Das iPhone bietet eine Menge nützlicher Software. Externe Programme lassen sich allerdings auf dem Apple-Fon nicht installieren. ZDNet zeigt mithilfe dreier Tools, wie man dies beheben kann und was dabei zu beachten ist.
Wer sein iPhone mit zusätzlicher Software bestücken will, stößt schnell auf ein Problem – es geht nicht! Das iPhone ist ein in sich geschlossenes System, auf dem man keine weitere Software installieren kann. Außerdem ist das Apple-Handy auch nicht als externer Datenspeicher nutzbar. Zwar können Dutzende von Webapps[1] diesen Umstand ein wenig verbessern, zufriedenstellend ist das allerdings für viele Anwender nicht. So ist Apple wohl nicht ganz unschuldig an der blühenden Jailbreak-Szene.
Will ein iPhone-Besitzer nämlich Software installieren, muss er den Weg des "Jailbreak" gehen, also des Gefängnisausbruchs. Mithilfe eines Tools bringt man das iPhone dazu, sich der hinderlichen Fesseln zu entledigen und als offenes System zu agieren. Dann lassen sich neue Programme installieren, die dem iPhone einen echten Mehrwert verleihen. Aber auch die Mobilfunkverträge des Apple-Smartphones haben viele tausend Anwender dazu bewogen, von SIM-Locks und Software-Sperren befreite iPhones zu kaufen, die im Mobilfunknetz von O2, E-Plus und anderen Anbietern nutzbar sind.
ZDNet zeigt, welche Tools für das Jailbreaken und Unlocken notwendig sind, mit welchem Aufwand sich das iPhone entsperren lässt und welche Stolperfallen bei der Prozedur auftauchen können. Wie ein gescheitertes Entsperren rückgängig gemacht werden kann, wird auf jeden Fall auch erklärt.
ZDNet-Themenschwerpunkt: iPhone[2]
Das Apple-Handy ist eines der bekanntesten und am meisten diskutierten Mobiltelefone. Mit seinem innovativen Konzept hat es die jüngste Smartphone-Generation beeinflusst. Das iPhone-Special beleuchtet alle Aspekte des Telefons mit Tests, Praxis-Artikeln und Nachrichten.
Aktivierung: Öffnet das iPhone via iTunes für das jeweilige Mobilfunknetz. Dieser Vorgang wird von den verfügbaren Jailbreak-Tools bei Bedarf automatisch durchgeführt.
Baseband: Stellt die Schnittstelle zum GSM- beziehungsweise EDGE-Netzwerk dar. Die aktuelle Version nennt sich 4.6 und ist an die Modem-Firmware 04.04.05_G gekoppelt, die wiederum zur Firmware-Version 1.1.4 gehört.
Bootloader: Steuert das Baseband und existiert derzeit in zwei Versionen, nämlich als 3.9 und 4.6. Die Version 3.9 ist an die Firmware-Versionen 1.1.1 und älter gebunden, die Version 4.6 betrifft die Firmware 1.1.2 und höher. Daher ist es beim Unlock ganz wichtig, die Baseband-Version gar nicht oder nur temporär zu ändern, da sich diese ansonsten später nicht mehr upgraden lässt.
DFU-Modus: Abkürzung für "Device Firmware Upgrade". Im DFU-Modus lässt sich die Firmware des iPhones modifizieren, was für das Jailbreaken erforderlich ist. Dieser Modus wird entweder vom Jailbreak-Tool selbst aktiviert oder per Tastenkombination am iPhone.
Installer: Mit Hilfe des Installers lassen sich Programme auf dem iPhone installieren, aktualisieren und wieder vom Apple-Handy entfernen.
Jailbreak: Der wohl am häufigsten benutzte und daher oft missverstandene Begriff lautet Jailbreak. Dabei handelt es sich lediglich um das Öffnen des iPhones für die Installation externer Programme. Zudem lässt sich das per Jailbreak geöffnete iPhone als Laufwerk innerhalb des lokalen Netzwerks einrichten und wie eine externe Festplatte nutzen. Das hierfür notwendige Tool heißt übrigens AFPd[3].
Unlock: Dieser Begriff beschreibt das Entfernen des SIM-Locks, mit dem das Original-iPhone versehen ist. Mithilfe eines Unlocks lassen sich iPhones in jedem beliebigen Mobilfunknetz einsetzen.
Grundsätzliche Überlegungen vor dem Öffnen des iPhones
Bevor man den Weg einschlägt, das iPhone von seinen Fesseln zu befreien, um es nutzwertiger zu machen oder innerhalb des bevorzugten Mobilfunknetzes einzusetzen, sollten verschiedene Aspekte in die Entscheidung einbezogen werden:
- Wer lediglich neue Software auf dem iPhone installieren will, für den ist ein Jailbreak völlig ausreichend. Damit wird vor allem erreicht, dass die Baseband-Firmware unverändert bleibt, was im Garantiefall ein großer Vorteil sein kann. Außerdem lässt sich ein per Jailbreak modifiziertes iPhone mit einem einfachen Restore wieder in den Originalzustand bringen.
- Besitzt man ein iPhone, das beispielsweise aus den USA importiert oder im Internet erworben wurde, ist natürlich das Entfernen des SIM-Locks unerlässlich. Damit ist allerdings eine Modifikation des Basebands erforderlich, was sich ungünstig auf mögliche Garantieansprüche auswirkt - sie erlöschen. Es gibt allerdings dank der Tools iPlus und iLiberty+ einen eleganten Weg, dem iPhone vorzugaukeln, es hätte eine ältere Baseband-Firmware installiert, die sich modifizieren lässt. In Wahrheit ist dies aber nur eine temporäre Veränderung der Modem-Software, die sich per Restore oder Firmware-Upgrade wieder rückgängig machen lässt.
