Macworld 2009: Apples letzter Auftritt ohne echtes Highlight

(http://www.zdnet.de/magazin/39200850/macworld-2009-apples-letzter-auftritt-ohne-echtes-highlight.htm)

von Kai Schmerer, 7. Januar 2009

Apples Neuvorstellungen auf der Macworld sind schnell aufgezählt: MacBook Pro 17 Zoll mit nicht austauschbarem Akku, neue Versionen von iLife und iWork, iTunes mit Songs ohne DRM. Erst ein zweiter Blick offenbart interessante Details.

Die Erwartung vieler Mac-Fans im Vorfeld der Macworld war hoch - zu hoch, wie sich jetzt herausstellt. Die Gerüchteküche brodelte im Vorfeld der Messe wie immer sehr fantasievoll, lag aber wie gewohnt überwiegend daneben. Weder gab es einen neuen Mac Mini noch einen iMac mit Quad-Core-CPU. Auf die Vorstellung eines iPhone Nano wartete die Mac-Gemeinde ebenso vergebens wie auf Details zum neuen Betriebssystem Mac OS X 10.6 Snow Leopard. Einen Mac Pro mit Nehalem-Prozessoren gab es ebenfalls nicht zu bestaunen. Somit ist die Liste der erwarteten Neuigkeiten deutlich länger als die der tatsächlich vorgestellten Produkte.

Ein echtes Highlight wie in den vergangenen Jahren das iPhone, MacBook Air oder die Einführung intelbasierter Macs hatte Apples Marketingchef Phil Schiller in seiner Eröffnungsrede nicht zu bieten. Stattdessen präsentierte Schiller, der den wegen gesundheitlicher Probleme fehlenden Apple-Chef Steve Jobs vertrat, neue Versionen der Multimedia-Suite iLife und der Bürosoftware iWork. Ein neues MacBook Pro mit 17-Zoll-Display und die Ankündigung von DRM-freien Songs im iTunes-Store rundeten Schillers Eröffnungsrede ab. Etwas untergegangen ist das neue Bundle Mac Box Set, das Mac OS X, iLife '09 und iWork '09 enthält. Statt 287 Euro für die einzelnen Produkte kostet die Kombination lediglich 169 Euro. Das dürfte vor allem jene Anwender freuen, die ihr Mac-System bisher noch nicht auf Leopard aktualisiert haben. Mac OS X 10.5 ist für den Betrieb von iLife '09 und iWork '09 erforderlich.

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Macworld-Neuigkeiten im Überblick[1]

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Die Vorstellung des 17-Zoll-MacBook Pro war keine Überraschung. Überraschend ist allerdings die Tatsache, dass Apple das Gerät anders als die kleineren Apple-Notebooks auch mit einem matten Display anbietet. Standardmäßig verfügt das größte MacBook Pro über ein von den 13- und 15-Zoll-Modellen her bekanntes Glossy-Display, welches vor allem bei der Darstellung von Bildern satte Farben bietet, vielen Anwendern allerdings zu sehr spiegelt. Insbesondere bei Tageslicht und schwarzem Desktop-Hintergrund treten die störenden Spiegelungen auf. Es bleibt zu hoffen, dass Apple auch für die anderen Notebooks das matte Display optional anbietet.

Der zweite Aufreger bezüglich des 17-Zoll-Geräts betrifft den Akku. Statt wie bisher auf einen austauschbaren Akku zu setzen, verwendet der Hersteller erstmals eine fest eingebaute Batterie. Das nach Herstellerangaben "bahnbrechende Batteriedesign[2]" soll die Lebenszeit des Akkus durch adaptive Ladetechnik dreimal so lang sein wie bei bisherigen Batterien. Apple spricht von insgesamt 1000 Aufladungen und einer Lebenszeit von fünf Jahren. Danach muss der Akku von einem Apple-Service-Partner für 179 Euro[3] ersetzt werden. Mit einem netzunabhängigen Betrieb von bis zu acht Stunden soll der fest eingebaute Akku, dessen Kapazität 95 Wattstunden beträgt, neue Rekordwerte setzen.

Rekordverdächtig ist auch der Preis für die maximale Arbeitsspeicherausstattung. Für die Erweiterung von 4 auf 8 Gigabyte verlangt Apple 1080 Euro. Angesichts der hohen Preise für 4-GByte-Module von um die 500 Euro relativiert sich das Angebot allerdings. In der Standardausstattung sorgt ein 2,66 GHz schneller Core-2-Duo-Prozessor von Intel für genügend Rechenleistung. Optional kann das Gerät mit einem Core 2 Duo mit 2,93 GHz ausgestattet werden. Ein mobiler Quad-Core-Chip befindet sich nicht im Angebot. In Sachen Speicherkapazität kann das MacBook Pro nicht erweitert werden. Lediglich die Geschwindigkeit der Festplatte lässt sich für einen Aufpreis von 45 Euro von 5400 U./min auf 7200 U./min steigern. Wahlweise können auch Solid-State-Drives mit einer Kapazität von 128 GByte (Aufpreis: 450 Euro) und 256 GByte (Aufpreis: 810) Euro zum Einsatz kommen.

