25 Jahre Apple Macintosh: ein Rückblick

(http://www.zdnet.de/magazin/39201549/25-jahre-apple-macintosh-ein-rueckblick.htm)

von Richard Joerges, 23. Januar 2009

Am 24. Januar 1984 stellte Apple mit dem Macintosh 128k den Vater aller "Mac"-Rechner vor. Seitdem sind 25 Jahre vergangen. ZDNet zeigt Höhen, Tiefen und wie die Macintoshs die Computer-Branche beeinflusst haben.

"Ein Vierteljahrhundert, da macht sich ein Mädchen schon mal Gedanken", beteuert Marilyn Monroe im Filmklassiker "Manche mögen's heiß". 25 Jahre, das klingt harmlos. Ein Vierteljahrhundert hingegen, das ist eine ganz andere Größenordnung. Kaum zu glauben, dass der Mac schon fast eine Menschengeneration lang die IT-Welt durcheinanderwirbelt. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Tatsache ist aber, dass es in der IT-Branche kaum einen anderen Modellnamen gibt, der schon so lange verwendet wird.

Begonnen hat der Mac irgendwann Anfang der achtziger Jahre in Cupertino. Apple war damals auf dem Höhepunkt. Der Apple II beherrschte unangefochten den Markt für Mikrocomputer. Den Begriff "Personal Computer" gab es noch gar nicht. Doch das sollte sich am 12. August 1981 ändern. An diesem Tag präsentierte IBM[1] der staunenden Öffentlichkeit den IBM Personal Computer oder kurz PC. Er eroberte den Markt im Sturm - und Apple hatte ein Problem. Ein neues, konkurrenzfähiges Rechnermodell musste her.

Die ebenfalls 1981 vorgestellte Apple Lisa[2] jedenfalls konnte die Erwartungen nicht erfüllen: Lisa floppte grandios. Sie war zu langsam und vor allem viel zu teuer. Aber sie zeigte in die richtige Richtung. Das Konzept der grafischen Benutzeroberfläche mit Maussteuerung[3] basierte auf Ideen, die Xerox in den späten siebziger Jahren für das Xerox-Alto-System entwickelt hatte. Apple-Chef Steve Jobs bekam davon Wind und kaufte das Konzept 1979 im Tausch gegen Apple-Aktien. Auf Xerox-Seite wurde daraus der Xerox Star[4], bei Apple eben die "Lisa".

Als Steve Jobs klar wurde, dass "Lisa" chancenlos war, suchte er nach einem Ausweg. Den fand er bei Apple selbst. Dort arbeitete Jef Raskin[5] mit seinem Team, das auch aus diversen "Lisa"-Entwicklern bestand, an einem anderen Konzept für einen Desktop-Computer. Jobs schaltete sich dort ein und übernahm rasch die Leitung. Raskin verließ 1981 entnervt das Team.

Am Ende stand jedenfalls der erste Apple Macintosh. Billiger, schneller und besser als "Lisa". Nach heutigen Maßstäben freilich nicht mehr als ein armseliger Haufen Elektronik: Es gab ein Disketten-Laufwerk, 128 KByte RAM, einen integrierten 9-Zoll Schwarzweiß-Schirm mit 512 mal 342 Bildpunkten Auflösung und eine Maus. Jedes moderne Handy kann mehr.

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Wirtschaftlich waren die Macs anfangs nicht besonders erfolgreich. Als Problem erwies sich neben dem immer noch vergleichsweise hohen Preis vor allem die geschlossene Architektur des Systems. IBM hatte hingegen von Anfang an auf Offenheit gesetzt und begründete damit den Boom der IBM-PC-kompatiblen Rechner. Aber das Konzept des Macs hatte auch Vorteile. Die baute Apple kontinuierlich aus. Dazu gehörten vor allem die einfache Bedienung und die grafischen Fähigkeiten.

Apples Stärke war immer, dass es beim Mac rücksichtslos neue Standards und Technologien durchsetzen konnte. Die PC-Industrie war dagegen darauf bedacht, langfristige Kompatibilität zu gewährleisten. Das verärgerte zwar manchmal die Kunden, hielt den Mac aber immer an der Spitze der Innovationen. So wechselten beim Mac fröhlich die Prozessor-Plattformen von Motorola 68.000 über PowerPC zu Intel.

Ähnlich war es beim Massenspeicher: Der Mac war die erste Rechnerplattform mit 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und die erste, die ab 1999 komplett darauf verzichtete. Stattdessen gab es ZIP-Laufwerke[7] und CD-ROMs. Ähnliches lässt sich über Schnittstellen, Erweiterungsports und Bus-Systeme sagen. Da gab es etwa den NuBus[8], SCSI[9], Firewire[10], USB[11], DVI[12] und viele weitere Beispiele.

