Die meisten Netbooks arbeiten mit Intels Atom-Prozessor. Doch das könnte sich bald ändern, denn mit dem VIA Nano steht neuerdings ein Chip zur Verfügung, der die Intel-CPU in vielen Bereichen ziemlich alt aussehen lässt.
Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten finden Netbooks reißenden Absatz[1]. Der Boom der kleinen mobilen Rechner soll auch in diesem Jahr anhalten[2]. Die meisten Hersteller verwenden als Prozessor Intels Atom. Allerdings bietet die Intel-Plattform mit der schon etwas älteren Chipsatzgrafik auf Basis des G945 kaum zeitgemäße Grafikperformance.
Und so richtet sich die Hauptkritik an der Netbook-Plattform auf die schlechte Performance. AMD-Chef Dirk Meyer[3] sieht gar ein Verschwinden der Netbooks kommen, während Nvidia-Präsident Jen Hsun Huang[4] lediglich die schwache Performance der Atom-Plattform kritisiert und einen Chipsatz für den Intel-Prozessor angekündigt hat, der diesen Mangel beheben soll. In der Tat könnte die Ion-Plattform[5] Atom-Netbooks auf die Sprünge helfen. Nvidia bietet mit der darin integrierten Grafiklösung eine deutlich leistungsfähigere Variante, als sie Intel derzeit aufbieten kann. Zudem kann der Grafikchip dank CUDA[6]-Schnittstelle für aufwändige Berechnungen auch von herkömmlichen Applikationen genutzt werden. Die Rechenperformance des Grafikchips übersteigen die Leistungsfähigkeit eines Prozessors bei weitem[5].
Als zusätzliche Plattform halten inzwischen einige Hersteller auch VIAs Nano-Prozessor für Netbooks geeignet. Noch im Februar soll von Samsung der NC20[7] erscheinen, der mit einer besonders stromsparenden Variante des Nano-Chips ausgestattet ist.
Der ZDNet-Test von Netbook-Plattform umfasst die Lösungen von VIA und Intel. Die Nvidia-Plattform Ion steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Sie soll erst im April erscheinen.
Die interne Architektur der beiden Prozessoren unterscheidet sich stark. Während Intel wegen der besseren Energieeffizienz auf eine Out-Of-Order-Befehlsausführung[9] verzichtet, kommt diese Technik beim VIA Nano zum Einsatz. Dadurch erzielt der Nano theoretisch eine effizientere Befehlsverarbeitung. Allerdings kann der Atom diesen Nachteil mit Hyperthreading teilweise ausgeglichen. Die Benchmarks werden zeigen, welche der beiden Architekturen in der Praxis die bessere Leistung erzielt. So viel schon vorab: Die Unterschiede sind gewaltig. Für die Einordnung der Ergebnisse im Vergleich zu herkömmlichen Desktop-Prozessoren dient ein Pentium Dual Core E5200 mit 2,5 GHz.
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Andererseits zeigen sich auch zwischen den Netbook-Plattformen deutliche Leistungsunterschiede. Während der Intel Atom im Fließkommatest (FPU) SinJulia, der die Geschwindigkeit von FPU-Berechnungen mit einfacher Genauigkeit (32 Bit) ermittelt, noch etwas schneller als der VIA Nano rechnet, muss er sich diesem im Mandelbrot-Benchmark (doppelte Genauigkeit, 64 Bit) deutlich geschlagen geben. Der Nano erreicht hier 547 Punkte und ist damit klar schneller als der Atom, der nur 143 Punkte erzielt.
Noch gravierender sind die Unterschiede bei Ganzzahlberechnungen (Integer, CPU). Im AES-Test kann der Nano sogar den Desktop-Chip klar abhängen. Dies liegt an seiner Hardware-Unterstützung für diese Berechnungen. Mit einem Ergebnis von 58.285 Punkten ist der Nano sogar schneller als ein Nehalem-Prozessor[10]. Bis auf den Queen-Test kann sich der Nano bei allen anderen Integer-Benchmarks vor dem Atom platzieren. Zudem bietet die Nano-Plattform die deutlich bessere Speicherperformance.
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Dass Netbooks nicht für 3D-Berechnungen geschaffen wurden, dokumentieren die Tests mit 3D Mark 2003, 2005 und dem OpenGL-Test aus der Cinebench-Suite. Die Desktop-Plattform mit Pentium Dual Core E5200 auf Basis des 965er-Chipsatz mit integrierter Grafik ist um ein Mehrfaches schneller. Im direkten Vergleich der beiden Netbook-Chips schneidet der Nano von VIA insgesamt besser ab als der Intel Atom.
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Der VIA Nano entscheidet die Internet-Tests im Vergleich zum Atom eindeutig für sich. Während der Intel-Chip für die Darstellung einfacher HTML-Seiten 132,8 Sekunden benötigt, vergehen mit dem Nano lediglich 70,08 Sekunden. Gegenüber dem Desktop-Prozessor, der bereits nach 33,3 Sekunden die Seiten gerendert hat, sieht aber auch der Nano alt aus. Das gleiche gilt für die Tests mit Java und JavaScript: Der Nano arbeitet eindeutig schneller als der Intel Atom. Dies dürfte man auch in der Praxis spüren, da immer mehr Webseiten JavaScript enthalten[11]. Als guter Leistungsindikator in diesem Bereich gilt der Sunspider-Test, mit denen die Browser-Hersteller die JavaScript-Performance ihrer Engine testen. Für diesen Test benötigt der Intel Atom fast doppelt so viel Zeit wie der VIA Nano.
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Fazit
Der Benchmarktest der zwei Netbook-Plattformen Intel Atom und VIA Nano macht zweierlei klar: Zum einen kann der Nano den Atom in Sachen Performance nicht nur Paroli bieten, sondern diesen in entscheidenden Bereichen sogar klar distanzieren. Das Laden von HTML-, XML- oder JavaScript-Seiten gelingt dem Nano deutlich schneller als dem Intel Atom. Beim Betrachten der Benchmarkgrafiken wird zum anderen deutlich, dass Netbook-Anwender in Sachen Performance deutliche Abstriche hinnehmen müssen. Schon der mit 60 Euro recht günstige Pentium Dual Core E5200 arbeitet um ein Vielfaches schneller als die Netbook-Prozessoren. Zahlreiche populäre Anwendungsgebiete, zum Beispiel Bildbearbeitung, dürften dem Netbook wegen schwacher Performance verschlossen bleiben. Teilweise fühlt man sich als Tester in die IT-Steinzeit zurückversetzt - so langsam arbeiten die Netbook-Chips.
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