IBM bringt Mainframes für neue Kundengruppen

(http://www.zdnet.de/magazin/39198543/ibm-bringt-mainframes-fuer-neue-kundengruppen.htm)

von Rudi Kulzer, 5. November 2008

IBM hat einen neuen Großrechner vorgestellt, der als Einstiegsmodell für kleine und mittelständische Unternehmen gedacht ist. Zusätzlich will Big Blue mit der neuen "IBM System z10 Business Class" die IT-Konsolidierung vorantreiben.

IBM[1] setzt allen Unkenrufen zum Trotz[2] weiterhin auf seine bewährte Mainframetechnik. Dabei scheint es inzwischen sogar gelungen zu sein, nicht nur klassische Kunden wie Banken und Versicherungen zu bedienen. Dank neuer Technik- und Vertriebsmöglichkeiten wurden offenbar inzwischen auch neue Anwendungsbereiche erschlossen. Technisch gesehen geht es um die Bewältigung sogenannter gemischter IT-Aufgaben (Mixed Workloads).

Bei der neuen Mainframeklasse[3] fällt zunächst einmal der für den Bereich niedrige Einstiegspreis von etwa 100.000 Dollar auf. In dieser Sparte ging es bisher eher um Millionenbeträge, und damit war sie weit weg von IT-Lösungen für den Mittelstand. Auch die im vergangenen Jahr in Peking vorgestellt z9 Mainframe Business Class[4] lag noch in einem anderen Preissegment. Sie war wohl eher für neue Kunden in den starken Entwicklungsmärkten gedacht, also Brasilien, Russland, Indien und China.

Seit Ende vergangenen Jahres will IBM mit der
Seit Ende vergangenen Jahres will IBM mit der "System z10 Business Class" neue Kundengruppen für Mainframes gewinnen (Bild: IBM).

Nun soll der neue Rechner nach Angaben von IBM tatsächlich auch hierzulande kleinen und mittelständischen Kunden in Wachstumsmärkten oder Wachstumsbranchen die Vorteile eines ausgewachsenen Großrechnersystems bringen. Die genannten 100.000 Dollar sind nur ein Einstiegspreis, ein wachsender Ausbau wird in den meisten Fällen die Regel sein.

IBM System z10 Business Class
IBM will mit seiner neuen Mainframeklassse "System z10 Business Class" ganz neue Kundengruppen gewinnen (Bild: IBM).
Technisch hat das System nach Angaben von IBM eine Verarbeitungskapazität von vergleichsweise bis zu 230 intelbasierenden x86-Servern. Es benötigt im günstigsten Fall aber nur 17 Prozent des Platzes und 7 Prozent der Energie. Zudem sei ein hohes Maß an Sicherheit, Kontrolle und Automatisierung möglich, hieß es bei der Vorstellung.

Das System kann neben den klassischen Transaktionsaufgaben der Mainframe-Architektur auch andere unternehmensrelevante Workloads wie E-Mail-Lösungen gezielt unterstützen. Beispielsweise benötigten 1000 weitere E-Mail-Nutzer lediglich die Zusatzenergie, die einer 100-Watt-Glühbirne entspricht, so IBM. Sowohl IT-Manager als auch Endnutzer würden so von der Verfügbarkeit und den Sicherheitseigenschaften des Mainframes profitieren.

Nach Angaben von Big Blue wurde das in den vergangene Quartalen das Jahres 2008 registrierte internationale Wachstum im Umfeld der IBM-Großrechnerplattform stark durch das Interesse von Handelspartnern, Systemintegratoren und Softwarehäusern gefördert: 600 neue Anwendungen für den IBM-Mainframe kamen allein in den letzten acht Monaten heraus.

Diese Applikationen reihen sich in die mehr als insgesamt 5000 Anwendungen für die System-z-Plattform ein, von denen rund 2500 linuxbasiert sind. Dabei handelt es sich um eine spezielles "zLinux", das aber im Wesentlichen auf den Produkten von Red Hat[5] und Novell[6] (Suse) basiert und für den Mainframe-Einsatz in einigen Details angepasst wurde. Mehr als 1400 Softwarehäuser weltweit entwickeln derzeit Anwendungen für IBM-Großrechner. Im Rahmen der Vorstellung konnte IBM auch eine Reihe neuer Kunden nennen, die für den Einsatz der neuen Business-Class mit Mixed Workload gewonnen werden konnten. Das Interessante daran: Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen.

In Deutschland ist das etwa die Firma Wessel + Müller[7] mit Stammhaus in Osnabrück, die in großem Maßstab mit Fahrzeugteilen handelt. In Brasilien nutzt der Online-Spieleanbieter Hoplon[8] die neue Mainframeklasse. In Indien setzt der Dienstleister Satyam[9] aus Hyderabad die neuen Großrechner bei der Produktentwicklung für Auftragskunden ein. In den Vereinigten Staaten nannte IBM den Bezahlservice Transzap[10], den Versicherer Nationwide[11] sowie die Marist Universität[12] als neue Kunden der Mainframeklasse.

Diese Unternehmen konnten in erster Linie durch eine neue Verkaufsmannschaft gewonnen werden, betonte IBM Manager Timo Haehnle in einem Gespräch mit ZDNet. Sie bestehe in verstärktem Maße aus neuen Kräften, die aus dem intensiven Hochschulprogramm von IBM stammen. In den vergangenen vier Jahren hätten mehr als 50.000 Schüler und Studenten an Großrechner-Kursen in mehr als 500 Bildungseinrichtungen teilgenommen.

Interessant ist auch, dass das IBM-Hardware-Enwicklungsteam in Böblingen maßgeblich an der Entwicklung des neuen Systems beteiligt war. Die deutschen Experten übernahmen Konzeption und Entwicklung der Prozessortechnik, der Logikkarten sowie der Keramikträger der Prozessoren- und Cache-Chips.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.ibm.de
[2] = http://www.zdnet.de/itmanager/strategie/0,39023331,39187662,00.htm
[3] = http://www-03.ibm.com/systems/de/z/news/announcement/20081021_annc/index.html
[4] = http://www-03.ibm.com/systems/de/z/z9bc/
[5] = http://www.redhat.de
[6] = http://www.novell.com/de-de/DE/home/index.html
[7] = http://www.wm-fahrzeugteile.de
[8] = http://www.hoplon.com/
[9] = http://www.satyam.com/
[10] = http://www.transzap.com/
[11] = http://www.nationwide.com/
[12] = http://www.marist.edu/