Obwohl die Beta 1 erst seit acht Wochen verfügbar ist, befindet sich die Entwicklung von Windows 7 auf der Zielgeraden. Der Release Candidate ist bereits in Sicht. ZDNet gibt einen Überblick über die geplanten Neuerungen.
Wer sich nicht für Details interessiert, braucht an dieser Stelle eigentlich gar nicht weiterzulesen. Denn Windows 7[1] ist mit der ersten und einzigen Beta von Anfang Januar eigentlich schon fertig. Beim angekündigten Release Candidate geht es nur noch um Kleinigkeiten – die bei genauerem Hinsehen aber doch ganz interessant sein können.
Zwar hat Microsoft die Vorabversion noch gar nicht vorgelegt - derzeit geht man von der ersten Aprilhälfte aus -, trotzdem aber schon jetzt eine Liste der sichtbaren Neuerungen veröffentlicht. Das hat auch einen Grund: Windows-7-Entwicklungsleiter Steven Sinofsky[2] macht Tempo - manchen ein wenig zu viel. In den letzten Wochen sind in zahlreichen Foren Beschwerden aufgetaucht, Microsoft nehme Feedback nicht ernst. Es drängt sich der Eindruck auf, dass entscheidende Features schon längst in Stein gemeißelt sind und größere Änderungen nicht mehr stattfinden - egal wie das Feedback ausfällt.
Diesen Eindruck möchte Microsoft natürlich vermeiden: Im Engineering-7-Blog[3], offizielles Sprachrohr des Entwicklungsteams, versichert[4] Steven Sinofsky höchstpersönlich in einem 26.000 Zeichen langen Eintrag, dass die Rückmeldungen ernst genommen werden. Um dies zu unterstreichen, hat Microsoft jetzt eine Liste mit Neuerungen[5] gepostet, die in den Release Candidate implementiert werden sollen. ZDNet hat die wichtigsten zusammengestellt. Ein Test folgt bei Erscheinen des Release Candidate.
Obwohl die Funktionsweise der Superbar[6] umstritten ist, plant Microsoft keine grundlegenden Änderungen. Lediglich Details werden modifiziert: Sie soll künftig 25 (große) oder 39 Prozent (kleine) mehr Icons aufnehmen, bevor ein Scrollbalken erscheint. Bei einer Auflösung von 1280 mal 1024 haben künftig beispielsweise bis zu 15 beziehungsweise 22 Symbole Platz.
Manchmal ist es notwendig, eine standardmäßig mit einem Programm verknüpfte Datei mit einer anderen Anwendung zu öffnen. Beispielsweise, um eine HTML-Datei zu bearbeiten statt sie im Browser anzusehen. Dies kann man im Release Candidate durch Ziehen der Datei auf das gewünschte Icon in der Superbar bei gedrückter Shift-Taste erreichen. Möchte man eine bestimmte Datei immer mit diesem Programm öffnen, kann man sie an die jeweilige Sprungliste heften. Letztere zeigt bei wechselnden Einträgen wie Browser-Verlauf nur noch zehn Positionen, um die Übersichtlichkeit zu verbessern. Das lässt sich aber anpassen.
Um die Kontrolle des Anwenders über seinen Desktop zu verbessern, können Programme der Superbar nicht selbständig ihre Icons hinzufügen. Das geschieht per Drag and drop. Um eine neu installierte Anwendung einfacher auffindbar zu machen, zeigt Windows 7 deren Icon für eine bestimmte Zeit farbig unterlegt am untern Ende des Startmenüs.
Über das Kontextmenü des Desktops ist es möglich, darauf liegende Symbole und Mini-Anwendungen separat auszublenden. Bislang geht das nur gemeinsam.
Die Tastenkombination ALT + TAB aktiviert im Release Candidate Aero Peek[7]: Das jeweils ausgewählte Fenster wird in voller Größe angezeigt, alle anderen zur besseren Übersichtlichkeit transparent.
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| Aero Peek zeigt das per ALT + TAB gewählte Fenster in voller Größe und schaltet die anderen transparent (Bild: Microsoft). |
Das Ziehen eines Ordners auf den Eintrag Bibliotheken legt künftig keine neue Bibliothek an, da dieses Verhalten laut Microsoft viele Anwender verwirrt hat. Ein Klick im Startmenü auf den Benutzernamen sowie auf Computer bringt dieselben Verzeichnisse wie unter Vista zum Vorschein. Aktuell zeigt Windows 7 grundsätzlich die Bibliothek.
Auch lokale FAT32-Laufwerke können Teil einer Bibliothek sein. Bislang funktioniert das nur bei einer NTFS-Formatierung. Auch an den Ansichten hat Microsoft Feinschliff betrieben.
