Internet Explorer 8 Beta 2 im Test: Konkurrenz für Firefox

(http://www.zdnet.de/magazin/39195084/internet-explorer-8-beta-2-im-test-konkurrenz-fuer-firefox.htm)

von Joachim Kaufmann, 27. August 2008

Durch Download-Rekorde, neue Features und höhere Geschwindigkeit hat Firefox zuletzt für Furore gesorgt. Mit der Beta 2 des Internet Explorer 8 will Microsoft nun zeigen, dass auf dem Browsermarkt auch mit ihm weiter zu rechnen ist.

Egal ob E-Mail, Bildbearbeitung oder Büroaufgaben - fast alles lässt sich mittlerweile webbasiert erledigen. Zwar greifen nicht alle Anwender gleichermaßen auf die neuen Dienste zurück, trotzdem hat sich der Browser für viele in den letzten Jahren schleichend zum wichtigsten Desktop-Programm entwickelt.

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Internet Explorer 8: So sieht der neue Browser aus[1]

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Nachdem Microsoft[2] nach dem Sieg über Netscape Ende der Neunziger die Weiterentwicklung des Internet Explorer quasi eingestellt hat, konnte Mozilla diese Lücke in den letzten Jahren mit Erfolg füllen. Die Marktanteile der Open-Source-Software wachsen stetig, und die Einführung der jüngsten Version, Firefox 3.0[3], schlug auch außerhalb der Fachpresse Wellen.

Zwar konnte man zwischenzeitlich einen anderen Eindruck gewinnen, doch auch die Redmonder haben sich aus der Browser-Entwicklung nicht verabschiedet. Nach der im März 2008 vorgestellten Beta 1 des Internet Explorer 8[4] folgt nun Beta 2. Der Test basiert auf einer Vorabversion der Beta 2, die sich laut Microsoft aber nur durch noch nicht beseitigte Bugs unterscheidet. Bis zur Final sollen keine weiteren Features hinzukommen.Die Oberfläche des Internet Explorer 8 ähnelt der ihres Vorgängers. So findet weiterhin ein minimalistisches Design ohne Menüleiste Verwendung, das die Buttons Aktualisieren und Stopp an den rechten Rand der Adressleiste rückt. Die Optik kann sich jedoch bis zur Final noch ändern.

Eine willkommene Neuerung ist, dass Eingaben in der Adressleiste jetzt nicht nur Autocomplete-Vorschläge zum Vorschein bringen, sondern auch Verlauf, Favoriten und Feeds durchsucht werden. Die Resultate werden übersichtlich in Kategorien dargestellt. Einträge, die man nicht in dieser Übersicht möchte - beispielsweise falsch eingegebene Webadressen -, lassen sich per Mausklick entfernen. Leider zeigt der Internet Explorer 8 in diesem Drop-Down-Menü bislang keine Website-Logos. Das sollte Microsoft unbedingt bis zur Final nachrüsten. Auch wenn die Implementierung der Funktion gefällt - Firefox 3 bietet mit der "Smart Location Bar" etwas Ähnliches.

Die im Internet Explorer 7 ausgeblendete Linkleiste wird im Nachfolger standardmäßig angezeigt. Mit einem Mausklick lassen sich dort Favoriten ablegen. Sie dient auch als Behälter für so genannte Webslices. Dabei handelt es sich um Bereiche einer Website, die auf Wunsch ständig aktualisiert werden. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise eine Ebay-Auktion verfolgen, ohne ständig den Webauftritt des Auktionshauses aufsuchen zu müssen. Um Webslices bereitzustellen, muss ein Anbieter aber Modifikationen an seinem HTML-Code vornehmen.

Microsoft hat den Umgang mit Tabs verfeinert: Alle von einer Website aus geöffneten Tabs werden in einer Tabgroup zusammengefasst, die durch eingefärbte Reiter markiert ist. Das erleichtert bei vielen geöffneten Seiten die Übersicht. Eine Tabgroup kann mit einem Mausklick geschlossen werden. Zudem lassen sich einzelne Tabs ausklinken. Der Internet Explorer 8 stellt geschlossene Unterseiten auf Wunsch wieder her. Microsoft hat das Suchfeld in der rechten oberen Ecke renoviert: Verschiedene Suchanbieter wie Google, Windows Live und Amazon lassen sich jetzt per Mausklick umschalten, ohne erst das Drop-Down-Menü aufrufen zu müssen. Wie unter Firefox werden Eingaben von Vorschlägen begleitet.

Vorausgesetzt, der Suchanbieter unterstützt die Funktion, liefern Abfragen nicht nur Links, sondern auch passende Bilder. Microsoft spricht in diesem Zusammenhang von Visual Search. Das funktioniert derzeit unter anderem bei Amazon und Ebay.

Neben den Web Slices sollen so genannte Accelerator die Interaktion mit Webseiten und Diensten vereinfachen. Dabei wird markierter Text über ein Kontextmenü an Kartendienste, Lexika oder soziale Netzwerke übergeben und dort verarbeitet. Eine Adresse kann so beispielsweise gleich auf einer Karte angezeigt werden, ohne erst den Dienst aufrufen zu müssen.

