Wie Thin Clients auf einmal aufregend werden

(http://www.zdnet.de/magazin/39199816/wie-thin-clients-auf-einmal-aufregend-werden.htm)

von Peter Marwan, 3. Dezember 2008

IT-Verantwortliche konnten sich lange kaum etwas Langweiligeres als Thin Clients vorstellen. Technische Beschränkungen ließen sie nur für Spezialgebiete geeignet erscheinen. Diese Zeit ist jetzt endgültig vorbei - sagt Wyse.

Thin Clients sind eigentlich schon immer die besseren PCs[1] - zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht: günstiger in der Anschaffung, bei Rollouts und Upgrades, der Verwaltung sowie bei Support und Betriebskosten dank sparsamem Umgang mit Strom. Und kaputtzukriegen sind sie eigentlich auch nicht.

Aus technischer Sicht hatten die Anbieter jedoch mit einem nicht widerlegbaren Totschlagargument zu kämpfen: Es lassen sich nämlich nicht alle Anwendungen bereitstellen, die in Firmen genutzt werden. Zwar liegt der Anteil inzwischen bei rund 95 Prozent. Aber ziemlich gut war in den guten Zeiten für viele Firmen nicht gut genug.

Mit Virtualisierungsmöglichkeiten für den Desktop[2], besserer Software und leistungsfähigerer Hardware ist das Problem jetzt behoben. Und dank den Trends zu Green-IT und Cloud Computing sowie angesichts der knappen Mittel durch die Finanzkrise hält der Thin-Client-Pionier Wyse[3] den Zeitpunkt für den endgültigen Durchbruch der Technologie für gekommen.

Mit der Einschätzung steht Wyse nicht allein. Weltweit machen sich rund 50 Anbieter Hoffnungen darauf, vom Aufschwung des Thin-Client-Marktes zu profitieren. Neben Spezialisten wie Wyse und dem besonders in Deutschland starken Mitbewerber Igel Technology[4] gehören dazu aber auch etablierte PC-Hersteller wie HP[5] und FSC[6]. Sun Microsystems[7] spürt dieses Jahr ebenfalls eine stark anziehende Nachfrage[8] nach seinen Sun-Ray-Clients[9], hat aber derzeit durch den Kampf um eine gute Ausgangsposition[10] im Open-Source-Geschäft andere Prioritäten. Daneben rangelt eine Vielzahl kleiner Anbieter, etwa Liscon[11], Linware[12], Rangee[13] oder VXL[14], um ihren Platz im Markt.

Da in den meisten Geräten heute Standardkomponenten verwendet werden, fällt es schwer, sich durch die Hardware zu differenzieren - zumal mit dem Ende von Transmeta auch noch ein in der Branche vergleichsweise beliebter Prozessorlieferant weggefallen ist[15]. Wyse hat daher in den vergangenen Jahren an zwei Punkten gearbeitet: erstens am Design, denn wenn das Arbeitsgerät schon "Thin" ist, soll es wenigstens schick aussehen. Zweitens an der Software, die inzwischen so weit ist, dass sie die traditionellen Schwächen von Thin Clients ausbügeln kann.

Wyse X90L mobiler Thin Client
Auch so kann ein Thin Client aussehen: Die X-Class von Wyse hat mehr mit einem Notebook gemein als mit dem verstaubten Image der Terminalnachfolger (Bild: Wyse).
Um vom Virtualisierungstrend zu profitieren, unterstützt[16] Wyse bereits seit Anfang des Jahres den Virtual Desktop Manager 2 von VMware mit seinen Thin Clients und bietet eine Geräteklasse[17] speziell für den Xen-Desktop von Citrix[18] an. Bei Multimedia-, USB-Virtualisierung und VoIP-Anwendungen sowie der Kompatibilität mit RDP 6 sah der Hersteller aber noch Optimierungsmöglichkeiten. Diese sollen das nun vorgestellte Wyse Thin OS (WTOS) und die neue Version der Virtualisierungssoftware-Suite[19] von Wyse ausschöpfen.

Zentrale Neuerungen sind die mit Thin Clients von Wyse ausgelieferten Softwarepakete TCX USB Virtualizer 2.0, TCX Multi-display 1.2 und TCX Rich Sound 1.0. Wyse TCX USB Virtualizer behebt die bisher bestehenden Schwierigkeiten - unter anderem mit lokalen Treibern - beim Anschluss von lokalen USB-Geräten an Thin Clients in einer virtuellen Desktop-Umgebung. Sie werden laut Hersteller nun genau so erkannt und behandelt wie an einem PC. Unterstützt werden – steuerbar durch den Administrator - Drucker, Scanner, Speichergeräte, Palms, Blackberrys, Pocket-PC-Handhelds, Webcams und Audio-Headsets mit USB-Anschluss.

Die Software Wyse TCX Multi-Display 1.2 erkennt zusätzlich an Wyse Thin Clients angeschlossene Monitore. Einsatzbereiche sieht der Hersteller insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich sowie in Callcentern, wo die Arbeit auf mehreren Monitoren immer gängiger wird. Für diesen Einsatzbereich wurden auch kürzlich erst neue Thin Clients vorgestellt[20].

