Entlassungen, Skandale und Skandälchen, ein abstürzender Aktienkurs und verärgerte Händler machen Ebay derzeit zu schaffen. Verkäufer und Käufer suchen daher nach Alternativen. ZDNet hat sich umgesehen, ob es überhaupt welche gibt.
Nach Schätzungen des Bitkom[1] kauft in Deutschland die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen[2] privat im Internet ein, und rund 14 Millionen Menschen treten als Verkäufer im Internet[3] auf. Der Löwenanteil, den der Bitkom aber nicht näher beziffert, verkaufe über Ebay[4] und Co. Was oder wer aber ist dieses "Co" genau?
Die Suche nach ernsthaften Ebay-Alternativen - abgesehen vom hinreichend bekannten Amazon[5] - gestaltet sich schwierig, denn Auktionsplattformen gibt es viele. Herauszufinden, wie seriös diese sind und wie gut die Chancen stehen, dort das Gesuchte zu finden oder das Angebotene erfolgreich und gewinnbringend zu verkaufen, ist meist nicht ohne weiteres möglich. Aussagen über Nutzer, registrierte Mitglieder oder die Zahl der Angebote sind mit Vorsicht zu genießen, wie ein Insider gegenüber ZDNet berichtet: "In kaum einer anderen Branche wird so viel gelogen."
Den derzeit größten Bekanntheitsgrad haben in Deutschland neben Ebay die Auktionsplattformen Hood[6] und Auvito[7]. Beide sind - glaubt man den Angaben der Unternehmen - die Nummer zwei im Markt. Was jedoch noch nicht viel heißen will, schätzen Experten den Marktanteil von Ebay doch auf 98 oder sogar 99 Prozent des Handelsvolumens.
![]() |
| Der Kursverlauf der Ebay-Aktie zeigt deutlich, dass der Markt das Vertrauen in den einstigen Internetliebling verloren hat (Bild: comdirect.de). |
Ebenso wie Hood behauptet auch Auvito, das zweitgrößte Online-Auktionsportal in Deutschland zu sein. Beweise dafür liefert keiner. Bei Auvito fallen ebenfalls weder für den Verkäufer noch für den Käufer Gebühren, denn auch Auvito finanziert sich durch die Vermarktung von Werbeplätzen sowie die Einnahme aus Zusatzoptionen. Beispielsweise kostet der Artikelname in Fettschrift 20 Cent, die Top-Listung auf einer Kategorieseite einen Euro oder die Listung auf der Startseite vier Euro. Zusätzlich wirbt das Portal mit einem Treuhandservice, den Käufer in Anspruch nehmen können. Die Kosten dafür liegen bei einem Prozent des Warenwertes, mindestens aber einem Euro.
Verkaufen können bei Auvito nur geprüfte Mitglieder. Diesen Status erreicht man, indem eine Testüberweisung von einem Cent auf das Konto des Mitgliedes veranlasst wird. Der als Verwendungszweck angegebene Code muss dann auf der Auvito-Site zur Bestätigung eingegeben werden.
Die Marktübermacht von Ebay wird allein dadurch deutlich, dass Hood vor etwas über einem Jahr eine Schnittstelle für Online-Händler entwickelt hat, damit diese über den Ebay-Turbo-Lister erstellte Angebote ohne Änderung auf der eigenen Plattform platzieren können. Auch Auvito ermöglicht Nutzern des Ebay-Turbo-Listers den Import ihrer beim Marktführer laufenden Artikel. Dabei werden alle Eigenschaften der Artikel berücksichtigt, Ebay-spezifische Links im HTML-Code jedoch entfernt oder ausgetauscht.
