Die Lünendonk-Listen haben sich als verlässliches Marktbarometer für den deutschen Software- und Beratungsmarkt etabliert. ZDNet hat die neueste Ausgabe unter die Lupe genommen und stellt Gewinner und Verlierer im Detail vor.
Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk[1] veröffentlicht immer im Frühsommer die seit über 20 Jahren als Marktbarometer geltenden "Lünendonk-Listen". Was recht bescheiden begann, ist inzwischen zu einer festen Institution geworden. ZDNet fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, noch bevor die kompletten Studien im August offiziell erhältlich sind.
Mit den Listen gibt Lünendonk einen interessanten Einblick in die Geschäftsentwicklung bei den 25 Top-Standard-Software-Unternehmen, den 25 Top-IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen, den führenden IT-Service-Unternehmen und seit 2005 auch den aus Sicht der Marktforscher führenden "Business Innovation und Transformation Partnern" (BITP).
Als Business Innovation und Transformation Partner definiert Lünendonk Unternehmen, die mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes mit Beratung und Dienstleitung erwirtschaften, wobei mindestens jeweils zehn Prozent dieses Umsatzes auf Management- beziehungsweise IT-Beratung, System-Realisierung beziehungsweise Integration sowie den Betrieb von IT-Systemen im Auftrag von Kunden entfallen müssen.
Zwar stellte Lünendonk diese Liste das vierte Mal auf, dennoch ist das Konzept BITP im Mittelstand erst wenig bekannt. Bei den Großunternehmen fand es dagegen bereits Anklang: Über 40 Prozent der DAX-30-Unternehmen haben sich schon damit auseinandergesetzt. In der aktuellen Umfrage erläuterten die Marktforscher daher den Befragten auch, was darunter zu verstehen ist und erkundigten sich anschließend, wie dieses Konzept eingeschätzt wird. Das Ergebnis: 46,6 Prozent aller Befragten gefiel es sehr gut oder gut, bei den befragten Dax-30-Unternehmen waren es sogar 77 Prozent. Das Modell BITP scheint also Potenzial zu haben. Ergänzend zu den Ergebnissen der Lünendonk-Forscher stellten die Analysten von IDC[2] fest, dass der deutsche IT-Markt 2007 spürbar zulegte. Allerdings hätten sich die Aussichten durch die Krise an den Finanzmärkten und die weltweite konjunkturelle Abkühlung etwas eingetrübt. In den Jahren 2008 bis 2012 erwartet IDC einen Anstieg der IT-Ausgaben in Deutschland um 4,6 Prozent.
"Die Abkühlung der weltweiten Konjunktur wird zwar auch an Deutschland nicht spurlos vorübergehen, jedoch sind die zugrunde liegenden Fundamentaldaten der deutschen Wirtschaft weiterhin aufwärts gerichtet", so Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt. Benner sieht etwa steigende Investitionen der öffentlichen Hand und die Zunahme der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte als Wachstumsmotoren für IT-Ausgaben, die sogar etwas geringere Unternehmensinvestitionen wenigstens teilweise kompensieren können.
IDC prognostiziert nennenswerte Zuwachsraten insbesondere im Softwaremarkt, der von Themen wie SOA und "Software-as-a-Service" profitieren soll. Auch der Markt für IT-Services, der inzwischen 42 Prozent des Gesamtmarkts ausmacht, soll weiter deutlich zulegen. Das Hardwaresegment leide dagegen weiter unter anhaltendem Preisverfall. Der Standard-Software-Markt ist in Deutschland auch 2007 gewachsen. Der Branchenverband Bitkom[3] spricht von einer Zunahme von 6,1 Prozent und einem Gesamtvolumen von 14 Milliarden Euro. Auf die von Lünendonk ermittelten Top 25 entfallen knapp über sieben Milliarden Euro, also rund die Hälfte. Zugelegt hat sowohl der Umsatz mit Systemsoftware, Tools, Middleware und Datenbanksoftware (5,3 Prozent) als auch die Nachfrage nach Standard-Anwendungssoftware (6,7 Prozent).
Beim Ranking der Top-25-Standard-Software-Unternehmen zieht Lünendonk zur besseren Vergleichbarkeit der Anbieter in bezug auf ihre Position im deutschen Markt jeweils nur die Inlandsumsätze heran. Neu in der Liste vertreten ist die Datev eG[4]. Bei den Nürnbergern haben Produktion und Vertrieb von Standard-Software vor allem für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte inzwischen den deutlich überwiegenden Umsatzanteil erlangt.
Wegen gestiegener Umsätze erscheint auf der Top-25-Liste erstmals auch die proAlpha Software AG[5]. Sie entwickelt, produziert und vertreibt kommerzielle Anwendungssoftware für mittelständische Industrie- und Handelsunternehmen. Vermisst werden dagegen die im Frühjahr 2007 von Oracle[6] übernommene Hyperion Solutions Deutschland GmbH und der ERP-Anbieter Lawson[7]: Letzterer erreichte wegen rückläufiger Umsätze lediglich den undankbaren Platz 26.
