Collax Business Server im Test: Echte Alternative zu Microsoft?

(http://www.zdnet.de/magazin/39193101/collax-business-server-im-test-echte-alternative-zu-microsoft.htm)

von Johann Baumeister, 8. Juli 2008

Großunternehmen wissen Linux in ihrer IT-Infrastruktur zu schätzen. Collax bietet eine linuxbasierte Serverlösung für den Mittelstand. ZDNet untersucht, ob der Collax Business Server eine sinnvolle Alternative zu Microsoft sein kann.

Wenn es darum geht, ein Serversystem zu beschaffen, bleiben kleinen und mittelständischen Unternehmen wenig Alternativen zu einer Microsoft-Lösung. Eine Standard-Linux-Distribution, etwa Suse oder RedHat, ist häufig mit einem hohen Administrationsaufwand verbunden. Zudem gibt der Arbeitsmarkt deutlich weniger Fachkräfte her, die eine Linux-Lösung sicher verwalten können.

Der Collax Business Server[1] (CBS) stellt eine Alternative dar, die auf Linux basiert und über ein Web-Interface einfach zu bedienen ist. Das Web-Interface zielt insbesondere auf weniger erfahrene Administratoren. Damit lässt sich nicht an jeder Detailschraube eines Linux-Servers drehen, es ermöglicht aber vor allem kleinen Unternehmen eine Selbstverwaltung des Servers, ohne dafür einen Vollzeit-Administrator zu beschäftigen.

Ebenso ist es möglich, dass ein Systemintegrator die Verwaltung aus der Ferne übernimmt. Da sämtliche Administrationsaufgaben konsequent über das Web-Interface realisiert wurden, entfällt die Notwendigkeit einer bandbreitenintensiven Remote-Desktop-Lösung, die unter Windows unverzichtbar ist.

Ergänzt wird der CBS durch den Collax Open-Xchange Server[2], der Groupware-Funktionalität inklusive E-Mail, Fax, Calendering und Web-Mail-Zugriff beinhaltet. Der CBS selbst enthält keine Groupware-Lösung. Mail wird nur in Form der Basisdienste POP3 und IMAP4 unterstützt. Ferner gibt es die Möglichkeit, die Sage Classic Line 2008[3] in einen CBS zu integrieren.

Der CBS fasst, ganz im Sinne einer vorkonfigurierten Lösung, die wichtigsten Standard-IT-Bausteine zusammen. Dies sind ein Dateiserver, ein Druckerserver, ein Webserver, ein Server für Instant Messaging mit SMS-Gateway und das Datenbanksystem MySQL. Ferner hat der Hersteller die dazu notwendigen Sicherheitsbausteine, unter anderem einen Virenscanner, einen Spamfilter und eine Firewall, integriert.

Ausgestattet mit diesen Baugruppen dient der CBS als universeller Server für viele Kundenbelange. Das Web-Interface ist durchdacht. Die optionalen Komponenten Open-Xchange und Sage sind darin integriert. Viele Aufgaben können durch einfach zu bedienende Assistenten ohne Vorkenntnisse realisiert werden. Dies hat der Hersteller gut gelöst. Mit der Linux-Kommandozeile oder den Linux-Basistools hat der Administrator beim Umgang mit dem CBS normalerweise nichts zu tun.Die Collax-Produkte sind für jedermann als Testversion zum Download[4] verfügbar. Ohne Registrierung besteht eine Beschränkung auf fünf Benutzer. Eine private Nutzung mit fünf Benutzern ist ohne Lizenzkauf gestattet. Allerdings sind in diesem Fall keine Software-Updates verfügbar.

Das Setup der Software von der CD, siehe Bild 1[5], dauert wenige Minuten. Es löscht alle bestehenden Partitionen. Eine Testinstallation kann aber auch in einer virtuellen Umgebung erfolgen. Der Installationsablauf erfordert nur wenige Einstellungen. Zu bestimmen sind die IP-Adresse des Servers, ein Fully-Qualified-Domain-Name (FQDN[6]) und die Zeitzone - mehr ist nicht notwendig. Anschließend richtet das Setup-Script den Server in der gewählten Partition mit der Basiskonfiguration ein.

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Collax Business Server[7]

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Alle weiteren Konfigurationen erfolgen über das Collax-Verwaltungstool. Dabei handelt es sich um eine webbasierte AJAX-Anwendung. Sie bietet den Komfort, aber auch die Beschränkungen, die eine Webanwendung ausmachen. Als Client kann jeder javascriptfähige Browser verwendet werden. Optimal ist Firefox. Mit dem Internet-Explorer sind einige wenige Abstriche hinzunehmen. Die Verwaltungskonsole liegt auf Port 8001. Die Kommunikation ist mit SSL/TLS[8] verschlüsselt.

