Seit Beginn der von den USA ausgehenden Finanzkrise sind die Banken kleinlicher bei der Kreditvergabe für IT-Projekte. ZDNet zeigt, wie sich alternative Finanzierungsangebote von Cisco, IBM, HP und SAP nutzen lassen.
Geld zu bekommen ist schwieriger geworden. Das ist nicht nur ein Gefühl, das einzelne ab und zu nach einem Gespräch mit ihrer Bank beschleicht. Die Experten von Creditreform[1] haben in ihrer Frühjahrsumfrage zur Wirtschaftslage im Mittelstand unter mehr als 4000 kleinen und mittleren Unternehmen herausgefunden, dass es rund einem Drittel der Befragten so ergeht. Bei der Frage nach der Art der Verschärfung berichteten 22,6 Prozent von gestiegenen Zinsen, und 16,3 Prozent mussten höhere Sicherheiten stellen. Ganz abgelehnt wurde das Kreditbegehren allerdings nur bei 1,6 Prozent der Unternehmen.
Der Trend ist jedoch unverkennbar. Es lohnt sich daher, nach Alternativen Ausschau zu halten. Denn Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Fast zwei Drittel der von Creditreform befragten Unternehmen, die einen Kredit aufnehmen wollen, rechnen künftig mit ernsthaften Schwierigkeiten, und jeder Dritte erwartet anziehende Zinsen. 40 Prozent gehen davon aus, dass die Banken ihren Darlehenswunsch intensiver prüfen als früher und zudem höhere Sicherheiten für die Bereitstellung des Kredits verlangen.
Eine Ausweichmöglichkeit ist Leasing. Eine IDC[2]-Studie bezifferte das Wachstum des Anteil finanzierter IT Geschäfte zwischen 2007 und 2011 jährlich auf etwas über acht Prozent. In absoluten Zahlen wäre das ein Anstieg von 80,3 Milliarden Dollar 2006 auf über 111 Milliarden Dollar im Jahr 2011 finanziertes Geschäft weltweit.
Laut IDC wird Finanzierung besonders bei Software und Services stark zunehmen. 2010 soll dieser Bereich bereits fast die Hälfte der finanzierten IT-Geschäfte ausmachen. Wachstumsmotor ist vor allem die Anschaffung von Software. Die Finanzierung von Hardware dagegen wächst laut der IDC-Prognose kaum noch, ihr Anteil ist demzufolge sogar rückläufig. 2006 lag er noch bei 68 Prozent.
In dem Maße, in dem die Kreditvergabe durch konventionelle Geldgeber schwieriger wird, nimmt die Bedeutung der Finanzierungsprogramme von IT-Anbietern für die strategische Umsetzung von IT-Projekten zu. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich um eigene Organisationen handelt, oder Kooperationen mit anderen. ZDNet hat vier alternative Finanzierungsmöglichkeiten unter die Lupe genommen: die Angebote von Cisco[3], IBM[4], HP[5] und SAP[6]. Das Ausmaß der von Creditreform festgestellten Finanzierungskrise wird von den großen IT-Anbietern unterschiedlich gesehen: HP und SAP schließen sich aufgrund eigener Erfahrungen aus Kundengesprächen den Umfrageergebnissen weitgehend an. IBM glaubt, dass es sich eher um einen schleichenden Prozess handelt und die Auswirkungen erst mittelfristig zum Tragen kommen. Michael Chalvatzis, Leiter Cisco Systems Capital, Deutschland, Österreich und Schweiz, antwortet ausweichend auf die Frage.
Für ihn steht im Vordergrund, dass "Cisco eine eigene Kreditpolitik anwendet und die Bonität nach der Finanzstärke des Kunden bewertet. Wenn diese sich nicht negativ ändert, gibt es auch keinen Anlass zu Veränderungen." Dennoch wurde in jüngster Zeit mit Cisco Capital EasyLease ein Programm entwickelt, mit dem speziell mittelständische Unternehmen Netzwerklösungen finanzieren können. "Die Finanzierung zu null Prozent über eine Laufzeit von 36 Monaten gibt den Unternehmen die Möglichkeit, die Lösung zu bekommen, die sie benötigen, ohne dabei Ihre Barmittel binden zu müssen", erklärt Chalvatzis. Aktuell lassen sich so mit "EasyLease Voice" Unified Communications-Lösungen und mit "EasyPort" Switches finanzieren. Beide Angebote sind auch kombinierbar.
HP hält sich beim Thema Leasing ziemlich bedeckt, der Konzern schiebt vor allem das im Dezember 2007 neu vorgestellte Service-Portfolio "HP Utility Sourcing Services[7]" (HP USS) in den Vordergrund. Damit sollen Firmen IT-Ressourcen nach Bedarf beziehen und nach Verbrauch bezahlen. Angeboten werden standardisierte Service-Bausteine, zum Beispiel ERP-Software, E-Mail, Server-Leistung oder Speicherplatz. Daraus können sich Unternehmen individuelle Lösungen zusammenstellen. Bezugsmengen und Kosten sollen sich kurzfristig anpassen lassen, Mindestabnahmemengen sind dabei keine vorgesehen.
