Arbeiten im Web: Onlinelösungen für Office und Kollaboration

(http://www.zdnet.de/magazin/39195456/arbeiten-im-web-onlineloesungen-fuer-office-und-kollaboration.htm)

von Estelle Dumout und Peter Marwan, 1. September 2008

Die Verlagerung von Dateien und Anwendungen ins Web soll die Arbeit flexibler und effizienter gestalten, sowohl für Privatpersonen als auch Selbständige und mobile Mitarbeiter. ZDNet hat sich einige der Angebote kritisch angeschaut.

Virtuellen Online-Büros und Online-Kollaborationsportalen scheint eine große Zukunft bevorzustehen: Netzwerkfirmen wie Cisco[1] und Nortel[2] investierten in jüngster Vergangenheit mit der Übernahme von PostPath[3] beziehungsweise dem Kauf von DiamondWare[4] und der Ankündigung einer 3D-Online-Kollaborationsplattform[5]. Adobe[6] bietet mit Adobe Connect Pro[7] eine ursprünglich als Webkonferenz-Tool konzipierte Lösung an, die allmählich um Kollaborationsfunktionen erweitert[8] wurde. Und natürlich sorgte Google mit Google Text & Tabellen[9] im vergangenen Jahr für viel Aufsehen - und wurde sogar schon als ernste Gefahr[10] für Microsofts[11] Office-Paket gesehen.

Vielleicht nicht zu Unrecht, denn der Softwarekonzern reagierte Ende Mai dieses Jahres mit der Veröffentlichung[12] der Beta-Version seiner Online-Kollaborations- und Office-Lösung Office Live Workspace[13] und dessen Small-Business-Version[14]. Dass Microsoft die Online-Angebote als ernsthafte Herausforderung sieht, zeigt am besten die Tatsache, dass es seine Alternativen bereits ein halbes Jahr eher als zunächst geplant[15] verfügbar machte - da schien wohl Eile geboten.

Bei seinen Web-Diensten unterscheidet Microsoft zwischen Live- und Online-Services. Die Live-Dienste wenden sich an Privatanwender und virtuelle Arbeitsgruppen, Online-Services an große Organisationen. Mit dieser Unterteilung trägt Microsoft der Segmentierung des Marktes Rechnung. Er zerfällt in zwei Bereiche: Zum einen gibt es große, zumindest zu einem gewissen Grad, in Unternehmensstrukturen integrierbare Kollaborationslösungen wie Clearspace[16] von Jive Software[17], Zoho Office[18] oder Ciscos Web-Ex Weboffice[19].

Zum anderen werden eher auf den individuellen Gebrauch oder den Einsatz in Kleinunternehmen ausgerichtet Online-Desktops angeboten, die sich mit geringer oder ganz ohne Integration nutzen lassen und lediglich grundlegenden Kollaborationsmöglichkeiten bieten.

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Online-Speicherplatz, Online-Desktops und Online-Kollaborationstools[20]

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Für den ersten Bereich hat im Mai dieses Jahres das Marktforschungsunternehmen Yankee Group[21] einen detaillierten Vergleich angestellt, dessen Wert lediglich durch die sehr US-lastige Anbieterauswahl etwas beeinträchtigt wird. Aus deutscher Sicht hätten etwa auch Teamspace[22] oder DaybyDay[23] Erwähnung verdient. In dem Bericht[24] schneiden wie erwartet Microsoft, Cisco und IBM[25] am besten ab. Aber auch der Spezialist Zoho Office schaffte es in die Gruppe der Top Vier.

Im direkten Vergleich mit Google sehen die Yankee-Group-Analysten Vorteile von Zoho vor allem durch den größeren Funktionsumfang bei Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationserstellung sowie durch die integrierten Webkonferenzmöglichkeiten. Außerdem zweifeln sie an den Aussagen von Google in Bezug auf die Verfügbarkeit seines Service.

Microsofts Office Live Workspace gehört - wie der Name schon verrät - zu den sogenannten "Live"-Diensten, die sich an Privatanwender und virtuelle Arbeitsgruppen richten. Mit den Web-Office-Tools lassen sich zwar online keine neuen Dokumente anlegen, sie können aber im Web gespeichert, betrachtet und anderen Usern gezeigt werden. Das Editieren der Dateien erfolgt wie üblich mit der auf dem Rechner installierten Microsoft-Office-Suite. Von hier aus ist auch der Zugriff auf die Webapplikation möglich.

Von Rechnern ohne MS Office aus lassen sich die im Workspace veröffentlichten Dokumente zwar im Browser ansehen und kommentieren, aber nicht bearbeiten. Damit ist das Angebot lediglich eine Ergänzung und kein Ersatz für die installierten Programme.

