In beiden Fällen - Klimawandel und Prozessorarchitekturen - haben also Untergruppen der Gemeinschaft eine Nische besetzt und nutzen diese nun für die einseitige Verbreitung ihrer Standpunkte. Für gewisse Web-2.0-Seiten, auf denen Lifestyle-Themen oder Jugendkultur besprochen werden, mag das noch angehen. Für eine Seite, die sich der Bereitstellung von objektiven Informationen verschrieben hat, ist es aber völlig unangemessen.
Könnte es aber vor dem Hintergrund der vorhandenen Strukturen überhaupt anders sein? Wikipedia lädt ausdrücklich dazu ein, Informationen beizutragen und zu bearbeiten. Dabei ist klar, dass Personen, die vehement einen bestimmten Standpunkt vertreten, eher dazu neigen, diesen auch im Rahmen der Wikipedia zu propagieren. Und wie könnten die Redakteure, die weder allgegenwärtig noch allwissend sind, jemals hoffen, das Abdriften von Objektivität hin zu zumindest unterschwelliger Propaganda zu verhindern?
Die traurige Antwort ist: Sie können es nicht. Angesichts des hohen Nutzens, den Wikipedia Propagandisten bietet, rückt das Ziel der Objektivität mit fortschreitender Popularität in immer weitere Ferne. Interessante Einblicke und weitere Manipulationsvorwürfe finden sich unter anderem beim Wikiscanner.
Grundsätzlich ist Wikipedia aber mit dem Problem nicht allein: Alle einem breiten Publikum zugänglichen Social-Networking-Seiten, die ihren Benutzern simultanen Schreibzugriff gewähren, sehen sich vor dasselbe Dilemma gestellt. Vielleicht ist das der Anfang vom Ende dieser Kommunikationsform – denn eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Lesermeinungen zum Artikel
Natürlich schreibt man über das, was man am besten kennt. Ist man deshalb in einer Nischengruppe? Ganz bestimmt. Wenn man nicht in einer Nischengruppe wäre, könnte man nicht sinnvoll schreiben.