden. IBM bietet auch einen Host-Dienst für Desktop- und webbasierende Clients an. Die Open-Source-Software Thunderbird[17] beinhaltet keine Kalenderfunktionen. Mozilla hat dafür Sunbird[18] als Standalone-Kalenderlösung im Angebot. Durch die Kombination der beiden sind zwar sämtliche Funktionen abgedeckt, aber es ist eben nicht so bequem wie bei Outlook, wo alles integriert ist: Warum sollte man jeden Morgen zwei Programme starten, wenn es doch auch mit einem geht?

Im Allgemeinen erinnert die Oberfläche sehr an Outlook, aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Ein Beispiel: Wo kann man CC- und BCC-Empfänger hinzufügen, wenn man auf eine E-Mail antwortet? Man sieht diese Felder einfach nicht, obwohl sie nur einen einzigen Mausklick entfernt sind. Migrationen von einer Anwendung zu einer anderen verlaufen nie problemlos - zumal wenn sich der Eindruck aufdrängt, es seien "anders machen" und "schlechter machen" verwechselt worden.

CC- und BCC-Versand von E-Mails bei Thunderbird
Bei Thunderbird sind manche Funktionen gut versteckt - zum Beispiel der CC- und der BCC-Versand von E-Mails (Bild: Michael Palamountain / ZDNet.com.au).

Aber es gibt auch positive Aspekte: Thunderbird rendert etwa HTML-Nachrichten völlig problemlos, und das Email Standards Project hat das Programm dafür mit "exzellent" bewertet. Der Nachrichten-Editor bietet hervorragende Textverwaltungsoptionen wie Tabellen, Einzüge und nummerierte Aufzählungen, und da er den img-Tag unterstützt, sind auch Bilder problemlos einzufügen.

Vorteil Thunderbird bei Sprachunterstützung

Mit Thunderbird lassen sich Nachrichten mit digitalen Signaturen[19] verschlüsseln. Für eingehende Nachrichten kann man Filter erstellen, so dass diese - ähnlich wie bei Outlook - entsprechend der festgelegten Schlüsselwörter ihren Weg direkt in bestimmte Ordner finden. Mit Such- und Sortierfunktionen lassen sich alte Nachrichten heraussuchen und nach Datum, Absender, Priorität, Betreff, zugewiesenem Symbol oder Größe sortieren.

Ein Gebiet, in dem die Open-Source-Community absolut ungeschlagen an der Spitze steht, ist die Sprachunterstützung. Wörterbücher und Sprach-Pakete für Thunderbird stehen derzeit in über 60 Sprachen oder Dialekten zur Verfügung. Deren Installation ist kinderleicht.

Mit Sunbird lassen sich mehrere Kalender anlegen, die man auch ins Internet stellen kann. Das Tool erinnert auf Wunsch an Termine oder Kalendereinträge. Sunbird und das Kalender-Plug-in Lightning[20] basieren auf der gleichen Grundlage. Der Anwender hat die Möglichkeit, beim Eintragen von Terminen auch eine Dauer festzulegen. Eine einfache, aber absolut ausreichende und angemessene Aufgabenliste bietet das Programm ebenfalls.

In Outlook dauert es eine Ewigkeit, bis sich die Aufgabenliste öffnet, und angesichts des komplizierten Aufbaus und der unzähligen Eingabemöglichkeiten ist sie wohl eher mit einem kleinen Projektplaner gleichzusetzen. Sunbird zielt ganz klar auf Anwender mit geringeren Ansprüchen ab.

Neben der üblichen Unterstützung von POP3- und IMAP-Konten kann Thunderbird auch auf RSS-, Newsgroup- und Google-Mail-Konten zugreifen. Da sich Sunbird-Kalender online speichern lassen, ist eine gemeinsame Nutzung mit Kollegen oder der Abteilung kein Problem.

Mängel bei Support und Produktreife

Wie bei jeder kostenlosen Software gibt es auch hier keinen Support, an den man sich bei Bedarf wenden kann und der sich dann des Problems annimmt. Selbstverständlich gibt es Foren, aber sogar die Hilfedateien muss man sich separat herunterladen. Dennoch ist Thunderbird zweifellos ein gut und sorgfältig zusammengestelltes Produkt, auch wenn es nicht ganz so viele Möglichkeiten bietet und es noch nicht so ausgereift ist wie Microsoft Outlook.

