Ein modernes Firmennetzwerk soll weitgehend ausfallsicher, energieffizient, kostengünstig und flexibel anpassbar sein. ZDNet zeigt aktuelle Probleme sowie Lösungen auf, die auch in bestehenden Infrastrukturen praktikabel sind.
Bei allen Diskussionen um schicke neue Anwendungen, Kommunikations- oder Kollaborationsmöglichkeiten, Enterprise 2.0 und virtuelle Büros wird oft ein wichtiger Faktor übersehen: Ohne ein leistungsfähiges Netzwerk ist all das nicht möglich. Bandbreite, Verfügbarkeit und schnelle Reaktionszeiten werden heute jedoch fast als selbstverständlich vorausgesetzt.
Dabei drohen aufgrund der erhöhten Anforderungen durch Echtzeitanwendungen wie Sprachübertragung oder Web- und Videokonferenzen, sowie durch wachsende Abhängigkeit von einwandfrei funktionierenden Unternehmensanwendungen, erhebliche Probleme. Diese lassen sich nicht mehr durch zusätzliche Bandbreite lösen. Gefragt ist vielmehr die optimierte Verwaltung des Vorhandenen - mit Blick auch auf die Stromkosten.
Der Nachrichten- und Kommunikationstechniker Guido Nickenig ist seit Jahren für Systemhäuser und Distributoren der IT-Branche im Projektmanagement und Consulting tätig. Aktuell leitet er den Schulungsbereich und den technischen Support des spezialisierten Großhändlers Algol Europe[1] und führt herstellerspezifische Zertifizierungsschulungen durch, unter anderem von 3Com[2], APC[3], Avaya[4], Extreme Networks[5], Infoblox[6], Juniper[7] und Trapeze Networks[8].
Nickenig hat durch diese Schulungs- und Beratungstätigkeit einen guten Einblick in den Stand der Netzwerkinfrastrukturen vieler Unternehmen und weiß daher, wo der Schuh drückt. Das große Thema der Vergangenheit - der Bedarf nach mehr Bandbreite - sieht er heute als überholt an: Davon sei zumindest im LAN dank der stark gesunkenen Preise für Gigabit-Ethernet inzwischen genug vorhanden.
Nicht zuletzt im Zuge der Einführung von Voice over IP sähen sich Firmen jedoch vor dem Problem, die eigentlich ausreichend vorhandene Bandbreite auf die einzelnen Anwendungen zu verteilen. Vor allem gelte es dafür zu sorgen, dass wichtige Anwendungen nicht durch Spitzenlast von weniger wichtigen oder sogar unerwünschten gestört werden.
Dasselbe gelte für Videokonferenzen. Zwar seien diese nicht grundsätzlich neu, bisher hätten aber Kosten und Qualität nicht im richtigen Verhältnis gestanden: Hochwertige Lösungen seien zu teuer gewesen, erschwingliche Angebote für den Unternehmenseinsatz unzureichend. Das ändere sich jedoch gerade. Sparen wollen in Deutschland nicht nur die Schwaben: 71 Prozent der im Rahmen eines von TechConsult[9] im Auftrag von Microsoft[10] regelmäßig erstellten "Trendbarometers für kleine und mittelständische Unternehmen[11]" befragten 400 Unternehmen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um Energie zu sparen.
77 Prozent der Firmen schätzen ihr Energiebewusstsein selbst als hoch bis sehr hoch ein. Als Ziel nennen sie vor allem die Senkung der Fixkosten (81 Prozent). Der Umweltschutz (13 Prozent) kommt als Beweggrund mit großem Abstand erst an zweiter Stelle. Überraschend: Bereits zwei Drittel der kleinen Betriebe gaben an, Energie zu sparen. Überdurchschnittlich viele mittelständische Betriebe (18 Prozent) planen dies zwar, sind jedoch noch nicht aktiv geworden.
Bernd Stopper, Direktor Marketing Mittelstand bei Microsoft Deutschland, schätzt, dass in Kleinstunternehmen die EDV knapp ein Drittel der gesamten Energiekosten ausmacht. Dass die IT ein bedeutender Stromverbraucher ist, hat jeder dritte Betrieb der Umfrage bereits erkannt und Maßnahmen ergriffen. Am häufigsten reagieren die Firmen mit dem Kauf energiesparender Geräte (61 Prozent) und der energieeffiziente Nutzung der IT-Infrastruktur (60 Prozent) - was immer darunter im Einzelnen zu verstehen ist. Auf Serverkonsolidierung setzen 35 Prozent.
