Mac OS X auf Standard-PCs: USB-Stick EFiX V1 im Test

(http://www.zdnet.de/magazin/39196825/mac-os-x-auf-standard-pcs-usb-stick-efix-v1-im-test.htm)

von Kai Schmerer, 26. September 2008

Mit dem USB-Boot-Modul EFiX V1 soll eine Installation von Apples Betriebssystem Mac OS X mit einer Original-DVD auf einem Standard-PC problemlos möglich sein. Im ZDNet-Test zeigt sich, ob EFiX V1 hält, was es verspricht.

Obwohl Apples Nutzerbedingungen die Installation von Mac OS X auf Nicht-Apple-Hardware ausdrücklich untersagen, kursieren im Internet zahlreiche modifizierte DVDs (Kalyway, iDeneb, iAtkos, Leo4All), die eben dieses ermöglichen. Auf diese Weise mit Mac OS X bespielte PCs kann man aber nicht mit einem echten Mac vergleichen. Selbst wenn sämtliche Komponenten wie Grafikboard, Netzwerkschnittstelle und Sound funktionieren, muss man einige Nachteile in Kauf nehmen.

Beispielsweise erlauben die sogenannten Hackintoshs[1] kein automatisches Mac-OS-X-Update mit einem neuen Betriebssystemkern. Zudem funktionieren einige Features wie der Ruhezustand[2] (Suspend to Ram, S3) und das Backup mit Time Machine oft nicht zuverlässig. Nur mit Spezialwissen[3] ist es möglich, seinen "PC-Mac" mit Updates auf dem aktuellen Stand zu halten. Klar, dass nur wenige Anwender diese Mühe in Kauf nehmen. Alle anderen verzichten auf den Einsatz von Mac OS X auf dem PC.

Mit der USB-Bootloader-Einheit EFiX V1[4] von Art Studios Entertainment[5] steht nun eine Lösung zur Verfügung, die die Installation des Apple-Betriebssystems von einer Original-DVD ermöglichen soll. Der Hersteller verspricht, dass mit dem Modul auch Updates durchgeführt werden können. Zudem soll auch der Standby-Modus zuverlässig arbeiten. Der ZDNet-Test wird zeigen, ob dieses Versprechen eingehalten werden kann.

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Die Installation von Mac OS X mit EFiX V1 ist nur möglich, wenn Komponenten zum Einsatz kommen, die auf der EFiX-Hardware-Kompatibilitätsliste[7] aufgeführt sind. Und selbst mit diesen Komponenten räumt der Hersteller mögliche Probleme ein. Dies scheint jedoch an einer besonders vorsichtigen Einschätzung zu liegen: Im Test erweisen sich auch Komponenten als geeignet, die nicht auf der Liste stehen (Gigabyte X38T-DQ6[8] und ATI Radeon 3850[9]).

Noch recht überschaubar ist die Anzahl der Mainboards, die es auf die EFiX-Kompatibilitätsliste geschafft haben. Die Auswahl an Grafikkarten ist etwas größer. Allerdings eignen sich die neuesten Modelle von ATI und Nvidia wie Radeon-GPUs der 4000er- und Geforce-Chips der 9000er-Serie und GTX 280/260[10] nicht für den Betrieb mit Mac OS. Dies liegt jedoch nicht am EFiX-Modul selbst, sondern an Mac OS X, das die neuesten Grafikchips noch nicht unterstützt. Wie der Hersteller in seinem englischsprachigen Forum[11] mitteilt, soll die Hardware-Kompatibilitätsliste in Zukunft größer werden. Durch die Möglichkeit eines Flash-Updates können Kompatibilitätsdaten leicht auf das EFiX-Modul übertragen werden.

Wie bei den Original-Macs können als Prozessoren nur Modelle von Intel verwendet werden. Eine Unterstützung von AMD-CPUs ist derzeit nicht geplant, obwohl modifizierte Mac-OS-Images[12] im Internet kursieren, die auch die Verwendung der Prozessoren aus Dresden erlauben.

Inbetriebnahme

Das in Deutschland entwickelte und in Taiwan gefertigte Boot-Modul EFiX V1 wird für den Betrieb auf einen internen USB-Port des Mainboards gesteckt. Anschließend muss man im BIOS die Einheit noch auf den ersten Platz der Boot-Reihenfolge setzen. Zudem erkennt EFiX V1 ein DVD-Laufwerk nur, wenn die SATA-Schnittstelle im IDE-Modus betrieben wird. Nach erfolgter Installation kann man jedoch den AHCI-Modus aktivieren.

Das Laden des Bootprogramms von dem USB-Device benötigt für den Start etwa zehn Sekunden. Danach zeigt sich ein grafisches Boot-Menü, in dem man mit den Pfeil-Tasten zum DVD-Symbol navigiert und auf "Enter" drückt. Jetzt beginnt die Installation des Apple-Betriebssystems von der zuvor ins Laufwerk eingelegten Original-DVD. Die anschließende Installation verläuft genauso wie bei einem Original-Mac[13].