Wyse TCX Rich Sound 1.0 soll die bisherigen technischen Schwierigkeiten bei bidirektionale Audiofunktionen (etwa VoIP) in virtuellen Desktop-Umgebungen und Thin-Client-Infrastrukturen beheben. Sie optimiert dazu RDP-Verbindungen. Die bereits verfügbare Software Wyse TCX Multimedia 3.0 leistet im Prinzip dasselbe für Videodateien.

V-Class Thin Client von Wyse
Verbesserte Grafikunterstützung erlaubt es inzwischen auch, mehrere Monitore an einem Thin Client zu betreiben (Bild: Wyse).
Schlanke Clients bedingen aber ein fettes Rechenzentrum. Das war schon immer so, und daran wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern, denn irgendwo muss die steigende Rechenlast ja verarbeitet werden. Vorteil war, ist und bleibt jedoch, dass zentrale Rechenpower unterm Strich gesehen günstiger und flexibler ist als verteilte. Die noch etwas schwammigen Bemühungen der Branche um Cloud Computing - wie immer das dann in der Praxis aussehen wird - unterstreichen diese Tatsache.

Um den Wildwuchs beim Ausbau des Rechenzentrums zu begrenzen, hat Wyse das Konzept der Collaborative Processing Architecture (CPA) entwickelt. Damit soll die Arbeitslast auf Server und Clients verteilt werden. CPA ist in die Virtualisierungssoftware von Wyse integriert. Wyse erhebt damit nicht den Anspruch, einen Ersatz für ICA[21] oder RDP[22] zu liefern, sondern will den hauseigenen Thin Clients im Zusammenspiel mit Citrix-ICA- und Microsoft-RDP-Protokollen den Benutzerkomfort verbessern.

Grundsätzlich wird die Rechenlast - wenn das zweckmäßig erscheint - auf die CPU des Clients übertragen, was den Server entlasten soll. Damit unterstreicht Wyse auch das eigene Paradigma der "fetten Thin Clients": Geräte von Mitbewerbern mit kleinen oder ganz ohne Prozessoren seien entweder nicht für Multimedia-Anwendungen geeignet oder benötigten zu deren Bereitstellung ein eigenes Protokoll. Zudem nutzten sie für die Wiedergabe von Video- und Audio-Inhalten die CPU im Rechenzentrum und belasteten das Netzwerk aufgrund der Protokolleigenschaften von ICA und RDP mit erheblichem zusätzlichen Traffic.

Die neueste Version des Betriebssystems Wyse Thin OS[23] erweitert die Collaborative Processing Architecture zudem um Sicherheitsaspekte und Kompatibilität zu RDP 6. Wyse Thin OS 6.3 bietet außerdem eine Anbindung an Microsoft Terminal Server 2008, unterstützt RDP-Verbindungen mit 32-Bit-Farben sowie Schriftglättung. Schließlich wurde auch die WLAN-Unterstützung verbessert. Das ist gerade für die notebookähnlichen Thin Clients der X-Class[24] oder die drahtlosen V-Class[25]-Clients von Wyse wichtig.

Drahtlose Thin Clients der V-Class von Wyse
Mit der V-Class hat Wyse auch eine Reihe von drahtlosen, aber nicht in erster Linie auf Mobilität ausgelegten Thin Clients im Programm (Bild: Wyse).

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/itmanager/tech/0,39023442,39190101,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/itmanager/tech/0,39023442,39192146,00.htm
[3] = http://www.de.wyse.com/
[4] = http://www.igel.de/
[5] = http://h10010.www1.hp.com/wwpc/de/de/sm/WF02d/12454-12454-321959.html
[6] = http://www.fujitsu-siemens.de/products/deskbound/thin_clients/index.html
[7] = http://de.sun.com/
[8] = http://cgi.zdnet.de/itmanager/?p=224
[9] = http://catalog.sun.com/is-bin/INTERSHOP.enfinity/WFS/Sun_Catalogue-Sun_Catalogue_DE-Site/de_DE/-/EUR/ViewCatalog-Browse;pgid=Nk7VMDTeZV6ZgSEKD6EpiAe00000SRqcGVTu;sid=h3KEiRgHuPqEj1Ex9TDMjPeke4ho6Ql25tK_ByEKgCKKKVvN1XM=?CatalogCategoryID=ApdIBe.dltQAAAEUmVE5G_c2
[10] = http://www.zdnet.de/itmanager/kommentare/0,39023450,39199166,00.htm
[11] = http://www.liscon.com/
[12] = http://www.linware.de/
[13] = http://www.rangee.de/
[14] = http://www.vxl.net/
[15] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39196774,00.htm
[16] = http://de.wyse.com/solutions/edv/
[17] = http://de.wyse.com/about/news/pr/2008/0420-xen.asp
[18] = http://www.citrix.de
[19] = http://www.de.wyse.com/products/software/tcx/index.asp
[20] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39199301,00.htm
[21] = http://de.wikipedia.org/wiki/Independent_Computing_Architecture
[22] = http://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Desktop_Protocol
[23] = http://www.de.wyse.com/products/software/os/
[24] = http://de.wyse.com/products/hardware/thinclients/X90/index.asp
[25] = http://de.wyse.com/products/hardware/thinclients/V10L/index.asp