HP nimmt sich Apple zum Vorbild

(http://www.zdnet.de/magazin/39192020/hp-nimmt-sich-apple-zum-vorbild.htm)

von Rudi Kulzer, 11. Juni 2008

Die mächtige Abteilung "persönliche Systeme" (PSG) von HP will ihr langweiliges und braves Image ablegen und nimmt sich für die Vermarktung ihrer breiten Palette an Verbraucher- und Büroprodukten Apple-Boss Steve Jobs zum Vorbild.

HP[1] sieht seine Marke inzwischen felsenfest in der breiten Masse der Verbraucher verankert. "Es ist uns gelungen, die Frauen und die Jugendlichen der MTV-Generation zu erobern", fasst Eric Cador, HPs Europa-Chef für Personal Systems (PSG) auf der Veranstaltung "Connecting Your World[2]", die dieses Jahr in Berlin stattfand, zusammen.

Mit 42 Prozent ist die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) heute der umsatzstärkste Bereich weltweit bei HP PSG. Zusammen mit der Druckergruppe sorgen beide Sparten dafür, dass HP inzwischen vor IBM[3] als der mächtigste IT-Player die Computerindustrie anführt. Dass zwei nur teilweise mit dem Unternehmensgeschäft befasste Bereiche wesentlich dazu beigetragen haben, zeigt auch die Werteverschiebung, die in der IT-Branche inzwischen stattgefunden hat. Der alte Rivale IBM hat in diesem Bereich wenig entgegenzusetzen: Seine PC-Abteilung wurde an den chinesischen Konzern Lenovo verkauft und bei Druckern spielte Big Blue nie eine große Rolle.

"Im Bereich Consumer treffen Frauen und Jugendliche 70 Prozent aller Kaufentscheidungen, auch wenn sie in vielen Fällen nicht diejenigen sind, die das Produkt bezahlen", erläutert Cador. Gerade in diesen Zielgruppen geht es dieser Tage aber vielfach um Lifestyle. Das zeigen auch die jüngsten Meldungen[4] von Apple aus San Francisco, wo Steve Jobs das nächste iPhone[5] aus seinem Marketinghut gezaubert hat. Lifestyle und HP waren aber bisher zwei getrennte Welten.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich HP für die Vermarktung der jüngsten Erweiterungen seiner umfangreichen Produktpalette an Apple orientiert. HP hat in Berlin mehr als ein Dutzend Notebooks vorgestellt, von denen die meisten auch in Deutschland in die Regale von Saturn, MediaMarkt und dem Fachhandel kommen werden. Neu ist die Marke EliteBook. Sie soll die Marken Compaq Presario und HP Pavilion ergänzen. Im Zusammenhang mit der neuen Marke war in Berlin viel von Chrom und Klavierlack die Rede.

Die Edelmarke Voodoo, die HP zugekauft hat[6], soll in Deutschland dagegen vorerst nicht vermarktet werden. Zumindest dieses Jahr noch nicht. Die schicken Superrechner[7] gibt es vorläufig nur in den USA. PSG-Deutschlandchef Martin Kinne nennt als Gründe dafür Logistik und Support.

Trotz des bereits angekündigten HP 2133 Mini-Note PC[8] will HP noch Marktentwicklung und Nachfrage abwarten, bevor der Konzern sich bei UMPCs (Ultra-mobile PCs) und MIDs (Mobile Internet Devices) stärker engagiert. "Uns geht es nicht um Zahlen, sondern um den richtigen Nutzen für verschiedene mögliche Zielgruppen, von reisenden Geschäftsleuten bis zu Schülern", so Kinne. Das seien sehr unterschiedliche Anforderungen, die nur schwer unter einen Hut zu bringen seien.

Dass es HP mit der neuen Wende zur Lifestyle-Company ernst ist, zeigt aber auch ein am Rande der Veranstaltung fast untergegangenes Detail: In Berlin wurden neben allerhand modischem IT-Equipment auch neue Taschenrechner vorgestellt. Das Top-Modell HP 20b Business Consultant[9] sieht schon fast aus wie ein iPhone mit Tasten - von weitem jedenfalls. Good Bye Langeweile!

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.hp.com/de
[2] = http://www.hp.com/large/campaigns/personal_again/event.html
[3] = http://www.ibm.de
[4] = http://www.zdnet.de/enterprise/mac/praxis/0,39038652,39191957,00.htm
[5] = http://www.zdnet.de/iphone
[6] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39157479,00.htm
[7] = http://www.hp.com/united-states/voodoopc/index_f.html?jumpid=reg_R1002_USEN
[8] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39192008,00.htm
[9] = http://h41131.www4.hp.com/de/de/pr/schicke-variablen-fuer-jeden-schreibtisch--hps-neue-taschenrechner.html