Nur rund drei Prozent der in Unternehmen ausgedruckten Seiten sind im Format DIN A3, aber fast die Hälfte der aufgestellten MFPs unterstützt das Format. Wird da mit Kanonen auf Spatzen geschossen? ZDNet hat nachgefragt.
Viele der etablierten Druckerhersteller sind derzeit nicht gut auf Samsung[1] zu sprechen: Die freche Ankündigung des koreanischen Anbieters, den Branchenprimus HP[2] vom Thron stoßen zu wollen, erntete zunächst überwiegend ungläubiges Schmunzeln. Inzwischen ist aber allen Beteiligten - außer Samsung - das Lachen gründlich vergangen, hat die Attacke doch den Markt gründlich verändert.
Aus dem Consumer-Bereich kommend, hat Samsung mit äußerst aggressiven Preisen und vielen Aktionen bei Discountern erheblich Marktanteile gewonnen. Zu leiden hatte darunter besonders HP. Der Marktführer ließ sich am weitesten auf den Preiskampf ein. Profitabel war das nicht mehr. Insider spekulierten eigentlich nur noch darüber, wie viel die beiden bei jedem verkauften Drucker drauflegten, und nicht ob sie das überhaupt taten.
Da viele der verkauften Geräte für weitaus höhere Druckvolumen konzipiert sind, als sie die über die gewählten Absatzkanäle erreichten Käufer jemals erreichen werden, funktionierte die Refinanzierung der in den Markt geschobenen Drucker durch Toner oder Tintenkauf nicht. Mögliche Alternative: ein Anstieg der Preise für Verbrauchsmaterial[3]. Der kam auch, allerdings begründeten ihn die Hersteller mit dem veränderten Wechselkursverhältnis zwischen Dollar und Euro, und er wirkte sich auch auf die aus, die sich am Preiskampf nicht oder nur wenig beteiligt hatten.
Inzwischen hat Samsung die Strategie geändert: Nach dem Terraingewinn im Consumer-Segment will sich der Hersteller auch in Unternehmen etablieren. Dazu kamen in den vergangenen Wochen einige neue Geräte auf den Markt, etwa das Monochrom-Multifunktionssystem SCX-5835FN[4] und ML-2855ND[5], ein Duplex-Laserdrucker mit Netzwerkanschluss.
Außerdem wurde die Multiexpress-Reihe ausgebaut. Sie ist ganz gezielt gegen die Produktreihen Aficio von Ricoh, Bizhub von Konica-Minolta und WorkCentre von Xerox positioniert. Zu den Neuheiten gehören Samsungs High-End-Systeme, 6555N, ein monochromes A4-Multifunktionssystem für Abteilungen oder kleine Unternehmen, und C8380ND, ein A4-Farblaser mit Druck-, Kopier- und Scanfunktion für bis zu 38 Seiten pro Minute.
"Wir werden unsere Marktposition im Bereich der A4-Drucksysteme weiter ausbauen und schrittweise neben Produkten weitere Lösungen und Services anbieten", sagt Jürgen Krüger, Head of Digital Printing von Samsung in Deutschland. Ob das nun als Versprechen oder Drohung zu werten ist, kommt ganz auf den Standpunkt an.
![]() |
| "Wenn Samsung wirklich Nummer 1 im Markt werden will, und daran halten wir fest, nutzt es nichts, mit Förmchen im Sand zu spielen, da muss schon der Bulldozer her", sagt Jürgen Krüger, Head of Digital Printing von Samsung in Deutschland (Bild: Samsung). |
Was ist damit gemeint? Während bei den Schwarzweiß- und Farblasern in Deutschland nur rund ein beziehungsweise vier Prozent der verkauften Geräte das Format A3 anbieten, sind es bei den oft etwas größeren Multifunktionsgeräten 55 Prozent (Schwarzweiß) beziehungsweise sogar 94 Prozent (Farbe). Das tatsächliche Aufkommen am gesamten Druckvolumen, das auf A3 entfällt, ist aber sehr gering. Die Schlussfolgerungen daraus: Bisher werden den Firmen Geräte verkauft, die die tatsächlichen Anforderungen in vielen Fällen bei weitem übererfüllen - es wird Geld für etwas ausgegeben, dass überwiegend nicht genutzt wird.
Oder wie Krüger sagt: "Output-Management ist heute vielfach eine geschickte Taktik, um den Kunden gegenüber die wahren Kosten zu verschleiern." Ungewohnt harte Worte, aber "wenn Samsung wirklich Nummer 1 im Markt werden will, und daran halten wir fest, nutzt es nichts mit Förmchen im Sand zu spielen, da muss schon der Bulldozer her." Der Bulldozer - das sind nicht nur die Verbalattacken, sondern das sind auch die neuen, schnellen und vergleichsweise günstigen A4-Systeme, die durch ihren Preis und ihre guten Leistungsmerkmale die großen DIN-A3-Maschinen das Fürchten lehren sollen.
