Mit Live Mesh will Ray Ozzie Microsoft ins Cloud-Computing-Zeitalter katapultieren. Nutzer sollen künftig ortsunabhängig mit ihren Daten, Geräten und Anwendungen verbunden sein. ZDNet hat die Dateisynchronisation schon einmal getestet.
Diesen will Microsoft[1] mit Live Mesh[2] begegnen, einer Art Netz im Netz, das Anwender mit ihren Geräten, Applikationen und Daten verbinden soll. Federführend betreut wird das Projekt von Gates-Nachfolger Ray Ozzie[3].
Zwar klingen die Pläne zu Live Mesh noch etwas nebulös und werden wohl erst Ende Oktober auf der Professional Developers Conference[5] vollständig vorgestellt, die Anfänge sind aber schon im Netz zu sehen: Auf Basis der Live-Mesh-Plattform hat Microsoft einen Dienst zur Synchronisation von Daten entwickelt. ZDNet hat anhand der Technical Preview getestet, was Live Mesh heute schon in der Praxis bietet.
Zur Einrichtung eines Live Mesh muss man sich lediglich mit einer Windows Live ID[6] auf der Mesh-Website[2] einloggen. Dort ist ein Ring zu sehen, der bereits den Live Desktop enthält und die Einbindung von Geräten erlaubt.
Live Desktop ist ein derzeit 5 GByte großer Online-Speicher, dessen browserbasierte Oberfläche einen Vista-Desktop nachahmt. Er stellt die Ordner im Mesh dar und erlaubt das Anlegen neuer Verzeichnisse.
Um einen Rechner zu einem Mesh hinzuzufügen, muss der Live-Mesh-Client installiert werden. Er ist derzeit lediglich für Windows XP (32 Bit) und Vista (32 und 64 Bit) verfügbar, eine bereits gesichtete Mac-Version hat Microsoft wieder von den Download-Servern entfernt. Für Windows Mobile wird derzeit nur eine Website angeboten, die zwar den manuellen Up- und Download von Dateien ermöglicht, aber nicht deren Synchronisation und die Integration des Gerätes ins Mesh.
Die Installation des wenige Megabyte großen Clients dauert unter fünf Minuten. Nachdem man sich mit seiner Windows Live ID authentifiziert hat, erscheinen auf dem Desktop die Ordner des Mesh - aber noch ohne Inhalt. Der Download beginnt erst nach einer Bestätigung. Ab sofort werden die Dateien automatisch mit dem Live Desktop sowie den anderen Maschinen abgeglichen.
Live Mesh erweist sich in der Praxis als robust: Egal ob viele kleine Dateien oder HD-Videos mit mehreren hundert Megabyte – der Client synchronisiert schnell und zuverlässig. Die Geschwindigkeit liegt nahe am theoretischen Maximum des 2-MBit/s-SDSL-Zugangs. Allerdings wird derzeit bei jeder Änderung die komplette Datei abgeglichen, was den Traffic unnötig in die Höhe treibt. Später soll der Mechanismus nur die Änderungen weiterreichen. Für jeden Rechner im Mesh zeigt der Client Datenverkehr und Verfügbarkeit.
Sehr gut an Live Mesh gefällt, dass sich der Dienst nahtlos in die Windows-Umgebung einfügt. So lässt sich über das Kontextmenü jeder beliebige Ordner zum Mesh hinzufügen. Öffnet man einen Ordner, der Teil des Mesh ist, erscheinen in einem angedockten Fenster die letzten Aktionen sowie gerade eingeloggte Nutzer.
Mittels Eingabe der Windows Live ID können Ordner nämlich auch anderen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Im Test klappt dies problemlos. Auf diese Weise hat man einen effizienten Mechanismus, auch sehr große Dateien auszutauschen.
Auch der gegenseitige Remote-Zugriff auf die im Mesh versammelten Desktops bereitet keine Schwierigkeiten. Nach wenigen Sekunden ist die Verbindung hergestellt. Das funktioniert auch von des Mesh-Website, aufgrund der Implementierung als ActiveX aber nur per Internet Explorer. Qualitätseinstellungen können derzeit noch nicht vorgenommen werden.
Zwar macht Live Mesh im Test einen stabilen Eindruck, man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass es sich noch um eine Technical Preview handelt. Sowohl mit dem Client als auch mit dem Backend gibt es daher immer noch Probleme. Entsprechend sind die offiziellen Foren[7] voll mit Fehlerbeschreibungen.
Noch ist Live Mesh in einer frühen Entwicklungsphase und bietet keine Alleinstellungsmerkmale. Der Abgleich von Dateien ist beispielsweise mit Sugarsync[8] wesentlich ausgefeilter und ausgereifter.
Auch einen Vergleich mit Apples gescholtenem MobileMe[9] ist derzeit wenig sinnvoll, da der Mac-Hersteller ein bestimmtes Szenario adressiert und der Plattformgedanke nicht im Mittelpunkt steht. Es gilt als wahrscheinlich, dass Microsoft auf Basis von Live Mesh einen Sync-Dienst für Windows anbieten wird, der auch Kalenderdaten und andere speziellere Informationen synchronisiert.
Mit der Plattform-Unabhängigkeit von Live Mesh ist es noch nicht weit her: Zwar sollen neben Windows auch Mac OS X und Windows Mobile bedient werden, zu Linux und Symbian schweigt sich der Softwarehersteller aber noch aus.
Deutlich interessanter dürfte es gegen Ende des Jahres werden, wenn die Redmonder den kompletten Umfang der Plattform vorstellen. Künftig sollen Anwendungen direkt mit dem Mesh kommunizieren und nutzerbezogene Daten - etwa Einstellungen - auslesen. Die Pläne sehen auch eine Verteilung von Applikationen per Live Mesh vor. Das ist aber noch Zukunftsmusik, von der man nicht weiß, wann sie tatsächlich erklingt.
Ab sofort kann jeder Interessent Live Mesh testen: Die bislang geltende Begrenzung der Teilnehmerzahl wurde aufgehoben. Voraussetzung ist allerdings, dass die Windows Live ID die Länder USA, England, Australien oder Neuseeland ausweist. Das Anlegen eines solchen Kontos ist aber kein Problem. Ohnehin sollte man sich eine separate ID einrichten - schließlich ist Live Mesh noch nicht fertig.
Der Client kann im Test - entgegen der Angaben im Web - nur auf einem englischsprachigen Windows installiert werden. Trotz Umstellung auf Englisch in den Regions- und Sprachoptionen schlägt das Setup fehl. Bei einigen Nutzern scheint aber genau dies zu funktionieren.
Abschließend bleibt noch der Hinweis, eine so frühe Beta nicht in Produktivumgebugen einzusetzen. Zwar treten im ZDNet-Test keine Probleme auf, den Foren zufolge haben andere Nutzer aber weniger Glück.
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