Ebenfalls gut ein Drittel hat eingesehen, dass der sorgfältig durchdachte IT-Einsatz den Energieverbrauch reduzieren kann. Diese Erfahrung hat auch Nickenig gemacht. Als Beispiel nennt er den Einsatz von Videokonferenzen: Einerseits ließen sich durch virtuelle Konferenzen Reisekosten einsparen und Mitarbeiter würden produktiver, andererseits könne dadurch die CO2-Bilanz des Unternehmens ohne echte Einschränkungen schnell und einfach verbessert werden - so dass IT einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung selbst gesteckter oder vorgegebener Umwelt- und Klimaschutzziele leisten kann. Hand in Hand mit VoIP sieht Netzwerkexperte Nickenig auch die Einführung von Power-over-Ethernet[12]. Da viele Anwender nicht zwei Kabel an ihrem Telefon haben wollten, biete sich die Spannungsübertragung via Ethernetkabel an. Das setzt allerdings oft eine grundsätzliche Erneuerung auch zentraler Netzwerkkomponenten voraus, die diesen Standard unterstützen müssen.
Firmen sollten sich aber von den dadurch entstehenden Zusatzkosten nicht abschrecken lassen, denn gleichzeitig würden sich damit ganz neue Einsparmöglichkeiten eröffnen: "Die Stromversorgung an zentraler Stelle mittels Power over Ethernet ist wesentlich effizienter als eine dezentrale Lösung."
Es lohne sich allerdings auch, den Stromverbrauch unterschiedlicher Switches zu vergleichen, da es diesbezüglich erhebliche Unterschiede gebe. Außerdem lasse sich mit einer durchgängigen PoE-Lösung auch bislang brach liegendes Einsparpotenzial erschließen. "Von Extreme und Avaya gibt es beispielsweise eine ROI-Berechnung, die darlegt, dass sich Stromkosten durch das automatische Abschalten eines PoE-Ports zu Zeiten, in denen nicht gearbeitet wird, um bis zu 70 Prozent senken lassen", berichtet Nickenig.
Von den Switch-Anbietern reitet D-Link[13] die Green-IT[14]-Welle besonders intensiv. Der Hersteller hat eine eigene Reihe sogenannter "Green Ethernet Switches" im Angebot. Dazu gehören seit August auch für mittelständiche Unternehmen geeignete, weitgehend managebare Gigabit-Ethernet-Switches mit 16-, 24- und 48-Ports. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen lasse sich der Stromverbrauch um bis zu 29 Prozent senken.
Erreicht wird teilweise mit ähnlichen Mitteln wie bei der von Extreme und Avaya vorgeschlagenen Lösung: Die Leistungsabgabe ist auf jedem Ethernetanschluss entsprechend des Link-Status individuell regelbar. Ist an einem Port kein Kabel angeschlossen oder ist das verbundene Gerät abgeschaltet, wird dieser Port automatisch in den energiesparenden Standby-Modus versetzt. Den Stromverbrauch senkt auch, dass die Modelle DGS-1216T und DGS-1224T mit 16 beziehungsweise 24 Ports ohne Lüfter auskommen und das 48-Port-Modell DGS-1248T nur zwei benötigt, statt wie vergleichbare Geräte bisher vier Lüfter.
Eine Untersuchung des amerikanischen Marktforschung- und Beratungshauses AOTMP[15] zeigt einen weiteren Trend in der Optimierung moderner Netzwerke auf: bessere Überwachung und Verwaltung. In der Vergangenheit habe man sich häufig damit zufrieden gegeben zu überwachen, ob Geräte funktionieren oder nicht. Probleme seien mit einfachen Antworten gelöst worden: Mehr Bandbreite, mehr Server, mehr Speicher oder mehr Prozessoren. Das reiche aber heute nicht aus, da diese Antworten die Ursachen nicht beseitigen würden.
Als Anforderungen an Netzwerkmanagement-Tools nannten 75 Prozent der von AOTMP befragten Unternehmen verbesserte Sicherheit, 68 Prozent Performance Management sowie Priorisierung und Bandbreitenoptimierung. 55 Prozent verlangten nach Möglichkeiten, auch die Antwortzeiten von Anwendungen zu überwachen.