Nach der Authentifizierung liefert das Verwaltungstool einen aufgeräumten Bildschirm, dem man seine Web-Grundlage kaum anmerkt. Der Hersteller hat die gesamte Verwaltung in drei Hauptbereiche eingeteilt. Unter "System", siehe Bild 2[9], befinden sich alle Ad-hoc-Aktionen, die mit dem Server ausgeführt werden können. Dies sind beispielsweise der Abruf der Systeminformationen, Angaben zu DHCP-Leases, die Überwachung der Systeme oder der Zugriff auf die Logdateien. Die eigentliche Konfiguration des gesamten Servers geschieht im Bereich "Einstellungen". Alle Dienste, beispielsweise Dateiserver, Mailserver, Sicherheitsfilter, Datensicherung und die Berechtigungen mit der Benutzerverwaltung, lassen sich aus diesem Bereich verwalten. Der dritte Abschnitt enthält Assistenten zur Konfiguration des Servers, siehe Bild 3[10].

Diese gesamte Konfiguration ist sinnvoll gruppiert, verlangt aber vom Administrator das Wissen über die Zusammenhänge. Um beispielsweise einen Benutzer für den Mailverkehr einzurichten muss er zunächst in eine passende Gruppe aufgenommen und mit notwendigen Rechten versorgt werden. Außerdem muss das Mailsystem generell aktiviert und eingerichtet sein. Ohne Verständnis für spezifische Abhängigkeiten innerhalb des CBS kommt man nicht zum gewünschten Erfolg.

Werden diese Arbeiten allerdings nur selten ausgeführt, so geraten die Abläufe und notwendigen Einzelaktionen nicht selten in Vergessenheit. Um die Arbeit zu vereinfachen, hat Collax eine Reihe von Assistenten implementiert. Sie führen den Administrator durch die wichtigsten Arbeiten, etwa das Einrichten der Internetverbindung, das Bereitstellen von Dateifreigaben oder der Datensicherung. Insgesamt stehen neun solcher Assistenten zur Verfügung.

Neben den Assistenten hat Collax eine Onlinehilfe integriert. Sie kann separat eingeschaltet werden und wird in einem eigenen Fenster eingeblendet. Die Hilfe ist ebenso wie die gesamte Software in deutscher Sprache vorhanden. Die Inhalte der Onlinehilfe werden automatisch mit der gewählten Funktion synchronisiert. Eine langwierige Suche entfällt.Als erstes muss man die Netzwerke und Berechtigungen anlegen. Nach der Installation der Software ist durch die integrierte Firewall jegliche Kommunikation aus Sicherheitsgründen unterbunden. Daher muss man zunächst die Konfigurationswege und anschließend die Serverdienste aktivieren. Zu den ersten Aktionen gehört auch das Anlegen der Benutzer, der Benutzergruppen und Benutzungsrichtlinien. Die Authentifizierung der Benutzer kann extern über LDAP, Kerberos oder das Active Directory erfolgen. Die Voreinstellung sieht jedoch die Verwendung einer lokalen Benutzerdatenbank vor. Unterstützt werden außerdem X.509-Zertifikate.

Berechtigungen sind grundsätzlich zeitlich steuerbar. So kann man beispielsweise festgelegen, dass die Benutzer in der Mittagspause oder nach dem offiziellen Arbeitsende Internetzugang erhalten, zu den Arbeitszeiten jedoch nicht. Dieses Beispiel zeigt, dass der CBS durchaus fortgeschrittene Funktionen integriert hat.

Die Verwaltung ist dreigeteilt. Neben den Grundeinstellungen der jeweiligen Komponenten gibt es Berechtigungen und Optionen, siehe Bild 4[9]. Um eine Komponente in Betrieb zu nehmen, müssen zumindest ihre Grundeinstellungen konfiguriert werden.

Konfigurationen lassen sich exportieren und importieren werden. Auf diesem Weg kann beispielsweise ein Dienstleister die Konfigurationen des CBS für seine Kunden auf einem eigenen Gerät erstellen, die anschließend vor Ort installiert wird.

Die Konfiguration des Mail-Accounts samt der Berechtigung lässt sich, sofern man mit E-Mail-Konzepten vertraut ist, schnell vornehmen. Im Fall einer Fehlkonfiguration hat der CBS eine Reihe von Hilfen zur Fehlersuche. So kann man beispielsweise die Mail-Warteschlange unter der Rubrik System einsehen und kontrollieren.

Ferner hat der Hersteller eine Reihe von Aktionen zur Fehlersuche und deren Behebung eingebaut. So können Logdateien eingesehen und mittels Filter überprüft werden. Außerdem hat Collax einen Ereignismonitor integriert. Durch integrierte Prüfungen werden die Systemdienste laufend kontrolliert.

Der Fileserver ist mittels Samba realisiert. Darüber hinaus gibt es WebDAV-Filesharing inklusive der Möglichkeit, auf alle Fileshares auch über einen Browser zuzugreifen.Der Collax Business Server steht als integrierte Serverlösung in direkter Konkurrenz zum Microsoft Small Business Server (SBS). Einfaches und schnelles Setup mögen auf den ersten Blick verlockend erscheinen, doch betrachtet man die Sache frei von allen Grundsatzdiskussionen Microsoft gegen Linux, so gibt es einiges zu bedenken, wenn man die IT-Administration selbst in die Hand nehmen möchte.