Belässt man es bei den Voreinstellungen, bewegt sich alles im Windows-Live-Universum: Bloggen mit Windows Live Spaces, Nachschlagen in Encarta und E-Mails senden mit Windows Live Hotmail. Microsoft hat aber auch Partnerschaften mit anderen Anbietern geschlossen, etwa Facebook, Ebay und Yahoo. Weitere sollen folgen.

Unter der Haube hat sich einiges getan: Der Rahmen und die einzelnen Tabs laufen in separaten Prozessen. Der Absturz eines Tabs reißt nicht mehr den gesamten Browser mit. Zudem wird der Tab in diesem Fall automatisch wiederhergestellt.

Der Speicherverbrauch ist im Vergleich zum Vorgänger sogar leicht gesteigen. Mit den gleichen zwölf geöffneten Tabs genehmigt sich der Internet Explorer 8 rund 240 MByte RAM, der Internet Explorer 7 rund 210 MByte. Firefox 3 kommt mit weniger als 100 MByte aus.

Die Redmonder sind dafür bekannt, dass sie Standards eher frei interpretieren. Das soll sich zumindest beim Internet Explorer ändern. Die neueste Version wird HTML 4.01 sowie CSS 2.1 besser unterstützen. Der Softwarehersteller belegt dies mit dem bestandenen Acid2-Test[5].

Zwar ist diese späte Einsicht zu begrüßen, der Wechsel zur neuen Rendering-Engine bringt aber seine eigenen Probleme mit. So können bei Seiten, die für Internet Explorer 7 oder seine Vorgänger optimiert sind, Darstellungsfehler auftreten. In diesem Fall können Anwender über einen Button neben der Adressleiste in den Kompatibilitätsmodus wechseln und damit die IE7-Engine aufrufen. Die Website wird dann wie bei einem Refresh neu geladen. Der Browser speichert die Einstellung. Mit der Beta 2 hat Microsoft eine gute Lösung gefunden, mit dem Problem umzugehen.

Die Performance der vorliegenden Vorabversion überzeugt trotz hohem Speicherverbrauch: Beim Öffnen des Browsers und dem Wechsel zwischen Tabs sowie deren Start gibt es kaum Verzögerungen. Die Arbeit geht flüssig von der Hand. Auch die Rendering-Engine sowie die Verarbeitung von Javascript will Microsoft beschleunigt haben. Im großen ZDNet-Browsertest[6] liegt die Beta 1 zwar deutlich vor dem Internet Explorer 7, aber weit hinter dem Firefox 3. Ob Microsoft die Lücke schließen kann, muss sich erst noch zeigen.

Da das Internet sicherheitstechnisch der digitale wilde Westen ist, spielt die Sicherheit eines Browsers eine wichtige Rolle. Microsoft hat an diesem Thema weitergearbeitet. So wurde beispielsweise der im Internet Explorer 7 eingeführte Phishing-Filter aufgewertet. Die Komponente scannt Websites jetzt auch aktiv nach Malware.

Die gesamte Adressleiste wird bis auf die Domain hellgrau eingefärbt. So sollen Nutzer eher auf Phishing-Attacken aufmerksam werden. Auch Cross-Site-Scripting-Angriffe werden laut Microsoft unterbunden. Die jetzt standardmäßig aktive Date Execution Prevention soll speicherbasierte Angriffe vereiteln.

Der neue Modus InPrivate ermöglicht es Anwendern, im Internet zu surfen, ohne auf dem Client Spuren zu hinterlassen. Dazu wird ein neues Fenster geöffnet, das angesurfte Websites nicht im Verlauf oder anderen Logfiles speichert.

Der Internet Explorer 8 ist eine sinnvolle Weiterentwicklung, die ihren Vorgänger in fast allen Bereichen überflügelt - leider auch beim Speicherverbrauch. Während man für einen abschließenden Vergleich mit Firefox 3 fairerweise auf die Final warten sollte, deutet bislang nichts darauf hin, dass ihm der neue Microsoft-Browser gefährlich werden kann.

Interessante Features wie die ausgebaute Adressleiste sind dort nämlich schon jetzt zu finden. Download- und Passwort-Manager fehlen dem IE sogar weiterhin. Führend ist Firefox auch bei der Zahl der Erweiterungen.

Microsoft will den Internet Explorer 8 für Windows XP, Vista und die Server-Pendants anbieten. Mit der Final ist noch in diesem Jahr zu rechnen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/galerie/39195189/internet-explorer-8-so-sieht-der-neue-browser-aus.htm#sid=39195084
[2] = http://www.microsoft.com/germany
[3] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39024660,39192358-1,00.htm
[4] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39023278,39188096,00.htm
[5] = http://www.webstandards.org/action/acid2/
[6] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/tests-beratung/0,39035744,39189761,00.htm