Nicht jedermanns Sache ist es allerdings, dass sowohl bei Auvito als auch bei Hood rund um das eigene Angebot zahlreiche Werbeplätze mit gleichen oder zumindest ähnlichen Produkten vermietet werden. Was Privatpersonen noch in Kauf nehmen, stört viele Händler doch sehr. "Letztendlich liefert man den beiden Auktionsplattformen kostenlos den Content für die Vermarktung an ihre Werbekunden", beschwert sich einer. Ein weiterer Ebay-Wettbewerber mit Potenzial ist die Amprice GmbH[8] aus Hannover. Sie existiert bereits seit über drei Jahren und ist damit so etwas wie ein Dinosaurier im Markt. Im Mai dieses Jahres übernahmen die Norddeutschen das Rückwärtsauktionsplattform Azubo[9]. Die Niedersachsen betreiben damit nun drei Marktplätze im Internet mit zusammen rund 320.000 Mitglieder und bis zu 990.000 laufenden Angeboten.
Neben Amprice mit einem breitgefächerten Angebot (2007 wurden dort nach eigenen Angaben rund 145.000 unterschiedliche Artikel verkauft) und Azubo gehört dazu auch die zum Großteil auf Sammlerstücke (Ansichtskarten, Briefmarken, Münzen) spezialisierte Plattform BesteAuktion[10].
Im Augenblick entsteht gerade eine neue Version von Amprice. Mit ihr will Geschäftsführer Markus Burgdorf die Mitgliederbasis und das Angebotsspektrum ausbauen. Gelingen soll dies anderem dadurch, dass unterschiedliche Handelsformen angeboten werden: klassische Auktionen, Rückwärtsauktionen, Ausschreibungen und ein Basar, auf dem sich Handelspartner wie auf dem Flohmarkt frei auf einen Preis einigen können.
In Kürze soll zudem ein B2B-Bereich hinzukommen, in dem auch reale Auktionshäuser nach den dort üblichen Gepflogenheiten anbieten können. Das heißt vor allem, dass es keine zeitliche Begrenzung der Auktion gibt, sondern diese so lange fortgesetzt wird, bis sich keiner mehr findet, der überbieten will.
"Seit drei Jahren sammeln wir Ideen und Vorschläge für unser neues Marktplatz-System, wir reden mit Händlern und befragen Käufer. Wir haben uns damit Zeit gelassen, um es von Anfang an dann auch richtig und professionell zu machen," erklärt Burgdorf. Besser als anderswo soll etwa die Suche werden. Dazu wird es die Möglichkeit geben, über Schieberegler die Suchparameter und damit auch gleichzeitig die angezeigten Suchergebnisse zu verändern. Außerdem stellt eine sogenannte Matrixsuche mehrere Suchfaktoren gleichzeitig und übersichtlich dar: Der Kaufinteressent soll mit möglichst wenig Klicks zu dem für ihn interessanten Angebot kommen.
Amprice arbeitet derzeit noch an einem Konzept, wie sich professionelle Händler besser einbinden lassen. Denn Burgdorf weiß, dass sie der Schlüssel zum durchschlagenden Erfolg sind: "Gibt es keine Angebote, bleiben die Nutzer aus, bei wenig Nutzern lohnt es sich nicht, Angebote einzustellen." Das sei ein Teufelskreis, den 99 Prozent der mit gutem Willen und viel Engagement gestarteten Auktionsplattformen nicht länger als ein Jahr überlebten.
Der Zeitpunkt, Händler für alternative Plattformen zu Ebay zu interessieren, ist derzeit günstiger als je zuvor, denn viele sind vom Quasi-Monopolisten enttäuscht. Noch jammern sie anonym in Foren oder bei Treffen - was ihnen der ehemalige Ebay-Mitarbeiter Dan Wilson in seinem Blog auch vorwirft[11]: Sie müssten sich nur anstrengen und die Möglichkeiten nutzen, dann würde auch das Geschäft wieder florieren.
Branchenkenner bezweifeln das: Besonders die Änderungen von Ende September und der Wegfall der Einstellgebühren hätten die Situation nocheinmal dramatisch verschlimmert. Gerade von Seiten der Händler habe es eine wahre Schwemme an Angeboten gegeben, die Käufer hätten aber nicht mehr gekauft als sonst. Das Ergebnis: gleiches oder sogar weniger Geld bei mehr Aufwand. Gerade in margenschwachen Bereichen wie Elektronik oder IT geht das nicht lange gut. Markus Schall, Geschäftsführer des Apple-Spezialisten Macxperts[12], ist einer, der sich traut, offen Stellung zu beziehen. "Das System Ebay war für uns zunächst ein wichtiges Sprungbrett in den Markt, später hat es sich aber als erhebliche Bremse erwiesen, die unser Geschäft in unglaublichem Ausmaß beeinträchtigt hat."
