Epson hat sich etwas wirklich Neues ausgedacht: einen Drucker mit Pfand. Fragt sich nur, ob das Konzept ökologisch und preislich sinnvoll ist - oder lediglich ein reißerischer Marketinggag.
Das Umweltzeichen "Blauer Engel[1]" war bisher aus ökologischer Sicht das Nonplusultra für Drucker. Es wird nach einem aufwändigen Prozedere vergeben. Positiv ist die hohe Akzeptanz des Gütesiegels bei den Verbrauchern, negativ[2] dagegen der immense Aufwand, den die Hersteller treiben müssen - und die daher gerade bei preiswerteren Modellen lückenhafte Erfassung des Angebotes.
Alternativen, die über Lippenbekenntnisse und Umweltversprechen der Hersteller hinausgingen[3], waren bisher rar. Epson[4] will mit dem Tintendrucker EC-O1[5] und der Einführung des Verwertungsmodells "Epson Eco-Back System" das nun ändern und neue Wege hin zu einer echten Green-IT[6] einschlagen.
Zwar betonen die Japaner - wie viele andere Hersteller[3] auch -, dass sie bei Verpackung, Materialauswahl und Transport auf die Vermeidung von CO2 und Schadstoffen achteten. Außerdem verbrauche der EC-O1 natürlich wenig Strom: 10 Watt beim Drucken, 2 im Sleep-Modus und 0,2 im Standby.
Mit dem Vertriebskonzept geht Epson aber einen Schritt weiter als der Wettbewerb: Künftig soll aus ökologischen Gründen nicht mehr die Patrone, sondern der Drucker ausgetauscht werden. Die Tintenpatronen des Vierfarb-Inkjets sind fest im Drucker verbaut - sie können also vom Verbraucher nicht gewechselt werden. Ist die Tinte verbraucht, die laut Hersteller nach ISO 2471[7] und ISO 24712[8] für 8000 Seiten ausreicht, geht der Drucker zurück. Der unverbindliche Verkaufspreis des EC-O1 beträgt 399 Euro, inklusive 50 Euro Pfand, die bei Rückgabe des Druckers erstattet werden.
Der Hersteller geht von einer durchschnittlichen Laufzeit von drei Jahren aus. Das entspricht einem monatlichen Druckvolumen von 222 Seiten. Was danach mit den Geräten geschieht, hängt von deren Zustand ab: Weisen sie keine größeren Schäden auf, etwa abgebrochene Gehäuseteile, will Epson sie komplett überholen und wieder in den Verkehr bringen. Bei größeren Schäden werden sie zerlegt. Da das Gehäuse im Wesentlichen aus nur aus einer Kunststoffart ohne Lackierung besteht, lassen sich die Bestandteile leicht sortieren und recyceln. Mit dem EC-O1 will Epson das in seinem Programm "Umweltvision 2050[9]" formulierte Ziel umsetzen, Produkte von der Produktion bis zur Entsorgung so CO2-neutral wie möglich zu machen. Ob und welche weiteren Drucker folgen, möchte der Hersteller derzeit noch nicht bekannt geben. Es hängt wahrscheinlich auch vom wirtschaftlichen Erfolg des EC-O1 ab.
So weit, so gut. Aber hält das Konzept einer näheren Betrachtung stand? Ist der Druckertausch tatsächlich ökologisch sinnvoller als der Patronentausch – oder ist es nur eine neue, perfide Methode, um den Refillern – die Epson schon seit längerem mit aufwändigen Marketingkampagnen anprangert – endgültig das Wasser abzugraben? ZDNet ist den Kritikpunkten nachgegangen.
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| Mit dem Verkausstart des Mehrwegdruckers EC-O1 noch im September will Epson seine Ökologieversprechen einlösen (Bild: Epson). |
Epson selbst positioniert den Drucker in Umgebungen, in denen er zwischen zwei und vier Jahren verwendet werden soll. Kritiker befürchten, dass bei so langen Nutzungszeiträumen die Tinte eintrocknen könnte. Die Gefahr bestehe jedoch nicht, meint Epson - vorausgesetzt, der Drucker werde nach jeder Nutzung korrekt ausgeschaltet. Dazu müssten dem Gerät nach dem Ausschalten noch fünf bis sechs Sekunden gegönnt werden, um den Druckkopf auf die Parkposition zu fahren. Erst danach sollte mit dem Stromschalter an der Steckdose die Stromzufuhr komplett unterbrochen werden.
Die Stiftung Warentest[10] hat im vergangenen Jahr festgestellt[11], dass Epson-Drucker bei richtigem Ausschalten auch eine sechswöchige Pause unbeschadet überstehen – sogar mit Fremdtinte. Steht der Druckkopf jedoch nicht auf der Parkposition, kann es bei Sonneneinstrahlung oder sehr trockener Luft zum Eintrocknen kommen. Dann ist ein Reinigungszyklus fällig.
Das Epson-Pfandsystem mit dem EC-O1 als erstem Vertreter soll noch im September über ausgewählte Fachhändler[12] angeboten werden. Epson übernimmt 12 Monate Garantie, zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistungsfrist von 24 Monaten. Einfachere Reparaturen können vom Händler vor Ort vorgenommen werden. Tritt jedoch ein ernster Fehler auf, sollte das Gerät eingeschickt werden.
Auch das ist ein Ansatz für Kritik: Ein Drucker ist aufwändiger zu transportieren als mehrere Patronen. Epson argumentiert aber, dass bei einer Gesamtbetrachtung des Druckerlebens der EC-O1 besser abschneidet, da er ja im günstigen Fall mehrmals zum Einsatz kommt. Da neue Drucker aller Hersteller in der Regel aus China oder Japan stammen, das Epson-Recycling aber in Europa sei, falle der Logistikaufwand insgesamt geringer aus: Der Weg von Asien nach Europa werde mehrmals eingespart, ein wichtiger Pluspunkt in der Ökobilanz.
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| "Das Ziel von Epson ist es, die CO2-Emissionen über den Lebenszyklus unserer Produkte und Dienstleistungen hinweg bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu heute um 90 Prozent zu senken", sagt Henning Ohlsson, Geschäftsführer der Epson Deutschland GmbH (Bild: Epson). |
Nicht zuletzt wird dem Drucker vorgeworfen, er sei zu teuer. Wer bezahlt schon 350 Euro für einen Einzelplatztintendrucker? Epson drückt sich zwar um Angaben zum Seitenpreis, schließlich sei der Vergleich nicht fair, da im Preis des EC-O1 die Hardware enthalten sei. Aber trotz des Handicaps schneidet der EC-O1 gut ab: Die Kosten des Druckers (Patrone plus Hardware), geteilt durch die Anzahl der voraussichtlich druckbaren Seiten, ergibt 4,3 Cent pro Seite. Das kann sich sehen lassen.
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