"Alloy" verbindet SAP-Software mit Lotus Notes

(http://www.zdnet.de/magazin/41000587/alloy-verbindet-sap-software-mit-lotus-notes.htm)

von Peter Marwan, 24. Februar 2009

Seit 35 Jahren sind SAP und IBM strategische Partner. Aber erst vor kurzem haben sie sich zur Entwicklung einer gemeinsamen Software durchgerungen: Das Ergebnis heißt "Alloy" und ermöglicht Lotus-Notes-Anwendern Zugriff auf SAP.

Der Name "Alloy" ist vielversprechend: Er bedeutet übersetzt "Legierung", womit üblicherweise die Verbindung von zwei Metallen gemeint ist. Dabei kommt in der Regel ein Material mit besseren Eigenschaften heraus, als sie jedes der Ausgangsmaterialien besitzt. Und - zumindest aus IBM-Sicht - ist der Name "Alloy" auch deshalb gut gewählt, weil er eine tiefere Verbindung symbolisiert als das von Microsoft und SAP gemeinsam entwickelte Konkurrenzprodukt "Duet[1]": Sind zwei verschmolzen, sind sie sich wesentlich näher, als wenn sie lediglich im Duett singen.

Alloy soll im März auf den Markt kommen. Die Lösung richtet sich an Unternehmen, die bereits Lotus Notes und ein SAP-System einsetzen. Davon gibt es nach Angaben der beiden Hersteller weltweit rund 30.000. Viele davon hätten in der Vergangenheit - wahrscheinlich auch mit Blick auf das bereits seit längerem verfügbare Duet - eine bessere Integration der beiden Systeme angemahnt. Diese Forderung sei nun erfüllt. Mit Coca Cola, Colgate Palmolive und dem dänischen Lebensmittelkonzern Arla wurden auch schon drei Firmen gefunden, die bereit waren, selbst erstellte Lösungen durch Alloy abzulösen und als Referenzen zu dienen.

Die Kernfunktionen von Alloy[2] (PDF), die sich bereits heute standardmäßig nutzen lassen, sind die Verwaltung von Urlaubs- und Reiseanträgen. Sie sollen sich schneller und vor allem "informierter", wie SAP-Manager Michael Reh es ausdrückt, bearbeiten lassen. Darunter versteht er etwa, dass bei einem Reisekostenantrag der Bearbeitende sofort einen Blick auf das grafisch aufbereitete, noch zur Verfügung stehende Budget und andere Kennzahlen bekommt, die er für eine gut begründete Entscheidung benötigt - und zwar innerhalb der gewohnten Lotus-Notes-Oberfläche.

Das klingt zunächst einmal wenig revolutionär. Die Aufregung um das Produkt wird jedoch verständlich, wenn man die technischen Details berücksichtigt: Sogenannte "SAP-Business-Objekte" lassen sich nach Angaben der Entwicklungspartner nahtlos in Notes-Objekte überführen.

Über Single-Sign-On ist auch der Workflow an der in der Benutzerverwaltung des ERP-Systems festgelegten Rollenverteilung ausrichtbar. Das Ergebnis seien sowohl kürzere Bearbeitungszeiten als auch weniger Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die sich später als falsch herausstellen. Damit decke Alloy ganz nebenbei auch das für Firmen immer wichtiger werdende Thema Compliance ab. Die technische Voraussetzung für Alloy wurde geschaffen, indem Lotus Notes über XML-Aufrufe und Web-Services mit der SAP-Umgebung kommuniziert. Diese Art zu interagieren habe auch den Vorteil, dass Kunden künftig für beide Systemen unabhängig Änderungen vornehmen und Updates einspielen könnten. Sie müssten nicht mehr befürchten, dass damit die Gesamtlösung ins Wanken gerate, versichert Christian Holsing, als Produktmanager bei IBM für Alloy verantwortlich. Der Anpassungsaufwand steige aber in dem Maße, wie Kunden die eigentlich von SAP erlaubten Modifikationen vornehmen.

Natürlich seien mittelfristig auch andere Prozesse in Notes abbildbar, etwa Workflows für die Projektplanung oder die Integration von Berichten aus dem Business-Intelligence-Portfolio der Walldorfer. Außerdem seien die Integrationsmöglichkeiten dank der zugrunde liegenden gründlichen technischen Neuerungen nicht auf SAP beschränkt - auch das ein Vorteil gegenüber dem überschaubareren Funktionsumfang von Duet[3], erklärt Holsing.

Sreenshot von Alloy
Mit "Alloy" können Lotus-Notes-Anwender auch SAP-Prozesse aufrufen und bearbeiten (Bild. IBM)

Um Alloy nutzen zu können[4], müssen Unternehmen Lotus Notes 8.0.2 und mindestens SAP ERP 6.0 (Service Pack 14) auf SAP NetWeaver 7.0 (Service Pack 17) einsetzen. Außerdem ist eine ausreichende Zahl von "Named-User"-Lizenzen für SAP und natürlich Notes-Lizenzen erforderlich. Das, so Reh, sei aber bei der anvisierten Kundengruppe in der Regel ohnehin der Fall.

Details zur Preisstaffelung wollen IBM und SAP erst bei der Markteinführung im März bekannt geben. Entwickelt sich Alloy zumindest ähnlich wie der wesentlich früher gestartete, aber technisch weniger tief integrierte Wettbewerber Duet, wäre IBM sicherlich zufrieden. Laut SAP-Manager Reh wurden rund 1,5 Millionen Duet-Lizenzen verkauft.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.duet.com/
[2] = http://www.sap.com/germany/solutions/alloy/pdf/Alloy_Solution_Brief_Final.pdf
[3] = http://www.microsoft.com/germany/sap/duet/funktionen.mspx
[4] = http://www-01.ibm.com/software/de/lotus/alloy/features.html