Schall begründet seine Kritik auch: "Zunächst ist es sehr aufwändig, alle Artikel, die man bereits im eigenen Onlineshop pflegt, zusätzlich noch bei Ebay mit einer Unmenge von Einstellungen, zu denen man oftmals verpflichtet ist, zu pflegen." Die ständigen Änderungen durch Ebay, die wiederum eigene Änderungen notwendig machten, würden das Problem noch verschärfen.
Aber auch das Bewertungssystem verursache inzwischen erhebliche Probleme: Ebay locke Käufer mit der Aussage, dass jede Ware immer sofort lieferbar sei. "In unserem Bereich und bei einem Warenumsatz von einigen hunderttausend Euro pro Monat ist das schlicht unmöglich, da es im Apple-Bereich sowohl bei der Hardware als auch im Zubehörbereich nun einmal zu Lieferengpässen kommen kann. Da seit einiger Zeit Verkäufer ihre Kunden nicht mehr negativ bewerten können, sinkt bei den Käufern die Hemmschwelle für negative Bewertungen."
Die Folge selbst weniger negativer Bewertungen: Aufgrund der daraufhin gegebenenfalls schlechteren Platzierung in den Suchergebnissen wird das Angebot kaum noch gefunden. Dabei ist für die Platzierung in den Suchergebnissen nicht einmal die Gesamtbewertung ausschlaggebend, sondern die oftmals vom Kunden als "unwichtig" wahrgenommene Einzelbewertungen mit Sternchen. "Obwohl das System der Einzelbewertungen von einem bis fünf Sternen reicht, wirkt sich eine Bewertung ab vier Sternen abwärts bereits in vollem Umfang negativ auf den Verkäufer aus. Eine schlechtere Platzierung in den Suchergebnissen erfolgt bereits ab einem Durchschnitt von 3,9 Punkten in den letzten 30 Tagen."
"Bei einem Unternehmen unserer Größe wäre eine hohe Abhängigkeit von Ebay das Ende. Da wir inzwischen aber auch einen sehr erfolgreichen Online-Shop betreiben, ist unser Ebay-Shop für uns zum Glück bedeutungslos geworden." Die Zusammenarbeit mit anderen Auktionsplattformen hat Schall zwar ausprobiert und schließt sie auch für die Zukunft nicht aus. Er ist sich aber sicher, dass sie nie denselben Stellenwert erreichen werden, den Ebay vor zwei oder drei Jahren für sein Geschäft noch hatte. Sowohl beim Marktführer Ebay als auch bei den nächsten Verfolgern Auvito und Hood sind entgegen der selbst gerne genutzten Bezeichnung "Auktionsplattform" ein Großteil der Artikel gar keine Auktionen sondern "Sofort-Kaufen-Angebote". So mancher Benutzer fragt sich da natürlich, warum er nicht gleich in einem Online-Shop einkaufen soll - oder dort, wo er echte Auktionen und damit die Chance auf ein Schnäppchen auch für Neuware findet. Von diesem Trend versuchen etwa die beiden Sites Swoopo[13] und Gimahhot[14] zu profitieren.
Swoopo wird manchem noch unter dem Namen TeleBid bekannt sein, unter dem es bis Ende August 2008 firmierte. "Wir haben uns zur Namensänderung entschlossen, weil wir jetzt einen Namen brauchen, der weltweit einsetzbar ist und in allen Ländern gleichermaßen funktioniert", erklärt Geschäftsführer Gunnar Piening, denn seit Anfang des Jahres hat TeleBid nach Großbritannien, Spanien und kürzlich auch in die USA expandiert.
Wie unterscheidet sich das Konzept von Swoopo jedoch von dem anderer Online-Auktionsplattformen? Alle Auktionen starten bei 0 Euro, gesteigert wird in Schritten von 10 Cent. Nach jedem Gebot verlängert sich die Auktion um maximal 20 Sekunden. Die Abgabe eines Gebots kostet jeweils 50 Cent, das Recht zur Gebotsabgabe muss vorher erworben werden.