Die eigentlich angegriffenen, wie Canon[6] oder Konica Minolta[7], wollen sich zu Krügers Vorwürfen nicht äußern. Bernd Austinat, Leiter Produktmarketing bei Kyocera Mita, springt für sie mit in die Bresche. Er räumt zwar ein, dass der Ausdruck von DIN-A3-Dokumenten längst nicht so oft benötigt werde wie das Standardformat DIN A4. "Hat man jedoch ein System, das dieses Format gar nicht bietet, sind größerformatige Dokumente, wie Tabellen, Bilanzen, Pläne und Booklets, gar nicht zu erstellen."
Zudem seien derzeit nur A3-Systeme für die hohen Volumina ausgelegt, die im Office benötigt würden. "Darüber hinaus bieten sie vielfältige Funktionen wie Kopierjob-Reservierung, gleichzeitige Nutzung durch mehrere Anwender und Endverarbeitung durch Lochen und Heften von Dokumenten. Da die Systeme meist nicht gekauft, sondern über einen Seitenpreis geleast oder gemietet würden, spiele der höhere Anschaffungspreis für den Kunden keine so große Rolle. "Man kauft man sich ja auch kein Auto ohne Rückwärtsgang, nur weil er nicht so oft benötigt wird", so Austinat.
Dass trotz aller Statistik in Unternehmen ab und zu Ausdrucke in A3 notwendig sind, streitet Krüger gar nicht ab: Vielleicht werde man sogar mittelfristig ebenfalls entsprechende Produkte anbieten. Vorerst aber sei das nicht geplant, der A4-Ausbau habe Vorrang. Und wenn bei den Kunden noch das eine oder andere A3-Gerät im Unternehmen stehenbleibt, dann wird das so lange wohl billigend in Kauf genommen.
![]() |
| Samsungs A4-Farbmultifunktionsgerät C8380ND soll vielfach A3-MFPs in Unternehmen ablösen (Bild: Samsung) |
Jörg Klinkhammer, Marketing Direktor Lexmark Deutschland, kennt auch die Gründe dafür: "Früher war es zum einen so, dass Druckgeschwindigkeiten von 35 oder 40 Seiten nur mit A3-Geräten zu erreichen waren. Das hat sich heute längst geändert und es gibt genügend ebenso leistungsfähige A4-Systeme. Außerdem war die Kopierfunktion früher sehr wichtig - und vernünftige Kopiergeräte, eventuell noch mit professionellen Finishing-Funktionen, waren eigentlich auch nur als A3-Geräte verfügbar. Aber auch das gilt nicht mehr. Vielen Kunden ist beides noch nicht wirklich bewusst."
Diese Unkenntnis kann teuer werden: Höherer Papier- und Stromverbrauch durch überdimensionierte Ausgabegeräte belasten aber nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Lexmark selbst hat daher im Frühjahr seine Druckerlandschaft im Büro im hessischen Dietzenbach nach neuen Erkenntnissen umgestellt: Aus über 80 wurden 13 Drucker und Multifunktionsgeräte, nur noch zwei davon beherrschen das Format DIN A3.
Die zentrale Steuerung und Kontrolle aller Geräte erleichtert die Beschaffung und Verwaltung von Verbrauchsmaterial und durch Voreinstellen der Duplex-Funktion drucken alle Geräte automatisch auf beide Seiten des Papiers. Wer wirklich einseitige Ausdrucke benötigt, kann das bei den Druckoptionen auswählen. Im Zuge der Erneuerung der Druckerlandschaft wurde auch die "Multi-up-Druck"-Funktion, mit der sich zwei oder mehr Seiten auf einer zusammenfassen lassen, eine Bildschirmvorschau um Fehldrucke zu reduzieren und flächendeckend "Scan to E-Mail" sowie "Scan to Folder" eingeführt.
Die Bilanz kann zum Jahresende: Die Gesamtkosten konnten um 43 Prozent gesenkt werden, die Anzahl der gedruckten Seiten sogar um 50 Prozent und der Energieverbrauch für Drucken und Kopieren ging um 76 Prozent zurück. Wer es nicht glaubt, kann es sich gerne selbst anschauen: Der Hersteller führt Firmenvertreter nach Vereinbarung gerne durch die als "Showcase" gestalteten Räume. Über 300 haben davon bereits Gebrauch gemacht. Samsungs und in geringerem Maße auch Lexmarks Kritik am A3-Druck will Oki[9] so nicht stehen lassen - was verständlich ist, konnte sich der Anbieter doch laut den Marktforschern von IDC[10] und GfK[11] beim A3-Farbdruck im vergangenen Jahr an HP[2] vorbei auf Platz eins schieben. Zwar hält man auch bei Oki viele der heute in Firmen aufgestellten Multifunktionsgeräte für überdimensioniert, andererseits glaubt man aber, dass A3-Druck intensiver genutzt werden könnte. Widerspricht sich das nicht?