Wenig Bewegung gab es dagegen auf den Spitzenpositionen. Platz 1 belegt wie bereits 2006 auch Microsoft[8]. Die Amerikaner hatten vor zwei Jahren SAP[9] verdrängt und konnten ihre Position festigen. SAP bleibt zweiter, Oracle folgt auf Platz 3. Der Neuzugang Datev rangiert gleich auf Platz 4. Zwischen Platz 4 und 5 klafft eine große Lücke, der ERP-Anbieter Infor[10] erzielt mit 210 Millionen Euro in Deutschland nur gut ein Drittel des Umsatzes von Datev. Es folgen Adobe[11], CA[12], die im Gesundheitswesen verwurzelte Koblenzer CompuGroup[13], Novell[14] und BMC Software[15].
Das durchschnittliche Umsatzwachstum der Inlandsverkäufe der Top-25-Standard-Software-Unternehmen lag 2007 mit 7,3 Prozent über dem Marktwachstum von 6,1 Prozent. Während der Bitkom für 2008 mit einer Steigerung von 5,3 Prozent in diesem Marktsegment rechnet, sehen die Top-25-Unternehmen der Lünendonk-Liste die aktuellen Wachstumschancen mit rund 6,5 Prozent noch deutlich optimistischer. Zum Vergleich: 2005 entfielen lediglich 36 Prozent des Marktes auf die Top-25-Firmen. Es zeichnet sich also eine weitere Konsolidierung und Bündelung der Marktmacht bei den Großen ab. Die Nachfrage für IT-Beratung und Systemintegration wuchs 2007 um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die von Lünendonk ermittelten 25, gemessen am Umsatz führenden Unternehmen, erreichten zusammen Inlandsumsätze von fast 5,9 Milliarden Euro und deckten damit fast 40 Prozent des Inlandsmarktes von insgesamt rund 15 Milliarden Euro ab. Voraussetzung zur Aufnahme in die Liste ist, dass mindestens 60 Prozent des Umsatzes mit IT-Beratung und Systemintegration erwirtschaftet werden. Auch hier zählen wieder nur die Inlandsumsätze.
Auffälligste Veränderungen zum Vorjahr sind das Fehlen der SAP SI Systems Integration AG, die inzwischen vollkommen in der SAP AG aufging, und das Fehlen von Atos Origin[16]. Diese Firma findet sich aufgrund des gewandelten Leistungsspektrums nun in der Lünendonk-Liste der führenden IT-Service-Unternehmen. Neu sind dagegen die Allgeier Holding AG[17] und die Tecon Technologies AG[18].
Allgeier erfüllte die Aufnahmekriterien, nachdem sich das Unternehmen von seinen Zeitarbeitsaktivitäten getrennt hat. Die in Köln ansässige Tecon Technologies AG ist vor allem im Telekommunikationssektor aktiv und verdankt ihre Listung den gestiegenen Umsätzen.
Die Rangfolge der zehn umsatzstärksten IT-Berater und Systemintegratoren:
- 1. IBM Global Services Deutschland
- 2. Accenture GmbH
- 3. Lufthansa Systems AG
- 4. CSC
- 5. Capgemini Deutschland
- 6. Logica Deutschland
- 7. Cirquent (ehemals Softlab)
- 8. msg Systems AG
- 9. sd & m Software Design & Management AG
- 10. ESG Elektroniksystem- und Logistik Gruppe
Im Durchschnitt nahmen die Inlandsumsätze der Top 25 um 12,4 Prozent zu. Beim Detailvergleich der Inlandsumsätze von 2007 und 2006 zeigt sich jedoch eine enorme Bandbreite: Die Veränderungen reichen von plus 45,5 Prozent bis minus 35,1 Prozent. Nur vier der 25 Unternehmen erzielten 2007 niedrigere Gesamtumsätze als 2006: CSC[19] und ESG[20], die IBM-Tochter IT-Services and Solutions GmbH[21] sowie Unisys[22]. Letzterer rutschte dadurch in der Liste von Rang 16 auf 21 ab.
Zwar wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder davon ausgegangen, dass sich in diesem Markt langfristig die großen Anbieter durchsetzen werden und kleineren lediglich Nischen übrigbleiben. Zumindest die Zahlen für 2007 belegen diese Annahme jedoch nicht, denn die Zuwächse fallen bei den Top 10 im Durchschnitt wesentlich geringer aus als bei den mittelgroßen und kleineren Anbietern auf der Liste. IT-Services im engeren Sinne - also Outsourcing, Application Management, Facility Management sowie Equipment Services, Maintenance und Training - tragen inzwischen wesentlich zum gesamten Software-und Services-Marktes bei. Dazu beigetragen hat einerseits der Trend zur Verlagerung von IT-Aufgaben auf externe Dienstleister, andererseits aber auch die Entwicklung des sogenannten Inhouse-Outsourcing.