Neben Microsoft und anderen Branchengrößen, die sich noch abmühen, auf den Zug aufzuspringen oder ihre existierenden Angebote abzurunden, gibt es bereits eine ganze Reihe von Anbietern, die für Privatpersonen, Selbständige und kleine Firmen bereits mehr oder weniger ausgereifte und umfassende Lösungen anbieten. Sieben davon hat sich ZDNet näher angeschaut.Jooce[26] präsentiert sich in erster Linie als Onlinespeicher. Das virtuelle Büro erlaubt es, alle Arten von Dokumenten (Videos, Fotos, Texte, Tabellen, PDFs) einzustellen, wobei es derzeit weder Beschränkungen der Dateigröße noch der Dateianzahl gibt. Das ebenfalls angebotene Instant-Messaging-Tool ist zu ICQ[27], AOL[28], Yahoo[29] und MSN[30] kompatibel.

Außerdem stehen Programme zur Foto-, Ton- und Bildbearbeitung zur Verfügung. Online-Tools zur Text- und Tabellenbearbeitung oder gar zur Erstellung von Präsentationen fehlen dagegen und sind derzeit scheinbar auch nicht geplant.

Zwar ist es bei Jooce recht einfach, Dateien hinzuzufügen, aber ansonsten ist die Bedienoberfläche nicht immer auf den ersten Blick zu durchschauen: Denn Nutzer navigieren ständig zwischen dem privaten und dem öffentlichen, auch für alle andere Jooce-Anwender einsehbaren Schreibtisch. Vorteilhaft ist dagegen die Vielsprachigkeit des Portals: Neben Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch werden unter anderem auch Versionen in Türkisch, Italienisch und Griechisch angeboten.

Wixi[31] zielt auf eine ähnliche Marktnische wie Jooce, betont aber den Multimediaaspekt, was ein spezielles iPhone-Sub-Portal noch unterstreicht. Office-Dokumente lassen sich mit Wixi dagegen nicht verwalten.

Die Benutzeroberfläche ähnelt stark dem Windows-Explorer. Audio- und Videodateien oder Fotos können hochgeladen, sortiert, organisiert und umbenannt werden. Sogar der unvermeidliche Papierkorb ist vorhanden. Social Networking kommt ebenfalls nicht zu kurz: Freunden oder auch Nicht-Wixi-Nutzern lassen sich Dateien zur Verfügung stellen. Um in den Genuss von unbegrenztem Speicherplatz zu kommen, sind allerdings 6 Dollar pro Monat oder 50 Dollar für ein Jahresabonnement fällig. MyBoo[32] geht schon weit über den Funktionsumfang von Wixi und Jooce hinaus. Mit einer sehr aufgeräumten und ergonomischen Oberfläche bietet dieser virtuelle Desktop die meisten Werkzeuge, die man auch vom traditionellen her kennt. Dazu gehören Textverarbeitung, Tabellenkalkulation (dank Zoho Office), Messaging-Programm, Adressbuch, Kalenderfunktion und RSS-Reader.

Zusätzlich sind alle Arten von Multimediadateien speicherbar, die sich über einen hausgemachten Viewer auch online betrachten lassen. MyBooo setzt ebenfalls auf Networking-Features. Anwender können ein Kontaktnetzwerk einrichten, dem der Zugriff auf die Dateien erlaubt wird. Zwei Wermutstropfen: Der Speicherplatz ist aktuell auf 1 GByte begrenzt und das System noch in einer privaten Beta-Version, so dass es nicht ganz einfach ist, einen Zugang zu erhalten.

OODesk[33] bietet ebenso wie MyBooo eine breite Palette von Office-Anwendungen, Speicherplatz und die Möglichkeit, Dateien mit anderen Nutzern zu teilen. Das integrierte Tool zur Betrachtung von Multimediadateien kann aber auch zum Öffnen von Fotos oder Videos außerhalb des Online-Desktops verwendet werden.

Die Bedienoberfläche lässt sich über Widgets weitgehend personalisieren. Nachteilig ist, dass der Anbieter keine Aussagen zum verfügbaren Speicherplatz macht und die deutsche Übersetzung mehr als mäßig ausfällt, so dass man dann doch lieber die englische Version verwendet. Außerdem empfiehlt OODesk ausdrücklich Firefox[34] oder Safari[35] als Browser, beim Internet Explorer[36] müsse mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten gerechnet werden.

Die nordamerikanisch-mexikanische Gemeinschaftentwicklung Desktoptwo[37] bietet ebenfalls eine breite Palette von Office-Werkzeugen und lockt zusätzlich mit Speicherplatz für alle Arten von Dateien. RSS-Reader, MP3-Player, Webseiten-Editor und Blog-Tool gehören ebenfalls dazu. Neben einer englischen gibt es eine spanische Version, weitere sind in Vorbereitung.