Festplatte einrichten

Nach dem Start der grafischen Benutzeroberfläche wird zunächst die Sprache festgelegt, mit der Mac OS arbeiten soll. Für das Formatieren und Partitionieren der Festplatte wählt man im Menü "Dienstprogramme - Festplatten-Dienstprogramm[14]" aus. Soll von der Festplatte ausschließlich Mac OS X gestartet werden, kann man unter "Optionen" die für Mac OS optimale Methode GUID-Partitionsschema für die Disk auswählen. Mit dem GUID-Schema lassen sich später unter dem Apple-Betriebssystem die Partitionen ohne Datenverlust neu konfigurieren. Anwender, die zusätzlich auf derselben Festplatte Windows installieren möchten, müssen das MBR-Schema aktivieren. Der restliche Installationsprozess läuft vollautomatisch ab.

Auch nach der Installation von Mac OS X muss das EFiX-Modul auf dem USB-Port des Mainboards gesteckt bleiben, da ein Start von Mac OS nur über den Bootloader der Einheit möglich ist. Wie bereits erwähnt, dauert das Laden des Boot-Loaders von EFiX V1 circa 10 Sekunden. Diese Verzögerung muss man bei jedem Start von Mac OS X in Kauf nehmen. Das Betriebssystem startet danach in etwa 20 Sekunden, von einer SSD[15] steht es bereits nach etwa 11 Sekunden zur Verfügung.

Nach dem ersten Start von Mac OS bekommt man zunächst eine kurzes Willkommensvideo zu sehen. Abschließend werden noch Username und Passwort festgelegt. Danach präsentiert sich die gewohnte Bedienoberfläche von Mac OS X. Ein Klick auf Software-Aktualisierung listet verfügbare Updates auf. Da die Installation von Mac OS X mit der Version 10.5 erfolgt, steht das Combo-Update 10.5.5 in der Auswahlliste parat. Während PCs mit modifizierten Images bei einem automatischen Kernel-Update abstürzen und danach nicht mehr funktionieren, verläuft die Aktualisierung auf dem PC mit EFiX V1 problemlos, und auch der anschließende Start der aktualisierten Leopard-Version gelingt ohne Schwierigkeiten.

Ruhezustand, Ausschalten, Neustart

Was mit Hackintoshs nur selten zuverlässig funktioniert, gelingt dem EFiX-PC mit Mac OS ohne Probleme: Die Aktivierung des Ruhezustands und das anschließende Aufwachen aus dem Suspend-to-Ram-Modus. Die ganze Prozedur verläuft so schnell, wie man es von echten Macs gewohnt ist. Auch das Ausschalten und Neustarten des Geräts, was mit Hackintoshs ebenfalls Probleme bereiten kann, funktioniert auf dem EFiX-PC ohne Fehl und Tadel.

Die Erkennung und der Betrieb der restlichen Hardware wie Netzwerkkarte, Quad-Core-Prozessor und Grafikkarte bietet keinen Anlass zur Kritik. Dass der Prozessor-Typ und die Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers im System-Profiler nicht korrekt angezeigt werden, sind laut Pressesprecher Davide Rutigliano lediglich kosmetische Fehler, die mit zukünftigen Updates behoben werden. Im Test funktioniert der Prozessor mit allen vier Kernen zuverlässig. Der Stabilitätstest mit Prime 95[16] weist das System als robuste Plattform aus. Auch die Grafikkarte bietet volle Hardware-Beschleunigung (OpenGL[17], Core Image[18], Quartz Extreme[19]).

Während die von Hackintosh-Systemen bekannten Macken bezüglich Ruhezustand, Update und Backup mit dem EFiX-Modul nicht auftauchen, teilt sich das Gerät allerdings einen Fehler mit diesen Geräten, der jedoch nicht gravierend ist. Sobald man im BIOS den AHCI-Modus aktiviert, erscheinen die Laufwerkssymbole statt in Silbergrau in orangener Farbe[20]. Die Farbe zeigt an, dass Mac OS die Laufwerke als "Removable Devices" einstuft. Für einen zuverlässigen Betrieb sollte in diesem Fall der AHCI-Modus deaktiviert bleiben. Pressesprecher Davide Rutigliano legt Wert auf die Feststellung, dass EFiX V1 nur für Endkunden gedacht ist, die sich keinen Mac leisten wollen. Gegen PC-Hersteller, die Systeme zusammen mit dem Modul verkaufen, will Rutigliano gerichtlich vorgehen, weil man das Recht Apples auf alleinige Auslieferung von Systemen mit Mac OS X respektiere, sagte der EFiX-Pressesprecher gegenüber ZDNet.de.