Immer wenn es etwas Neues, Besseres gab, tauchte es bald im Mac auf. PCs hingegen fingen mit ISA[13]-Ports, Parallel- und RS-232[14]-Schnittstellen an - und hatten sie vor nicht allzu langer Zeit noch.

Selbstverständlich wurde beim Macintosh auch das Betriebssystem mehrmals radikal gewechselt. So gab es gravierende Schnitte von System zu System 7, weiter zu OS 8 und OS 9 bis hin zum aktuellen, Unix-basierten Mac OS X. Unter Windows laufen - zumindest theoretisch - immer noch auch die ersten PC-Programme aus den achtziger Jahren. Auf dem Mac hingegen wird nicht einmal mehr OS 9 unterstützt.

Apple war nicht immer der Erfinder neuer Technologien. Aber man war häufig der erste, der sie einsetzte oder adaptierte. Einige dieser Technologiesprünge sorgten ab 1985 für einen Höhenflug des Macs, der für viele Außenstehende immer noch das Bild des Unternehmens prägt: So gilt der Mac immer noch als bevorzugter Rechner von Designern, Grafikern und Werbeleuten.Der Wandel im Image der Macintosh-Rechner hatte schon 1985 begonnen, als Apple das Macintosh Office vorstellte. Teil davon war zum einen der Netzwerkstandard AppleTalk[15], ein Serverkonzept (das erst viel später und nur halbherzig realisiert wurde), und der Drucker Apple Laserwriter. Er druckte mit Hilfe der Seitenbeschreibungssprache Postscript[16].

Als Office-Lösung floppte das System. Wieder einmal. Dafür entdeckten die oben genannten Zielgruppen den Mac. Endlich gab es fast WYSIWYG[17] am Bildschirm, auf dem Drucker und beim Belichter in der Druckvorstufe. Man muss dazu wissen, dass zu diesem Zeitpunkt PCs noch den Drucker über ESC-Codes[18] (ESC/P[19] bei Epson[20]) ansteuerten. Mit welcher Schrift gedruckt werden konnte, hing davon ab, welche der Drucker beherrschte. Ganz anders hingegen die Apple-Lösung, die eher dem heutigen Standard entsprach.

Passend dazu tauchten innovative Software-Lösungen auf. Kaum jemand weiß beispielsweise, dass Microsoft Excel als Mac-Programm begonnen hat. Viel wichtiger aber war, dass 1985, also gleichzeitig mit Laserwriter und Postscript, die kleine Softwareschmiede Aldus[21] das Desktop-Publishing-Programm Pagemaker[22] auf den Markt brachte, zunächst exklusiv für den Mac.

Ab da wurde der Mac zur Grafik- und DTP-Lösung schlechthin. Dieses Trio krempelte die gesamte Druckindustrie um. Vollkommen im Griff hatte Apple die Branche, als Macromedia[23] seine verschiedenen Grafik- und Authoring-Programme herausbrachte, etwa Freehand[24] und Director[25], Quark[26] mit Quark Xpress[27] debütierte und Adobe[28] den Type Manager[29], Illustrator[30], Photoshop[31] sowie Acrobat[32] veröffentlichte.

Doch all diese Erfolge halfen nichts. Spätestens in den neunziger Jahren begann der Abstieg. Nicht zuletzt, weil PCs mit Windows 3.0 und 3.1 fast alles konnten, was bis dahin den Mac auszeichnete, obendrein aber deutlich billiger waren. Selbst die Kernzielgruppe der Designer und Grafiker begann sich peu à peu abzuwenden. Gezeichnet ist diese Ära durch den unrühmlichen Abgang von Steve Jobs.

Man kann sich darüber streiten, aber offenbar fehlte es ohne Steve Jobs den Apple-Produkten an Strahlkraft. Dem Mac hat der Abgang von Steve Jobs aber letztendlich gut getan. Mit seiner Firmenneugründung "Next[33]" legte er den Grundstein für das spätere Mac-Betriebssystem OS X. Wirtschaftlich landete Jobs mit Next zunächst wieder mal einen veritablen Flop. Aber 1996 konnte er die Firma an Apple Computer verkaufen. Dieses Datum markierte fast genau zehn Jahre nach seinem Abgang seinen Wiedereinstieg bei Apple. Zunächst als Berater, dann als Vorstandsmitglied und schließlich als CEO.

Wichtig ist der Jobs-Ausflug mit Next für den Mac deshalb, weil es Apple bis dahin nicht geschafft hatte, ein zeitgemäßes, modernes Betriebssystem auf die Beine zu stellen. Seit 1991 wurde an "Copland[34]" gearbeitet, bis der damalige CEO Gil Amelio[35] dem Spuk 1996 ein Ende bereitete und Steve Jobs samt seinem Next-Step holte. Das hatte alles, was System und dessen Nachfolgern OS 8 und später 9 fehlte: echtes Multitasking, Multithreading, Display-Postscript, sogar die Multiprozessor-Unterstützung war in dessen Mach-Microkernel schon angelegt. Letzteres bildete später zusammen mit Teilen aus Free[36]- und NetBSD[37] die Grundlage von Mac OS X[38]. Man kann nicht über den Apple Macintosh reden, ohne auf seine Designer einzugehen. Von 1984 bis 1990 wurde das Mac-Design von Hartmut Esslinger[39] und seiner Firma Frog Design[40] bestimmt. Helle, weiß-beige Gehäuse, vertikale Streifen und klare Formen - das sogenannte "Snow White Design" - kennzeichneten damals die Apple-Produkte. Diese Designsprache war - und ist teilweise immer noch - stilbildend für modernes Büro-Equipment.

