Laserdrucker stehen immer wieder im Verdacht, durch Emissionen die Gesundheit zu beeinträchtigen. Forscher wissen zwar viel über Emissionen aus Druckern - nur ob sie wirklich krank machen und woher sie eigentlich kommen, ist noch nicht geklärt.
Besitzer eines Laserdruckers können bei manchen Presseberichten ein leichtes Kratzen im Hals und nagende Zweifel kaum unterdrücken: Was habe ich mir da nur ins Büro oder ins Haus gestellt? Denn Zeitungen und TV-Sendungen sorgen immer wieder mit Schlagzeilen wie "Toner ist krebserregend" oder "Gesundheitsrisiko Drucker: Dreckschleuder im Büro" für Aufsehen.
Andererseits gibt es auch vermeintlich beruhigende Meldungen, etwa eine aktuelle Stellungnahme[1] der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA[2]): Sie sieht das Risiko für Erkrankungen durch Tonerstaub im akzeptablen Bereich - man könne zwar an Krebs erkranken, aber die Wahrscheinlichkeit sei gering.
Gefahren sieht die Behörde eigentlich nur für Personen, die regelmäßig Servicearbeiten durchführen oder die mit dem Recycling von Tonerkartuschen beschäftigt sind. Sie sollten besondere Schutzmaßnahmen[3] ergreifen. Unabhängig von einem möglichen Gefährdungspotenzial durch Tonerstaub raten die Experten jedoch, die Belastungen durch Laserdrucker zu reduzieren, und bieten eine Broschüre mit möglichen Maßnahmen[4] zum Download an.
Fest steht: Drucker emittieren Partikel im Fein- und Ultrafeinstaub-Bereich in beträchtlicher Anzahl. Das bestätigen[5] Forschungen des Fraunhofer-Instituts WKI[6], der Bundesanstalt für Materialforschung- und Prüfung ( BAM[7]) sowie Studien[8] (PDF) des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR[9]). Doch die Schlussfolgerungen für Verbraucher will bis dato keiner ziehen. Dabei kann Feinstaub, oder genauer gesagt, können Partikelemissionen gesundheitsschädlich sein. Spätestens seit der Diskussion um die Einführung der Feinstaubplakette[10] für Fahrzeuge ist das allgemein bekannt. Bei der toxikologischen Bewertung spielt vor allem die Größe des Partikels eine wichtige Rolle. Toxikologen ordnen kleine Partikel, besonders mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometern (PM 2,5), schon aufgrund ihrer Größe als bedenklich ein.
Diese kleinen Partikel dringen viel tiefer in die Lunge ein, als es größere Partikel könnten. Große Partikel, beispielsweise sichtbarer Hausstaub, kann über den Atemweg gefiltert werden. Ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von 0,1 Mikrometern, wie sie auch Drucker ausstoßen, überwinden hingegen sämtliche natürlichen Barrieren und können in die Blutbahn geraten.
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| In einer Prüfkammer untersuchen Forscher, welche Partikel Drucker an die Raumluft abgeben (Bild: Fraunhofer WKI) |
Während es im Außenbereich für Millionen von Fahrzeugen einen Feinstaubgrenzwert gibt, dürfen Drucker im Innenraum ungehemmt die Luft mit Fein- und Ultrafeinstaub anreichern. Denn bisher gibt es faktisch keinen gesetzlich verbindlichen (und einklagbaren) Grenzwert für Ultrafeinstaub im Büroraum. Und es gibt keinen direkten Nachweis, dass Druckgeräte tatsächlich krank machen.
Das offizielle Sprachrohr der IT-Branche in Deutschland, der Bitkom[11], stellt in einem Positionspapier lapidar fest, dass die Emissionen "deutlich unter den Grenzwerten für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz liegen". Was in diesem Falle nicht schwierig ist. Dementsprechend sehen sich Hersteller von Druckgeräten im Recht. Nach außen demonstrieren die Hersteller Gelassenheit, intern wird hingegen schon eifrig an einer Lösung des Emissionsproblems geforscht. Angeblich unter dem Dach des Bitkom und mit Segen des Umweltbundesamts. In der Forschung geht es vor allem darum, woher die Partikel eigentlich stammen. Denn um reinen Tonerstaub handelt es sich nicht.
Tunga Salthammer vom Fraunhofer-Institut WKI erklärt, dass die gemessenen Teilchen Bestandteile der Tonerpartikel sind, aber auch "flüchtige organisch-chemische Substanzen" enthalten, also etwa Wachse aus dem Papier oder Schmierstoffe des Druckers. Fest steht zudem, dass die Partikelemissionen ein Resultat des Erhitzens von Toner, Papier und Druckgerät sind.
Doch Drucker ist nicht gleich Drucker: Eine stichprobenartige Prüfung des LGA[12], einer Tochtergesellschaft des TÜV-Rheinland, ergab, dass es deutliche Unterschiede in der Emissionsrate zwischen Druckgeräten gibt. Im Test waren die gemessenen HP-Druckgeräte weitgehend staubarm, während andere Hersteller teilweise eine sehr hohe Emissionsrate aufwiesen. Einen Persilschein will aber bisher kein Labor einem Hersteller ausstellen.
Selbst wenn ein Gerät staubarm druckt, kann das Nachfolgemodell schon wieder ordentlich stauben, so ein Mitarbeiter eines Forschungsinstituts. Orientierung für die Verbraucher gibt es daher bis dato nicht. Auch der Blaue Engel für Bürogeräte mit Druckfunktion, das Gütezeichen RAL-UZ 122[13], ist in der aktuellen Fassung noch nicht dazu geeignet.
Das Umweltzeichen soll aber in der nächsten Revision angepasst und verschärft werden. Dann würde es erstmals einen Grenzwert für Ultrafeinstaub-Emissionen für Laserdrucker und Multifunktionsgeräte eben. Und Besitzer eines Laserdruckers wüssten dann auch wirklich, ob das Kratzen im Hals berechtigt ist.
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