Auch habe die Boot-Processor-Unit (BPU), wie Rutigliano EFiX V1 bezeichnet, nichts mit modifizierten Mac-OS-Images gemeinsam. EFiX V1 sei auch kein einfacher USB-Stick, der einen Bootloader enthalte. Vielmehr sei das Device das Ergebnis einer autarken Entwicklung, die aus einem Prozessor und verschiedene Techniken bestehe, um ein vollständiges EFI abzubilden. Es gebe weder einen Hack noch einen Workaround, um den Apple-Kopierschutz, der Teile des Betriebssystems verschlüsselt, zu umgehen. Hackintosh-Systeme benötigen hingegen eine Kernel-Extension (dsmos.kext), um diesen Schutz zu umgehen.

Fazit

Den Grund für die vielfältigen Bestrebungen, Mac OS X auf Standard-PCs lauffähig zu machen, liefert Apple selbst: das Angebot an Desktop-Rechnern ist ziemlich begrenzt. Sowohl der Mac Mini als auch der iMac kommen für viele Anwender wegen fehlender Leistungs- und Ausbaufähigkeit nicht in Frage. Und der Mac Pro ist vielen zu teuer. Was im Apple-Angebot fehlt, ist ein Rechner, der einem Standard-Desktop-PC entspricht. Apple selbst hat offensichtlich kein Interesse, dieses Manko zu beseitigen. Schließlich verkauft der Konzern mehr Notebooks als Desktop-Rechner. Dass dafür das eng begrenzte Angebot an Desktop-Modellen verantwortlich sein könnte, zieht Apple nicht in Betracht.

Die USB-Einheit EFiX V1 tut das, was sie soll. Die Installation und der Betrieb von Mac OS X ist mit den auf der Hardware-Kompatibilitätsliste stehenden Komponenten so einfach und problemlos wie mit einem echten Mac. Kleinere kosmetische Korrekturen etwa der Anzeige der korrekten Prozessorbezeichnung und der Speichergeschwindigkeit sollen mit einem Firmware-Update realisiert werden. Anders als Hackintosh-Systeme bietet ein PC mit EFiX V1 vollständige Unterstützung aller relevanten Betriebssystem-Funktionen von Mac OS. Probleme wie der nicht funktionierende Ruhezustand oder das automatische Update, mit denen Hackintosh-User zu kämpfen haben, tauchen mit EFiX V1 nicht auf.

Das Modul ist ab sofort lieferbar, wird aber in Westeuropa derzeit nur über einen Vertriebspartner[21] in der Schweiz angeboten. Zu den Kosten für EFiX V1 in Höhe von 108 Euro[22] (zuzüglich 17 Euro Versand) kommen noch 129 Euro für eine Original-Version von Mac OS hinzu. Zusätzlich muss man natürlich die Ausgaben für die sonstige Hardware in Betracht ziehen. Für Notebooks befindet sich ebenfalls eine EFiX-Variante in Entwicklung.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://en.wikipedia.org/wiki/Hackintosh
[2] = http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhezustand#Ruhezustand_unter_Mac_OS_X
[3] = http://netkas.org/?p=50
[4] = http://www.efi-x.com/index.php?option=com_content&view=article&id=33&language=german
[5] = http://www.art-studios.net/
[6] = http://www.zdnet.de/galerie/39196632/foto-galerie-efix-v1.htm#sid=39196825
[7] = http://www.efi-x.com/index.php?option=com_content&view=article&id=26&language=german
[8] = http://www.gigabyte.de/Products/Motherboard/Products_Overview.aspx?ProductID=2707
[9] = http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023248,39160900,00.htm
[10] = http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023248,39192181,00.htm
[11] = http://forum.efi-x.com/
[12] = http://www.zdnet.de/enterprise/mac/praxis/0,39038652,39188228,00.htm
[13] = http://www.zdnet.de/enterprise/mac/0,39038657,39158638,00.htm
[14] = http://www.zdnet.de/enterprise/mac/0,39038657,39188683-7,00.htm?PAGE_WIDTH=820
[15] = http://www.zdnet.de/enterprise/storage/0,39027625,39195838,00.htm
[16] = http://www.zdnet.de/apple_systemeigenschaften_prime_95_f_uuml_r_mac_download-39002345-90422-1.htm
[17] = http://de.wikipedia.org/wiki/Opengl
[18] = http://de.wikipedia.org/wiki/Core_Image
[19] = http://de.wikipedia.org/wiki/Quartz
[20] = http://www.zdnet.de/enterprise/mac/praxis/0,39038652,39188228-5,00.htm
[21] = http://www.efi-x.com/index.php?option=com_content&view=article&id=30&language=german
[22] = http://m2-services.net/index.php?option=com_content&view=article&id=106&Itemid=127&lang=de