Auf ihrem Jahreskongress wehrt sich die SAP-Anwendergruppe vehement gegen die neuen Preise für den SAP Enterprise Support. Ob das etwas bringt, bleibt fraglich. Es gilt also, die existierenden Optimierungsmöglichkeiten zu nutzen.
Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG[1]), hat in seiner Eröffnungsansprache auf dem Jahreskongress der Interessensgruppe in Leipzig deren Standpunkt noch einmal deutlich gemacht: "Die DSAG sieht die Anhebung der Wartungsgebühren[2] von derzeit 17 auf 22 Prozent nach wie vor mit Skepsis. Inhaltlich findet das neue Service- und Supportmodell Stand heute beim DSAG-Vorstand und bei vielen Mitgliedern wenig Zuspruch. Aus ihrer Sicht ist das neue Modell nicht auf die Bedürfnisse eines Großteils der SAP-Kunden zugeschnitten."
Zudem fehle immer noch ein erkennbarer, unmittelbarer Mehrwert, der die Höhe der Wartungskosten rechtfertige. Deshalb setzten sich die DSAG und mittlerweile auch weitere internationale SAP-Anwenderverbände im Rahmen des SAP Executive Usergroup Networks (SUGEN[3]) intensiv dafür ein, "dass SAP-Kunden ein bedarfsgerechtes Support-Modell zur Verfügung gestellt wird."
Seiner Ansicht nach könnte SAP Kunden beispielsweise eine Wahlmöglichkeit zwischen dem heutigen Standard Support und dem Enterprise Support einräumen. Außerdem sieht Liebstückel Nachbesserungsbedarf beim Leistungsumfang des Enterprise-Support: Er sollte seiner Meinung nach erweitert werden "um Funktionen, die von Kunden benötigt werden und einen echten Mehrwert liefern."
Bislang hat sich der Walldorfer Softwarekonzern aber noch nicht bewegt. Ob er es überhaupt tun wird, ist fraglich. Das sehen wohl auch viele Kunden so, denn sie fangen an, sich zu fragen, wie sie die Kosten für SAP-Support und Lizenzen ihrerseits senken können. Ralph Treitz, Geschäftsführer des Heidelberger Unternehmens VMS[4], beschäftigt sich intensiv mit der Optimierung von SAP-Landschaften. Er setzt dabei auf den Vergleich mit der Situation in anderen Unternehmen - ein Verfahren, dass VMS als DNA-Level-Benchmarking bezeichnet. Aus dem Vergleich lassen sich dann Optimierungsvorschläge ableiten - auch in Bezug auf die Lizenzstruktur.
Und das sei bitter nötig, meint Treitz: "Das SAP-Vetriebsmodell sieht den einmaligen Lizenzverkauf und die anschließende Wartung vor. Die Beschaffung läuft in der Regel über die Einkaufsabteilung, der aber - im Gegensatz etwa zum Einkauf von Microsoft-Lizenzen - bei SAP bisher meist nicht wirklich bewusst ist, dass eine Optimierung möglich ist."
Mit seinen jüngsten Preiserhöhungen hat SAP jedoch in ein Wespennest gestochen: Die bisher weitgehend unreflektierten Einkaufsgewohnheiten werden auf den Prüfstand gestellt, Anwendervereinigungen wehren sich. Fairerweise muss gesagt werden, dass die Walldorfer nicht einfach die Preise für ihre Dienstleistungen erhöht haben, sondern auch mehr Leistung bieten. Tenor des Protestes daher: Warum sollte das Unternehmen für etwas bezahlen, das es überhaupt nicht in Anspruch nehmen will? Allfällige Erweiterung sowie Weiterentwicklung der Software - etwa durch Anpassung an neue gesetzliche Bestimmungen - wollen und benötigen alle Kunden. Aktiver oder sogar proaktive sowie betreuungsintensive Dienstleistungen gehörten aber bislang zum höherwertigeren Support – und den glauben viel nicht zu brauchen.
Aber genau daran scheiden sich die Geister: SAP hält es für einen vernünftigen Betrieb seiner umfassender und auch komplexer gewordenen Lösungen für wichtig, die Kunden intensiver zu betreuen. "Andererseits hat sich der Konzern jahrelang gegen die Aussage gewehrt, er liefere komplexe Software - das macht diese Argumentation jetzt schwierig", fasst Treitz zusammen.
Angesichts einer Preisliste mit einem Umfang zwischen 120 und 130 DIN-A4-Seiten sei es aber keineswegs trivial, diese Optimierungsmöglichkeiten auch nur annähernd auszuschöpfen. "Es geht nicht darum, dass SAP die Firmen über den Tisch zieht - dem Verkäufer sollte aber ein Verhandlungspartner gegenübersitzen, der das Thema ebenso durchschaut, um Chancengleichheit herzustellen", erläutert Treitz. Diese Dienstleistung bietet VMS entweder zu Festpreisen oder erfolgsabhängig an.
Das Einsparungspotenzial variiert, meint Treitz. Es unterscheide sich etwa, je nachdem, ob es sich um eine Neuanschaffung oder einen Nachkauf handle, aber auch danach, über welchen Zeitraum die Anschaffungen geplant seien und wie groß das Auftragsvolumen ist. Aber "20 Prozent kommen durchaus vor", versichert Treitz. Das stellt bereits eine erhebliche Entlastung des IT-Budgets dar, macht doch gerade bei kleineren SAP-Anwender der Posten "Lizenzen und Wartung" häufig ein Drittel der gesamten SAP-bedingten Kosten aus – die wiederum häufig den Löwenanteil des gesamten IT-Budgets repräsentieren.
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| Ralph Treitz, Geschäftsführer des Heidelberger Unternehmens VMS, kennt mehrere Wege zur Optimierung von SAP-Landschaften (Bild: VMS). |
Für problematisch hält Treitz vor allem die Skalierbarkeit. Bei einer VPN-Appliance komme es allein auf den möglichen Datendurchsatz an. Reiche der nicht mehr aus, werde das Problem durch Anschaffung einer zweiten behoben. "Die SAP-Appliances müssen dagegen mehrdimensional skalieren. Die Idee ist daher im Grunde gut, aber nicht so einfach umsetzbar, wie das die Hersteller glauben lassen wollen", meint Treitz.
Die Gründe erhöhter Kosten für Anschaffung und Betrieb einer SAP-Lösung sieht Treitz aber nicht nur in der Einflusssphäre des Herstellers. Viele Firmen hätten sie sich zu einem großen Teil auch selbst zuzuschreiben: "Firmen, die sich auf das einlassen, was SAP kann, fahren erfahrungsgemäß besser als solche, die mit aller Macht existierende, historisch gewachsene Prozesse abbilden wollen."
SAP habe inzwischen so viel Erfahrung von Kunden in seine Produkte integriert, dass es "in weiten Bereichen nicht mehr viel gibt, was sich damit nicht tun lässt". Das Rad jeweils neu zu erfinden sei aber nicht nur bei der Anschaffung teuer und langwierig, es räche sich auch im späteren Betrieb durch höhere Kosten bei der Qualitätssicherung und der – zumindest teilweisen – Abkopplung von technischen Verbesserungen. "Bei jeder Anpassung sollte daher ganz genau überlegt werden, ob sie wirklich einen Mehrwert für das Unternehmen bietet", empfiehlt Treitz. Zwar komme kein Unternehmen ohne Eigenentwicklungen aus, aber der Umfang sei in vielen Fällen sehr fraglich.
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