Okis Antwort ist: Nein, vernünftiger A3-Einsatz kann sogar Kosten sparen - wobei die Betonung auf "vernünftig" liegt. Es muss ja nicht immer gleich ein A3-Multifunktionsgerät sein, vielfach reiche ein A3-Drucker schon völlig aus – auch wenn mit ihm dann überwiegend A4 ausgedruckt wird. Damit lassen sich dann auch bisher oft auf im Format A4 bedruckte und zusammengeheftete Seiten, etwa Exposes und Verkaufsbroschüren von Immobilienmaklern oder Autohändlern sowie anderes Marketing- oder Informationsmaterial mit einem Knopdruck professioneller gestalten.
"Dass A3-Drucker in Anschaffung und Betrieb wesentlich teurer als A4-Drucker sein müssen, ist leider ein immer noch weit verbreiteter Irrtum", sagt Bernd Quenzer, Managing Director bei Oki Deutschland. Es sei aber eben ein Irrtum. Außerdem zählten gerade im professionellen Einsatz auch andere Faktoren als der Anschaffungs- und der Seitenpreis: Medienflexibilität, die Oki etwa mit seiner LED-Drucktechnik auch bei kleinen Geräten gewährleisten könne, berge auch mittelfristig Sparpotenziale und biete neue Nutzungsmöglichkeiten. Und das sei schließlich auch etwas wert.
In seiner Vermarktungsstrategie konzentriert sich Oki derzeit auf vertikale Marktsegmente - die aber weit über den angestammten Graphic-Arts-Bereich hinausgehen. Als "Oki Print Optimizer" wird dazu ein Paket aus Bestandsaufnahme, individueller Beratung und anschließender Homogenisierung der Output-Systemlandschaft sowie deren Betrieb zu einem Pauschalpreis angeboten, mit dem auch der propagierte sinnvolle Einsatz von A3 umgesetzt wird.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Katholische Hospitalvereinigung St. Nikolaus Lippstadt[12]. In den drei Krankenhäusern der Holding stehen 191 neue Oki-Systeme. Deren Auswahl orientiert sich am tatsächlichen Bedarf der Mitarbeiter: überwiegend Schwarzweiß (144 Oki-B6500dn-Monochromdrucker), an ausgewählten Punkten Farbe (45 Oki-C5750-Farbdrucker) und für besondere Anforderungen zwei Oki-C8800-A3-Farbseitendrucker. "Das auf uns zugeschnittene Konzept hat uns sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch bei der Verbesserung bestehender Arbeitsprozesse voll überzeugt", sagt Krankenhaus-Chef Christian Larisch. Die Einsparungen will er nicht exakt beziffern, sie lägen aber im zweistelligen Prozentbereich.
Bei Brother[13] ist man mit Samsung und Lexmark dahingehend einverstanden, dass A3-Druck bislang zu teuer ist. Die großen Multifunktionsgeräte mit hohen Druckvolumina und kurzen Ausgabezeiten werden nur in den seltensten Fällen wirklich benötigt. Aber - und das ist der entscheidende Unterschied – Brother glaubt dass auch in ansonsten wenig anspruchsvollen Umgebungen ab und zu besser in A3 ausgedruckt werden sollte.
Dazu gehören etwa Firmen, die gar nicht mehr als drei oder vier Drucker haben. Sie sollen mit insgesamt vier neuen Modellen für DIN-A3-Druck zu Preisen unter 600 Euro angesprochen werden. Sogar im Home Office oder für ambitionierte Privatanwender sieht Brother damit nun die Möglichkeit, im Format A3 zu drucken, zu kopieren und zu scannen.
Zwei Modelle sollen demnächst vorgestellt werden, bereits verfügbar[14] sind der Digital-Copier-Printer DCP-6690CW und das Multifunktionscenter MFC-6490CW. Sie erreichen bis zu 28 A4-Farbseiten pro Minute und drucken mit einer Auflösung von maximal 1200 mal 6000 dpi. Das MFC-6490CW kostet 449 Euro, der Listenpreis des DCP-6690CW beträgt 549 Euro.
Damit sind sie zwar teurer als reine, kleine A3-Drucker des Mitbewerbs, aber preiswerter als manche DIN-A4-Multifunktionsgeräte. Und auf alle Fälle kommt man günstiger weg, als beim Kauf eines A3-Druckers und eines zusätzlichen A4-Multifunktionsgeräts. Dass die Druckgeschwindigkeit etwas langsamer ist als bei den Alternativen, dürfte in den vorgesehenen Einsatzszenarien kaum störend auffallen.
![]() |
| Brother will mit A3-Tintendruckern wie dem Digital-Copier-Printer DCP-6690CW auch für kleine und kleinsten Firmen A3-Ausdrucke erschwinglich machen (Bild: Brother). |
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/
[6] = http:/
[7] = http:/
[8] = http:/
[9] = http:/
[10] = http:/
[11] = http:/
[12] = http:/
[13] = http:/
[14] = http:/