Die Bedienoberfläche ist etwas sehr schlicht gehalten, bleibt aber trotz der Werbeeinblendungen am oberen Bildschirmrand in der Gratisversion gut handhabbar. Zweiter Minuspunkt der kostenlosen Version: Sie bietet nur 1 GByte Speicherplatz. Wer mehr benötigt oder wen die Werbung stört, muss 25 Dollar bezahlen. Officity[38] unterscheidet sich von den bereits genannten Wettbewerbern durch die eindeutige Ausrichtung auf professionelle Anwender. Die flashbasierende Oberfläche ist in klassischem Design gehalten. Der Anwender kann zwischen Englisch und Französisch wählen. Es lassen sich Ordner und Dateien ablegen und die Zusammenarbeit mit mehreren angebotenen Werkzeugen organisieren. Dazu gehören Adressbuch, Kalender, Webmail mit mehreren POP[39]-Accounts sowie ein Online-Publishing-Tool.

Was fehlt, sind die gängigen Office-Werkzeuge. Diesbezüglich verlässt sich Nectil[40], der belgische Anbieter hinter Officity, auf die Fähigkeit der Nutzer, Programme selbst zusammenzustellen und zu importieren. Der Vorteil: Die Programmauswahl ist nicht auf Textverarbeitung und Tabellenkalkulation beschränkt. Auch Branchen- und Spezialanwendungen sind vergleichsweise einfach integrierbar.

Mit dem Konzept konnten bereits namhafte Referenzkunden gewonnen werden, darunter die Verwaltung von Stadt und Region Brüssel, die Brüsseler Polizei, Adecco, Renault und Lancia. Der Zugang zum Online-Büro ist für einen Versuchszeitraum von einem Monat kostenlos. Danach kostet er - je nach ausgewählten Optionen - zwischen 5 und 120 Euro pro Monat.

EyeOS[41] ist eine Open-Source-Plattform, auf der eine große Anzahl an Web-Programmen läuft und die alle Daten und Programme der Nutzer von überall im Netzwerk erreichbar macht. Sie melden sich mit ihrem Account über einen gängigen Webbrowser an und können dann ihren persönlichen Desktop samt Dokumenten, Programmen, Musik, Videos etc. nutzen. Ein FTP[42]-Programm hilft dabei, Dateien zu transferieren.

eyeOS ist Open Source und steht unter der GNU Affero Public License 3[43], so dass die Plattform privat oder in Unternehmen kostenlos einsetzbar und der Quellcode frei veränderbar ist. Neben dem kostenlosen und offiziellen eyeOS-Server können Firmen daher auch ihr eigenes eyeOS-System einrichten und anpassen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.cisco.de
[2] = http://www.nortel.com/
[3] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39195415,00.htm
[4] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39195216,00.htm
[5] = http://www.zdnet.de/news/tkomm/0,39023151,39195265,00.htm
[6] = http://www.adobe.de
[7] = http://www.adobe.com/de/products/acrobatconnectpro/webconferencing/enterprise.html
[8] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39158089,00.htm
[9] = http://www.google.com/google-d-s/hpp/hpp_de.html
[10] = http://cgi.zdnet.de/itmanager/?p=46
[11] = http://www.microsoft.de
[12] = http://www.zdnet.de/news/tkomm/0,39023151,39191487,00.htm
[13] = http://workspace.officelive.com/?cloc=de-DE
[14] = http://www.officelive.com/?cloc=de-de
[15] = http://www.zdnet.de/news/software/0,39023144,39159620,00.htm
[16] = http://www.jivesoftware.com/products/clearspace
[17] = http://www.jivesoftware.com
[18] = http://www.zoho.com/
[19] = http://www.weboffice.com/DE/
[20] = http://www.zdnet.de/galerie/39195474/online-speicherplatz-online-desktops-und-online-kollaborationstools.htm#sid=39195456
[21] = http://www.yankeegroup.com/home.do
[22] = http://www.teamspace.de/index.html
[23] = http://www.daybyday.de/
[24] = http://www.zoho.com/yankee-group-business-collaboration-tournament.pdf
[25] = http://www.ibm.de
[26] = http://jooce.com/
[27] = http://de.wikipedia.org/wiki/ICQ
[28] = http://www.aol.de/AIM/
[29] = http://de.messenger.yahoo.com/
[30] = http://messenger.live.de/download/
[31] = http://main.wixi.com/
[32] = http://mybooo.com/?ll=en
[33] = http://www.oodesk.com/home.php
[34] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39024660,39192358-1,00.htm
[35] = http://www.apple.com/de/safari/download/
[36] = http://www.microsoft.com/germany/windows/products/winfamily/ie/default.mspx
[37] = http://desktoptwo.com/
[38] = http://www.nectil.com/Public/?language=eng
[39] = http://de.wikipedia.org/wiki/POP_3
[40] = http://www.nectil.com/Public/Menu.php?ID=2009
[41] = http://eyeos.org/de/
[42] = http://de.wikipedia.org/wiki/File_Transfer_Protocol
[43] = http://de.wikipedia.org/wiki/GNU_Affero_General_Public_License