"Insbesondere mittelständische Unternehmen werden von dem neuen Angebot profitieren. Diese behaupten sich typischerweise durch Spezialisierung und Innovation im globalen Wettbewerb, haben aber im internationalen Vergleich eine geringe Eigenkapitalquote. Die HP USS setzen in IT gebundenes Kapital frei beziehungsweise reduzieren den Kapitalbedarf für neue Investitionen aufgrund der vollständigen Kostenvariabilisierung", sagt Ralf Kuron, Portfolio & Business Development Manager Outsourcing Services. Zudem könnten Firmen dadurch ihr Rating im Rahmen von Basel II[8] verbessern, da Investitions- und Betriebsrisiken gesenkt würden.
SAP arbeitet in Deutschland bei der Finanzierung mit der Siemens Finance & Leasing GmbH[9] zusammen. Der Renner im Finanzierungsportfolio der beiden Partner ist das "100 : 0 Finanzierungs-Programm". Damit lassen sich SAP-Projekte inklusive aller relevanten Kosten, unter anderem Hardware, Software, Service und sogar internen Kundenprojektkosten sowie gegebenenfalls einer Partnerlösung für beispielsweise drei Jahre ohne Finanzierungskosten planen.
Bei dem bereits 2006 aufgelegten Angebot handelte es sich zunächst um eine zeitlich befristete Offerte, die aber wegen des guten Erfolges immer wieder verlängert wurde. Augenblicklich wird dieses Programm - auch angesichts der Subprime-Krise - auch in anderen europäischen Ländern zur Verfügung gestellt. Dabei ist der "gute Erfolg" keine Marketingfloskel: Das SAP-Financing-Volumen hat sich im Geschäftsjahr 2007 im Vergleich zum Geschäftsjahr 2006 verdoppelt. Bei den Zukunftsprognosen hält sich SAP an die Erwartungen des Bundesverbandes Deutscher Leasingunternehmen[10] (BDL). Im Rahmen einer im Auftrag des Verbandes durchgeführten Umfrage[11] stellt das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest[12] fest, dass fast jeder vierte Betrieb in den nächsten drei Jahren den Leasing-Anteil ausbauen will.
Das Ergebnis lässt zwar keine direkten Schlüsse auf das Volumen zu, da nur gefragt wurde, ob Unternehmen bei einer Neuanschaffung leasen wollen oder nicht, die Antworten zeigen aber immerhin eine Tendenz auf. Ganz deutlich wurde in der Umfrage die gestiegene Bedeutung des Leasings für EDV-Ausrüstung: 38 Prozent der Befragten erwarten, dass der Stellenwert von Leasing in den kommenden drei Jahren zunehmen wird, nur 12 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Das waren für die abgefragten Bereiche der höchste und der niedrigste Wert.
Angesichts der steigenden Bedeutung von Leasing wünschen sich viele Unternehmen natürlich möglichst umfassende und einheitliche Konzepte: Wer will schon wegen Server, Software, Netzwerkequipment und Notebooks mit vier verschiedenen Finanzierungspartnern verhandeln. "Der Markt erwartet in einer Zeit eingeschränkter Kreditvergabe flexible Partner und Angebote, die alle Komponenten eines Projektes in der Finanzierung beinhalten. Mehr denn je gilt es, über den Tellerrand hinauszuschauen und dem Markt gerecht zu werden", beschreibt Thomas Baur, Vice President der SAP AG und zuständig für den Bereich Financing, die Situation.
SAP ist also im Rahmen eines SAP-Projektes sehr offen, was die Finanzierung anbelangt. Noch weiter geht Joachim Ewald, Direktor Kundenfinanzierungen und Geschäftsführer der IBM Deutschland Kreditbank GmbH: "Wir finanzieren die Produkte und Lösungen aller IT-Hersteller ohne Einschränkung", so seine klare Aussage.
Etwas vorsichtiger ist dagegen Cisco: "Im Allgemeinen setzen wir bis zu 30 Prozent Fremdprodukte als Standard ein", erklärt Michael Chalvatzis. "Aufgrund unserer Kompetenz in unserem Segment, bekommen wir jedoch zunehmend auch Anfragen, die darüber hinaus gehen. Eine Finanzierung hängt dann allerdings davon ab, ob es die Lösung verlangt beziehungsweise das Projekt strategisch Sinn ergibt."
Am restriktivsten ist wahrscheinlich HP - kein Wunder, hat es doch auch das breiteste Portfolio und daher die meisten Möglichkeiten, den Einsatz eigener Produkte zu forcieren. Bei Softwarelösungen etwa hängt der Anteil der möglichen Finanzierung fremder Produkte von der Lizenzpolitik der Anbieter ab. "HP bietet beispielsweise Microsoft Dynamics oder Microsoft Exchange als Software-as-a-Service an.
Das heißt, die Lizenzkosten werden komplett auf die variablen Nutzungsentgelte umgelegt. SAP-Lizenzen müssen dagegen aus lizenzpolitischen Gründen vom Kunden gestellt werden", erklärt HP-Manager Kuron. "Wenn es um PC-, Server- und Speicherprodukte geht, können im Rahmen von Gesamtprojekten Produkte anderer Hersteller durchaus in das Finanzierungsmodell integriert werden. In der Regel ist jedoch eine Migration auf entsprechende HP-Lösungen vorgesehen."
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