Im Windschatten der Diskussion um das iPhone hat Apple nahezu unbemerkt an seiner Produktpalette und Vertriebsstrategie gefeilt, um fit für den Einsatz in Firmen zu sein. ZDNet nimmt die Fortschritte unter die Lupe.
Heute steht Apple in der allgemeinen Wahrnehmung vor allem für iPod und iPhone[1]. Kein Wunder! Die ehemalige Garagen-Gründung dominiert mit 80 Millionen verkauften iPods die Unterhaltungselektronik. Das iPhone ist drauf und dran, den Smartphone-Markt umzukrempeln, und mit iTunes wildert der Konzern aus Cupertino im Reich der Unterhaltungsmedien-Industrie. Trendsetter und Lifestyler lieben deshalb - und natürlich wegen des zweifellos schönen Designs -, die Marke Apple.
Nahezu vergessen ist aber, dass Apple einst mit dem Apple II - noch vor dem IBM-PC - die Büros beherrschte. Unter anderem dank Visicalc[2], dem weltweit ersten Tabellenkalkulations-Programm und damit dem Urvater von Lotus 123 und Excel. Als sich IBM 1984 dann anschickte, die Schreibtische mit dem IBM-PC zu erobern, reagierte Apple mit dem unter Federführung von Steve Jobs[3] entwickelten Apple Macintosh. Der Mac war eine Art Billigvariante der revolutionären und auf Konzepten des Rank-Xerox-Think-Tanks basierenden Apple Lisa[4].
Dank WYSIWYG[5]-Oberfläche und Postscript - damals ein weitgehendes Alleinstellungsmerkmal - war der Mac prädestiniert für Aufgaben in Design und Druckvorstufe. Programme wie Aldus Pagemaker und Quark Express bereiteten den Boden für eine Vielzahl von Speziallösungen für Verlage, Werbeagenturen und Grafikabteilungen. So fand der Mac relativ schnell Verbreitung in Unternehmen. Wenn auch nur in Abteilungen, zu deren Aufgabengebiet Design, Gestaltung und Publishing gehörten.
Als Windows-PCs in puncto Grafik, WYSIWIG und Druckvorstufen-Tauglichkeit nachzogen, schwand Apples Vormachtstellung in dieser Nische. Denn zum einen betrieb Apple eine ruinöse Hochpreispolitik, zum anderen wurden Macs in den immer aufwändiger vernetzen Unternehmen ein Fremdkörper in der IT-Infrastruktur.
So hatten letztendlich Windows-PC gleich in zweierlei Hinsicht Vorteile: Sie waren - teilweise um ein Vielfaches – billiger, und sie ließen sich wesentlich einfacher in die Windows-dominierten Netzwerk- und Serverstrukturen integrieren. Da stach dann auch das Argument von der besseren Bedienbarkeit nicht mehr.
Was Apple mit den ersten Macintosh-Generationen nie nennenswert geschafft hat, war der Sprung aus der Grafik-Nische in ernsthafte Office- und Unternehmensanwendungen. Während Apple mit teilweise spektakulären Managementwechseln um sein wirtschaftliches Überleben kämpfte - Engagement des Pepsico-Managers John Sculley, Rauswurf von Steve Jobs, Übernahme durch Gil Amelio, Wiedereintritt von Steve Jobs -, eroberte Microsoft zunächst mit Windows NT, später mit Windows 2000 die Serverräume und mit der Kombination Exchange und Office die Schreibtische. Die Ironie daran ist, dass Microsoft die Office-Software zunächst für den Mac entwickelt hatte. Ein weiterer Grund für die Windows-Dominanz: Leicht zugängliche Skript- und Programmiersprachen schufen in der Windowswelt eine unüberschaubare Vielfalt an Standard- und individuell programmierten Branchenlösungen. Von der PC-Kasse über CRM, Buchhaltung und ERP-Anbindung bis hin zu Spezialanwendungen für das Handwerk und wissenschaftliche Labore.
Es gibt keine Aufgabe, für die es nicht eine Windows-Lösung gibt. Das Angebot für die Mac-Plattform ließ und lässt hingegen deutlich zu wünschen übrig, zumal außerhalb des US-Marktes. Nachdem Steve Jobs kurz vor der Jahrtausendwende wieder das Ruder bei Apple übernommen hatte, konzentrierte er sich zuerst auf die Sanierung des maroden Unternehmens. Sein Credo: Der Mac wird zum Multimedia-Hub, zum zentralen Werkzeug des Internet-Zeitalters. Das Ergebnis war der erste iMac. Der Corporate-User war damit zunächst außen vor.