- Wer sich für ein vollständiges Entsperren (Jailbreak + Unlock) entscheidet, sollte auch wissen, dass dann bestimmte Dienste wie Voicemail oder die Locate-me-Funktion von Google Mail gar nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können. Dies aber nur am Rande.
ZiPhone (für Mac und Windows)
Das unter ziphone.org kostenlos verfügbare Programm ZiPhone 3.0 stammt vom italienischen Hacker Zibri und wurde gemäß seiner Website bereits mehr als drei Millionen mal abgerufen. Seit Ende März steht die Version 3.0 zum Download bereit und ermöglicht unter einer grafischen Oberfläche das Entsperren des iPhones mit Hilfe eines einzigen Mausklicks. Hierbei kann man zwischen drei Optionen auswählen: Nur Jailbreak, Jailbreak samt Aktivierung und Jailbreak mit Unlock plus Aktivierung. Für versierte Anwender gibt es zudem eine Rubrik "Advanced", in der man bestimmte Einstellungen selbst vornehmen kann, wie das Ändern der IMEI[5]-Nummer, was allerdings illegal ist.
iPlus 2.0b (für Mac und Windows)
Der neue Stern am iPhone-Hacker-Himmel scheint derzeit iPlus zu sein, allerdings ist der zugehörige Server momentan nicht erreichbar. Die Software kann aber über Fremdanbieter heruntergeladen werden. iPlus bietet dieselben Funktionen wie ZiPhone mit zwei Unterschieden: Zum einen findet kein wirklicher Baseband-Downgrade statt (was aber nur für die Firmware 1.1.1 wichtig ist). Zum anderen lassen sich beim Installieren per Payload-Listen verfügbare Programme auswählen, die in einem Schritt per Installer auf das iPhone kopiert und installiert werden.
iLiberty+ (Windows)
Das Windows-Tool iLiberty+ basiert auf iPlus, lässt sich ganz ähnlich handhaben und führt ebenfalls einen "weichen" Downgrade des Basebands von 4.6 auf 3.9 durch, der sich durch eine einfache Restore-Aktion rückgängig machen lässt. Da iLiberty auf derselben Website gehostet wird wie iPlus (http://ipluspwns.com), ist auch diese Software derzeit nur über Fremdseiten verfügbar. Disclaimer: Das Entsperren des iPhones per Jailbreaking und Unlocking geschieht auf eigene Gefahr.
Tipp: Für den Fall, dass etwas beim Entsperren mit ZiPhone schief gehen sollte, ist ein Backup des iPhones empfehlenswert. Verbinden Sie hierzu den Mac oder PC mit dem iPhone, öffnen Sie falls notwendig iTunes und klicken Sie im Fenster "Übersicht" auf "Synchronisieren". Das legt ein komplettes Backup des Apple-Handys an.
Entsperren des iPhones mit ZiPhone
Hinweis: Falls das iPhone noch nicht mit der Firmware 1.1.4 versorgt ist, sollte dies jetzt nachgeholt werden, da der Workshop davon ausgeht, dass auf dem Apple-Handy diese Software-Version installiert ist.
1. Als erstes muss man sich das Tool von der Zibris-Download-Seite[6] für Windows oder Mac OS X besorgen und das Programm auf dem Rechner entpacken.
2. Jetzt ist der DFU-Modus des iPhones zu aktivieren. Dazu muss gleichzeitig die Ein-/Aus- und die Home-Taste des iPhones gedrückt und so lange gehalten werden, bis das Apple-Logo erscheint. Nun muss man die Ein-/Aus-Taste loslassen und die Home-Taste weiter gedrückt halten, bis das iTunes-Symbol samt Datenkabelstecker auf dem iPhone-Display angezeigt wird.
3. Während beziehungsweise nach der Aktivierung des DFU-Modus' wird iTunes automatisch geöffnet und es erscheint ein Hinweis, dass die Software das iPhone im Wartungszustand erkannt hat. Dies ist mit einem Klick auf "OK" zu bestätigen.
4. Nun muss ZiPhone gestartet und eine passende Option gewählt werden. Falls lediglich das Dateisystem freigeschaltet werden soll, um zusätzliche Software auf dem iPhone installieren zu können, reicht ein Mausklick auf "Jailbreak".
5. Die ganze Prozedur sollte nur wenige Minuten dauern. Nach erfolgreicher Entsperrung erscheinen zwei neue Symbole am iPhone-Bildschirm: "Zibri's Blog" und "Installer".
6. Mit dem Installer lassen sich neue Programme in wenigen Schritten auf dem iPhone installieren. Hierzu starten Sie das Tool und tippen auf "Install", um sämtliche Kategorien nach interessanter Software zu durchforsten und auf das iPhone zu kopieren. Dafür sollte möglichst die WLAN-Verbindung aktiviert sein, EDGE funktioniert allerdings genauso.
Wie zu sehen ist, gibt es beim Jailbreaken des iPhones keine großen Probleme zu befürchten. Die Software hat sich in diesem Bereich sehr schnell weiterentwickelt, wenn man bedenkt, wie aufwendig das vor einem Jahr noch war.
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
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[5] = http:/
[6] = http:/