Manager trauen IT-Abteilungen kaum Innovationen zu

(http://www.zdnet.de/magazin/39201635/manager-trauen-it-abteilungen-kaum-innovationen-zu.htm)

von Peter Marwan, 28. Januar 2009

Experten fordern, dass sich die IT an den Geschäftsprozessen ausrichtet und als treibende Kraft für Neuerungen etabliert. Manche IT-Abteilung glaubt, das bereits erreicht zu haben. Die Realität sieht aber anders aus.

IT ist und bleibt wichtig. Das glauben auch die kürzlich in einer weltweiten Marktforschung[1] im Auftrag des IT Governance Institute (ITGI[2]) befragten leitenden Angestellten: Immerhin 87 Prozent von ihnen halten Informationstechnologie für einen wichtigen Teil ihres Unternehmens. Der von Analysten und Herstellern immer wieder geforderte kulturelle Wandel hat jedoch in den meisten Fällen bisher nicht stattgefunden. Noch ist die IT-Abteilung für den Großteil eher technischer Dienstleister als Motor der Innovation und der Erschließung neuer Wettbewerbsvorteile.

59 Prozent schätzen die Innovationsleistungen ihrer IT-Abteilung als unwichtig oder nicht sehr wichtig ein. Über die Hälfte der von ITGI Befragten ist der Meinung, dass ihre IT-Abteilung zu wenig Innovationen liefert. Nur ein Drittel verlässt sich auf Informationen der IT-Abteilung, wenn es um die Eröffnung geschäftlicher Möglichkeiten durch den Einsatz neuer Technologien geht.

John Thorp vom IT Governance Committee des ITGI warnt, dass "Geschäftsleitungen entscheidende Gelegenheiten verpassen, wenn sie den innovativen Beiträgen ihrer IT-Abteilung nicht mehr Aufmerksamkeit schenken." Gerade angesichts der wirtschaftlichen Lage sollten Unternehmen ihre IT-Governance verbessern und sicherstellen, dass Aufwendungen wirklich wertschöpfend sind, dass sie Leistungsschwächen abbauen und innovative, wertsteigernde IT-Lösungen unterstützen.

Aber: Nur bei 56 Prozent der Befragten wird die Wertschöpfung der IT-Abteilung gemessen. Dennoch ist eine weitaus größere Zahl der Führungskräfte vom Wert der Investitionen in IT überzeugt. Es bleibt jedoch offen, wie die Manager zu dieser Meinung kommen.

Bei den Unternehmen, die den Wertbeitrag der IT messen, geschieht dies überwiegend (42 Prozent) durch eine Gewinn- und Verlustrechnung. Die größten Hindernisse für die IT, einen Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten, sehen die Umfrageteilnehmer in schwierig zu implementierenden Anwendungen (37 Prozent), der Unternehmenskultur (20 Prozent) und mangelnder Kompetenz (16 Prozent).

Das ITGI stellte zudem fest, dass Führungskräfte bezweifeln, dass IT-Manager günstige Gelegenheiten für das Unternehmen auch kommunizieren. Lediglich ein Drittel fühlt sich "weitgehend" oder "sehr weitgehend" informiert. Diese Erkenntnis steht im Gegensatz zu einer Studie aus dem Jahr 2008, in der IT-Manager angegeben hatten, dem Unternehmen häufig Informationen zu liefern. Offenbar reden IT-Abteilungen und die Geschäftsführung immer noch häufig aneinander vorbei - so wie das auch zwischen IT- und Fachabteilungen noch häufig der Fall ist[3]. Die ITGI-Experten empfehlen daher die Aufnahme des CIO in die Geschäftsleitung: Bei 40 Prozent der befragten Unternehmen hat er diesen Status bisher nicht - oder es gibt gar keinen CIO.Bei der Analyse der Antworten kristallisierten sich letztendlich zwei Firmentypen heraus: "Strategen" und "Betreiber". "Strategen" würden den strategischen Vorteil, den IT ihnen bringen kann, in vollem Umfang bereitwillig annehmen und Informationstechnologie systematisch als ein Mittel einsetzen, um ihr Geschäft weiterzuentwickeln. "Betreiber" dagegen betonen eher die Notwendigkeit eines einwandfreien Betriebs als den strategischen Wert für das Unternehmen.

Einer der auffälligsten Unterschiede ist jedoch der Grad der im Unternehmen umgesetzten IT-Governance: Betreiber sehen sich in ihrer Selbsteinschätzung deutlich hinter den als Strategen klassifizierten Unternehmen zurück. Wichtig ist auch, dass Strategen angaben, bessere Resultate ihrer IT-Investitionen zu erhalten. Durch die Fragen nicht geklärt werden konnte allerdings, ob dies lediglich auf die verwendeten Messinstrumente zurückzuführen ist oder ob diese Einschätzung auch einer externen Überprüfung standhalten würde.

Der mögliche Haken: Wahrscheinlich können die als Betreiber klassifizierten Firmen den Wertbeitrag der IT schlechter beziffern und unterschätzen ihn dadurch womöglich öfter. Strategen neigen möglicherweise dazu, ihn zu überschätzen: Eine Umsatzsteigerung könnte beispielsweise sowohl durch verbesserten IT-Einsatz als auch eine erfolgreiche Marketingkampagne oder eine bessere Nachfragesituation im Markt bedingt sein.

Dennoch scheint logisch, dass auch beim IT-Einsatz das alte Motto "Klotzen statt kleckern" Erfolg verspricht. In diese Richtung deuten auch zwei Studien[4] von IDC[5] und Materna[6] zum Stand der Dinge beim Einsatz von IT Service Management.

In der IDC-Studie wurde zwar die Höhe der Einsparungen nicht beziffert, es stellte sich aber heraus, dass für die Hälfte der Befragten die Reduzierung der IT-Kosten an erster Stelle steht. IDC-Analyst Matthias Kraus hält diese Einstellung jedoch für zu einseitig: "Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie stark die IT-Abteilungen noch immer auf sich selbst respektive die IT-Kosten fixiert sind."

Kraus glaubt, dass unter einem "Beitrag zur Wertschöpfung" viel mehr zu verstehen ist als die Senkung der Kosten. Er nennt als Vorteile etwa, dass Geschäftsprozesse effektiver gestaltet und durch automatisierte Schritte Durchlaufzeiten verkürzt werden können. "Angestrebte Kosteneinsparungen werden dann nicht auf der IT-Seite, sondern erst beim Betrachten des gesamten Geschäftsprozesses auf Seiten der Fachabteilung erzielt. Diese sind aber meist vielfach höher als potenzielle Zusatzkosten für die IT."

Ähnlich argumentiert auch Ralph Eichinger, Standortleiter München von Materna: "In der Selbstwahrnehmung sehen sich immer noch zu viele IT-Abteilungen als Cost Center statt als Motor von Innovationen."

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.itgi.org/TemplateRedirect.cfm?Template=/ContentManagement/ContentDisplay.cfm&ContentID=47306
[2] = http://www.itgi.org
[3] = http://www.zdnet.de/it_business_erfolge_gesucht_vermittler_zwischen_geschaeft_und_technik_story-39002357-39197268-1.htm
[4] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_itsm_der_anspruch_deckt_sich_nur_selten_mit_der_wirklichkeit_story-11000015-39198987-1.htm
[5] = http://www.idc.com/germany/
[6] = http://www.materna.de