Doch im Hintergrund, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, arbeitete man bei Apple an einer ausgeklügelten Strategie. Diese basierte und basiert immer noch auf mehreren Pfeilern:
- ein auf Open-Source-Komponenten basierendes, modernes, leistungsfähiges und gut skalierbares (vom iPhone bis zur Multiprozessor-Workstation) UNIX-Betriebssystem für alle Apple-Geräte
- Wechsel von proprietären auf offene Standards für Protokolle, Schnittstellen etc.
- weitgehende Datei-Kompatibilität und weitgehende Connectivity zu Windows
- Wechsel von PowerPC auf Intel-Prozessoren (Ob dieser Schritt tatsächlich von Anfang an so geplant war, ist natürlich fraglich. Aber schon die ersten Mac-OS-X-Versionen liefen im Labor auf x86-Prozessoren.)
- Durchdringung der Windows-Welt mit innovativen Software- und Hardware-Lösungen (iPod, iTunes, iPhone, Safari-Browser etc.) mit der Aufgabe, den Windows-Anwendern die Apple-Welt schmackhaft zu machen
- Entwicklung innovativer Technologien und Entwicklungsumgebungen, die es für Entwickler leicht machen, ansprechende Software zu entwickeln und von bestehenden Plattformen zu portieren
Diese Bemühung tragen jetzt erste Früchte. Seit geraumer Zeit gehören Macs zu den bestverkauften Rechnern. Allein im zweiten Quartal 2008 konnte Apple weltweit 2.289.000 Rechner absetzen, im Quartal davor waren es sogar 2.319.000. Exakte Marktanteile lassen sich daraus nur indirekt ableiten. Aber die Zahlen von Net-Applications deuten darauf hin, dass rund acht Prozent aller Internetsurfer[6] im vergangenen Monat mit einem Mac-OS-X-Rechner unterwegs waren. Noch vor wenigen Jahren lag dieser Anteil deutlich unter drei Prozent.
Doch Marktanteile haben Apple-Chef Steve Jobs nie wirklich interessiert. Ausschlaggebend ist für ihn, was dabei herauskommt - und das kann sich sehen lassen. Seit vielen Quartalen ist die Apple-Bilanz positiv. Im letzten Quartal lag der Umsatz bei 7,51 Millarden Dollar, der Gewinn bei satten 1,05 Milliarden Dollar. Das gibt der Apple-Führung genug Spielraum für weitere Entwicklungen.
Interessanter ist aber auch, wie sich der Absatz von Macs im Corporate-Umfeld entwickelt. Hier liefern die Zahlen der Marktforscher der Yankee Group[7] einen Hinweis. Nach deren Erhebungen[8] haben rund 80 Prozent der Unternehmen weltweit, mindestens einen Mac im Einsatz. Noch interessanter aber ist, dass laut dieser Untersuchung rund 21 Prozent der erfassten Unternehmen mehr als 50 Macs im Einsatz haben.
Diese Zahlen sind freilich insoweit irreführend, als man davon die Unternehmen abziehen muss, die in Branchen tätig sind, in den der Mac traditionell stark verbreitet ist, also Werbung und Medienproduktion. Trotzdem dürfte aber feststehen, dass der Mac langsam aber sicher die Businesswelt erobert. Ein Grund dafür ist sicherlich Apples Wechsel auf die Intel-Prozessor-Plattform. Dadurch wurden Macs windowskompatibel. Wer seinen Apple-Rechner mit Windows betreiben will, hat sogar zwei verschiedene Möglichkeiten. Er kann mit Hilfe des Apple-Tools Bootcamp[9] Windows nativ booten oder eine Virtualisierungslösung von Parallels[10] beziehungsweise VMware[11] nutzen.
Virtualisierung hat den Vorteil, dass Mac OS X im Einsatz bleibt, während sich beliebige Windows-Programme parallel betreiben lassen. Die Bootcamp-Lösung ist nicht ganz so flexibel, dafür aber läuft dort Windows nativ, der Mac wird so zu einem echten Windows-PC.
Beide Lösungen eröffnen jedenfalls dem Mac die bis dahin exklusive Windows-Infrastruktur. Vom Exchange-Zugriff via Outlook bis hin zu Windows-Programmen, für die es bislang kein Mac-OS-X-Gegenstück gibt. Dadurch besteht kaum noch ein Grund für IT-Administratoren, Macs den Zugang zu ihrer Infrastruktur zu verwehren.
Apples Ziel freilich ist, dass der Mac per se, auch unter Mac OS X, in die Unternehmen einzieht. Dafür braucht es aber mehr als nur Dateikompatibilität auf Betriebssystemebene. Es gilt vor allem, den Zugang zum proprietären Microsoft-Exchange- und diversen Netzwerk-Protokollen freizulegen.