Den gestiegenen Erwartungen stehen aber mangelhafte Ressourcen gegenüber. 60 Prozent der Firmen in der AOTMP-Studie klagen darüber. 46 Prozent geben zu, dass sie nur eingeschränkten Überblick über die vorhandenen Services, Anwendungen sowie Hardware haben und 42 Prozent benötigen handfeste ROI-Betrachtungen, um überhaupt nur daran denken zu können, Investitionen in dieser Richtung vorzuschlagen.
Der E-Mail-Verkehr verbraucht in den Unternehmen nach eigener Einschätzung insgesamt die meiste Bandbreite, gefolgt von Web-Traffic und erst an dritter Stelle von Unternehmensanwendungen wie ERP und CRM. Gleichauf rangiert in der Umfrage Filetransfer, noch vor Backup, VoIP-Traffic und Videokonferenzen.
AOTMP erwartet, dass insbesondere das Datenaufkommen durch E-Mail, VoIP und Videokonferenzen stark zunimmt. Besonders kritisch sei die Mischung von Echtzeitdaten (VoIP und Video) mit Anwendungen, die stoßweise hohe Datenmengen befördern (E-Mail, Filetransfer, etc), da erstere dadurch trotz eigentlich ausreichender Bandbreite immer wieder beeinträchtigt werden. Aufschlussreich ist der von AOTMP angestellte Vergleich zwischen Firmen, die nach eigener Einschätzung viele Probleme in puncto Netzwerkmanagement haben mit denen, die von einem weitgehend reibungslosen Ablauf sprechen. Festgemacht haben die Marktforscher den Unterschied anhand der Ausfallzeiten des Netzwerkes, der Antwortzeiten der Anwendungen und der Verfügbarkeit von VoIP-Diensten.
Die Unterschiede beginnen bereits bei der Organisation, Investitionen in Technologie müssen gar nicht einmal die Hauptrolle spielen. Während zwei Drittel der zu den Spitzenreitern zählenden Firmen Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar definiert haben, konnten das nur 38 Prozent der anderen Betriebe von sich behaupten. Das Problem scheint aber weitgehend erkannt zu sein, denn weitere 39 Prozent planen Verbesserungen der Aufgabenverteilung.
Ähnlich deutlich fällt das Ergebnis bei der Frage nach dem Change-Management aus. Drei Viertel der Spitzenreiter haben dafür Kontrollmechanismen und feste Arbeitsabläufe eingerichtet, während es bei den anderen Unternehmen etwas weniger als die Hälfte sind. Aber auch diesbezüglich plant ein Drittel in absehbarer Zeit Verbesserungen vorzunehmen.
Viele mittlere bis große Unternehmen kämpfen mit stark fragmentierten Abläufen. Unterschiedliche Abteilungen oder Personen sind für Sicherheit, Netzwerkperformance und Anwendungen zuständig. Die zur Verfügung stehenden Monitoring- und Verwaltungstools sind oft unzureichend und darüber hinaus noch schlecht integriert. Daher ist es schwer, auftretende Probleme gemeinsam zu lösen - was dazu führt, das Ausfälle länger andauern.
Die Berater sehen zwar ein, dass es unrealistisch ist zu erwarten, dass solche Unternehmen von heute auf morgen auf unternehmensweite Performancemanagementprozesse und –systeme umstellen. Sie bestehen jedoch darauf dass es zumindest das langfristige Ziel sein sollte. Auf dem Weg dahin empfehlen sie die Vorteile von Technologien wie WAN-Emulation, IPAM (Internet Protocol Address Management), WAN-Optimierung, Netzwerkmonitoring und VoIP-Management zu evaluieren. Umso mehr eine Lösung bisher manuell erledigte Aufagben automatisiere, umso höher sei der Nutzen und umso schneller lohne sich natürlich auch die Anschaffung.
Spezialanbieter in diesen Segmenten sind etwa Infoblox[6], Bluecat Networks[16], NetQos[17], Riverbed[18], Expand Networks[19], Allot Communications[20] oder seit der Übernahme von Packeteer[21] auch BlueCoat[22]. Aber auch breiter aufgestellte Netzwerkanbieter wie Juniper[7] (seit den Übernahmen von Peribit und Redline) oder Cisco[23] (seit der Übernahme von Fineground und der Gründung der Business-Unit Application Delivery[24] vor drei Jahren).
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