Der CBS ist eine Lösung für Unternehmen, die Bedarf für genau einen Server haben. Das Webinterface erlaubt keine Multi-Server-Konfiguration. Betreibt man mehrere Server, so müssen Konfigurationsänderungen immer an jedem Server vorgenommen werden. Wächst das eigene Unternehmen, so kann sich schnell herausstellen, dass eine Umstellung auf eine andere Linux-Distribution oder Windows notwendig wird.

Im ZDNet-Test zeigt sich, dass die meisten Dienste mit wenigen Einstellungen konfiguriert werden können. Ohne Wissen über die Funktionsweise von TCP/IP und Mail-Routing kommt man auch mit dem CBS nicht zu schnellen Ergebnissen. Die vermeintlich einfachere Bedienung kann leicht zu Einschränkungen in den Konfigurationsmöglichkeiten führen.

Ein großer technischer Schwachpunkt ist Samba. Samba tritt seit einigen Jahren auf der Stelle. Im Bereich Filesharing muss man Microsoft neidlos zugestehen, wesentliche Fortschritte gemacht zu haben. DFS-Replikation und Volume-Shadow-Services ermöglichen Ausfallsicherheit und Backups im laufenden Betrieb ganz ohne Hardwarelösung. Beim CBS muss auf ein externes Storagesystem zurückgegriffen werden, das solche Techniken hardwaremäßig beherrscht.

Die Standard-Maillösung mit POP3- und IMAP4-Anbindung für Clients ist nicht optimal. Damit Anwender ihren gewohnten Outlook-Komfort nutzen können, sollte das angebotene Open-Xchange-Modul verwendet werden. Dann bekommt man allerdings eine Lösung, die Microsoft Exchange mindestens ebenbürtig ist. Anders als im Bereich Filesharing muss sich Microsoft bei Mailservern die Technologieführerschaft von Open-Xchange und anderen Hersteller, etwa Kerio[11] oder Communigate[12], streitig machen lassen.

Preislich ist der CBS kaum günstiger als Microsofts SBS. Der CBS wird auf Abonnementbasis vertrieben. Die Drei-Jahres-Lizenz für zehn Clients schlägt mit 960 Euro Nettolistenpreis[13] zu Buche. Das Open-Xchange-Modul kostet noch einmal 700 Euro. Support und Antiviren-Abonnement sind nicht enthalten.

Lohnen kann sich eine Collax-Lösung jedoch, wenn man Inhouse-Server komplett von einem Systemintegrator betreiben lässt. Ein Rundum-Sorglos-Paket ist möglicherweise günstiger als bei einer Microsoft-Lösung. Man sollte jedoch mit dem Systemintegrator ein wasserdichtes SLA zur Ausfall- und Datensicherheit abschließen.Der Collax Business Server ist ein grundsolides Produkt. Collax setzt konsequent auf stabile Kernel und Pakete - und nicht auf die neuesten Releases. Die Basisdienste einer IT-Infrastruktur werden abgedeckt und lassen sich über ein einziges Webinterface bedienen. Das ist allerdings mit der Einschränkung verbunden, dass viele Detailschrauben unangetastet bleiben müssen.

Schwachstelle ist der Samba-Fileserver. Während man mit Microsoft-Technologien heute leicht eine Continous Data Protection[14] (CDP) oder Komplettspiegelung[15] an einem zweiten Standort realisieren kann, setzt der CBS nach wie vor auf ein klassisches Backup und Restore.

Darüber hinaus mangelt es dem CBS an Skalierbarkeit. Er ist ein klare Ein-Server-Lösung. Ein Administrationskonzept, das mehrere Server verwalten kann, gibt es nicht. Somit muss man den sinnvollen Einsatzbereich auf den kleinen Mittelstand ohne Wachstumsambitionen beschränken.

Da der gewohnte Mail- und Groupwarekomfort nur mit dem zusätzlichen Open-Xchange-Server möglich ist, kommt man schnell auch in preislich unattraktive Bereiche. Die Preise[13] für das Lizenzabonnement beinhalten weder Support noch Antiviren-Updates.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.collax.com/de/produkte/collax-business-server/produkt-uebersicht.html
[2] = http://www.collax.com/de/produkte/collax-ox-server.html
[3] = http://www.collax.com/de/produkte/collaxsage-paket.html
[4] = http://www.collax.com/de/downloads-wissen/download-uebersicht.html
[5] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39193117-1,00.htm
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/FQDN#Fully_Qualified_Domain_Name_.28FQDN.29
[7] = http://www.zdnet.de/galerie/39193117/collax-business-server.htm#sid=39193101
[8] = http://de.wikipedia.org/wiki/Transport_Layer_Security
[9] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39193117-2,00.htm
[10] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39193117-3,00.htm
[11] = http://www.kerio.eu/kms_home.html
[12] = http://prvcms.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39161702,00.htm
[13] = http://www.collax.com/fileadmin/user_upload/Produkte/Dateien/preislisten_08_02/collax_preisliste_08-02.pdf
[14] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39190194-2,00.htm
[15] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39190194-3,00.htm