Die dadurch entstehende Dynamik in der Endphase der Gebote und die Möglichkeit, jederzeit noch einsteigen zu können, machen das Konzept sehr interessant. Außerdem werden die möglichen Einsparungen genau vorgerechnet und sogenannte Festpreis-Auktionen oder Auktionen mit "geschenktem Endpreis" machen zumindest einen Teil der Angebote kalkulierbar.
Frustrierend könnte aber sein, wenn Kaufinteressenten immer wieder überboten werden und dennoch viel Geld für das Recht zur Gebotsabgabe bezahlt haben. Das weiß wohl auch Geschäftsführer Piening: "Die Kunst ist es, mit einer klug kalkulierten Anzahl von Geboten Top-Produkte günstig zu ersteigern. Dabei stehen insbesondere der Spaß und der Nervenkitzel im Vordergrund. Die Auktionen sind von der ersten bis zur letzten Minute spannend." Aber, wie gesagt, der Spaß kostet eben auch Geld.
Als "Shopping-Börse" bezeichnet sich der Online-Shop Gimahhot[15]. Er verspricht Händlern niedrige Gebühren und setzt genau da an, wo es Ebay weh tut: "Treuhandverfahren und Händlerprüfung machen ungerechtes Bewertungssystem überflüssig", heißt es in der Werbung. Gimahhot berechnet lediglich für abgeschlossene Verkäufe eine Provision in Höhe von drei Prozent des Transaktionswertes.
Der Käufer sucht sich bei Gimahhot ein Produkt aus und verhandelt dann, bis ihm der Preis passt. Eine Grafik - ähnlich einem Börsenchart - verdeutlicht die Preisentwicklung. Versandkosten oder sonstige Gebühren fallen nicht an.
Die Ansprüche von Unternehmen erfüllen all diese Portale natürlich nicht, da sich mit den Preisen weder langfristig kalkulieren lässt noch die Verfügbarkeit von bestimmten Produkten sichergestellt ist. Über sie können Händler also vornehmlich Privatkunden ansprechen - und davon in erster Linie die, die auf Schnäppchenjagd sind.
Die Aufgabe, den E-Commerce zumindest mit IT-Produkten zu professionalisieren, hat sich die A Eins IT GmbH[16] gestellt. Sie bietet mit ihrem Produkt 21st Mall eine Shop-Engine für Händler[17] an, die eine Kanzlei[18] regelmäßig auf Rechtssicherheit prüft. Individuelle Einkaufspreise und Verfügbarkeiten für über 100.000 IT-Artikel werden täglich und automatisiert von den wichtigsten Großhändlern importiert. Den Verkaufspreis legt der Shopbetreiber selbst fest.
Mit 21st Mall ist laut Anbieter eine breites Spektrum unterschiedlicher, zielgruppenorientierten Kundenansprache mit einem individuellen Webshop möglich. Denkbar sind beispielsweise Shops mit einer Marke, einem Produktsegment - etwa Notebooks - oder für einen Kundenkreis. Auch Shops für Großkunden, die darüber ihre Beschaffung abwickeln, lasen sich einrichten.
Zum Dienstleistungspaket für Händler gehört auch ein breites Marketinginstrumentarium. Dazu zählt auch die Kooperation mit ZDNet.de-Shopping[19] im Rahmen eines Online-Marktplatzes für den Fachhandel. Außerdem lassen sich etwa Angebote und Flyer erstellen oder die Auffindbarkeit des Shops für Suchmaschinen optimieren. Und damit wäre dann auch eines der wichtigsten Argumente vieler Händler für das Festhalten an Ebay hinfällig: dass ihr eigener Shop sonst im Markt nicht nicht wahrgenommen wird.
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/
[6] = http:/
[7] = http:/
[8] = http:/
[9] = http:/
[10] = http:/
[11] = http:/
[12] = http:/
[13] = http:/
[14] = http:/
[15] = http:/
[16] = http:/
[17] = http:/
[18] = http:/
[19] = http:/
