Alibaba.com will dem Mittelstand die Weltmärkte erschließen

(http://www.zdnet.de/magazin/39191294/alibaba-com-will-dem-mittelstand-die-weltmaerkte-erschliessen.htm)

von Peter Marwan, 28. Mai 2008

Bisher fanden auf Alibaba.com hauptsächlich Einkäufer schnell und einfach Verkäufer, überwiegend aus China. Das soll sich ändern: Die Handelsplattform sieht sich inzwischen auch als Exporttool für deutsche Firmen.

Wollte man bisher bei Alibaba.com[1] etwas einkaufen - seien es nun Pilze, Holzkohle, Schlauchboote oder MP3-Player -, hatte man überwiegend den Eindruck, auf einer Kontaktseite des chinesischen Außenhandelsministeriums gelandet zu sein: "China Mainland" war die weitaus häufigste Herkunftsbezeichnung. Jetzt will Brian Wong, Senior Director Global Operations bei Alibaba.com, das ändern. Zahlreiche Initiativen stehen an, die dem deutschen Mittelstand den Export ins Reich der Mitte erleichtern sollen. Aber nicht nur dahin, Wong verspricht sogar globalen Marktzugang für bisher nur lokale Anbieter.

Wong sieht in den kleinen und mittelgroßen Unternehmen das Rückgrat der Weltwirtschaft: Allein in Europa gebe es 23 Millionen davon. Zwar hätten über zwei Drittel davon inzwischen eine eigene Website, aber nur zwischen 14 und maximal 20 Prozent dieser Firmen würden das Internet aktiv für die Vermarktung ihrer Produkte nutzen, erklärt Wong. Kein Wunder, dass nur acht Prozent des Umsatzes des europäischen Mittelstandes über das Web angestoßen und erzielt würden.

Die Gründe dafür glaubt Wong auch zu kennen: Um eine weltweit verteilte Klientel anzusprechen, reichen die Ressourcen des Mittelstandes oft nicht aus: "Sie haben keine Erfahrung mit dem fremden Markt, kennen die richtigen Absatzkanäle nicht und haben im Gegensatz zu Großunternehmen nicht die finanziellen Mittel, um einen neuen Markt durch Werbung erschließen zu können." Das gelte insbesondere für spezialisierte Anbieter.

Den Einstieg bei Alibaba.com kann sich jedes Unternehmen leisten, denn er ist kostenlos. Sinnvoll ist jedoch die Registrierung als Trust-Pass-Mitglied für eine Jahresgebühr von 589 Dollar. Sie beinhaltet bereits die Überprüfung der Identität – ein wichtiger Aspekt für das notwendige Vertrauen der Geschäftspartner untereinander – sowie grundlegende Promotiondienstleistungen.

Alles andere muss sich finden und hängt vom Interesse der potenziellen Käufer ab. Denn sobald sich zwei Unternehmen über ein Produkt und einen Preis geeinigt haben, sieht Alibaba.com seinen Part als beendet an. "Die weitere Geschäftsbwicklung wird derzeit in der Regel nicht mehr online, sondern auf traditionellen Wegen erledigt", erklärt Wong. "Im Gegensatz zu eBay helfen wir lediglich, das Geschäft anzubahnen. Die Abwicklung betreuen wir nicht."

Bei Bedarf und Interesse können Unternehmen zwar auch die Kollaborationstools nutzen, die Alibaba.com anbietet. Obligatorisch ist das aber nicht. Vielleicht auch deshalb, weil deren Umfang und Güte derzeit noch ausbaufähig sind. Denn vom Werbespruch "Meet, work and transact on Alibaba.com" ist derzeit bei genauerer Betrachtung vor allem der erste Teil umgesetzt: Wie finden zwei Geschäftspartner, die in vollkommen unterschiedlichen Teilen der Welt sitzen, unkompliziert zueinander.

Am zweiten Teil – "Work" – wird derzeit fleißig gearbeitet. Die darunter zusammengefassten Angebote beinhalten etwa Inspektionsdienstleistungen von Dritten oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Versand. Die dritte Säule der Alibaba-Philosophie – "Transact" – steht dagegen erst zu einem späteren Zeitpunkt auf der Agenda. Noch sei die Internetnutzung und das Vertrauen in das Internet nicht so weit fortgeschritten, dass "Unternehmen überall auf der Welt beispielsweise eine Bestellung für Lederschuhe im Wert von 100.00 Dollar komplett darüber abwickeln würden", meint Wong. Langfristig plane Alibaba aber mit diesem Aspekt.

Noch dieses Jahr dagegen soll das neue Produkt "Export to China" an den Start gehen. Mit ihm will Wong speziell auch den deutschen Mittelstand erreichen. Zu diesem Zweck unterhält er bereits einige Kooperationen mit Messeveranstaltern und IHKs, deren Ausbau er anstrebt. Zum Paket "Export to China" gehört etwa eine an die Gepflogenheiten und Bedürfnisse der rund 23 Millionen registrierten chinesischen Alibaba-Nutzer angepasste Website. Damit sollen Firmen dann weitaus einfacher und kostengünstiger als bisher den Markteintritt in dem Land schaffen.

Brian Wong, Senior Director bei Alibaba.com
Brian Wong, Senior Director International Business Development and Marketing bei Alibaba.com, will ab August mit "Export to China" dem deutschen Mittelstand den Marktzugang in Asien erleichtern (Bild: Alibaba.com).

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