Steve Ballmer zeigt sich im Interview am Rande der CES ungewohnt offen und gibt einige interessante Fakten zu Windows 7, Netbooks, dem Konkurrenten Google und der nächsten Office-Version preis.
"Tatsache ist, dass wir uns nicht in einem wirtschaftlichen Abschwung befinden, es handelt sich vielmehr um eine Art Reset. Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge, und wir versuchen gerade, herauszubekommen, was das genau für uns bedeutet", sagte Steve Ballmer[1] in einem Interview[2] mit Ina Fried von CNET News.com am Rande der Consumer Electronics Show in Las Vegas vergangene Woche.
Ballmer sprach aber nicht nur darüber, was dieser "Reset" für Microsoft bedeuten könnte, er erklärte auch, welche Lehren der Konzern aus den Erfahrungen mit Vista und dem Versuch, Office im Web verfügbar zu machen, bereits gezogen hat. Und trotz aller wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und den dadurch bedingten notwendigen Anpassungen macht Ballmer auch heute noch immer etwas ganz anderes die meisten Sorgen: Google.
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| Microsofts CEO Steve Ballmer bei seiner CES-Keynote in Las Vegas am vergangenen Donnerstag (Bild: Corinne Schulze/CNET Networks) |
ZDNet: Offensichtlich ist es für Microsoft mit der Akzeptanz von Vista[3] im Markt nicht so gelaufen wie erhofft. Was soll bei Windows 7 anders werden?
Ballmer: Bei Vista[4] haben wir viele Entscheidungen pro Sicherheit getroffen, die sich dann als abträglich für die, sagen wir mal, Kompatibilität herausgestellt haben. Bei Windows 7 können wir auf der inzwischen erreichten Kompatibilität von Vista aufbauen und - wenn man das so salopp sagen kann - lediglich am User Interface und der Performance feilen. Wenigstens wird es das sein, was die Anwender letzten Endes von dem Produkt denken werden.
ZDNet: Wie sehr drängen Sie darauf, dass das Entwicklerteam noch im Laufe dieses Jahres mit Windows 7 fertig wird?
Ballmer: Ich setze es nicht unter Druck, das macht das Team selbst. Sie setzen sich selbst die Termine und Deadlines. Wir liefern Windows 7 dann aus, wenn es - wie ich bei der Keynote gestern Abend gesagt habe – sowohl passt als auch fertig ist. Sobald wir wissen, wann das ist, werden wir das auch kommunizieren.
Jetzt warten wir erst einmal das Feedback auf die zum Download verfügbare Beta[5] ab.
ZDNet: Das sich am besten entwickelnde Segment im PC-Geschäft sind in einer insgesamt schwierigen Zeit die Netbooks. Was bedeutet das für Microsoft, sowohl vom technologischen als auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her gesehen?
Ballmer: Wir schlagen uns sehr gut bei Netbooks. Ich bin mir nicht sicher, ob die Kunden wussten, ob es sich um PCs handelte oder etwas anderes, als die ersten Modelle auf den Markt kamen. Ich denke aber, inzwischen weiß jeder, dass ein Netbook ein günstiger Personal Computer in einem kompakten Gehäuse ist. Wir bedienen das Segment sehr gut mit Windows XP, das dafür passt. Vista passt dafür nicht. Wir arbeiten hart daran, zu gewährleisten, dass Windows 7 sich auch mit Netbooks gut verträgt.
Aus der Business-Perspektive ist klar, dass Low-Cost-Maschinen auch ein bisschen weniger Umsatz pro verkauftem Gerät für Microsoft bedeuten. Dennoch glaube ich, dass Netbooks uns eine Möglichkeit eröffnen, den gesamten PC-Markt voranzutreiben und auszubauen.
ZDNet: Selbstverständlich wird alles, was Sie und die anderen Sprecher auf der CES gesagt haben, vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage interpretiert. Welche Auswirkungen hat die wirtschaftliche Situation auf Microsoft?