Für die Präsentation der neuen Multimedia-Suite iLife '09 und der Bürosoftware iWork '09 nahm sich Apples Marketing-Chef Phil Schiller sehr viel Zeit. In der Tat erweitert Apple die beiden Software-Pakete um interessante Funktionen.

Die Bildverwaltungssoftware iPhoto kann dank Gesichtserkennung und Geo-Tagging jetzt Bilder zusätzlich nach Personen und Orten ordnen. iMovie '09 integriert mit Themes eine Funktion, die Apple bereits in iMovie '06 angeboten hatte, die aber in den Folgeversionen zwischenzeitlich nicht mehr zur Verfügung stand. Zudem kann iMovie '09 Verwacklungen in Videos reduzieren. Das Homepage-Tool iWeb wurde ebenfalls verbessert. Es enthält nun endlich einen integrierten FTP-Client, womit auch Websites, die nicht auf Apples Online-Dienst Mobile Me beheimatet sind, automatisch aktualisiert werden können. GarageBand '09 bietet Grundübungen für das Erlernen der Instrumente Klavier und Gitarre. Zudem erklären populäre Künstler wie Sting und Norah Jones, wie man ihre Songs korrekt spielt.

Die Programme der iWork-Suite Pages (Textverarbeitung), Numbers (Tabellenkalkulation) und Keynote (Präsentation) wurden stark erweitert. Neben neuen Funktionen hat sich vor allem die Kompatibilität durch die Bereitstellung der Dokumente in einem MS-Office-Format stark erhöht.

Auf jedem neu gekauften Mac gehört iLife '09 zum Lieferumfang. iWork '09 ist beim Kauf eines Macs für 59 Euro optional erhältlich. Wer schon einen Mac besitzt, kann die neuen Versionen für jeweils 79 Euro erwerben. Mac OS X 10.5 Leopard ist für den Betrieb beider Suiten erforderlich. Wer noch Tiger einsetzt, erhält mit dem Bundle Mac Box Set, bestehend aus Leopard, iLife '09 und iWork '09, für 169 Euro ein günstiges Upgrade.Ab sofort sind sämtliche Songs im Itunes Store auch ohne Kopierschutz erhältlich. Die Titel liegen im Apple-Format AAC mit einer Bitrate von 256 KBit/s vor, was einer deutliche Qualitätssteigerung gegenüber der bisher mehrheitlich verwendeten Bitrate von 128 KBit/s bedeutet. Außerdem können iPhone-Nutzer ohne den bisherig nötigen Umweg über einen PC oder Mac Songs direkt auf das Handy laden. Das Angebot von DRM-freien Songs ist Apples Reaktion auf Amazon, das in den USA schon seit längerer Zeit Songs ohne Kopierschutz anbietet.

Fazit

Viele Beobachter erwarteten trotz der krankheitsbedingten Abwesenheit von Apple-Chef Steve Jobs ein Produktfeuerwerk zur letzten Macworld mit Apple-Beteiligung. Die Enttäuschung über die vorgestellten Produkte und Dienstleistungen dürfte angesichts der Maßstab setzenden Ankündigungen der letzten Jahre groß sein. Weder ein neues iPhone noch einen aktualisierte Mac Mini bekamen die Apple-Fans zu sehen. Ebenso wenig wurde ein neues iMac-Modell mit Quad-Core angekündigt, was einigermaßen verwundert, wenn man sich die sinkenden Absatzzahlen von Apple im Desktop-Markt betrachtet.

Dafür können sich die Mac-Fans über das Angebot eines matten Displays für das MacBook Pro freuen. Die Rückkehr zur Vernunft sollte Apple auch bei den kleineren Modelle sichtbar werden lassen. Und das Bundle Mac Box Set, bestehend aus Mac OS X Leopard, iLife '09 und iWork '09 für 169 Euro, dürfte für viele Anwender eines älteren Mac-Betriebssystem ein attraktives Upgrade-Angebot darstellen.

Mit dem Rückzug von der Macworld tut sich Apple einen Gefallen. Statt einen starr vorgegebenen Messetermin einzuhalten, kann der Hersteller in Ruhe darüber entscheiden, wann er welche Produkte auf den Markt bringt, und muss keine lauwarmen Inhalte als Highlight verkaufen. Mit der World Wide Developer Conference bleibt dem Hersteller ohnehin jährlich eine Gelegenheit, um genügend Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/galerie/39200862/macworld-neuigkeiten-im-ueberblick.htm#sid=39200850
[2] = http://www.apple.com/de/macbookpro/features-17inch.html
[3] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39200855,00.htm