Brocade nimmt Cisco ins Visier

(http://www.zdnet.de/magazin/39193820/brocade-nimmt-cisco-ins-visier.htm)

von Peter Marwan, 23. Juli 2008

Dass der Netzwerkanbieter Foundry Networks übernommen wird, ist nicht unbedingt eine Sensation. Dass der Käufer der SAN-Spezialist Brocade ist, der sich damit gegen Cisco zur Wehr setzen will, hingegen schon.

Seit Ciscos[1] Eintritt in den Markt für Storage Area Networks (SAN) vor rund sechs Jahren hat sich das Geschäft für den Netzwerkanbieter hervorragend entwickelt. Das gilt vor allem für das obere Marktsegment, wie die Marktforscher der Dell'Oro-Group[2] immer wieder bescheinigten. Die beiden anderen relevanten Anbieter, Brocade[3] und McData, gerieten durch Ciscos Erfolge in ihrem angestammten Marktsegment in die Defensive. Die Folge: Die Übernahme von McData im Sommer 2006, mit der Brocade seine Position festigen wollte.

Mit dem Kauf wurde aber erst einmal das Gegenteil erreicht: Die Unsicherheit in Bezug auf die weitere Produktstrategie, die für viele Kunden damit verbunden war, bescherte Cisco deutliche Zuwächse. Es dauerte fast ein Jahr, bis Brocade die McData-Kunden von der Interoperabilität der beiden in einem Unternehmen zusammengeführten Produktlinien überzeugt hatte.

Im vierten Quartal 2007 schaffte der Hersteller es erstmals, eine weitere Zunahme der Cisco-Marktanteile zu verhindern. Dell'Oro-Präsident Tam Dell'Oro führte das auch auf die durch Brocade in Aussicht gestellte Unterstützung für 8-Gigabit-Fibre-Channel[4] zu einem Zeitpunkt zurück, zu dem Cisco noch keine konkreten Pläne vorlegen konnte.

Nachdem Brocade die McData-Übernahme verdaut hatte, gestaltete sich die Ausgangslage Ende 2007 laut Dell'Oro-Group folgendermaßen: Die Marktforscher ermittelten für Brocade bei den Directory-Switches gemessen am Umsatz einen Marktanteil von 51 Prozent, für Cisco 48.

Bei den günstigeren Geräten, den festkonfigurierten SAN-Switches, kommt Cisco laut der Dell'Oro-Group lediglich auf neun Prozent. Insgesamt verteidigte Brocade mit fast 67 Prozent am Gesamtumsatz des Marktes seine Spitzenposition, Cisco erreichte gut 29 Prozent. Andere Analysten, etwa die Synergy Research Group[5], kamen zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Core-Switches von Foundry Networks
Foundry Networks hat in den vergangenen Monaten seine Core-Switches um weitere Angebote ergänzt und sich damit eine verbesserte Wettbebewerbsposition geschaffen (Bild: Foundry Networks).

In dieser Situation war es für Brocade unrealistisch, langfristig darauf zu hoffen, Cisco wieder entscheidende Marktanteile abnehmen zu können. Um als Unternehmen dennoch weiter zu wachsen, blieb also nur die Alternative, neue Märkte zu erschließen. Mit der Übernahme von Foundry Networks[6], einem etablierten Anbieter von hochwertigen Netzwerkprodukten, tut Brocade jetzt genau das - und geht zugleich erstmals gegen den Mitbewerber Cisco in dessen angestammtem Marktsegment vor.

Auch vor dem Hintergrund der kürzlich angekündigten Entwicklung von FCoE-Lösungen[7] (Fibre-Channel-over-Ethernet) gemeinsam mit Intel[8] scheint die Foundry-Übernahme ein kluger Schachzug zu sein: Kommt Brocade dadurch doch auf einen Schlag in den Besitz einer ausgereiften und breiten Palette von Ethernet-Produkten und erhält außerdem Zugang zu einer Vielzahl hochkarätiger Kunden in der ganzen Welt.

Die gute Marktposition bestätigte Foundry erst vor wenigen Wochen eine Analyse der Gartner[9]-Marktforscher: Sie positionierten Foundry neben Cisco und HPs Netzwerksparte HP ProCurve[10] als einen der drei führenden Anbieter im Markt für Campus-LANs[11].

Gartner begründete diese Einstufung auch mit der Erweiterung von Foundrys Switchlinie um Workgroup-Switches und eine umfassende Power-over-Ethernet-Produktreihe. Damit habe sich Foundry vom High-End-LAN-Core-Anbieter zu einem relevanten Komplettanbieter für LAN-Infrastrukturen gewandelt. Auch diese Einschätzung mag Brocade zum Kauf bewogen haben: Es winkt die Positionierung als neben Cisco einziger Anbieter, der sowohl SAN- als auch LAN-Infrastrukturen durchgängig und umfassend abbilden kann.

Zumindest eine Frage bleibt jedoch offen: Netzwerke werden nicht mehr ausschließlich als leistungsfähige Infrastrukturen zum Datentransport konzipiert. Bereits in der Planungsphase ist das Thema IT-Sicherheit nahezu allgegenwärtig – auch weil die Anbieter, von Cisco über Enterasys[12] und 3Com[13] bis zu HP, sich darüber zu differenzieren suchen.

Gerade in diesem Punkt ist Foundry jedoch noch vergleichsweise schwach ausgestattet. Um Cisco an den Karren fahren zu können, bräuchte Brocade aber auch Antworten auf Fragen der Kunden nach Security. Die muss sich das Unternehmen entweder über weitere Zukäufe oder durch Partnerschaften möglichst schnell beschaffen.

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[1] = http://www.cisco.de
[2] = http://www.delloro.com/
[3] = http://www.brocade.com/target=
[4] = http://de.wikipedia.org/wiki/Fibre_Channel
[5] = http://www.srgresearch.com/
[6] = http://www.foundrynet.com
[7] = http://www.brocade.com/company_info/international/germany/PR/release_2008_4_18.jsp
[8] = http://www.intel.de
[9] = http://www.gartner.com
[10] = http://h40060.www4.hp.com/procurve/de/de/index.html
[11] = http://www.foundrynet.com/outbound/lead-gen/2008/gartner-mq.html
[12] = http://secure.enterasys.com/de/index.html
[13] = http://www.3com.de