1998 kam der erste für den Massenmarkt geeignete MP3-Player in den Handel. Heute gibt es in vier von zehn Haushalten MP3- oder MP4-Spieler. Oft wird aber vergessen, dass es sich um eine deutsche Erfolgsgeschichte handelt.
Im September 1998 kam mit dem "Rio Diamond PMP300" der erste für den Massenmarkt taugliche MP3[1]-Spieler auf den Markt. Heute sind die handlichen Abspielgeräte aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken: In 41 Prozent aller Haushalte in Deutschland befindet sich mindestens ein MP3- oder ein MP4-Spieler, stellte jüngst eine Studie des Branchenverbandes Bitkom[2] in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Roland Berger[3] fest. Und es werden rasant mehr: 2008 sollen knapp 7 Millionen weitere MP3- und MP4[4]-Spieler verkauft werden.
Anlässlich des Jubiläums hat das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen[5] (IIS), das durch seine Mitarbeiter Karlheinz Brandenburg[6], Harald Popp[7] und Bernhard Grill[8] maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war, auf seiner Website einen Bereich eingerichtet, in dem die Entwicklung von den frühen Jahren der MP3-Entwicklung[9] über die rasante Entwicklung bis heute festgehalten wird.
Neben der ausführlichen Darstellung der MP3-Geschichte finden sich dort auch ein Überblick über das Entwicklerteam sowie Videoclips, in denen die Entwickler von ihrer Arbeit berichten. Die verlief bei weitem nicht immer so geradlinig und reibungslos, wie man sich das im Nachhinein vorstellt: So erinnern[10] sich etwa Popp und Grill an einen Auftritt bei einer amerikanischen Technologiemesse. Sie wollten dort den neuen Audiocodec präsentieren, wurden aber vom Publikum wegen der benachbarten Stände - mit einem Schachcomputer und einem Bierkühler - weitgehend ignoriert.
Andere erkannten das Potenzial schneller. So nutzten Radiosender Anfang der 90er Jahre Standleitungen[11] der Deutschen Post, um Rundfunkprogramme zwischen räumlich getrennten Studios zu übertragen. Die Leitungen waren jedoch sehr teuer und fest geschaltet. Mit dem vom Fraunhofer IIS entwickelten MP3-Vorläufer ASPEC[12] wurde die Codierung von Sprache und Musik in hoher Qualität bei 64 KBit/s möglich - der Übertragungskapazität eines ISDN[13]-Kanals.
Radio FFN[15] in Niedersachsen nutzte als erster Sender die Vorteile, um das jeweils 20-minütige Programm der sechs landesweit verteilten Lokalstudios in das Zentralstudio zu übertragen. Die Umstellung senkte die Betriebskosten des Rundfunksenders um 90 Prozent und sparte jährlich Übertragungsgebühren von rund 500.000 DM ein.
1993 entwickelte das Fraunhofer Institut zusammen mit der Kölner Firma Meister Electronic einen weiteren Einsatzbereich[16] für MP3: ein digitales System für Haltestellenansagen im öffentlichen Nahverkehr.
Mit dem "MPlayer3" konstruierte die deutsche Firma Pontis bereits 1995 den ersten tragbaren MP3-Player. Er kam jedoch nie in den Verkaufsregalen an, da er zu teuer und unpraktisch war. Als Nachteil erwies sich etwa, dass das Gerät keinen eigenen Speicher besaß, sondern Musik von Multimedia-Cards bezog - ähnlich wie eine Spielekonsole mit Spielen gefüttert wird.
Das hat sich jedoch schnell geändert. Bereits kurz nach Einführung der ersten MP3-Player 1998 erreichte der Markt Wachstumsraten von mehreren hundert Prozent pro Jahr – bis 2005. Damals wurden 8,4 Millionen Geräte für insgesamt fast 700 Millionen Euro verkauft. Dazu trug nicht zuletzt der Erfolg des iPod[17] und Apples geschicktes Vermarktungskonzept über iTunes bei. Da die Player inzwischen auch in zahlreiche andere Geräte integriert sind, wie Handys, Autoradios oder Navigationssysteme, gehen aber inzwischen die Absatzzahlen reiner MP3- und MP4-Spieler wieder leicht zurück.
Nach Angaben des Fraunhofer IIS hängen heute rund 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland von MP3 ab. Die jährlichen Steuereinnahmen für Bund und Länder, die sich auf den Codec zurückführen lassen, summieren sich auf 300 Millionen Euro. Außerdem erzielt die Fraunhofer-Gesellschaft durch MP3 jährlich Einnahmen in Millionenhöhe – die in die Förderung neuer Forschung fließen. Immer in der Hoffnung, dabei wieder einmal eine vergleichbare Perle zu finden.
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