Man muss nur die damaligen PCs mit den Macs der achtziger und frühen neunziger Jahre miteinander vergleichen: Der Mac galt als Designstück, PCs waren lediglich hässliche, aber notwendige Bürogeräte. Apple war damit der erste Computerhersteller, der seinen Geräten ein Markengesicht geben konnte.

Mit Steve Jobs' Wiedereinstieg bei Apple betrat ein anderer Designer die Bühne: Der Engländer Jonathan Ive[41]. Er schaffte es, mit praktisch jedem Apple-Produkt seit 1998 Design-Maßstäbe zu setzen und Apple zu einer der wertvollsten Marken der Welt zu machen.

Schwer zu sagen, ob die Macs der Neuzeit und iPod und iPhone[42] sich ohne das geniale Ive-Design jemals so gut verkauft hätten: Man denke nur an den ersten iMac in Bondi Blue, die G3- und G4-Rechner mit ihren transparenten Kunststoffteilen, die eleganten Alu-Gehäuse von Mac Pro, PowerBook und Xserve, das Lampenschirm-Design der zweiten iMac-Generation und natürlich das Schneeweiß von iBook, iMac der dritten Generation und iPod.

Und wie sieht die Zukunft aus? Vermutlich rosig. Am Mittwoch vermeldete Apple die Ergebnisse[43] des ersten Quartals 2009: Es war das beste Ergebnis der Firmengeschichte. 2.524.000 Macintosh-Computer sind in diesen drei Monaten über den Ladentisch gegangen. Gegenüber dem ersten Quartal 2008 ist das eine Steigerung von neun Prozent. Und das mitten in der Krise!

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.ibm.de
[2] = http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_Lisa
[3] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_die_computermaus_feiert_ihren_40__geburtstag_story-11000009-39200023-1.htm
[4] = http://de.wikipedia.org/wiki/Xerox_Star
[5] = http://de.wikipedia.org/wiki/Jef_Raskin
[6] = http://www.zdnet.de/galerie/39201516/25-jahre-macintosh-rechner-die-wichtigsten-stationen-in-bildern.htm#sid=39201549
[7] = http://de.wikipedia.org/wiki/ZIP-Laufwerk
[8] = http://de.wikipedia.org/wiki/NuBus
[9] = http://de.wikipedia.org/wiki/SCSI
[10] = http://de.wikipedia.org/wiki/FireWire
[11] = http://de.wikipedia.org/wiki/USB
[12] = http://de.wikipedia.org/wiki/DVI
[13] = http://de.wikipedia.org/wiki/Industry_Standard_Architecture
[14] = http://de.wikipedia.org/wiki/RS-232
[15] = http://de.wikipedia.org/wiki/AppleTalk
[16] = http://de.wikipedia.org/wiki/PostScript
[17] = http://de.wikipedia.org/wiki/WYSIWYG
[18] = http://de.wikipedia.org/wiki/Escape-Sequenz
[19] = http://de.wikipedia.org/wiki/ESC/P
[20] = http://www.epson.de
[21] = http://de.wikipedia.org/wiki/Aldus
[22] = http://www.adobe.com/de/products/pagemaker/
[23] = http://de.wikipedia.org/wiki/Macromedia
[24] = http://de.wikipedia.org/wiki/FreeHand
[25] = http://de.wikipedia.org/wiki/Macromedia_Director
[26] = http://euro.quark.com/de
[27] = http://de.wikipedia.org/wiki/QuarkXPress
[28] = http://www.adobe.de
[29] = http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Type_Manager
[30] = http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Illustrator
[31] = http://de.wikipedia.org/wiki/Photoshop
[32] = http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Acrobat
[33] = http://de.wikipedia.org/wiki/NeXT
[34] = http://de.wikipedia.org/wiki/Copland
[35] = http://en.wikipedia.org/wiki/Gil_Amelio
[36] = http://www.freebsd.org/de/
[37] = http://www.de.netbsd.org/
[38] = http://de.wikipedia.org/wiki/Mac_OS_X
[39] = http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_Esslinger
[40] = http://www.frogdesign.de
[41] = http://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Ive
[42] = http://www.zdnet.de/artikel_zum_thema_iphone_thema-39002356-39001022o0o0-1.htm
[43] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39201489,00.htm