Dabei traten in den vergangenen Jahren zahlreiche als Tochtergesellschaften ausgegliederte IT-Bereiche, insbesondere von Wirtschafts- und Finanzkonzernen, am IT-Service-Markt in Erscheinung. Diese bedienen zwar nach wie vor überwiegend konzerninterne Kunden, suchen für ihre Dienstleistungen aber zunehmend auch externe Kunden. Typische Beispiele sind etwa Fiducia IT[23], Finanz IT[24], GAD[25] und Sparkassen Informatik[26]. Sie treten so in Konkurrenz zu Hardware-Produzenten wie IBM und Hewlett-Packard.
Die Vielfalt des Leistungsangebots und die sehr unterschiedlichen Bilanzierungspraktiken machen es jedoch schwer, diese Firmen in passende Kategorien einzuordnen. Außerdem spiegelt der Umsatz nicht immer die Marktbedeutung wieder, kann ein überwiegend konzernintern aktiver Anbieter doch für andere Firmen relativ bedeutungslos sein, obwohl er sehr hohe Umsätze erwirtschaftet.
IBM und HP zählen beispielsweise zu den großen Standard-Software-Anbietern in Deutschland. Ihre entsprechenden Umsatzanteile liegen jedoch unter 60 Prozent, da die Umsätze mit anderen Leistungen, zum Beispiel Outsourcing oder Hardware, größeres Gewicht haben. Die Liste mit den großen IT-Service-Anbietern will Lünendonk daher explizit nicht als Ranking sondern als Marktstichprobe verstanden wissen und führt sie dementsprechend nicht nach Umsatz sondern alphabetisch auf.
Betrachtet man die Umsätze dennoch als Vergleichskriterium, liegt T-Systems[27] mit gut 10,5 Milliarden deutlich an erster Stelle. IBM[28] mit 2,6 Milliarden, Siemens IT Solutions and Services[29]mit etwas über zwei, HP[30] mit 1,4 Milliarden und Computacenter[31] mit knapp über einer Milliarde komplettieren das Spitzenquintett. Es folgen Bayer Business Services[32] sowie die überwiegend noch von konzerninternen Umsätzen lebenden Tochtergesellschaften von Wirtschafts- und Finanzkonzernen wie Sparkassen Informatik, FinanzIT und Fiducia IT.
Die 25 Unternehmen der Liste weisen im Mittel eine Zunahme ihrer Inlandsumsätze gegenüber 2006 von gut fünf Prozent aus. Bedingt durch Umstrukturierungen und Übernahmen gibt es jedoch beträchtliche Unterschiede. 18 Unternehmen erwirtschafteten Umsatzzuwächse, sieben davon sogar zweistellige. Bei sieben Unternehmen gingen die Umsätze gegenüber 2006 zurück. Für 2008 Jahr erwarten die 25 Firmen der Liste im Durchschnitt ein Wachstum ihrer Umsätze von 5 Prozent. Neben dem Verkauf von Hardware und Software sieht Lünendonk Business-to- Business-Dienstleistungen ständig an Bedeutung gewinnen. Neben Beratung und Systemintegration zählen die Marktforscher dazu Outsourcing, Application Management, Facilities Management, Equipment Services, Maintenance und Training. Außerdem nähern sich traditionelle Management- und IT-Berater in ihrem Leistungsspektrum einander an[33]. Zudem drängen Standard-Software- Unternehmen zunehmend ins Integrations- und Beratungsgeschäft.
Auf das daraus erwachsende veränderte Marktumfeld haben insbesondere große Anbieter bereits vor einigen Jahren mit neuen Leistungsprofilen reagiert. Sie treten inzwischen als Business Innovation und Transformation Partner (BITP) auf und bieten einen kunden- und projektspezifischen Mix aus Management- und IT-Beratung, Realisierung, Outsourcing und Business Process Management (BPM) beziehnungsweise Business Process Outsourcing (BPO) an.
Lünendonk sieht in Deutschland zwölf Unternehmen als wesentlich in diesem neuen Segment an. Dazu zählen auch IBM und HP, wobei bei diesen beiden nur die Service-Umsätze berücksichtigt werden, um die Zahlen mit den übrigen Anbietern vergleichbar zu halten. Die Erfüllung der BITP-Leistungen setzt eine bestimmte Größenordnung voraus; deshalb wurden in das Ranking nur Anbieter aufgenommen, die als Gruppe weltweit mindestens eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften.
Spitze ist in diesem Segment mit weitem Abstand T-Systems. Auf den Plätzen zwei und drei folgen IBM und Siemens. HP würde zwar auch nach dem Abschluss der Übernahme von EDS[34] weiterhin auf Platz vier bleiben, könnte aber wenigstens den Abstand zu Siemens deutlich verringern. Accenture auf Platz fünf erzielt bereits heute in Deutschland nur halb so viel Umsatz wie HP.
- 1. T-Systems
- 2. IBM Global Services Deutschland
- 3. Siemens IT Solutions and Services
- 4. Hewlett-Packard
- 5. Accenture GmbH
- 6. EDS Deutschland
- 7. Capgemini Deutschland
- 8. Atos Origin
- 9. CSC
- 10. Fujitsu Services / TDS
- 11. Logica Deutschland
- 12. Unisys
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