Ein erster Schritt dazu war, OS-X-Programmen wie Mail und iCal, aber auch dem Outlook-Pendant Entourage eine Exchange-Anbindung zu ermöglichen. Diese war und ist allerdings nur rudimentär, da sie im Wesentlichen auf dem Exchange-Web-Protokoll beziehungsweise dem POP-Zugang mit seinen beschränkten Möglichkeiten basiert. Seit der letzten Apple-Entwicklerkonferenz WWDC[12] hat sich jedoch einiges grundlegend geändert. Um mit dem iPhone der Windows-Mobile-Plattform Paroli bieten zu können, beschloss Apple, die ActiveSync-Technologie von Microsoft zu lizensieren. Doch das iPhone bleibt nicht alleiniger Nutznießer.
Auch im kommenden Mac OS X Snow Leopard[13] und dessen Server-Variante wird ActiveSync Einzug halten. Dadurch können Mac-OS-X-Nutzer endlich weitgehend in den Exchange-Workflow - etwa die Synchronisierung freigegebener Exchange-Ordner - eingebunden werden.
Alles Friede, Freude, Eierkuchen also? Nicht ganz. Befragt nach Problemen bei der Integration von Macs in Windows-Strukturen nennt der Autor, Verleger und IT-Consultant Anton Ochsenkühn[14] "fehlende Unterstützung des Microsoft-Verzeichnisdienstes ActiveDirectory". Für viele Unternehmen ist das eine Hürde, die Mac OS X noch nehmen muss.
Ochsenkühn berichtet von weiteren Problemen, die Macs in der Corporate-IT verursachen: So führen leichte - eigentlich nicht nennenswerte - Inkompatibilitäten zwischen den Mac- und Windows-Versionen beliebter Programme immer wieder zu Verdruss.
Beispielsweise beherrscht die Mac-Variante des Microsoft-Präsentationsprogramms Powerpoint Transparenzen, die der Windows-Version fremd sind. Obwohl das Programm beim Speichern darauf hinweist, nutzen die Anwender dieses Feature, was wiederum zu unschöner Optik führt, wenn die Präsentation unter Windows gezeigt wird. Ähnliche Problemchen lassen sich in zig weiteren Programmen ausmachen.
Ein klassisches, weil schon seit Ewigkeiten bestehendes und auch in Zukunft kaum lösbares Problem ergibt sich aus den unterschiedlichen Schriftarten der beiden Plattformen. Gleiche Namen, aber unterschiedliche Schnitte sorgen unter Umständen für unterschiedliche Lauflängen von Texten in Vorlagen, Formularen und Druckwerken. Hier ergibt sich für Administratoren ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand, der immer wieder zu Ärger führt.
Das klassische Totschlag-Argument gegen Apple-Produkte ist und bleibt aber in vielen Fällen der Anschaffungspreis. Im Gegensatz zu früher sind Apple-Rechner heute zwar durchaus nicht mehr teurer als ihre Windows-Pendants. Aber nur dann, wenn man den Mac-Modellen ein ähnlich ausgestattetes Markengerät gegenüberstellt. Das Problem: Für den großflächigen Einsatz in Unternehmen fehlen preiswerte und den Vorgaben der IT-Leitung entsprechend konfigurierbare Macs.
Das günstigste Apple-Notebook, das Macbook, schlägt mit knapp unter 1000 Euro zu Buche. Das Gerät ist für seine Leistungsklasse gut ausgestattet, kann aber beispielsweise mit Dells[15] abgespeckten Billig-Angeboten, etwa dem Latitude ab rund 400 Euro netto, nicht mithalten.
Bei den Desktops ergibt sich ein ähnliches Bild. Der billigste Mac ohne Tastatur und Monitor ist ein Mac mini für knapp 500 Euro. Das ist nicht nur deutlich mehr als die günstigsten Angebote für typische Bürorechner. Unternehmen dürfte auch die mangelnde Konfigurierbarkeit ein Dorn im Auge zu sein.
Apple bietet aber nicht nur Desktops und Notebooks, auch für den Serverraum haben die Kalifornier ein kleines, aber feines Portfolio. Vom rackfähigen XServe[16] über das SAN-Dateisystem XSan bis zu Mac OS X Server. Diese Produkte sind allerdings überwiegend für Unternehmen interessant, die sich bewusst außerhalb des Windows-Universums bewegen wollen. Hier aber konkurriert Apple vor allem mit Anbietern wie Sun Microsystems[17] und im Workgroup-Bereich mit der Linux-Welt.
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