Die größten Mankos sind sicherlich die Unterteilung in zwei Anwendungen und für etwas größere Firmen das Problem mit dem Support. Was die Integration anbelangt, so soll Thunderbird 3 über einen integrierten Kalender wie das aktuelle Lightning-Add-on[21] verfügen - und das dürfte nicht die einzige Verbesserung bleiben. Ziel ist die Entwicklung einer Personal-Information-Manager-Software. Aber noch ist dieses Werk nicht vollbracht. Auch wann der nächste Schritt, Thunderbird 3, getan sein wird, steht derzeit noch in den Sternen. Windows Mail[22] ist das "neue Outlook Express" für Vista und Bestandteil des Betriebssystems Windows Vista[23]. Daher könnte man vereinfacht sagen, dass es eine abgespeckte Version von Outlook ist.

Da es keine Aufgaben- und Kalender-Reiter gibt, wirkt Windows Mail etwas übersichtlicher als Outlook - was durchaus praktisch ist, wenn man diese Elemente nicht nutzt. In den Standardeinstellungen befindet sich das Vorschaufenster unterhalb des Nachrichtenfensters, während in Outlook die beiden Fenster standardmäßig nebeneinander angeordnet sind. Allerdings kann man die Darstellung in beiden Fällen ändern. Die Oberfläche zeichnet sich durch klar und verständlich gekennzeichnete Felder für häufig verwendete Befehle wie Senden oder Empfangen aus.

Windows Mail mit Outlook Express zu vergleichen wäre vielleicht etwas ungerecht. Es scheint, als hätte Microsoft bewusst beschlossen, Windows Mail sowohl durch die Oberfläche als auch den Namen klar von Outlook abzugrenzen. Und es war sicherlich schlau, zwei Produkte mit so unterschiedlichem Funktionsumfang auch optisch unterschiedlich zu gestalten.

Windows Calendar

Die Symbolleiste ist ganz anders und ähnelt im Aussehen eher Windows-Komponenten wie dem Arbeitsplatz oder Windows Calendar. Windows Calendar? Ja, auf sämtliche Outlook-Komponenten kann man genauso zugreifen wie bei Mozilla Thunderbird und Sunbird - allerdings eben über zwei verschiedene Programme. Mit Windows Calendar lassen sich Kalender ins Internet stellen, außerdem beinhaltet es auch eine Aufgabenliste.

In Windows Mail gibt es einen separaten Bereich für LDAP[24]-Kontakte. Die Anwendung unterstützt auch RSS-Feeds. Filter können eingehende Nachrichten verteilen. Die Postordner lassen sich wie bei vielen anderen Clients auch nach Betreff, Absender, Datum, etc. sortieren.

Unterscheide zu Windows Live Mail

Windows Mail ist allerdings nicht mit Windows Live Mail[25] zu verwechseln, das laut Microsoft viele Funktionen von Outlook Express und Windows Mail kombiniert. Windows Live Mail ist eher so etwas wie ein Online-Mail-Client in einem dedizierten Webbrowser. Es kann auf mehrere E-Mail-Konten, etwa die üblichen POP3- oder IMAP-Konten, sowie auf Konten bei Hotmail, Google Mail sowie Yahoo zugreifen und unterstützt RSS-Feeds.

Einen Kalender gibt es leider nicht. Daher eignet sich Windows Live Mail eher für private Anwender als für Unternehmen. Für sämtliche POP- oder IMAP-Dienste können Unternehmen auf ihren eigenen Mailservern Einschränkungen für die E-Mail-Kommunikation festlegen. Und da es sich um ein Produkt von Microsoft handelt, unterstützt es das MAPI-Protokoll, das auch Microsoft Exchange verwendet. Mittlere und große Unternehmen sollten ihre eigenen Mailserver betreiben, die die Zustellung und den Versand der Nachrichten zu und von den Clients übernehmen. So können sie ihre eigenen Richtlinien durchsetzen und müssen sich nicht auf einen Provider verlassen. Welcher Mailserver verwendet wird und wie dieser arbeitet, ist mitentscheidend dafür, welcher Mail-Client sich effizient einsetzen lässt.

