Das W3C hat in Juni 2008 den zweiten Arbeitsentwurf von HTML 5 veröffentlicht. Zielsetzung ist die Entwicklung von semantischem HTML. ZDNet erklärt die Neuerungen und zeigt, was sich ändert - und was nicht.
Kaum zu glauben, dass die offizielle Einführung von HTML 4.01[1] schon fast zehn Jahre her ist. Doch noch immer haben nicht alle Browser diesen Standard umgesetzt. Der Anpassungsprozess setzt sich bis heute fort. Umso erfreulicher scheint es, dass sich das W3C-Konsortium um die Entwicklung des semantischen Webs kümmert und mit dem HTML-5-Entwurf[2] längst überfällige Veränderungen vorlegt.
Was bedeutet semantisches HTML?
Die Idee hinter semantischem HTML ist die Erstellung von HTML-Dokumenten, die keinerlei Informationen über die Darstellung des Inhalts enthalten. Das heißt: Semantisches HTML transportiert über Tags ausschließlich die implizite Bedeutung von Daten. Es ist das Ziel, Inhalt und Darstellung zu trennen. Mit HTML 5 kommt dieses Ziel seiner Verwirklichung ein ordentliches Stück näher.
Beispiele für semantisches HTML sind die Verwendung des Tabellenelements ausschließlich für Datentabellen oder die Benutzung eigentlicher Header-Tags, wie <h1>, <h2>, <h3> und so weiter, zur Markierung der wichtigsten Daten einer Seite. Mit der Entwicklung von semantischem HTML kommen einige neue Features hinzu. Ein paar ältere Elemente werden entfernt.
Welche Neuerungen bringt HTML 5?
Die Erweiterungen von HTML 5 konzentrieren sich in erster Linie auf semantisches HMTL. Sie bieten Webentwicklern die Möglichkeit, durch HTML-Tags Inhalten ganz einfach eine Bedeutung zuzuweisen. Die folgende Liste enthält einige Beispiele für solche Elemente:
- article: umfasst einen unabhängigen Abschnitt innerhalb einer Seite
- audio: bietet Multimedia-Unterstützung
- canvas: stellt dynamische Bitmap-Grafiken wie Schaubilder, Spiele und so weiter dar
- dialog: überarbeitet eine Unterhaltung
- embed: unterstützt Plug-in-Inhalte
- footer: definiert für den aktuellen Abschnitt eine Fußzeile
- header: definiert für den aktuellen Abschnitt den Kopfbereich
- nav: umfasst den Navigationsbereich eines Dokuments
- section: gruppiert thematisch zusammenhängende Inhalte eines Dokuments
- video: bietet Multimedia-Unterstützung
Diese neuen Elemente zeigen deutlich, dass die Zeiten von Präsentations-HTML vorüber sind. Wenn es darum geht, Inhalte dem Publikum ansprechend darzubieten, sollte sich die Aufmerksamkeit auf CSS richten. Eine Sorge, die es bei der Arbeit mit jeder neuen Technologie allerdings gibt, ist die Rückwärtskompatibilität.
Der HTML-5-Standard umfasst zwei Kompatibilitätsanforderungen für Webentwickler und die für das Anzeigen der Inhalte verwendete Software (den User Agent). Der Abschnitt über den User Agent weist Richtlinien auf, die gewährleisten, dass älterer HTML-Code korrekt dargestellt wird. Es sollte also keinen Anlass dafür geben, sich Sorgen zu machen, dass bestehende Web-Inhalte nicht mehr richtig angezeigt werden. Ein Überblick über den ersten Entwurf von HTML 5 zeigt schnell, dass bei der Darstellung ganz klar auf Style Sheets (CSS) gesetzt wird. Denn HTML 5 enthält viele Elemente überhaupt nicht mehr. Dazu gehören unter anderem die Schrifteinstellung mit dem <font>-Tag sowie die Tags <basefont> und <big>.
Zum Unterstreichen von Text gibt es keine <u>-Markierung mehr. Auch den <strike>-Tag sucht man vergebens. Interessanterweise werden die Fett-Markierung <b> und das Kursivstellen durch <i> beibehalten. Ein oft überstrapaziertes Element ist <center>. Bei der Arbeit mit HTML 5 sollten Elemente besser mithilfe von CSS horizontal zentriert werden.
Außerdem wurden auch zahlreiche Attribute entfernt. So fehlen beispielsweise dem <body>-Element jetzt die Attribute align, background und bgcolour.
Die Entscheidung, alle auf Frames bezogenen Elemente zu tilgen (frame, frameset und noframes), dürfte bei den Webentwicklern wahre Begeisterungsstürme auslösen. Die negativen Auswirkungen hinsichtlich Barrierefreiheit und Benutzbarkeit haben Frames schließlich den Rest gegeben. Den <applet>-Tag gibt es auch nicht mehr. Stattdessen ist jetzt die Markierung <object> der Standard.
Das ist freilich nur ein kleiner Auszug der Änderungen. Auf der Internetseite des W3C gibt es eine Liste, in der die Veränderungen von HTML 5 gegenüber HTML 4[3] genau erklärt werden.
Die Fortsetzung folgt
Es war schon lange an der Zeit für eine neue HTML-Version. Die Entwicklung wird durch den Wunsch angetrieben, den Inhalt von der Darstellung zu trennen und auch den Code zu separieren.
Mit diesem Arbeitsentwurf des HTML-5-Standards ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. Es werden noch weitere Änderungen vorgenommen werden. Außerdem gilt es, nicht zu vergessen, dass die Browserunterstützung sicherlich noch eine ganze Weile auf sich warten lässt. Denn selbst die aktuelle HTML-Version wird noch immer nicht komplett unterstützt. Dennoch sollten Webentwickler HTML 5 definitiv im Auge behalten.
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