Kommt die Diskussion auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Betriebssysteme, entspinnen sich nicht selten Glaubenskriege. Das ist völlig unnötig, denn in wenigen Jahren wird sich das Thema erledigt haben.
Wer sich ein bisschen mit Informationstechnologie beschäftigt, kommt in Diskussionen[1] zwangsläufig immer wieder auf den nicht enden wollenden Kampf um Marktanteile[2] zwischen Windows-, Mac- und Linux-Betriebssystemen zu sprechen. Am heißesten entzünden sich diese Gespräche erfahrungsgemäß an der Frage warum - gemessen an Marktanteilen - Mac und Linux immer noch weit abgeschlagen hinter Windows liegen. Denn die Verfechter dieser Plattformen können nahezu unendlich viele Argumente dafür anführen, warum sie technologisch dem weiter verbreiteten System meilenweit überlegen seien.
Oft einigt man sich darauf, dass die eine, alles verändernde Killer-Applikation für die Underdog-Systeme noch fehle. Wäre die erst gefunden, sei Mac OS[3] respektive Linux[4] bei seiner Verbreitung im Massenmarkt nicht mehr aufzuhalten. Dann wird über Anwendungen wie Photoshop[5] und AutoCAD[6] diskutiert, oder welche Vorteile es doch biete, dass mit Windows eine einheitliche Plattform zur Verfügung stehe, auf der nahezu jede nur denkbare professionell eingesetzte Software laufe, während die Auswahl bei Mac und Linux doch eingeschränkt sei. Der Lösung kommt man durch solche Gespräche meist nicht näher.
Tatsache ist: Lediglich ein Teil der überwältigenden Marktbedeutung von Windows ist auf professionelle Anwendungen zurückzuführen. Selbstverständlich war Microsoft Office ein wichtiger Faktor, der die Windows-Verbreitung gefördert hat. Besonders vor einigen Jahren, als es noch keine Alternative (OpenOffice[7]) gab, machte sich dieser Aspekt bemerkbar. Und ja, auch die Spieleindustrie hat einiges zur Windows-Verbreitung beigetragen, da sie anderen Systemen zum großen Teil die kalte Schulter zeigte.
Der Haken an der Suche nach der "Killer-Applikation" ist aber, dass sie sich spätestens in ein paar Jahren ohnehin erübrigt haben wird. Wenn man ehrlich ist, ergeben auch alle Anwender von Photoshop und AutoCAD zusammengenommen (wenn man als Anwender die Personen bezeichnet, die die Software wirklich gekauft und nicht nur kopiert haben) eine vergleichsweise kleine Nutzerbasis.
Der durchschnittliche PC-Besitzer hat weder Photoshop installiert noch benutzt er AutoCAD oder LightWave[8]. Ja, heutztage werden viele PCs nicht einmal mehr mit einer abgespeckten Version von Office oder Works[9] ausgeliefert. Und auch der Spielemarkt hat seit dem Siegeszug günstiger, einfach zu bedienender und leistungsfähiger Spielkonsolen als treibende Kraft für den Erfolg von Windows erheblich an Bedeutung verloren. Welche Anwendung ist jedoch heutzutage zweifelsfrei auf jedem Consumer-PC zu finden? Richtig, ein Webbrowser. Der reicht auch heute schon völlig aus, um all die Dinge zu tun, die durchschnittliche Anwender wirklich mit ihrem PC erledigen wollen: E-Mails oder Instant Messages lesen und schreiben, Bilder sortieren und betrachten, Bankgeschäfte erledigen, gelegentlich das eine oder andere Online-Spiel spielen und noch vieles mehr. Nutzer die glauben, für jede dieser Aufgaben werde eine spezielle und besonders dafür ausgerichtete Software benötigt, werden immer weniger.
Der Webbrowser erweist sich also als die Killer-Applikation nach der alle suchen. Erlaubt er doch den Zugriff auf eine große und ständig wachsende Zahl von Webservices die allmählich lokal installierte Anwendungen ablösen. Mehr noch, die Mehrzahl dieser Webservices ist kostenlos und reicht für die Bedürfnisse von sicherlich 80 Prozent der Nutzer vollkommen aus.
Die meisten Besitzer und Benutzer von Photoshop oder Office werden das bestätigen können: Photoshop CS3 ist ein faszinierendes Programm, in den meisten Fällen werden aber die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht einmal auch nur annähernd ausgereizt. Man könnte natürlich lernen, was jeder einzelne Menüpunkt für Möglichkeiten bietet - aber wer das Programm schon seit einigen Jahren benutzt und bisher auch ohne diesen Lernaufwand ausgekommen ist, wird es wahrscheinlich auch in den nächsten zehn Jahren nicht tun.
Dasselbe gilt für Office. Wieviele der Anwender, die das Gesamtpaket von Office installierten, haben auch Access[10], Publisher[11], InfoPath[12] oder Groove[13] auch nur einmal gestartet? Und wer außer Vertriebsmitarbeitern und Managern nutzt PowerPoint regelmäßig?
Bedenkt man all diese Punkte, dann erweist sich letztendlich Firefox als die langgesuchte Killer-Applikation. Schließlich ist es ein Browser, der sich auf Windows, Mac und Linux nutzen lässt und der bereits eine vergleichsweise hohe Verbreitung hat. Und viel mehr als einen Browser braucht man nicht - die Netbook-Nutzer werden es vormachen.
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