Microsoft verfeinert im Release Candidate auch die Touch-Funktionalität: Streicht man mit dem Finger über die Thumbnails über der Superbar, wird Aero Peek aktiv. Bislang funktioniert das nur, wenn man den Mauszeiger darüber bewegt.
Das On-Screen-Keyboard wird Multitouch-fähig, was Tastenkombinationen wie STRG + ALT + ENT möglich macht. Den Aufruf von Kontextmenüs, die bislang wie unter Windows Mobile erst nach einer längeren Berührung erscheinen, soll künftig eine Multitouch-Geste beschleunigen.
Änderungen an der Benutzerkontensteuerung erfordern künftig grundsätzlich eine Bestätigung durch den Anwender. So soll verhindert werden, dass sich Schadsoftware selbst mehr Rechte einräumt.
Das automatische Sperren des Rechners ist künftig direkt einstellbar. Derzeit benötigt man dazu einen bestimmten Bildschirmschoner. Eine Verbindung zum Internet wird wie unter Vista durch ein Erdball-Overlay des Netzwerk-Symbols signalisiert. Wie Microsoft die Zuverlässigkeit bei der Wiedergabe von Internet-Radio verbessern wird, geht aus dem Post nicht hervor. Möglicherweise kommt ein größerer Cache zum Einsatz.
Beim Abspielen von AVCHD[8]-Dateien (digitales Aufzeichnungsformat für Camcorder) kann man im Release Candidate an eine bestimmte Stelle springen. Das MOV[9]-Format (Quick Time), häufig zur Aufzeichnung kleiner Videos in Digitalkameras verwendet, unterstützt Windows 7 künftig von Haus aus.
Die Kompaktansicht des Media Player 12 will Microsoft optisch weiter entschlacken, bleibt genaue Informationen dazu aber schuldig. Die Bibliothek zeigt künftig nur noch Dateien, die auch wiedergegeben werden können. Hoffentlich lässt sich diese Funktion auch abschalten. Durch Standby oder Hibernate unterbrochene Videos von der Festplatte soll Windows 7 nahtlos fortsetzen. Aktuell beginnen sie wieder von vorne.
Bei der Verbindung eines Medienplayers mit dem PC soll der Anwender künftig nicht ständig mit einem Fenster konfrontiert werden, das die Einrichtung einer Sync-Parnerschaft anbietet. Das geschieht dann auf Wunsch im Media Player.
Die Spungliste des Programms, die am häufigsten abgespielte Elemente zeigt, erfasst ab dem Release Candidate auch per Explorer gestartete Dateien. Funktionen wie Wiedergabegeschwindigkeit, SRS WOW und Equalizer sollen besser zugänglich sein.
Der Release Candidate leitet den Audiostream nach dem Einstecken eines Kopfhörers zuverlässiger um. Dabei gibt es derzeit noch Probleme, die ein neuer Algorithmus beseitigen soll. Microsoft will auch die Treiberunterstützung für Soundkarten verbessern. Zwar fühlt sich auch die Beta von Windows 7 ganz flott an und hat ihre Einsatzbereitschaft bereits auf Netbooks unter Beweis gestellt, das Thema Performance bleibt aber weiter auf der Agenda. Man kann gespannt sein, was die Redmonder noch herausholen können.
Device Stage, das den Zugang zu Funktionen angeschlossener Geräte verbessern soll, wartet ab dem Release Candidate mit einer erweiterten Unterstützung auf. Bislang werden nämlich nur sehr wenige Devices repräsentiert.
Ausblick
Die Liste der Änderungen zeigt, dass in Redmond tatsächlich nur noch gefeilt, aber nicht mehr groß umgebaut wird. Was sie in der Praxis bringen, muss ein Test zeigen.
Microsoft schweigt sich immer noch zum geplanten Termin der Markteinführung von Windows 7 aus. Offizielle Sprachregelung ist nach wie vor: drei Jahre nach Erscheinen von Windows Vista.
Mittlerweile verdichten sich aber die Gerüchte, dass die Entwicklung des neuen OS im September oder Oktober abgeschlossen sein wird. Dann könnten Rechner für das kommende Weihnachtsgeschäft mit Windows 7 bestückt werden. Bei Windows Vista, das am 8. November 2006 fertiggestellt wurde, hat das nicht mehr geklappt. Microsoft wird diesen Fehler sicher nicht wiederholen.
Auch angesichts des relativ guten Zustandes der mittlerweile mehr als zwei Monate alten Beta (interne Veröffentlichung im Dezember) ist dieses Datum realistisch. Nur noch größere Bugs, die in letzter Minute auftauchen, könnten diesen Zeitplan torpedieren.
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