Ist Microsoft Exchange mit MAPI[26] im Einsatz, ist es das Beste, Microsoft-Clients wie Outlook oder Windows Mail zu benutzen. Genauso bietet es sich an, einen Lotus Domino Server zu verwenden, um die besten Ergebnisse mit Lotus Notes zu erzielen. Von den sechs in diesem Beitrag betrachteten Programmen sind letztendlich nur Outlook, Lotus und GroupWise echte Alternativen für Firmen. Eine Wildcard bekäme höchstens noch die Open-Source-Software Zimbra[27], die in einem anderen Beitrag bei ZDNet[28] ausführlich untersucht wurde.

Als eierlegende Wollmilchsau, die alle Anforderungen erfüllt, hat sich keines der getesteten Produkte erwiesen. Lotus Notes ist sicherlich eine hervorragende Lösung für viele größere Unternehmen - schließlich kommen zum Beispiel GE und IBM selbst damit zurecht. Da viele Anwender keine besonders ausgefallenen Anforderungen an ihre Office-Tools haben, könnte zudem die Integration von Symphony ohne zusätzliche Lizenzgebühren Unternehmen helfen, viel Geld zu sparen, das ansonsten für Produkte wie Microsoft Office oder Corel WordPerfect[29] ausgegeben wird.

Für kleinere Unternehmen rechnet es sich unter Umständen nicht, einen eigenen Mailserver zu betreiben. Dennoch ist es auch für sie wichtig, ein Produkt zu wählen, bei dem sich Service und Support individuell anpassen lassen. Firmen sollten die Finger auf alle Fälle von kostenlosen Services lassen.

Letztendlich ist Lotus Notes das Produkt, das am besten abschneidet (vorausgesetzt, es wird zusammen mit einem Lotus-Domino-Server verwendet). Notes hat eine große Bandbreite an Funktionen und lässt sich zu einer kompletten, anpassbaren "Office-Produktivitätssuite" für viele Plattformen ausbauen.

Es ließe sich einwenden, dass es unfair ist, solche Aspekte beim Vergleich von E-Mail-Clients in die Bewertung einzubeziehen. Schließlich wurde aber eine Alternative zu Microsoft Outlook gesucht, das ja Teil einer kompletten Office-Suite ist. Aus diesem Blickwinkel wäre das einzige, direkt mit Outlook zu vergleichende Wettbewerbsprodukt Microsoft Entourage. Aber das als Alternative zu bezeichnen, wäre auch nicht richtig: Schließlich ist es ja eher ein Ableger, der sich um ein anderes Marktsegment kümmert.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.com.au/
[2] = http://www.zdnet.com.au/insight/software/soa/Top-alternatives-to-Microsoft-Outlook/0,139023769,339295046,00.htm
[3] = http://www.zdnet.de/galerie/41001663/sechs-outlook-alternativen-im-vergleich.htm#sid=41001499
[4] = http://www.email-standards.org/
[5] = http://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Message_Access_Protocol
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/Pop3
[7] = http://de.wikipedia.org/wiki/RSS
[8] = http://www.microsoft.com/germany/mac/products/Office2008/default.mspx
[9] = http://de.wikipedia.org/wiki/Visual_Basic
[10] = http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_Store
[11] = http://www.testlab.com.au/
[12] = http://www.novell.com/de-de/DE/home/index.html
[13] = http://www.openoffice.org/
[14] = http://en.wikipedia.org/wiki/IBM_Lotus_Sametime
[15] = http://www.skype.com/intl/de/
[16] = http://symphony.lotus.com/
[17] = http://www.zdnet.de/kostenloses_office_thunderbird_download-39002345-155923-1.htm
[18] = http://www.zdnet.de/windows_fuer_das_berufsleben_mozilla_sunbird_deutsch_download-39002345-26860-1.htm
[19] = http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Signatur
[20] = http://de.wikipedia.org/wiki/Lightning_(Software)
[21] = http://www.zdnet.de/mozilla_lightning_download-39002345-62157-1.htm
[22] = http://www.microsoft.com/switzerland/windows/de/products/windowsvista/features/details/mail.mspx
[23] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/
[24] = http://de.wikipedia.org/wiki/LDAP
[25] = http://www.zdnet.de/windows_mail_windows_live_mail_download-39002345-750-1.htm
[26] = http://de.wikipedia.org/wiki/MAPI
[27] = http://www.zimbra.com/buzz/index.de.html
[28] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_yahoo_zimbra_das_bessere_google_mail_story-11000009-41001534-1.htm
[29] = http://apps.corel.com/lp/wpo/