Die Einführung von SAP ERP 6.0 in Firmen schreitet voran - die SAP-Release-Strategie wurde angenommen. Allerdings sind Anwender bei SOA zurückhaltend und dem SAP-Support-Modell gegenüber nach wie vor kritisch eingestellt.
Diese Woche finden die Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG[1]) in Darmstadt statt. Anlässlich der Veranstaltung hat die Interessengemeinschaft die Ergebnisse einer Umfrage zum geplanten Investitionsverhalten der Mitglieder im Jahr 2009 vorgestellt. Außerdem nahm die Anwendergemeinschaft zu dem im vergangenen Jahr heftig umstrittenen[2] und inzwischen überarbeiteten Preismodell für den SAP-Support erneut kritisch Stellung.
Die Teilnehmer der diesjährigen DSAG-Investitionsumfrage erwarten, dass der Umfang von IT-Investitionen 2009 generell um rund sieben Prozent zurückgeht. Sie sind damit deutlich pessimistischer als viele Marktforscher. Beispielsweise hatte IDC[3] Ende 2008 prognostiziert[4], dass in Westeuropa immerhin noch mit einem minimalen Wachstum zu rechnen sei.
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| Professor Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (Bild: DSAG) |
Vom insgesamt verfügbaren Budget wollen die befragten SAP-Anwenderunternehmen in diesem Jahr durchschnittlich 30 Prozent für Software, Hardware oder Dienstleistungen im SAP-Umfeld ausgeben. Das sind rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Wichtig ist den Firmen vor allem ERP. Dieser Posten nimmt bei den geplanten Ausgaben den Spitzenplatz ein.
Außerdem wollen SAP-Anwender in den SAP Solution Manager und das SAP NetWeaver Portal sowie Business-Intelligence-Lösungen von SAP investieren. Offenbar hat sie die klare Roadmap[5] zur Integration der Business-Objects-Lösungen in das SAP-Portfolio überzeugt. 47 Prozent der Befragten setzen bereits SAP ERP 6.0 ein, 2008 waren es erst 37 Prozent. Weitere 14 Prozent planen für dieses Jahr ein Upgradeprojekt auf SAP ERP 6.0. Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der DSAG, weist aber darauf hin, dass die Adaptionsrate von SAP ERP 6.0 unter DSAG-Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz höher ist als bei Nichtmitgliedern. Dennoch glaubt er, dass "die Ergebnisse zeigen, dass die Kunden die SAP-Release-Strategie angenommen haben."
Außerdem sieht Liebstückel eine hohe Akzeptanz der "Enhancement Packages". Er begründet seine Ansicht damit, dass fast 45 Prozent der Mitglieder (zehn Prozent mehr als 2008) das anstehende Upgrade nutzen wollen, um neue Funktionalitäten einzuführen. Über die Hälfte der Befragten wechselt aber nach wie vor aus technischen Gründen auf ein neues Release.
Die Umsetzung serviceorientierter Architekturen ist für die meisten DSAG-Mitglieder nach wie vor kein Grund, einen Releasewechsel durchzuführen. SOA-Projekte werden zwar - ganz wie in den Vorjahren - vereinzelt in Angriff genommen. Die Zahlen der Umfrage zeigen jedoch eine Stagnation in diesem Bereich.
Nachdem der monatelange Zwist um die Support-Gebühren[2] für SAP schon ausgestanden schien, hat die DSAG jetzt jedoch erneut ein "kundengerechtes und optionales SAP-Support-Modell für SAP-Kunden in allen Ländern" gefordert. Die ab dem kommenden Jahr geplante Preiserhöhung für den "Standard Support" mache eine "deutliche Unterscheidung der Modelle in Preis und Leistung" notwendig, so die DSAG.Ende vergangenen Jahres hatte SAP auf Drängen der DSAG die geplante stufenweise Erhöhung der Wartungsgebühren in Deutschland und Österreich über vier Jahre auf 22 Prozent zurückgenommen[6]. Außerdem erhöhte der Softwarekonzern den Preis für "Standard Support" 2009 für Kunden in Deutschland und Österreich nicht, und das Wartungsmodell "Enterprise Support" orientiert sich wie die alten Verträge an der Steigerung der Lohnkosten.
Unzufrieden sind jedoch noch die Schweizer Kunden: Paul Borschberg, Mitglied im Vorstand der DSAG und dort zuständig für die Schweiz, fordert die Gleichbehandlung mit SAP-Anwendern in Deutschland und Österreich: "Tatsache ist, dass viele Schweizer Kunden nicht bereit sind, den erhöhten Wartungssatz von 18,36 Prozent zu bezahlen, und öffentlich erklärt haben, künftig weiterhin nur 17 Prozent dafür aufzuwenden."
Marco Lenck, Vorstandsmitglied der DSAG, begrüßt zwar, "dass SAP sich im vergangenen Jahr bewegt hat". Die Beibehaltung des Standard Support ergebe jedoch keinen Sinn, "wenn die Preisgestaltung und der Leistungsumfang von Standard Support und Enterprise Support nicht im angemessenen Verhältnis stehen." Lenck fordert daher ab 2010 für den Standard Support maximal eine Rückrechnung des Index für ein Jahr, damit "eine echte Wahlmöglichkeit beim Support" gegeben sei.
Stand heute würden durch die mögliche umfangreichere Rückrechnung langjährige und treue Kunden, die früh der SAP-Strategie gefolgt sind, durch individuelle Preiserhöhungen deutlich schlechter gestellt als Kunden, die ihre Verträge zu einem späteren Zeitpunkt umgestellt haben. Darüber hinaus hält Lenck "in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen generellen Verzicht auf eine Preisanpassung für wünschenswert." Das wäre seiner Ansicht nach ein positives Signal an alle SAP-Anwender.
Die DSAG empfiehlt, "Standard Support" mit Wartungsgebühren in Höhe von 17 Prozent in diesem Jahr weiterhin zu nutzen, wenn Unternehmen mit den Leistungen und dem Umfang bislang zufrieden sind. Ein späterer Wechsel auf Enterprise Support sei ohne Schlechterstellung zum jeweils gültigen Pflegesatz möglich. Sollten Kunden eine Teilkündigung ihrer Lizenzverträge erhalten haben, sei die Situation jedoch "differenziert zu betrachten".
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