Die meisten Informationstechniken gehören nicht zu den Kernaufgaben von Anwenderunternehmen. Viele ließen sich preiswerter und professioneller von Dienstleistern erledigen - falls die Anwender sich auf Standards einließen.
Lange Zeit galten Standards vor allem den Herstellern als innovations- und geschäftshemmend. Große Konzerne wie IBM[1] und Microsoft[2] wehrten sich gegen "offene Systeme", um die Kunden in Abhängigkeit zu halten. Kleine Unternehmen hofften mit innovativen Speziallösungen, eine Marktlücke für sich allein erobern zu können.
Das mit seinen offenen Standards stetig boomende Internet und die Verwandlung von IT-Konzernen wie IBM oder HP[3] in Dienstleister hat die Situation grundlegend verändert. Aus einem Anbietermarkt ist zunehmend ein Nachfragemarkt geworden, der sich aufgrund des Sparwillens der Kunden auch beim Service massiv industrialisiert, sprich niedrige Kosten über Wiederverwendung, Automatisierung von Abläufen und Skaleneffekte bei Einkäufen erzwingt.
Doch den Anwenderunternehmen gehen inzwischen die Standardisierungsanforderungen zu weit, die sich daraus für sie ergeben - so zumindest lässt sich eine IDC[4]-Umfrage deuten, bei der eigentlich die Potenziale der Auslagerung der PC- und Notebook-Betreuung für die Anwender ermittelt werden sollten. Das Ergebnis: Im Prinzip ist das Potenzial gewaltig, die Vorteile eines ganzheitlichen Client-Lifecycle-Managements sind zudem in den Grundzügen erkannt. Zu den wichtigsten Hauptanreizen für ein ganzheitliches Desktop-Management zählt neben der Vermeidung von Sicherheitsrisiken und der Erhöhung der Verfügbarkeit gleichrangig die Standardisierung der Infrastruktur.
Dennoch sträuben sich die Unternehmen die dafür nötige Standardisierung vorzunehmen - absurderweise mit dem Hinweis, dass dafür die einheitliche Infrastruktur nötig wäre, die man ja erst durch ein einheitliches Management anstrebt. An zweiter Stelle steht das beliebte Argument, wonach "sehr individuelle Anforderungen eine Standardisierung erschweren". An dieser Stelle muss man sich klar machen, dass es um PCs und Notebooks geht, Geräte, die in sich längst in höchstem Maße standardisiert sind. Natürlich brauchen Entwickler eine andere Ausstattung als Grafiker oder Sekretärinnen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass den ebenfalls erwähnten Widerständen der IT- und Fachabteilungen sowie der mangelnde Management-Unterstützung eine weit größere Bedeutung zukommt, als aus der Umfrage hervorgeht. Insbesondere Manager neigen dazu, Standards, die sie für ihre Untergebenen fordern, für sich auszuschließen.
Schließlich, so denken viele, müssen sie über die neuesten technischen Entwicklungen auf dem Laufenden bleiben, Instant Messaging, soziale Netzwerke und YouTube für den Unternehmenseinsatz erproben. Außerdem geht es nicht an, auf Konferenzen mit älteren und schwachbrüstigeren Notebooks zu erscheinen als der Mitbewerber. Und dass der zwei Hierarchiestufen niedriger angesiedelte Abteilungsleiter die gleiche Ausstattung erhält, ist eher degoutant.
Das klingt nach neidvoll übertriebenen Unterstellungen. Tatsächlich aber scheiterte vor einigen Jahren an den eben genannten Haltungen das weltweite Outsourcing aller Daimler-Chrysler-PCs an die Service-Abteilung von Hewlett-Packard. Die IT-Abteilung des Automobilkonzerns argumentierte damals: An Know-how fehlt es uns nicht, wir brauchen einen Dienstleister, weil wir die damit verbundenen Standardisierungsentscheidungen als interner Bereich firmenpolitisch nicht durchsetzen können. Offensichtlich fehlte zudem - trotz aller Verträge und offizieller Bekenntnisse - die Unterstützung durch die Geschäftsleitung.
War das ein Ausnahmefall? Vielleicht. Aber kann es tatsächlich sein, dass Manager, die laut IDC sehr wohl die grundsätzlichen Vorteile eines zentralen und standardisierten Vorgehens erkennen, darauf verzichten, Geld zu sparen? Schließlich rechnet ihnen jeder Berater gerne vor, um wie viel Outsourcing-Unternehmen PCs günstiger beschaffen und als IT-Spezialist auch effizienter betreiben können. Glauben wirklich zehn Prozent von ihnen, dass das PC-Management zu den Kernkompetenzen der IT-Abteilung gehört?
Die Marktbeobachter von IDC bleiben höflich und konzentrieren sich auf weitere Aufklärungsarbeit. Ob sie aber hinter geschlossenen Türen die Outsourcing-Vorteile wiederholen und den Standardisierungsgrad von PCs referieren oder aber mutig an den verschwenderischen firmeninternen Machtstrukturen kratzen, bleibt ihr Geheimnis.
Falls man an den Grundlagen des derzeitigen IT-Geschäfts rütteln möchte, böte sich auch der Schluss an, dass die gesamte Analysten-Schar sich täuscht und die IT-Auslagerung doch nicht das Gelbe vom Ei ist - und vielleicht auch nicht die Standardisierung.
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