Experte empfiehlt CIOs: Ruhe bewahren!

(http://www.zdnet.de/magazin/41000952/experte-empfiehlt-cios-ruhe-bewahren.htm)

von Peter Marwan, 27. Februar 2009

Christian Wieland von RAAD Research hält Kürzungen der IT-Budgets mit dem Rasenmäher für verfehlt: Es sei jetzt vielmehr wichtig, schlummernde technologische Potenziale zu aktivieren und sich über den Nutzen der IT für die Firma klar zu werden.

Schlechte Konjunkturprognosen, wohin man schaut: Schon im November hat IDC seine Prognosen für IT-Ausgaben in Europa gesenkt[1], kurz darauf erreichte die Wirtschaftskrise die PC-Hersteller[2], und auch die deutsche Vorzeige-IT-Firma SAP wurde nicht verschont[3] - sie sah sich genötigt, 3300 Stellen zu streichen. "Wenn erst einmal der Wurm in der Konjunktur steckt, dann frisst er sich durch bis zur Rezession", fasst Christian Wieland, Senior Analyst bei RAAD Research[4], die Stimmung der zusammen.

Das Marktforschungsunternehmen hatte Ende vergangenen Jahres mehrere hundert CIOs nach den Auswirkungen der Wirtschaftskrise befragt. Zu diesem Zeitpunkt ging fast jeder Zweite von sinkenden IT-Investitionen aus. Im Maschinenbau sehen sogar sieben von zehn und im Bereich Automotive neun von zehn IT-Leitern düstere Zeiten auf sich zukommen. Wie können CIOs auf die Ausgabenkürzungen reagieren?

Christan Wieland, Senior Analyst bei RAAD Research
Christan Wieland, Senior Analyst bei RAAD Research, sieht trotz Krise keinen Grund zur Panik (Bild: RAAD).

Der Spielraum für Kosteneinsparungen ist eng bemessen. "Unsere Studien haben ergeben, dass die IT-Betriebskosten insbesondere für ERP-Systeme sowohl von CIOs als auch von CFOs meist als hoch bis sehr hoch eingestuft werden, aber der überwiegende Teil der Unternehmen kaum Einsparpotenziale in diesem Bereich sieht." Eine mögliche Reaktion wäre, vor den Kosten zu kapitulieren und wahllos über alle Bereiche der IT Ausgaben zu kürzen.

Wieland hält solche Kürzungen nach dem Gießkannenprinzip für falsch. Denn dann würde nicht mehr zwischen kurzfristigen operativen und langfristigen strategischen Initiativen unterschieden. Letztere würden aber meist auf lange Sicht Wettbewerbsvorteile sichern. Wenn Einsparpotenziale innerhalb der IT gering sind, bliebe als Alternative nur noch die Flucht nach vorne, also "die Fokussierung des Projektportfolios auf die Erzielung kurzfristiger Einsparungen im Business mit Hilfe der IT." Gutes Potenzial hierfür hätten Unternehmen, die im Rahmen eines strukturierten IT-Servicemanagements ein IT-Business-Alignment in ihren Unternehmen verankert haben.

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Einblicke in die ITSM-Studien von Exagon und Materna[5]

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Wieland hält diese Kürzungen nach dem Gießkannenprinzip für falsch. Denn dann würde nicht mehr zwischen kurzfristigen operativen und langfristigen strategischen Initiativen unterschieden. Letztere sicherten aber meist auf lange Sicht Wettbewerbsvorteile. Wenn Einsparpotenziale innerhalb der IT gering seien, bliebe als Alternative nur noch die Flucht nach vorne, also "die Fokussierung des Projektportfolios auf die Erzielung kurzfristiger Einsparungen im Business mit Hilfe der IT". Gutes Potenzial hierfür hätten Unternehmen, die im Rahmen eines strukturierten IT-Servicemanagements ein IT-Business-Alignment in ihren Unternehmen verankert haben.

Das wichtigste Wort in diesem Satz ist "hätten". Denn weitere Studien von RAAD[6] in Zusammenarbeit mit dem IT Service Management Forum (itSMF e.V.[7]) haben gezeigt, dass auch große Unternehmen noch weit davon entfernt sind, so aufgestellt zu sein, wie es diese vieldiskutierten Schlagworte erfordern würden.

Aber auch das ist kein Grund zum Verzweifeln: "Viele Unternehmen sitzen noch auf ungenutztem technologischem Potenzial", so Wieland. So hätten beispielsweise fast 60 Prozent der SAP-Kunden bereits auf das aktuelle SAP ERP umgestellt. In 80 Prozent der Fälle seien es aber rein technische Migrationen gewesen.

"Die zusätzlichen funktionalen Möglichkeiten gilt es jetzt in Kosteneinsparungen umzumünzen." IT-Abteilungen empfiehlt Wieland, sich trotz der Krise auf die Fahne schreiben: "Tue Gutes und rede darüber." Anders gesagt: Produktivität und Erfolge der IT sollten dem ganzen Unternehmen transparent darstellt werden, um die Akzeptanz der IT im Unternehmen zu erhöhen.

Damit könnten die IT-Abteilungen auch dem Thema IT-Outsourcing begegnen, das 2009 von Seiten der Geschäftsführung sicherlich verstärkt ins Spiel gebracht werde[8]. Zumindest bei SAP-Kunden hat selektives Outsourcing einen festen Platz - nur noch 38 Prozent betreiben ihre IT komplett selbst. "Outsourcing muss allerdings strategisch an das Unternehmen passen", mahnt Wieland. "Kurzfristige Kosteneinsparungen können sonst langfristig teuer zu stehen kommen."

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_idc_senkt_prognose_fuer_it_ausgaben_im_emea_raum_story-39001020-39199020-1.htm
[2] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_wirtschaftskrise_erreicht_computer_hersteller_story-39001020-39199063-1.htm
[3] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_sap_streicht_trotz_umsatz__und_gewinnsteigerung_3300_jobs_story-39001020-39201727-1.htm
[4] = http://www.raad.de/
[5] = http://www.zdnet.de/galerie/39199016/einblicke-in-die-itsm-studien-von-exagon-und-materna.htm#sid=41000952
[6] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_itsm_der_anspruch_deckt_sich_nur_selten_mit_der_wirklichkeit_story-11000015-39198987-1.htm
[7] = http://www.itsmf.de/
[8] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_it_trends_2009_outsourcing_und_saas_sollen_sparen_helfen_story-39001020-39201920-1.htm