Ballmer: Es gibt meiner Ansicht nach zwei Standpunkte. Einmal: Was passiert mit dem Umsatz in unserer Branche? Insgesamt gesehen wird er sicher niedriger sein, als er es bei einer kontinuierlichen Entwicklung hätte sein können. Das wird alle betreffen, sei es nun Microsoft, Cisco, Intel oder wen auch immer.
Dennoch wird sich die Innovationsgeschwindigkeit in unserem Geschäft nicht ändern. Auch die Möglichkeiten, die es bietet, werden sich nicht ändern. Die Kernfrage ist also: Wie können wir uns als Branche an die geänderten Umstände anpassen? Die Antwort darauf wird für unterschiedliche Firmen unterschiedlich ausfallen.
Nicht vergessen werden sollte dabei jedoch, Forschung und Entwicklung nach wie vor voranzutreiben, denn daraus erwächst die Stärke jedes einzelnen Unternehmens in der Zukunft. Noch arbeitet jeder an seinen Plänen. Auch wir - daher kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel dazu sagen.
ZDNet: Suche ist offensichtlich ein strategisches Geschäftsfeld für Microsoft. Zwar wurden einige Partnerschaften angekündigt, die der Microsoft-Suche etwas mehr Verbreitung bescheren sollen, aber auch die werden nicht den entscheidenden Schwung bringen, um Google ernsthaft zu gefährden. Was will Microsoft tun, um eine echte Alternative zu Google bieten zu können?
Ballmer: Einfach weiter daran arbeiten. Es ist klar, dass sich in diesem Feld Erfolge nicht über Nacht einstellen. Trotzdem tut jeder so, als ob wir nur mit den Fingern schnippen müssten. Wir haben einen guten Mitbewerber, gleichzeitig sehen wir aber echte Chancen, die Art und Weise zu verbessern und zu verändern, wie Anwender suchen. Aber, wie gesagt, das wird uns nicht über Nacht gelingen. Wir müssen immer weiter daran arbeiten und innovativ sein - sowohl was das Produkt als auch was das Marketing, das Branding und die Verbreitungswege anbelangt. Und wir müssen geduldig sein.
ZDNet: Wir haben über Google gesprochen, wir haben über die Wirtschaftslage gesprochen. Was beschäftigt Sie mehr, worüber machen Sie sich länger Gedanken?
Ballmer: Generell ist die Antwort: Google, Google, Google, Google, Google. Tatsache ist doch, dass wir uns für eine bestimmte Zeit, vielleicht ein paar Monate, mit der angespannten Wirtschaftslage beschäftigen müssen, eventuell ein paar Maßnahmen ergreifen und anschließend von einer neuen Grundlage aus durchstarten müssen. Also beschäftige ich mich ein bisschen intensiver damit als sonst. Aber ich kann die Wirtschaft nicht kontrollieren. Was wir aber können, ist, unsere Wettbewerbsposition zu beeinflussen und zu verbessern. Deshalb ist doch klar, dass der Löwenanteil meiner Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist.
ZDNet: Eine der größten Neuerungen in der kommenden Office-Version ist, dass Einzelpersonen und Firmen über das Web Zugriff auf Office bekommen. Was ändert sich dadurch?
Ballmer: Es gibt zwei Aspekte, die in dem Zusammenhang wichtig sind: Der erste ist, dass Anwender auf einige ihrer Materialien zurückgreifen können, wenn sie nicht an ihrem eigenen Computer sitzen. Das ist ja ganz nett. Aber die Leute wollen in der Regel alle Funktionen. Der zweite Aspekt ist folgender: Bieten wir Mitarbeitern immer wieder bessere Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten? Das ist meiner Ansicht nach der wichtigere Punkt. Aber wir werden mit dem neuen Office-Release beide Bereiche ansprechen und abdecken.
Es ist wichtig, das anzubieten, und es ermöglicht einige neue Anwendungsszenarien, aber ich würde nicht sagen, "Oh, ist das nicht wundervoll, ich kann Excel oder einen Teil davon in einem Browser laufen lassen". Ich denke nicht, dass das ein echter technologischer Durchbruch ist. Schön und gut, dass Google und andere sich dafür begeistern und "Oh" und "Ah" rufen. Ich verstehe das aber nicht so ganz.
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